Produktpiraterie, die illegale Nachahmung und der Verkauf gefälschter Produkte, stellt eine erhebliche Bedrohung für Unternehmen und Verbraucher dar. Sie untergräbt Innovation, gefährdet Arbeitsplätze und birgt Risiken für die Gesundheit und Sicherheit der Konsumenten. Die „Aktion Plagiarius“ macht seit 50 Jahren auf diese Problematik aufmerksam und kürt die dreistesten Fälschungen.

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Das Wichtigste in Kürze
- Die „Aktion Plagiarius“ prämiert seit 50 Jahren besonders dreiste Produktfälschungen.
- Produktpiraterie schädigt die Wirtschaft und gefährdet Verbraucher durch mangelnde Sicherheit.
- 2024 wurden in der EU 112 Millionen gefälschte Waren sichergestellt.
- Vor allem Billigprodukte aus China stehen im Fokus der Fälscher.
Die „Aktion Plagiarius“ – Ein Mahnmal gegen Produktpiraterie
Die „Aktion Plagiarius“, ein Negativpreis, der jährlich auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt verliehen wird, feierte kürzlich ihr 50-jähriges Bestehen. Wie Stern berichtet, zeichnet der Verein seit einem halben Jahrhundert besonders dreiste und gefährliche Produktfälschungen aus. Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf die Problematik der Produktpiraterie aufmerksam zu machen und Unternehmen für den Schutz ihrer geistigen Eigentumsrechte zu sensibilisieren.
Die Jury, bestehend aus Unternehmensvertretern und Rechtsexperten, wählt die „preiswürdigsten“ Fälle aus. Im Jahr 2024 erhielt eine Babyfläschchen-Kopie des renommierten Herstellers Philips Avent den Hauptpreis. Die Plagiate, unter dem Namen „Aveat“ vertrieben, stammten von einem chinesischen Hersteller und wurden weltweit verkauft. Die Jury bemängelte nicht nur den Markenklau, sondern vor allem die mangelnde Produktsicherheit. Weitere ausgezeichnete Produkte waren gefälschte Wasserhähne, schlecht nachgebaute Designmöbel und Billig-Rasierklingen.
Der Verein „Plagiarius“ betont, dass die Auszeichnung nichts darüber aussagt, ob ein nachgeahmtes Produkt rechtswidrig ist. Auch legaler Ideenklau kann „preiswürdig“ sein, da er die Innovationskraft der Originalhersteller beeinträchtigt.
Warum ist Produktpiraterie ein so großes Problem?
Produktpiraterie ist ein Milliardengeschäft, das den legalen Handel untergräbt und den Markt mit oft ungeprüften, falsch deklarierten und nicht EU-konformen Billigartikeln und Fälschungen überschwemmt. Sie schädigt nicht nur die betroffenen Unternehmen, sondern birgt auch erhebliche Risiken für die Verbraucher. Gefälschte Produkte entsprechen oft nicht den Sicherheitsstandards und können gesundheitsschädliche oder sogar gefährliche Substanzen enthalten. So können beispielsweise gefälschte Elektrogeräte Brände verursachen, gefälschte Medikamente wirkungslos sein oder gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe enthalten und gefälschte Spielzeuge Schadstoffe freisetzen.
Die EU-Agentur für geistiges Eigentum (EUIPO) schätzt, dass durch Produktpiraterie jährlich Milliarden Euro an Umsatz verloren gehen und zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet werden. Zudem werden durch die Fälschungen Steuereinnahmen geschmälert, da die illegalen Geschäfte oft nicht versteuert werden.
Produktpiraterie ist kein Kavaliersdelikt. Wer gefälschte Produkte kauft, unterstützt kriminelle Netzwerke und gefährdet seine eigene Gesundheit und Sicherheit.
Wie groß ist das Ausmaß der Produktpiraterie?
Die Dimension des Problems ist gewaltig. Allein im Jahr 2024 stellten die Behörden in der EU oder an deren Grenzen 112 Millionen gefälschte Waren sicher, wie die EUIPO berichtete. Und das sind nur die Fälle, die auffliegen. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Der Markenverband schätzt, dass allein Deutschland jede Woche 144.000 Pakete mit Fälschungen erreichen.
Im Fokus stehen vor allem Billigprodukte aus China. Jeden Tag kommen Hunderttausende Pakete aus Fernost bei deutschen Kunden an. Da der Zoll nicht jedes Paket kontrollieren kann, gelangen viele Fälschungen unbemerkt in den Handel.
Welche Produkte sind besonders häufig von Fälschungen betroffen?
Die Bandbreite der gefälschten Produkte ist enorm. Sie reicht von Konsumgütern wie Kleidung, Schuhen und Handtaschen über Elektronikartikel und Spielzeug bis hin zu Medikamenten und Autoersatzteilen. Besonders häufig betroffen sind Produkte von bekannten Marken, die aufgrund ihrer hohen Nachfrage und ihres Preises für Fälscher attraktiv sind. Aber auch weniger bekannte Produkte werden gefälscht, insbesondere wenn sie sich gut verkaufen lassen.
