Mindelheim: Statt Gästen kommt die Abrissbirne

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Es bestand seit 1931 und wird nun mit der Abrissbirne dem Erdboden gleichgemacht – das Filmtheater Mindelheim. Wer ins Kino möchte darf nun Bus fahren.

Auch besondere Filme - wie hier ein Video der Hauptübung der Feuerwehr Mindelheim - wurden gezeigt. (Foto Archiv)

Auch besondere Filme – wie hier ein Video der Hauptübung der Feuerwehr Mindelheim – wurden gezeigt. (Foto Archiv)

Der besondere Charme des Mindelheimer Kinos begeisterte seine Besucher. Vor allem die gemütlichen Sessel und einfach die Atmosphäre des kleinen Kinos waren Gründe für einen Besuch. Doch am Kino ist nun der Zug der Zeit vorbeigefahren – ganz nach dem Motto: „Wer zu spät kommt den bestraft das Leben“.

Leicht hatte es Kinobetreiberfamilie Sirch mit dem Kino nicht mehr. Immer mehr Kinokomplexe in den Nachbarstädten und ein attraktives Angebot in Türkheim, sorgten für rückläufige Besucherzahlen. Doch vor allem waren die anderen Kinos beheizt und zeigten auch die neuesten Filme – das Heizungsthema und auch die veraltete Technik sollten zum Sargnagel für diesen Teil Mindelheimer Geschichte werden.

Neue Betreiber versuchen den Spagat

Im Jahr 2011 gab Familie Sirch den Traum vom Kino Mindelheim auf – das Betreiberehepaar Höger – die kurz zuvor den REX Kinopalast in Memmingen aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben hatten – wollten einen neuen Versuch mit „alten“ Konzept in Mindelheim starten. Mit Werbung, aktuelleren Filmen und dem besonderen Popcorn, versuchte Familie Höger die Menschen wieder für das Erlebnis Kino zu begeistern. Doch die Realität sah anders aus. „Kino zu kalt, zu wenig aktuelle Filme, Hund im Kinosaal“ mit diesen und  ähnlichen Worten äußerten sich die Kinobesucher und zeigten dem alten Kino schnell wieder die kalte Schulter. Immer wieder machte vor allem die Beheizung des großen Saales Probleme. Ein überholter Brennofen der bei Betrieb dichte schwarze Rauchwolken in die Luft blies, sorgte nicht gerade für freundschaftliche Verhältnisse in der Nachbarschaft.

Neues Konzept – Streit mit Nachbarn

Mit den „schwarzen Nächten“ wollte Familie Höger das Kino noch retten. Regelmäßig verwandelte sich der Kinoraum in eine Veranstaltung für Freunde von Gothic, Cyber Goth und alternativer Musik. Sehr zum Ärger der Nachbarn, mit denen sich das Verhältnis noch weiter verschlechtern sollte. Bereits bei Übernahme des Kinos durch Familie Höger begannen die Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Vorwürfe von lauten Partys im Garten des Kinos waren dabei nur der Anfang. Die Stimmung war vergiftet, so wie die dichten Rauchwolken, die bei Heizungsbetrieb aus dem alten Schornstein drangen. Verhandlungsgeschick bewies dabei keine Seite – Anwohner und Kinobetreiber beharrten auf Ihren Standpunkten – ein durch das Kino eingesetzter Mediator aus der „Gothic Szene“ stellte sich als völlige Nullnummer dar, der die Ängste der Nachbarn vor dem „dunklen“ Partyvolk nicht nehmen, sondern eher noch steigern konnte. Und so wurde die neuerliche Entwicklung sehr argwöhnisch und immer mit großen Auflagen beobachtet.

Wer zu spät kommt…

Doch statt sich im Kern auf die Rettung des originären Kinos zu konzentrieren, blieb der Betreiber bei dem anfänglich erfolgreichen Konzept mit den „schwarzen Nächten“. Immerhin kamen wieder bis zu 150 Gäste in das sonst eher wenig besuchte Kino. Mit Tanz und Bewegung war auch das Heizungsthema für diese Gäste kein Problem. Dafür gingen jedoch die Nachbarn weiterhin auf die Barrikaden und wollten eine – aus ihrer Sicht – Diskothek mitten im Wohngebiet – um jeden Preis verhindern. DJ Pult, ein Umbau des Kinosaales zu Tanzfläche und Bühne, neue (1) Lichttechnik und Musikanlagen (2) verschlangen Mittel, die für die Beschaffung eines digitalen Projektors notwendig gewesen wären. Denn die Kinotechnik hatte sich weiterentwickelt – Filme gab es nunmehr nicht auf endlosen Filmrollen sondern digital – dafür in hoher Auflösung. Diese Technik fand jedoch keinen Weg mehr ins Filmtheater Mindelheim.

Heizung wird zum Todesstoß

So war es dann letzten Endes die Heizungsanlage, die für das Verschwinden dieses alten, charmanten Kinos sorgte. Nur mit einer kräftigen Finanzspritze aus der Stadt, für die Erneuerung der Heizungsanlage und Ausstattung mit digitaler Technik, hätte das Kino noch gerettet werden können. Jedoch lehnte die Stadt ab und verwies auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Auch die anfangs erfolgreichen „schwarzen Nächte“ lockten immer weniger Besucher an. Seit 2014 stand das Kino nun leer und wird jetzt dem Erdboden gleichgemacht – genau wie die damit verbundene Geschichte des Hauses.

Wenn zwei sich Streiten…

Am Ende gibt es trotzdem immer einen Gewinner. So kann sich das Kino Türkheim über neue Gäste aus der Kreisstadt Mindelheim freuen. Mit dem Kinobus kommen auch die Menschen in die modernen, gut geheizten Kinosäle nach Türkheim, die nicht eigenmobil sind. Immer noch eine günstigere Lösung als ein kompletter Neubau eines Kinos in der 14.000 Einwohner Stadt Mindelheim.

[Korrektur / Gegendarstellung v. 16.11.2016]

Bezugnehmend auf die Sätze des o.g. Artikels (1)…neue Lichttechnik und Musikanlage verschlangen Mittel.“ Korrigieren wir wie folgt: „Die Licht- und Musikanlage wurde nicht extra gekauft sondern war bereits im Besitz des Kinobetreibers.“ (2) „…verschlangen Mittel, die für die Beschaffung eines digitalen Projektors notwendig gewesen wären.“ Korrigieren wir wie folgt: „Ein entsprechender digitaler Projektor war bereits vorhanden – jedoch wurde dieser nicht mehr installiert, da der Vermieter des Kinos einer Verlängerung des Mietvertrages ohne eine durch den Kinobetreiber zu finanzierende Modernisierung der Heizungsanlage nicht zugestimmt hatte.“

Gerne entsprechen wir dem Wunsch diese Änderungen hier zu veröffentlichen.

 

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