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Arbeitsmoral Deutschland – Das müssen Sie wissen: Die Arbeitsmoral in Deutschland hat im Januar 2026 einen historischen Tiefpunkt erreicht. Laut dem Gallup Engagement Index 2024 machen 78 Prozent der Beschäftigten nur noch „Dienst nach Vorschrift“ – ein Rekordwert. Die emotionale Bindung an den Arbeitgeber ist auf 9 Prozent eingebrochen. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Produktivitätsverluste belaufen sich auf bis zu 135 Milliarden Euro jährlich.
Das Wichtigste in Kürze:
✓ 78 Prozent der Beschäftigten machen nur „Dienst nach Vorschrift“ (2023: 67%)
✓ Emotionale Bindung an Arbeitgeber auf Rekordtief von 9 Prozent
✓ Volkswirtschaftliche Kosten: 113–135 Milliarden Euro jährlich
✓ Nur noch 50 Prozent wollen länger als ein Jahr beim Arbeitgeber bleiben
✓ Arbeitszufriedenheit sinkt von 41% auf 24% (Indeed/Oxford-Studie)
✓ Generation Z: 81 Prozent geben bei der Arbeit ihr Bestes
Arbeitsmoral Deutschland – am 27. Januar 2026 steht das Thema ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda. Mehrere aktuelle Studien zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Die deutschen Beschäftigten sind so unmotiviert wie nie zuvor. Gleichzeitig tobt eine hitzige Debatte über Krankenstand, Lohnfortzahlung und die angebliche Faulheit der jungen Generation.
Arbeitsmoral Deutschland: Die wichtigsten Studien im Überblick
Die Datenlage zur Arbeitsmoral in Deutschland ist eindeutig – und alarmierend. Mehrere unabhängige Studien kommen zum selben Ergebnis: Die Motivation der Beschäftigten sinkt, die emotionale Bindung an den Arbeitgeber erodiert.
| Studie | Kernergebnis | Zeitraum |
|---|---|---|
| Gallup Engagement Index | 78% Dienst nach Vorschrift, 9% hoch gebunden | 2024 |
| EY Jobstudie | 72% motiviert, 28% nur das Nötigste | 2025 |
| Indeed/Oxford Work Wellbeing | Glück bei der Arbeit: von 41% auf 24% | 2023–2025 |
| YER Arbeitszufriedenheit | 83% allgemein zufrieden (branchenabhängig) | 2025 |
| Jugend in Deutschland | 81% Gen Z geben ihr Bestes | 2025 |
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Gallup-Studie 2024: Historisches Tief bei der Mitarbeiterbindung
Der Gallup Engagement Index 2024 offenbart eine dramatische Entwicklung bei der Arbeitsmoral Deutschland. Die Zahlen im Detail:
• 9 Prozent der Beschäftigten sind emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden (2023: 14%)
• 78 Prozent machen „Dienst nach Vorschrift“ – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2001
• 13 Prozent haben innerlich bereits gekündigt (2023: 19%)
• Nur noch 21 Prozent vertrauen ihrer Führungskraft (2019: 49%)
• 33 Prozent wurden von Headhuntern angesprochen – ein Rekordwert
Marco Nink, Gallup-Studienautor: „Die vorherrschende schwach ausgeprägte emotionale Bindung trägt zur Wechselwilligkeit bei, während sich die Einschätzung des Arbeitsmarktes zunehmend von der wirtschaftlichen Lage entkoppelt.“
Die volkswirtschaftlichen Folgen sind enorm: Gallup beziffert die jährlichen Produktivitätsverluste durch mangelndes Engagement auf 113 bis 135 Milliarden Euro.
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Warum sinkt die Arbeitsmoral in Deutschland?
Die Ursachen für die sinkende Arbeitsmoral Deutschland sind vielschichtig. Experten identifizieren mehrere Faktoren:
1. Führungsqualität: Nur 16 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer Führungskraft zufrieden (2023: 22%). Der respektvolle Umgang am Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren messbar abgenommen.
2. Fehlende Anerkennung: Laut EY-Studie 2025 findet fast ein Drittel (30 Prozent) keine Anerkennung für sich und die eigene Arbeit – obwohl 93 Prozent glauben, einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten.
3. Entgrenzung von Arbeit und Privatleben: Eine Studie von Blackhawk Network zeigt alarmierende Zahlen:
• 60 Prozent beantworten mindestens zweimal wöchentlich nach Dienstschluss berufliche Nachrichten
• 40 Prozent arbeiten sogar im Urlaub
• In fast der Hälfte der Unternehmen fehlen klare Regeln zur Erreichbarkeit
4. Psychische Belastungen: Der AXA Mental Health Report 2025 belegt, dass sich bereits 26 Prozent der Beschäftigten im vergangenen Jahr aufgrund mentaler Probleme krankschreiben ließen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beziffert die Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen für 2023 auf 20,5 Milliarden Euro.
