Kirchheim: 10 Millionen Euro sind zu viel

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Und wieder stehen die Beschäftigten der Firma Wanzl vor dem Tor.

Sie sind dem Aufruf der IG Metall zu einer aktiven Mittagspause am 07.11.2018 um 13:30 Uhr gefolgt. Im Juni diesen Jahres waren schon einmal über 500 vor das Tor von Werk 4 gekommen, unter ihnen auch Beschäftigte aus dem Werk 3 hier aus Kirchheim, um ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag bei Wanzl Nachdruck zu verleihen. Mit Erfolg: die örtliche IG Metall befindet sich seit Juli in Tarifverhandlungen mit den Verantwortlichen der Firma Wanzl. Es geht um den Abschluss eines Haustarifvertrages. „Ein Novum, so etwas hat es bis dato noch nie bei der Firma Wanzl gegeben.“ so Günter Frey, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Neu-Ulm/Günzburg und Verhandlungsführer auf der Arbeitnehmerseite „und ein Novum auch, dass erstmals auch die Beschäftigten in Kirchheim vor das Tor gehen.“

Tarifvertrag zu welchem Preis?

Bis heute gab es bereits vier Verhandlungstermine zwischen den möglichen Tarifvertragspartnern, der Tarifkommission der IG Metall auf der einen Seite, und der Geschäftsführung der Wanzl Metallwarenfabrik GmbH auf der anderen Seite, ein fünfter soll zeitnah folgen, ein möglicher Tarifvertrag soll bis Ende des Jahres unterzeichnet sein. „Wir stehen heute vor dem Tor in Kirchheim, weil wir die Geschäftsführung daran erinnern wollen, dass 10 Millionen Euro Arbeitnehmerbeiträge jährlich schlicht kein Verhandlungsangebot sind, das ist unverschämt!“, so Sabrina Balkheimer, Gewerkschaftssekretärin und ebenfalls Mitglied der Tarifkommission „Man muss sich mal vorstellen, was das für die Beschäftigten heißt, drei Stunden unbezahlte Arbeit in der Woche! Da arbeite ich auf das Jahr gerechnet, fast einen Monat umsonst. Und viele Kolleginnen und Kollegen wissen schlichtweg nicht, wie sie das bewerkstelligen sollen.

Nicht um jeden Preis

Wir haben hier in Kirchheim viele Nebenerwerbslandwirte, da schmerzt jede Stunde, die für die Landwirtschaft am Ende der Woche fehlt. Und dann die vielen Kolleginnen und Kollegen, mit Kindern. Die bekommen dann ein echtes Betreuungsproblem.“ berichtet Frank Douglas, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsrat bei Wanzl in Kirchheim. Die Firma Wanzl ist nicht tarifgebunden. Die letzten beiden Lohnerhöhungen aus 2016 und 2018 wurden nicht an die Beschäftigten weitergegeben. Ob es in Zukunft tarifliche Lohnerhöhungen für die Belegschaft bei Wanzl gibt ist fraglich. Denn am Abschluss eines Tarifvertrages wird am Verhandlungstisch zwar gearbeitet, aber „ Nicht um jeden Preis“ sagt Günter Frey „10 Millionen Arbeitnehmerbeitrag jährlich sind eines Weltmarktführers nicht würdig.

Lohnverzicht statt steigerung

Das ist schlichtweg nicht vermittelbar. Wir reden dann von einen Lohnverzicht der Beschäftigten von um die 17% des Jahreseinkommens. Mit uns wird es nur einen Tarifvertrag geben, der den Namen Tarifvertrag auch verdient hat“. „Ich stelle mir momentan ernsthaft die Frage, was von den Werten des Familienunternehmens Wanzl noch übrig geblieben ist. Ich habe momentan das Gefühl, dass die Werte, für die das Familienunternehmen Wanzl jahrzehntelang stand im Jahr 2018 nicht mehr gelten. Anders kann ich mir nicht erklären, wie man das Weihnachtsgeld renditeabhängig machen kann oder möchte dass Beschäftigte verpflichtend am Samstag zum Arbeiten kommen sollen, wenn sie doch dann bei ihrer Familie sein sollten.“ äußert sich Erich Buchmüller nachdenklich. Auch er ist Mitglied der Tarifkommission und seit 17 Jahren bei Wanzl. Die Beschäftigten von Wanzl haben heute wieder gezeigt dass sie zwar verbindliche und rechtssichere Regelungen haben möchten, so wie es in vielen anderen tarifgebundenen Betrieben üblich ist, aber nicht für den Preis von 10 Millionen Euro.



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