📖 Lesezeit: 7 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2025
Was bedeutet das 90-Milliarden-Paket?
Die EU stellt der Ukraine 90 Milliarden Euro als zinslosen Kredit für 2026 und 2027 bereit. Das Geld deckt militärische und zivile Ausgaben. Russland muss das Darlehen durch Reparationszahlungen zurückzahlen – sonst greifen eingefrorene Vermögenswerte.
90 Milliarden Euro für die Ukraine – am 19. Dezember 2025 haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs nach 18-stündigen Verhandlungen auf ein historisches Hilfspaket geeinigt. EU-Ratspräsident António Costa verkündete den Durchbruch in den frühen Morgenstunden. Der Kompromiss sichert Kiews Finanzierung für die nächsten zwei Jahre und sendet ein klares Signal an Moskau.
Das Wichtigste zum EU-Gipfel im Überblick
Nach monatelangem Streit haben sich die 27 EU-Mitgliedstaaten auf einen Kompromiss zur Ukraine-Finanzierung verständigt. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „großen Erfolg“ und einer „Demonstration europäischer Souveränität“.
Die Kernpunkte der Einigung
Die EU-Kommission nimmt einen zinslosen Kredit über 90 Milliarden Euro auf und leitet diesen an die Ukraine weiter. Die Auszahlung erfolgt in Tranchen und kann bereits im Januar 2026 beginnen. Kiew muss das Darlehen erst zurückzahlen, wenn Russland Reparationen für die Kriegsschäden leistet.
„Europa hat verstanden, was die Stunde geschlagen hat“, erklärte Merz nach dem Gipfel. Die 90 Milliarden Euro für die Ukraine reiche aus, um den militärischen Bedarf und den Haushalt der Ukraine für die kommenden zwei Jahre zu decken.
„Dieses Signal ist entscheidend, um den Krieg zu beenden. Putin wird erst einlenken, wenn er begreift, dass sich sein Krieg nicht lohnen wird.“
Woher kommt das Geld für die 90 Milliarden Euro?
Die Finanzierung erfolgt über eine gemeinsame Kreditaufnahme der EU. Im jährlichen EU-Haushalt gibt es einen Puffer in Milliardenhöhe, gegen den Darlehen aufgenommen werden können. Die Mittel werden nicht direkt aus den nationalen Haushalten der Mitgliedstaaten entnommen.
Ursprünglich wollte Kanzler Merz die in der EU eingefrorenen russischen Vermögenswerte direkt für Darlehen bis zu 210 Milliarden Euro nutzen. Dieser Plan scheiterte am Widerstand mehrerer Länder, insbesondere Belgiens, Frankreichs und Italiens.
Die Rolle der eingefrorenen russischen Gelder
Rund 210 Milliarden Euro an russischen Staatsvermögen liegen in der EU eingefroren – der Großteil davon (185 Milliarden Euro) beim belgischen Finanzdienstleister Euroclear in Brüssel. Diese Gelder dienen nun als Sicherheit: Falls Russland keine Reparationen zahlt, werden sie zur Rückzahlung des EU-Kredits herangezogen.
Das Hilfspaket im Detail
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Gesamtsumme | 90 Milliarden Euro |
| Zeitraum | 2026 – 2027 |
| Zinssatz | 0 % (zinslos) |
| Rückzahlung | Erst nach russischen Reparationszahlungen |
| Auszahlungsbeginn | Januar 2026 |
| Verwendungszweck | Militär + Staatshaushalt Ukraine |
| Absicherung | Eingefrorene russische Vermögenswerte (210 Mrd. €) |
Warum blockierte Belgien zunächst?
Das belgische Finanzinstitut Euroclear verwaltet den Großteil der eingefrorenen russischen Gelder. Premierminister Bart De Wever hatte bis zuletzt drei Bedingungen für eine Zustimmung gestellt:
1. Umfassende Garantien gegen mögliche Vergeltungsmaßnahmen Russlands
2. Schutz für betroffene belgische Unternehmen und Bürger
3. Beteiligung aller EU-Länder mit eingefrorenen russischen Vermögenswerten
Die Sorge: Russland könnte das Vorgehen als illegale Enteignung werten und vor internationalen Schiedsgerichten klagen. Zudem fürchtete Belgien um den Ruf des Finanzplatzes Brüssel und mögliche Vergeltungsmaßnahmen gegen europäische Unternehmen in Russland.
Nach dem Gipfel zeigte sich De Wever dennoch zufrieden: „Die Ukraine hat gewonnen, Europa hat gewonnen, die finanzielle Stabilität hat gewonnen.“
Wofür braucht die Ukraine das Geld?
Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission beläuft sich der Finanzbedarf der Ukraine für 2026 und 2027 auf insgesamt 135,7 Milliarden Euro:
| Bereich | Geschätzter Bedarf |
|---|---|
| Militärische Verteidigung | 83,4 Milliarden Euro |
| Wirtschaft & Haushalt | 52,3 Milliarden Euro |
| Gesamt | 135,7 Milliarden Euro |
Die EU übernimmt mit den 90 Milliarden Euro rund zwei Drittel dieses Bedarfs. Die restlichen 45 Milliarden Euro sollen von anderen Unterstützern wie den USA, Norwegen, Japan oder der Schweiz kommen.