5. Wirtschaftliche Unsicherheit: Seit Jahren reiht sich eine Krise an die nächste – Politik und Wirtschaft befinden sich im permanenten Krisenmodus. Die Konjunktur stottert, Auftragsbücher sind nicht gefüllt, Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück.
Generation Z: Wirklich faul – oder nur anders?
Die Debatte um die Arbeitsmoral Deutschland konzentriert sich häufig auf die junge Generation. Doch die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025″ zeichnet ein anderes Bild als viele Klischees vermuten lassen:
• 81 Prozent der Generation Z geben an, bei der Arbeit ihr Bestes zu geben
• Nur 4 Prozent zählen sich selbst zu den Leistungs-Verweigerern
• Die Arbeitsmoral ist hoch – wenn die Rahmenbedingungen stimmen
Voraussetzung für hohe Arbeitsmoral bei Generation Z: Eine gute Arbeitsatmosphäre und das Gefühl von Sicherheit. Wo diese Faktoren fehlen, sinkt auch bei jungen Menschen die Motivation rapide.
Die junge Generation hat andere Erwartungen an Führung: Während im Krisenjahr 2022 noch 52 Prozent ein klares Leitbild für Krisenzeiten erwarteten, sind es 2025 nur noch 14 Prozent. Statt „starker Führung“ setzen Mitarbeitende heute auf Verständnis, Nahbarkeit und persönliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
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Krankenstand-Debatte: Dulger fordert radikale Reform
Parallel zur Diskussion über die Arbeitsmoral Deutschland ist der Krankenstand in den Fokus gerückt. Die Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums:
• Krankenstand 2024: 5,8 Prozent
• Krankenstand 2025 (geschätzt): 5,6 Prozent
• Höchstwert 2023: 6,07 Prozent
Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, fordert im Januar 2026 eine „radikale Reform“ der Lohnfortzahlung:
• Lohnfortzahlung auf 6 Wochen pro Jahr insgesamt begrenzen (statt pro Krankheitsfall)
• Abschaffung der telefonischen Krankschreibung
• Keine Fortzahlung von Nacht-, Sonntags- und Mehrarbeitszuschlägen im Krankheitsfall
• Häufigere Kontrollen durch den Medizinischen Dienst
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Lohnfortzahlung 2024 | 82 Mrd. Euro (IW-Berechnung) |
| Produktionsausfälle durch Fehltage 2024 | 134 Mrd. Euro (BAuA) |
| Durchschnittliche Krankheitstage 2024 | 20,8 Tage pro Beschäftigtem |
| Psychische Erkrankungen (Produktionsausfall) | 20,5 Mrd. Euro (2023) |
Kritiker wie der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, bezeichnen die Pläne als „kontraproduktiv“. Die Kürzung der Lohnfortzahlung würde vor allem Langzeitkranke treffen – viele davon mit psychischen Störungen.
Arbeitsmarkt 2026: Demografischer Wandel bremst Beschäftigung
Die sinkende Arbeitsmoral Deutschland trifft auf einen Arbeitsmarkt im Umbruch. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert:
• 2025: Zahl der Erwerbstätigen steigt nur noch um 10.000 Personen
• 2026: Erstmals Rückgang um 20.000 Personen
• Arbeitslosigkeit steigt 2025 um 160.000 Personen
• Das Ausscheiden der Babyboomer kann nicht mehr kompensiert werden
Der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 zeigt: Mehr als jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) kann offene Stellen nicht besetzen. Bei Beschäftigten mit dualer Berufsausbildung liegt der Anteil sogar bei 57 Prozent.
Enzo Weber, IAB: „Die Verknappung am Arbeitsmarkt zieht an, das Ausscheiden der Babyboomer kann nicht mehr kompensiert werden. Oberste Priorität sollte daher dem Abbau der Arbeitslosigkeit und der Fachkräftesicherung zukommen.“
Was können Unternehmen tun?
Die Gallup-Studie zeigt auch: Engagement und Bindung lassen sich gezielt fördern. Beschäftigte, deren individuelle Stärken gefördert werden, sind bis zu achtmal stärker emotional gebunden. Konkrete Maßnahmen:
• Stärkenorientierte Führung: Bisher erleben nur 30 Prozent, dass ihre Talente im Arbeitsalltag genutzt werden
• Regelmäßige Gespräche: 34 Prozent hatten in den letzten drei Monaten ein Entwicklungsgespräch – fast doppelt so viele wie 2015
• Flexible Arbeitsmodelle: 81 Prozent der Beschäftigten geben an, dass flexiblere Zeiten ihr Stresslevel senken würden
• Wertschätzung institutionalisieren: Unternehmen mit regelmäßiger Anerkennung haben niedrigere Kündigungsraten
• Modernisierung interner Strukturen: 39 Prozent sehen hier erheblichen Nachholbedarf
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mögen schwierig sein – aber Unternehmen haben es selbst in der Hand, die Motivation ihrer Mitarbeitenden zu stärken.
