Mindelmedia News | Gesundheit | Stand: 29. Januar 2026 | Lesezeit: 8 Minuten
Ein Medikamenten-Rückruf ist eine Maßnahme, bei der Arzneimittel aufgrund von Qualitätsmängeln, Verunreinigungen oder anderen Sicherheitsbedenken vom Markt genommen werden. Im Januar 2026 sorgen mehrere Rückrufe für Aufmerksamkeit – darunter der Komplettrückruf aller 265 Produkte der insolventen Firma Hanosan sowie Chargenrückrufe für den Blutdrucksenker Ramipril und das Antidepressivum Fluoxetin.
⚠️ Aktuelle Rückrufe Januar 2026
- Hanosan GmbH: Alle 265 Arzneimittel – Komplettrückruf wegen Insolvenz
- Ramipril 089PHARM 5 mg: 36 Chargen – Bruchfestigkeit mangelhaft
- Fluoxetin beta 20 mg: Chargenrückruf
- Fingolimod Heumann 0,5 mg: Chargenrückruf
- Vihuma (alle Stärken): Komplettrückruf
- Naropin Injektionslösung: Chargenrückruf
In Deutschland werden regelmäßig Medikamente vom Markt genommen, wenn Qualitätsmängel oder Sicherheitsrisiken festgestellt werden. Der Januar 2026 bringt besonders viele Medikamenten-Rückrufe – allen voran der spektakuläre Komplettrückruf des Traditionsunternehmens Hanosan, das nach 77 Jahren Insolvenz anmelden musste. Wir erklären, welche Arzneimittel betroffen sind und was Patienten jetzt tun sollten.
Hanosan-Komplettrückruf: 265 Arzneimittel betroffen
Der umfangreichste Medikamenten-Rückruf des Jahres betrifft das niedersächsische Unternehmen Hanosan GmbH. Aufgrund der Insolvenz und endgültigen Geschäftsaufgabe müssen sämtliche 265 Arzneimittel des Herstellers zurückgerufen werden.
— Hanosan GmbH in ihrer offiziellen Mitteilung
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Das 1948 in Garbsen gegründete Unternehmen stellte homöopathische Einzelpräparate und Komplexmittel her. Nach jahrelangen Verlusten meldete Hanosan Ende 2024 Insolvenz an. Der Geschäftsbetrieb wurde am 1. Oktober 2025 eingestellt.
Bekannte Hanosan-Produkte im Rückruf:
- HanoCor N (Herz-Kreislauf-Unterstützung)
- Propolis Urtinktur Hanosan
- Homöopathische Einzelpräparate (A-Z)
- Diverse Komplexmittel
Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika von Hanosan sind vom Rückruf ausgeschlossen.
Ramipril-Rückruf: Blutdrucksenker mit Qualitätsmängeln
Der Münchner Generikahersteller 089Pharm hat erneut mehrere Chargen seines Blutdrucksenkers Ramipril 5 mg zurückgerufen. Grund sind Mängel bei der Bruchfestigkeit der Tabletten – sie zerbrechen zu leicht und können dadurch ungleichmäßig dosiert werden.
| Produkt | Packungsgrößen | Betroffene Chargen |
|---|---|---|
| Ramipril 089PHARM 5 mg | 20, 50 und 100 Tabletten | 36 Chargen |
Der Rückruf erfolgt vorsorglich auf Apotheken- und Großhandelsebene. ACE-Hemmer wie Ramipril gehören zu den am häufigsten verordneten Blutdruckmedikamenten in Deutschland. Patienten sollten ihre Packungen überprüfen und bei Unsicherheit die Apotheke kontaktieren.
Alle aktuellen Medikamenten-Rückrufe im Überblick
| Datum | Medikament | Art | Grund |
|---|---|---|---|
| 22.01.2026 | Fosfuro 3000 mg Granulat | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 22.01.2026 | Ramipril 089PHARM 5 mg | Chargenrückruf | Bruchfestigkeit |
| 22.01.2026 | Fingolimod Heumann 0,5 mg | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 22.01.2026 | BLEO-cell Injektionslösung | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 22.01.2026 | Fluoxetin beta 20 mg | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 21.01.2026 | Naropin Injektionslösung | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 21.01.2026 | Folsäure Hevert 5 mg | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 21.01.2026 | Alle Hanosan-Arzneimittel | Komplettrückruf | Insolvenz |
| 21.01.2026 | Vihuma (alle Stärken) | Komplettrückruf | Qualitätsmangel |
| 21.01.2026 | Atomoxetin Heumann 10 mg | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 07.01.2026 | Bupropion-neuraxpharm 300 mg | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
| 02.01.2026 | Tenofovirdisoproxil Cipla 245 mg | Chargenrückruf | Qualitätsmangel |
So funktioniert ein Medikamenten-Rückruf in Deutschland
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) koordiniert Arzneimittel-Rückrufe auf Bundesebene. Die Maßnahmen können vom Hersteller selbst oder von den Landesüberwachungsbehörden eingeleitet werden.
🔍 Rückruf-Ebenen erklärt (zum Aufklappen)
- Großhandelsebene: Das Medikament wird nur beim Großhandel zurückgerufen – Apotheken und Patienten sind nicht direkt betroffen.
