Salgen: Was passierte wirklich am „Kaiserweiher“?

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Drei Verletzte nach Abschlussparty in Salgen – Polizei verweist auf laufende Ermittlungen

Es sollte der verdiente Abschluss der Schule und Prüfungszeit werden – doch anstatt gemeinsam zu feiern, endete die Abschlussfeier von 24 Jugendlichen vergangene Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit drei Verletzten und einer gedrückten Stimmung, nachdem die Feiernden am Salgener „Kaiserweiher“ von vier Störenfrieden offenbar massiv bedroht wurden. Die Polizei hält sich noch bedeckt und will den Sachverhalt, wie ihn die Jugendlichen gegenüber mindelmedia schildern, noch nicht bestätigen.

Endlich ist der Prüfungsstress vorbei – noch einmal Zeit, das Schuljahr mit einer Abschlussfeier zu beenden. Das dachten sich auch 24 Jugendliche aus dem Großraum Salgen und freuten sich auf einen schönen Abend mit Lagerfeuer, Seestimmung und guter Laune. Zum gleichen Zeitpunkt befand sich noch eine Vierergruppe Jungs am Strand. Ungefragt, so die Feiernden gegenüber mindelmedia, hätte sich das Quartett an den Getränken der Abschlussschüler bedient. Anschließend seien Schülerinnen „angegraben“ und nach ihren Telefonnummern gefragt worden. Zu viel für die Salgener Jungs: sie baten in der Folge die vier Fremden, zu gehen und die Mädchen nicht weiter zu belästigen.

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Daraufhin hätte die Vierergruppe entgegnet, erst dann zu gehen, wenn sie die Telefonnummern der Mädchen bekommen. Wechselseitige Beleidigungen folgten. Zwei andere Schüler  versuchten zu schlichten und baten die Vierergruppe erneut, den Strand zu verlassen. Tatsächlich schien es dann so, als hätte die zweite Ansprache gewirkt. Wie die Schülergruppe berichtet, seien die vier Störenfriede nämlich von dannen gezogen. Danach feierten die Schulkameraden weiter, die Stimmung war wieder ausgelassen.

Nur knapp dreißig Minuten später bahnte sich aber der nächste Ärger an: ein Jugendlicher hörte das Klirren von Glass. Die Vierergruppe war zurück und sichtbar auf Krawall gebürstet: Einer von ihnen hielt, so die Beschreibung der Schüler, eine abgebrochene Flasche in der Hand, drohte der Gruppe, ein anderer hätte sogar ein Springmesser gezogen. Wieder hätten die Jungs die „Störer“ daraufhin aufgefordert, nicht weiter zu provozieren. Wieder fielen wechselseitig Beleidigungen.

Diesmal allerdings eskalierte die Lage. Einer der Vierergruppe sowie ein Salgener Bub gerieten in ein Handgemenge. Beim Rest der Schüler sei Panik ausgebrochen. Und während sich die Beiden am Boden rauften, hätten die drei anderen Störenfriede auf den am Boden liegenden Salgener eingetreten. Dessen Freunde wiederum eilten ihm zu Hilfe und mischten nun ebenfalls in der Rauferei mit.

Während derweil ein Salgener den Notruf der Polizei anrief, sei eines der Mädchen plötzlich bewusstlos zusammengebrochen und prallte mit dem Hinterkopf auf den Boden. Die Vierergruppe hätte daraufhin die Flucht ergriffen, zeitgleich alarmierten weitere Partygäste den Notruf der Paramedic Ambulanz, ein Junge rief seinen Vater zu Hilfe.

Der angerufene Vater, selbst ausgebildeter Rettungsassistent, traf als Erster am Kaiserweiher ein. Gemeinsam mit den verbliebenen Gästen versorgte er das verletzte Mädchen, bis die Rettungswagen und mehrere Streifen der Polizei eintrafen. Auch zwei Jungs zogen sich Prellungen und Schnittverletzungen zu. Der Polizei gelang es dann, im Nahbereich des Tatortes zwei der Jugendlichen aus der Vierergruppe aufzugreifen – auch einer dieser jungen Männer war leicht verletzt.

Die Polizei berichtet im Nachgang davon, dass der junge Mann nach eigenen Angaben „wohl selbst und ohne Fremdeinwirkung gestürzt“ war. Außerdem ist dort zu lesen, die Klärung des Sachverhalts hätte sich vor Ort „als sehr schwierig“ erwiesen, „da die meisten der Jugendlichen alkoholisiert waren“. Das löste sowohl bei Schülern als auch Eltern massives Unverständnis aus.

Auch der Ersthelfer teilt die Einschätzung der Polizei nicht. „Als ich ankam, herrschte große Aufregung, die Jungs liefen sofort auf mich zu und brachten mich zu dem bewusstlosen Mädchen. Andere Jungs der Gruppe wiesen die Rettungskräfte ein. Sicherlich war Alkohol im Spiel, aber – soweit ich es mitbekommen habe – war keiner stark betrunken.“ Ausfallerscheinungen wie Torkeln oder Lallen seien ihm nicht aufgefallen. „Ganz im Gegenteil: die meisten Jugendlichen halfen sogar bei dem Abtransport der Verletzten und schoben die Trage vom Rettungsdienst über die Wiese.“ 

Das bewusstlose Mädchen, das mit Verdacht auf einen Kollaps sowie eine Gehirnerschütterung in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, konnte die Klinik am vergangenen Donnerstag schon wieder verlassen.

Die Pressestelle der Polizei will, mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen, ihre Sicht der Dinge zu Tätern oder Ablauf der Streitigkeiten noch nicht preisgeben. Auf die Anfrage von mindelmedia hin hieß es: „Die PI Mindelheim hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Weiterführende Angaben, die über die veröffentlichte Pressemeldung hinausgehen, sind derzeit noch nicht möglich. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind zwei Personen von der besagten Gruppe namentlich bekannt (der 18-Jährige mit der Bauchverletzung in der Pressemeldung) und ein weiterer 18-Jähriger. Zwei weitere Personen dieser Gruppe sind noch nicht ermittelt.“

Gemeinde arbeitet auf

Nach den Ereignissen am Kaiserweiher sind die Jugendlichen und deren Eltern nach wie vor völlig aufgelöst. „Kann man inzwischen nicht mal mehr den Abschluss feiern“, meint etwa ein Vater. „Die Mädchen haben jetzt Angst, alleine oder auch in der Clique an den Weiher zu gehen“, sagt eines der Mädchen. „Bis auf den See und den Strand haben wir doch sonst keinen Ort, wo wir hingehen können“, ergänzt ein Junge. Die Eltern planen jetzt, gemeinsam mit den Jugendlichen über die Ereignisse zu sprechen. Auch soll die Gemeinde in diese Gespräche eingebunden werden, um Wege zu finden, den beliebten Kaiserweiher weiter für Familien und Jugendliche als sicheres Freizeitziel zu erhalten.

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