Häufige Fragen zur Arbeitsmoral Deutschland
Wie hoch ist die Arbeitsmoral in Deutschland aktuell?
Die Arbeitsmoral Deutschland ist auf einem historischen Tiefstand. Laut Gallup Engagement Index 2024 machen 78 Prozent der Beschäftigten nur noch „Dienst nach Vorschrift“ – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung 2001. Nur noch 9 Prozent fühlen sich emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden. Die EY-Studie 2025 kommt zu ähnlichen Ergebnissen: 28 Prozent machen höchstens das Nötigste.
Was kostet die schlechte Arbeitsmoral die deutsche Wirtschaft?
Die volkswirtschaftlichen Kosten durch mangelndes Engagement sind enorm. Gallup schätzt die jährlichen Produktivitätsverluste durch „innere Kündigungen“ auf 113 bis 135 Milliarden Euro. Hinzu kommen Kosten durch krankheitsbedingte Fehltage: 2024 zahlten Arbeitgeber rund 82 Milliarden Euro für Lohnfortzahlung. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz beziffert die Produktionsausfälle durch Fehltage auf 134 Milliarden Euro.
Ist die Generation Z wirklich faul?
Nein. Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025″ widerlegt das Klischee: 81 Prozent der Generation Z geben an, bei der Arbeit ihr Bestes zu geben. Nur 4 Prozent zählen sich zu den Leistungs-Verweigerern. Die Arbeitsmoral junger Menschen ist hoch – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen: eine gute Arbeitsatmosphäre, das Gefühl von Sicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten.
Was fordert der Arbeitgeberpräsident zur Lohnfortzahlung?
BDA-Präsident Rainer Dulger fordert im Januar 2026 eine „radikale Reform“: Die Lohnfortzahlung soll auf maximal 6 Wochen pro Jahr insgesamt begrenzt werden (statt bisher pro Krankheitsfall). Außerdem soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft, Nacht- und Sonntagszuschläge im Krankheitsfall nicht mehr gezahlt und Kontrollen durch den Medizinischen Dienst verstärkt werden.
Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland?
Der Krankenstand in Deutschland lag 2024 bei 5,8 Prozent. Für 2025 wird ein leichter Rückgang auf etwa 5,6 Prozent erwartet. Den Höchstwert erreichte der Krankenstand 2023 mit 6,07 Prozent. Im Durchschnitt war jeder Beschäftigte 2024 rund 20,8 Tage arbeitsunfähig. Besonders stark steigen die Fehltage durch psychische Erkrankungen.
Was können Unternehmen gegen sinkende Motivation tun?
Studien zeigen wirksame Maßnahmen: Stärkenorientierte Führung (Mitarbeitende mit gezielter Talentförderung sind achtmal stärker gebunden), regelmäßige Feedback-Gespräche, flexible Arbeitsmodelle und eine systematische Anerkennungskultur. Außerdem wichtig: Modernisierung interner Strukturen und Verbesserung der Work-Life-Balance. 39 Prozent der Beschäftigten sehen bei internen Prozessen erheblichen Nachholbedarf.
Fazit: Arbeitsmoral Deutschland – Handlungsbedarf auf allen Ebenen
Die Arbeitsmoral Deutschland befindet sich am 27. Januar 2026 auf einem kritischen Niveau. Die Zahlen sind eindeutig: 78 Prozent der Beschäftigten machen nur noch „Dienst nach Vorschrift“, die emotionale Bindung an Arbeitgeber ist auf ein Rekordtief von 9 Prozent gefallen. Die Kosten für die Volkswirtschaft sind immens – bis zu 135 Milliarden Euro pro Jahr gehen durch mangelndes Engagement verloren.
Die Debatte um Krankenstand und Lohnfortzahlung greift dabei zu kurz. Die eigentlichen Ursachen liegen tiefer: mangelnde Wertschätzung, schlechte Führungskultur, wirtschaftliche Unsicherheit und die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Unternehmen, die jetzt in motivierende Führung und moderne Arbeitsstrukturen investieren, können den Trend umkehren.
Die Generation Z zeigt: Die Bereitschaft zur Leistung ist da – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Über den Autor: Dieser Artikel wurde von der Redaktion mindelmedia-news.de erstellt. Wir informieren aktuell über Wirtschaft, Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Trends in Deutschland.