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KMF Kemptener Maschinenfabrik Insolvenz – Das müssen Sie wissen: Die traditionsreiche KMF Kemptener Maschinenfabrik GmbH hat Anfang Januar 2026 beim Amtsgericht Kempten einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Auch die Schwestergesellschaft Buck GmbH ist betroffen. Ziel ist eine umfassende Sanierung – der Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter. Die Löhne der rund 200 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.
Das Wichtigste in Kürze:
✓ Eigenverwaltung: KMF und Buck GmbH sanieren sich unter eigener Regie
✓ 200 Arbeitsplätze bei KMF, 50 bei Buck – Löhne für 3 Monate gesichert
✓ Auslöser: Umsatzeinbrüche, Auftragsstornierungen, hohe Fixkosten
✓ Investorenprozess wird kurzfristig wieder aufgenommen
✓ Sachwalter: Henrik Brandenburg (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen)
✓ Begleitung durch Falkensteg (Tillmann Peeters, Maximilian Schneider)
Kempten/Allgäu – Die KMF Kemptener Maschinenfabrik GmbH kämpft um ihre Zukunft. Das traditionsreiche Unternehmen aus dem Allgäu hat Anfang Januar 2026 beim Amtsgericht Kempten einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt. Damit reagiert der Hydraulik-Spezialist auf massive wirtschaftliche Probleme, die trotz Unterstützung durch die Muttergesellschaft nicht überwunden werden konnten.
KMF Insolvenz: Was ist passiert?
Die zur Hydraulik Nord Group gehörende KMF hat angesichts eines deutlich gestiegenen Liquiditätsbedarfs die Reißleine gezogen. Gleichzeitig stellte auch die Schwestergesellschaft Buck GmbH aus Ravensburg einen entsprechenden Antrag beim dortigen Amtsgericht.
Die Auslöser für die Schieflage sind eindeutig:
• Massive Umsatzeinbrüche in den vergangenen zwölf Monaten
• Kurzfristige Auftragsstornierungen durch Kunden
• Eine hohe Fixkostenbasis, die operative Probleme verursachte
• Trotz finanzieller Unterstützung durch die HN Holding keine Verbesserung von Ergebnis und Liquidität
Die Hauptgesellschafterin sieht sich deshalb veranlasst, den Sanierungsweg in der Eigenverwaltung zu eröffnen, um den langfristigen Erhalt der beiden Standorte zu sichern.
Maximilian Schneider, Projektleiter Falkensteg: „Wir haben in den ersten Gesprächen mit unseren Kunden und Lieferanten positive und konstruktive Resonanz zum nun eingeschlagenen Sanierungsweg erhalten. Das werten wir als wichtiges Signal dafür, dass die industrielle Substanz beider Unternehmen intakt ist.“
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Was bedeutet Eigenverwaltung?
Bei einer Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung die Kontrolle über das Unternehmen – anders als bei einer klassischen Insolvenz, bei der ein Insolvenzverwalter das Ruder übernimmt. Die Vorteile:
• Das Management bleibt handlungsfähig und kann Sanierungsmaßnahmen selbst umsetzen
• Der Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter
• Liefer- und Leistungsbeziehungen bleiben bestehen
• Ein Sachwalter überwacht das Verfahren und schützt die Gläubigerinteressen
Das Amtsgericht Kempten hat Henrik Brandenburg von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Bei der Buck GmbH übernimmt Dr. Volker v. Danckelmann (SGP Schneider Geiwitz) diese Funktion. Die Eigenverwaltung wird durch die Restrukturierungsberatung Falkensteg mit den Partnern Rechtsanwalt Tillmann Peeters und Maximilian Schneider als Generalbevollmächtigte begleitet.
Arbeitsplätze gesichert – vorerst
Für die rund 200 Beschäftigten der KMF und die etwa 50 Mitarbeiter der Buck GmbH gibt es zunächst Entwarnung: Die Löhne sind über das Insolvenzgeld für die nächsten drei Monate gesichert.