Einige Beispiele für häufig gefälschte Produkte sind:
- Bekleidung und Schuhe (insbesondere Sportartikel und Luxusmarken)
- Handtaschen und Accessoires
- Elektronikartikel (Smartphones, Tablets, Kopfhörer)
- Spielzeug
- Medikamente
- Autoersatzteile
- Kosmetikprodukte
- Lebensmittel
Die Fälscher werden immer dreister und entwickeln immer raffiniertere Methoden, um ihre Produkte als Originale auszugeben. Oftmals sind die Fälschungen auf den ersten Blick kaum von den Originalen zu unterscheiden.
Seien Sie misstrauisch bei Angeboten, die deutlich unter dem üblichen Preis liegen. Achten Sie auf die Qualität der Verarbeitung und die Echtheit der Logos und Markenzeichen. Kaufen Sie Produkte möglichst nur bei autorisierten Händlern.
Was kann man gegen Produktpiraterie tun?
Die Bekämpfung der Produktpiraterie ist eine gemeinsame Aufgabe von Unternehmen, Behörden und Verbrauchern. Unternehmen müssen ihre Marken und Produkte schützen, indem sie beispielsweise Patente anmelden, Designs registrieren und ihre Vertriebskanäle kontrollieren. Die Behörden müssen die Einfuhr und den Verkauf gefälschter Produkte stärker kontrollieren und die Täter konsequent verfolgen. Und die Verbraucher müssen sensibilisiert werden, um gefälschte Produkte zu erkennen und nicht zu kaufen. Es ist wichtig, sich zu informieren und aufmerksam zu sein, um nicht Opfer von Produktpiraterie zu werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich vor Produktpiraterie zu schützen:

- Kaufen Sie Produkte möglichst nur bei autorisierten Händlern oder direkt beim Hersteller.
- Seien Sie misstrauisch bei Angeboten, die deutlich unter dem üblichen Preis liegen.
- Achten Sie auf die Qualität der Verarbeitung und die Echtheit der Logos und Markenzeichen.
- Prüfen Sie die Verpackung und die Produktinformationen sorgfältig.
- Informieren Sie sich über die typischen Merkmale von Originalprodukten.
- Melden Sie verdächtige Angebote oder Fälschungen den Behörden oder dem Hersteller.
Die deutsche Zollbehörde spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Produktpiraterie. Sie kontrolliert die Einfuhr von Waren und beschlagnahmt gefälschte Produkte. Zudem arbeitet sie eng mit den Unternehmen zusammen, um Fälschungen zu erkennen und die Täter zu ermitteln.
Was genau versteht man unter Produktpiraterie?
Produktpiraterie bezeichnet die illegale Herstellung und den Vertrieb von Produkten, die das geistige Eigentum anderer verletzen. Dies umfasst Markenrechtsverletzungen, Urheberrechtsverletzungen und Patentverletzungen. Es handelt sich um eine Form der Wirtschaftskriminalität mit globalen Auswirkungen.
Welche Schäden entstehen durch Produktpiraterie für die Wirtschaft?
Produktpiraterie verursacht erhebliche finanzielle Schäden für Unternehmen durch entgangene Umsätze und Gewinne. Sie untergräbt Innovation, gefährdet Arbeitsplätze und führt zu Steuerausfällen. Zudem schädigt sie das Image von Marken und Unternehmen.
Wie können Verbraucher gefälschte Produkte erkennen?
Verbraucher können gefälschte Produkte oft an einem auffällig niedrigen Preis, einer minderwertigen Qualität, fehlenden oder fehlerhaften Logos und Markenzeichen sowie an einer mangelhaften Verpackung erkennen. Es ist ratsam, Produkte nur bei vertrauenswürdigen Händlern zu kaufen.
Welche Rolle spielt der Zoll bei der Bekämpfung von Produktpiraterie?
Der Zoll spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Produktpiraterie, indem er die Einfuhr von Waren kontrolliert und gefälschte Produkte beschlagnahmt. Er arbeitet eng mit Unternehmen und anderen Behörden zusammen, um Fälschungen zu erkennen und die Täter zu ermitteln.
Welche rechtlichen Konsequenzen drohen bei Produktpiraterie?
Produktpiraterie ist eine Straftat und kann mit hohen Geldstrafen und Freiheitsstrafen geahndet werden. Zudem können Unternehmen, die gefälschte Produkte herstellen oder vertreiben, auf Schadenersatz verklagt werden. Auch der Handel mit Fälschungen ist strafbar.
Fazit
Produktpiraterie ist ein globales Problem, das die Wirtschaft schädigt und die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher gefährdet. Die „Aktion Plagiarius“ leistet seit 50 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über diese Problematik und zur Sensibilisierung von Unternehmen und Verbrauchern. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung von Unternehmen, Behörden und Verbrauchern kann die Produktpiraterie wirksam bekämpft werden.
Die Bekämpfung der Produktpiraterie erfordert ein konsequentes Vorgehen gegen Fälscher und Händler, eine verstärkte Aufklärung der Verbraucher und eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden. Nur so kann der Schaden, der durch die Produktpiraterie entsteht, minimiert und die Innovationskraft der Unternehmen geschützt werden.