Reaktionen auf den Gipfel-Beschluss
Zustimmung aus der EU
EU-Ratspräsident António Costa betonte, das Ziel sei nicht, den Krieg zu verlängern, sondern einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ zu erreichen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte die Lösung „die realistischste und praktikabelste“.
Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker begrüßte, dass die gemeinsame Kreditaufnahme „keine unmittelbare Belastung für den österreichischen Steuerzahler“ bedeute.
Kritik aus Ungarn
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán sprach hingegen von einem „verlorenen Kriegskredit“. Ungarn, Tschechien und die Slowakei weigerten sich, an der Garantie für den Kredit teilzunehmen – die Entscheidung wurde dennoch mit qualifizierter Mehrheit getroffen.
Für den Beschluss war keine Einstimmigkeit nötig. Die EU konnte das Hilfspaket mit qualifizierter Mehrheit verabschieden, da die eingefrorenen russischen Vermögenswerte zuvor auf unbestimmte Zeit festgesetzt wurden.
Was passiert, wenn Russland nicht zahlt?
Der Kredit ist an eine Rückzahlungsbedingung geknüpft: Die Ukraine muss das Geld erst erstatten, wenn sie Reparationszahlungen von Russland erhält. Da Moskau bisher keine Bereitschaft zur Wiedergutmachung zeigt, gilt dieses Szenario als unwahrscheinlich.
In diesem Fall greifen die eingefrorenen russischen Vermögenswerte als Sicherheit. Die EU-Staaten haben bereits beschlossen, dass diese Gelder auf unbestimmte Zeit eingefroren bleiben – bis Russland den Krieg beendet und Reparationen leistet.
Bisherige EU-Hilfen für die Ukraine
Die 90 Milliarden Euro für die Ukraine ergänzen bestehende Unterstützungsprogramme. Im Rahmen der Ukraine-Fazilität der EU hat die EU bereits 34 Milliarden Euro an Kiew ausgezahlt. Die gesamten Wiederaufbaukosten für die Ukraine werden auf 486 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Woher kommen die 90 Milliarden Euro für die Ukraine?
Die EU-Kommission nimmt einen Kredit auf, der durch den EU-Haushalt gedeckt ist. Die Gelder stammen nicht direkt aus den nationalen Haushalten der Mitgliedstaaten, sondern aus einer gemeinsamen europäischen Kreditaufnahme.
Muss die Ukraine das Geld zurückzahlen?
Ja, aber erst wenn Russland Reparationszahlungen an die Ukraine leistet. Da dies als unwahrscheinlich gilt, würden im Notfall die eingefrorenen russischen Vermögenswerte (210 Mrd. €) zur Deckung herangezogen.
Warum war Belgien gegen den ursprünglichen Plan?
Der Großteil der eingefrorenen russischen Gelder (185 Mrd. €) liegt bei Euroclear in Brüssel. Belgien fürchtete rechtliche Risiken, Vergeltungsmaßnahmen Russlands und einen Vertrauensverlust internationaler Anleger in den Finanzplatz Europa.
Wofür wird das Geld verwendet?
Die 90 Milliarden Euro für die Ukraine decken sowohl militärische Ausgaben (Waffen, Ausrüstung, Verteidigung) als auch den ukrainischen Staatshaushalt (Gehälter, Renten, öffentliche Dienste) für die Jahre 2026 und 2027.
Haben alle EU-Länder zugestimmt?
Nein. Ungarn, Tschechien und die Slowakei haben sich geweigert, an der Garantie teilzunehmen. Der Beschluss wurde dennoch mit qualifizierter Mehrheit gefasst, da keine Einstimmigkeit erforderlich war.
Fazit: Historischer Kompromiss sichert Kiews Zukunft
Mit den 90 Milliarden Euro für die Ukraine hat die EU ein klares Zeichen gesetzt: Europa steht weiterhin an der Seite Kiews. Der zinslose Kredit sichert die Finanzierung des ukrainischen Verteidigungskampfes und Staatshaushalts bis Ende 2027.
Der Kompromiss zeigt auch, dass die EU trotz unterschiedlicher Interessen handlungsfähig bleibt. Bundeskanzler Merz fasste es so zusammen: „Wir stellen uns entschlossen der größten sicherheitspolitischen Bedrohung Europas entgegen.“
Ob die eingefrorenen russischen Vermögenswerte jemals zur Rückzahlung herangezogen werden müssen, hängt vom weiteren Kriegsverlauf und möglichen Friedensverhandlungen ab. Fest steht: Die Ukraine hat nun Planungssicherheit – und Moskau ein unmissverständliches Signal.
Über den Autor
Maik| Redakteur für Politik & Wirtschaft
Maik ist Hauptautor bei mindelmedia-news.de und analysiert aktuelle politische Entwicklungen in Europa. Er berichtet über EU-Politik, internationale Beziehungen und wirtschaftliche Zusammenhänge.
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