Die IG Metall zeigte sich überrascht vom Insolvenzantrag. Zuletzt seien eher Überstunden und Mehrarbeit im Fokus der Beschäftigten gestanden, hieß es. Für den 3. Februar 2026 ist eine Mitgliederversammlung geplant, um über die nächsten Schritte zu beraten.
| Unternehmen | Standort | Mitarbeiter | Sachwalter |
|---|---|---|---|
| KMF Kemptener Maschinenfabrik | Kempten | ca. 200 | Henrik Brandenburg |
| Buck GmbH | Ravensburg | ca. 50 | Dr. Volker v. Danckelmann |
Was macht die KMF Kemptener Maschinenfabrik?
Die KMF ist ein Spezialist für Hydraulik-Lösungen und bedient wichtige Industriezweige:
• Land- und Baumaschinenindustrie: Traktoren, Mähdrescher, Bagger, Kräne
• Nutzfahrzeuge: Motornebenantriebe für Busse, Bahnen, Müllwagen, Winterdienstfahrzeuge
• Kundenspezifische hydraulische Baugruppen für verschiedene Anwendungen
Die KMF blickt auf eine lange Tradition zurück: 1954 gegründet, war der Betrieb lange ein Standort der AGCO Fendt. 2003 wurde der Hydraulikbereich an die Otto Nussbaum GmbH verkauft. Seit September 2015 gehört die KMF zur Hydraulik Nord Group, die 2017 ausgezeichnet wurde: Die KMF erhielt den HORSCH-Innovationspreis für ihre Leistungen.
Die Buck GmbH wurde 1961 gegründet und ist auf präzise Zerspanungstechnik spezialisiert. Das Unternehmen fertigt Maschinenbauteile für Werkzeugmaschinen, Elektro- und Verbrennungsmotoren, Getriebe, Hydraulikkomponenten und Baumaschinen.
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Hydraulik Nord Group: Wer ist der Mutterkonzern?
Die KMF und Buck sind Teil der Hydraulik Nord Group, einem mittelständischen Technologieverbund mit Sitz in Schwerin. Zur Gruppe gehören insgesamt sieben Unternehmen:
• Hydraulik Nord Technologies GmbH
• KMF Kemptener Maschinenfabrik GmbH
• Andreas Lupold Hydrotechnik GmbH
• Hydraulik Schwerin GmbH
• Litronic Steuer- und Regeltechnik GmbH
• Buck GmbH
• PTL Prüfstandstechnik Leipzig GmbH
Die Gruppe beschäftigt insgesamt rund 1.750 bis 1.900 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 100 bis 250 Millionen Euro. Seit 2008 ist die Beteiligungsgesellschaft Mithril des Wella-Erben Ströher mehrheitlich beteiligt.
Wichtig: Andere Unternehmen der HN Holding Gruppe sind von den Verfahren nicht betroffen.
Investorenprozess wird fortgesetzt
Die Sanierung soll nicht nur durch Kostensenkungen erfolgen. Bereits vor der Insolvenzantragstellung hatte die KMF einen Investorenprozess eingeleitet. Dieser wird nun kurzfristig wieder aufgenommen.
Ziel ist es, einen strategischen Partner zu finden, der die industrielle Substanz der beiden Unternehmen erkennt und in ihre Zukunft investiert. Die positive Resonanz von Kunden und Lieferanten auf den Sanierungsweg wird als ermutigendes Signal gewertet.
Maschinenbau in der Krise: KMF kein Einzelfall
Die Insolvenz der KMF fügt sich in ein größeres Bild: Der deutsche Maschinenbau steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Laut einer Analyse der Restrukturierungsberatung Falkensteg haben die Großinsolvenzen 2025 um 25 Prozent zugenommen – auf insgesamt 471 Fälle bei Unternehmen mit über 10 Millionen Euro Umsatz.
Die wichtigsten Zahlen zur Branchenkrise:
| Branche | Insolvenzen 2025 | Veränderung |
|---|---|---|
| Metallwarenhersteller | 65 Großinsolvenzen | +35% |
| Automobilzulieferer | 59 Großinsolvenzen | hoch |
| Elektrotechnik | 53 Großinsolvenzen | hoch |
| Maschinenbau | +30% (Jan-Sept) | +20% gesamt |
Jonas Eckhardt, Falkensteg: „Die Krise in der deutschen Wirtschaft macht derzeit eine Erholungspause. Da Insolvenzen immer nachgelagert sind, wird es mindestens bis 2026 dauern, bis die ersten positiven Signale bei den Insolvenzzahlen ankommen.“
Besonders betroffen: Zulieferer der Automobilindustrie. Über 60 Prozent der insolventen Maschinenbauer sind Autozulieferer. Die Transformation zur Elektromobilität, geopolitische Unsicherheiten und der verschärfte Wettbewerb aus China setzen die Branche unter Druck.
