Kirchheim: Wenn positives nicht bei den Arbeitern ankommt

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Trotz guter Zahlen in den vergangenen Jahren warten die Arbeiter bei Wanzl vergeblich auf Lohnerhöhungen.

„Die Zeit ist reif für einen Tarifvertrag“ solche und andere Aussagen hört man zurzeit sehr oft unter den Arbeitern der Firma Wanzl. Der Weltmarktführer in Sachen Einkaufswagen und Ladenbau lässt jedoch auf sich warten. Im vergangenen Jahr begannen die Verhandlungen zwischen der Tarifkommission, bestehend aus Vertretern der Arbeitnehmer aus Kirchheim und Leipheim sowie Vertretern der IG Metall, und der Geschäftsleitung der Firma. Nach mehreren erfolglosen Verhandlungen setzten die Arbeiter zum ersten Mal ein Zeichen und gingen in eine „Verlängerte Mittagspause“. Schon damals fanden sich unzählige Mitarbeiter vor den Werkstoren wieder und forderten die Firma auf, endlich Bewegung in die Verhandlungen kommen zu lassen.

Was sie natürlich auch tat, aber nicht in der Form, die sich die Arbeiter damals wünschten. So wurden damals seitens der Firma unter anderem eine Mehrarbeit von drei Stunden pro Woche unbezahlt gefordert und das Weihnachtsgeld stand zur Disposition. So lud der Betriebsrat in Leipheim dann auch mit einem knackigen Spruch zur Betriebsversammlung im November. „Weltmarktführer oder Sanierungsfall“ lautete die Überschrift der Einladung an die Arbeitnehmer. Zwar waren danach noch einige Verhandlungsrunden, die sich aber nicht wirklich annäherten. Im verlauf dieser forderte die Firma von den Arbeitnehmern im Gegenzug zu einer Lohnerhöhung Einsparungen von 10 Millionen Euro pro Jahr. Im Gegenzug bot die Tarifkommission Einsparungen im Gegenwert von 6,5 Millionen Euro. Dies wurde jedoch von der Geschäftsleitung abgelehnt. So kam es dann zu einem Abbruch der Verhandlungen und einem erneuten Angebot, diesmal allerdings an den Betriebsrat.

Dieser lehnte jedoch mit dem Hinweis ab, dass dieser einiges nicht umsetzen dürfe, da dies vom Gesetzgeber untersagt sei. Jedoch wurde zu der Zeit das Angebot an die Tarifkommission abgegeben, welche das Angebot prüfte und beschloss dieses in einen Tarifvertrag zu fassen. Man war der Meinung, das Angebot sei fair und würde für beide Seiten positiv sein. Nach Vorlage an die Geschäftsleitung lehnte diese jedoch wiederum eine Unterschrift ab. Man legte sogar noch eins drauf und forderte noch mehr von den Arbeitnehmern. So manchem kam das ganze langsam wie ein Poker auf Zeit vor. Denn mit jedem Monat, der verging, sparte die Firma schon einiges an Kosten für die Lohnerhöhungen ein.

Das letzte Angebot bestand ausfolgenden Punkten, Wegfall der Kilometerpauschale, Wegfall des Kleiderzuschusses und Wegfall der Stundengutschrift für einen unaufschiebbaren Arztbesuch währen der Arbeitszeit, dafür eine Lohnerhöhung in angemessener Form. Weiterhin wurde aber gefordert zwei Prozentpunkte der Leistungszulage zu streichen um 800.000 Euro für Weiterbildungen zur Verfügung zu stellen. Ebenso wurde eine Leistungsgerechte Bezahlung gefordert, die allerdings erst noch vereinbart werden müsse. Gerade der Wegfall der Prozente und der letzte Punkt stießen bei vielen Arbeitnehmern sauer auf. Denn es bedeutete nicht nur eine Lohnminderung in nicht unerheblichem Maße, die selbst durch die Lohnerhöhung nur schwer abgefangen werden kann, sondern auch, dass einige der Kollegen gar nicht nach Leistung bezahlt werden könnte, da diese Arbeiten verrichten, die nicht messbar wären. Somit würde die Bewertung wiederum auf die Abteilungsleiter zurückfallen, was nicht nur eine Mehrbelastung für diese wäre, sondern auch ein zusätzliches Konfliktpotenzial mitbringen würde.

Zwar versuchte die Geschäftsleitung in den vergangenen Tagen mittels eines Videos im Intranet und Infos seitens der Abteilungsleiter etwas die Lage zu entschärfen, was jedoch scheiterte. So kam es zum ersten mal in der langjährigen Firmengeschichte zu einem Warnstreik in der Firma. Zusammen beteiligten sich weit über 1200 Mitarbeiter an zwei Tagen an diesem Streik. In Kirchheim stießen an diesem Tag auch ehemalige Kollegen und Rentner zu den Arbeitnehmern, um ihre Solidarität und Unterstützung zu zeigen. Mit dem Streik sollte ein Warnschuss an die Geschäftsleitung gegeben werden, frei nach dem Motto, wir lassen nicht mit uns Spielen. So war auch an diesem Tag eins sehr sicher unter den Arbeitern, wenn es nicht reicht, dann verlängern wir die Streikdauer. Man hofft das jetzt endlich Bewegung in die Verhandlungen kommt und auch ein Abschluss in greifbare nähe rückt.

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