- Apothekenebene: Apotheken müssen das Produkt aus dem Verkauf nehmen. Bereits verkaufte Packungen bleiben meist beim Patienten.
- Patientenebene: Das Medikament muss auch von Patienten zurückgegeben werden – dies geschieht nur bei ernsthaften Gesundheitsrisiken.
Was Patienten bei einem Medikamenten-Rückruf tun sollten
Wenn Sie von einem Medikamenten-Rückruf erfahren, sollten Sie folgende Schritte beachten:
- Chargen-Nummer prüfen: Vergleichen Sie die Chargennummer auf Ihrer Packung mit den betroffenen Chargen. Diese finden Sie auf der Verpackung oder dem Beipackzettel.
- Apotheke kontaktieren: Bei Unsicherheit fragen Sie in Ihrer Apotheke nach – die Mitarbeiter können prüfen, ob Ihre Packung betroffen ist.
- Nicht eigenmächtig absetzen: Setzen Sie verschreibungspflichtige Medikamente niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.
- Ersatzpräparat besorgen: Ihr Arzt oder Apotheker kann ein alternatives Präparat empfehlen.
- Rückgabe: Betroffene Packungen können in der Apotheke zurückgegeben werden.
Wo Sie aktuelle Medikamenten-Rückrufe finden
Um über Arzneimittel-Rückrufe informiert zu bleiben, gibt es mehrere offizielle Quellen:
- BfArM: Das Bundesinstitut veröffentlicht Rückrufe auf seiner Website
- Gelbe Liste: Umfassende Datenbank mit aktuellen Rückrufen und Archiv
- Pharmazeutische Zeitung: AMK-Nachrichten zu Rückrufen und Chargenüberprüfungen
- ABDA: Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände informiert Apotheken
- Ihre Apotheke: Apotheken erhalten Rückruf-Informationen direkt vom Großhandel
Häufige Gründe für Medikamenten-Rückrufe
Die Ursachen für Arzneimittel-Rückrufe sind vielfältig:
- Qualitätsmängel: Falsche Wirkstoffkonzentration, Bruchfestigkeit, Auflösungsverhalten
- Verunreinigungen: Fremdkörper, mikrobiologische Kontamination oder chemische Verunreinigungen
- Kennzeichnungsfehler: Falsche oder fehlende Angaben auf Verpackung oder Beipackzettel
- Verpackungsmängel: Undichte Behältnisse, fehlerhafte Verschlüsse
- Formale Gründe: Insolvenz des Herstellers (wie bei Hanosan)
- Neue Erkenntnisse: Neu entdeckte Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen
💡 Wichtiger Hinweis
Nicht jeder Rückruf bedeutet ein akutes Gesundheitsrisiko. Viele Rückrufe erfolgen vorsorglich oder aus formalen Gründen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie ein Medikament eigenmächtig absetzen.
FAQ: Häufige Fragen zu Medikamenten-Rückrufen
Was ist der Unterschied zwischen Rückruf und Chargenrückruf?
Ein Komplettrückruf betrifft alle Packungen eines Medikaments. Ein Chargenrückruf bezieht sich nur auf bestimmte Produktionschargen – erkennbar an der Chargennummer auf der Verpackung.
Bekomme ich mein Geld zurück?
Ja, bei einem Rückruf können Sie betroffene Packungen in der Apotheke zurückgeben und erhalten den Kaufpreis erstattet oder ein Ersatzpräparat.
Muss ich mein Medikament sofort absetzen?
Nein! Setzen Sie verschreibungspflichtige Medikamente niemals ohne ärztliche Rücksprache ab. Bei den meisten Rückrufen besteht kein akutes Gesundheitsrisiko.
Wo finde ich die Chargennummer meines Medikaments?
Die Chargennummer (auch Lot-Nummer oder Batch-Nummer) steht auf der Umverpackung, oft neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Sie beginnt häufig mit „Ch.-B.“ oder „Lot“.
Wer überwacht Medikamenten-Rückrufe in Deutschland?
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) koordiniert Rückrufe auf Bundesebene. Die Durchführung erfolgt durch die Landesüberwachungsbehörden in Zusammenarbeit mit den pharmazeutischen Unternehmen.
Fazit: Informiert bleiben bei Medikamenten-Rückrufen
Der Januar 2026 zeigt, dass Medikamenten-Rückrufe zum Alltag der Arzneimittelversorgung gehören. Während der Hanosan-Komplettrückruf ein außergewöhnliches Ereignis darstellt, sind Chargenrückrufe wie beim Blutdrucksenker Ramipril Teil der normalen Qualitätskontrolle.
Wichtig ist: Rückrufe dienen dem Schutz der Patienten und zeigen, dass das Überwachungssystem funktioniert. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die offiziellen Informationsquellen im Blick behalten und bei Fragen die Apotheke oder den behandelnden Arzt kontaktieren.
Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert, sobald neue Rückrufe bekannt werden. Stand: 29. Januar 2026.
📋 Quellen
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Gelbe Liste, Pharmazeutische Zeitung, Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Apotheke Adhoc