Ein Hoffnungsschimmer: Im Maschinenbau liegt die Rettungsquote mit etwa 56 Prozent deutlich höher als in anderen Krisenbranchen. Das spricht für die Chancen der KMF.
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Häufige Fragen zur KMF Insolvenz
Was bedeutet die Insolvenz für die Mitarbeiter der KMF?
Die rund 200 Beschäftigten der KMF Kemptener Maschinenfabrik müssen sich vorerst keine Sorgen um ihre Gehälter machen. Die Löhne sind über das Insolvenzgeld für die nächsten drei Monate gesichert. Der Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter. Ob und in welchem Umfang Stellen im Rahmen der Sanierung abgebaut werden müssen, ist derzeit noch offen.
Was ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung?
Bei einer Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung des insolventen Unternehmens die Kontrolle und kann Sanierungsmaßnahmen selbst umsetzen. Ein vom Gericht bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren und schützt die Interessen der Gläubiger. Vorteil: Der Geschäftsbetrieb kann ohne Unterbrechung weiterlaufen, Kunden- und Lieferantenbeziehungen bleiben erhalten.
Warum ist die KMF in die Insolvenz geraten?
Die Hauptgründe sind massive Umsatzeinbrüche, kurzfristige Auftragsstornierungen durch Kunden und eine hohe Fixkostenbasis. Trotz finanzieller Unterstützung durch die Muttergesellschaft HN Holding gelang es in den vergangenen zwölf Monaten nicht, die erforderliche Verbesserung von Ergebnis und Liquidität zu erreichen. Die Krise im deutschen Maschinenbau und bei den Automobilzulieferern verschärfte die Situation.
Sind andere Unternehmen der Hydraulik Nord Group betroffen?
Nein. Laut offizieller Mitteilung sind andere Unternehmen der HN Holding Gruppe von den Insolvenzverfahren nicht betroffen. Die Verfahren beschränken sich auf die KMF Kemptener Maschinenfabrik GmbH und die Buck GmbH. Die übrigen Gesellschaften der Hydraulik Nord Group – darunter Hydraulik Nord Technologies, Andreas Lupold Hydrotechnik und Hydraulik Schwerin – arbeiten normal weiter.
Wie stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung?
Die Ausgangslage ist vorsichtig optimistisch. Die Rettungsquote im Maschinenbau liegt mit etwa 56 Prozent deutlich über dem Durchschnitt anderer Krisenbranchen. Die positive Resonanz von Kunden und Lieferanten sowie der bereits eingeleitete Investorenprozess sprechen für intakte industrielle Substanz. Die Begleitung durch erfahrene Sanierer von Falkensteg erhöht die Erfolgsaussichten.
Fazit: KMF kämpft um Zukunft im schwierigen Umfeld
Die KMF Kemptener Maschinenfabrik steht vor ihrer größten Bewährungsprobe. Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein Versuch, das traditionsreiche Unternehmen durch eine geordnete Sanierung zu retten. Die Vorzeichen sind gemischt: Einerseits leidet die gesamte Branche unter strukturellen Problemen, andererseits spricht die positive Resonanz von Kunden und Lieferanten für intakte Geschäftsbeziehungen.
Für die 250 Beschäftigten von KMF und Buck beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ein Investor gefunden wird und wie viele Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können. Die IG Metall hat für den 3. Februar 2026 eine Mitgliederversammlung einberufen.
Die Insolvenzwelle im deutschen Maschinenbau ist noch nicht vorbei. Experten rechnen auch für 2026 mit keiner Entspannung. Die KMF ist ein weiteres Beispiel dafür, wie tiefgreifend die Transformation der deutschen Industrie inzwischen geworden ist.
Über den Autor: Dieser Artikel wurde von der Redaktion mindelmedia-news.de erstellt. Wir berichten aktuell über Wirtschaft, Unternehmen und Insolvenzen in Deutschland.