Das Urteil gegen Jimmy Lai, den ehemaligen Verleger und prominenten Demokratie-Aktivisten in Hongkong, fiel mit einer zwanzigjährigen Haftstrafe überraschend aus. Beobachter hatten im Vorfeld mit einer deutlich längeren, möglicherweise lebenslangen Haftstrafe gerechnet. Die Verurteilung des 76-Jährigen markiert einen weiteren Einschnitt in die Pressefreiheit und die demokratische Bewegung der Sonderverwaltungszone.

Das ist passiert
- Jimmy Lai wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt.
- Ihm werden „Verschwörung“ und „Anstiftung zur Rebellion“ vorgeworfen.
- Das Urteil löste international Kritik aus.
- Lais Vermögen wurde beschlagnahmt.
Was sind die Hintergründe des Jimmy Lai Urteils?
Das Urteil gegen Jimmy Lai fußt auf Vorwürfen der „Verschwörung“ und „Anstiftung zur Rebellion“. Die Anklage stützt sich auf Lais Rolle als Herausgeber der regierungskritischen Zeitung „Apple Daily“. Diese wurde im Jahr 2021 nach massivem Druck und der Verhaftung mehrerer Mitarbeiter eingestellt. Die chinesische Regierung wirft Lai vor, durch seine publizistische Tätigkeit die nationale Sicherheit gefährdet zu haben.
Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wurde Lai bereits zuvor wegen anderer Vergehen verurteilt, darunter die Teilnahme an nicht genehmigten Versammlungen während der pro-demokratischen Proteste im Jahr 2019. Die jetzige Verurteilung reiht sich ein in eine Serie von Maßnahmen gegen pro-demokratische Kräfte in Hongkong, die seit der Einführung des nationalen Sicherheitsgesetzes im Jahr 2020 verstärkt werden.
Die Anklagepunkte im Detail
Die Anklage gegen Jimmy Lai ist komplex und stützt sich auf verschiedene Gesetze und Verordnungen. Ein zentraler Punkt ist das sogenannte nationale Sicherheitsgesetz, das von der chinesischen Regierung erlassen wurde und weitreichende Befugnisse zur Verfolgung von Handlungen einräumt, die als Gefährdung der nationalen Sicherheit eingestuft werden. Kritiker bemängeln, dass das Gesetz vage formuliert ist und somit willkürliche Verurteilungen ermöglicht.
Neben dem nationalen Sicherheitsgesetz stützt sich die Anklage auch auf ältere Gesetze, die beispielsweise die Anstiftung zur Rebellion unter Strafe stellen. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass Lais publizistische Tätigkeit, insbesondere die Veröffentlichung regierungskritischer Artikel in der „Apple Daily“, als Anstiftung zur Rebellion zu werten sei. Zudem wurde ihm „Verschwörung“ vorgeworfen, da er angeblich mit ausländischen Kräften zusammengearbeitet habe, um die Regierung zu untergraben.
Das nationale Sicherheitsgesetz wurde im Juni 2020 von der chinesischen Regierung in Hongkong erlassen. Es kriminalisiert Handlungen, die als Separatismus, Subversion, Terrorismus oder Kollaboration mit ausländischen Mächten angesehen werden. (Lesen Sie auch: Kuba Krise Spitzt sich zu: Ölknappheit Bedroht…)
Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft umfasste unter anderem Artikel aus der „Apple Daily“, öffentliche Äußerungen von Jimmy Lai sowie angebliche Kontakte zu ausländischen Politikern und Aktivisten. Die Verteidigung argumentierte hingegen, dass Lais Handlungen durch die Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt seien und dass das nationale Sicherheitsgesetz in unzulässiger Weise die Grundrechte der Hongkonger Bürger einschränke.
Reaktionen auf das Urteil
Das Urteil gegen Jimmy Lai hat international scharfe Kritik hervorgerufen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch verurteilten die Verurteilung als politisch motiviert und forderten Lais sofortige Freilassung. Auch zahlreiche Regierungen, darunter die USA, Großbritannien und die Europäische Union, äußerten sich besorgt über die Einschränkung der Freiheitsrechte in Hongkong und kritisierten das Vorgehen gegen Lai.
Die chinesische Regierung wies die Kritik zurück und verteidigte das Urteil als notwendige Maßnahme zur Wahrung der nationalen Sicherheit. Sie betonte, dass Hongkong ein Teil Chinas sei und dass die chinesische Regierung das Recht habe, Gesetze zu erlassen und durchzusetzen, um die Stabilität und Sicherheit der Sonderverwaltungszone zu gewährleisten.
Innerhalb Hongkongs gab es kaum öffentliche Reaktionen auf das Urteil. Viele Bürger befürchten Repressalien, wenn sie sich öffentlich kritisch äußern. Einige pro-demokratische Aktivisten äußerten jedoch in den sozialen Medien ihre Solidarität mit Jimmy Lai und kritisierten das Vorgehen der Regierung.
Die Rolle der „Apple Daily“
Die „Apple Daily“ war eine der letzten regierungskritischen Zeitungen in Hongkong. Sie wurde 1995 von Jimmy Lai gegründet und zeichnete sich durch eine investigative und oft polemische Berichterstattung aus. Die Zeitung war bekannt für ihre kritische Haltung gegenüber der chinesischen Regierung und unterstützte die pro-demokratische Bewegung in Hongkong.
Die „Apple Daily“ geriet zunehmend unter Druck, nachdem die chinesische Regierung das nationale Sicherheitsgesetz erlassen hatte. Im Juni 2021 wurden mehrere Mitarbeiter der Zeitung verhaftet und die Redaktionsräume durchsucht. Kurz darauf wurde das Vermögen der Zeitung eingefroren, was zur Einstellung des Betriebs führte. Die Schließung der „Apple Daily“ wurde von vielen als ein schwerer Schlag für die Pressefreiheit in Hongkong gewertet. (Lesen Sie auch: Glatteisgefahr Deutschland: Wo es Jetzt Besonders Gefährlich…)
Die Schließung von „Apple Daily“ im Juni 2021 markierte einen Wendepunkt für die Pressefreiheit in Hongkong. Viele andere Medien haben seitdem ihre Berichterstattung angepasst oder den Betrieb eingestellt.
Die Einstellung der „Apple Daily“ hatte auch Auswirkungen auf die Medienlandschaft in Hongkong. Viele Journalisten verließen die Stadt oder wechselten in andere Berufe. Die verbliebenen Medien üben sich in größerer Selbstzensur, um nicht in Konflikt mit dem nationalen Sicherheitsgesetz zu geraten.
Amnesty International hat die Einschränkungen der Pressefreiheit in Hongkong mehrfach kritisiert.
Wie geht es weiter?
Es ist unklar, wie es für Jimmy Lai weitergeht. Seine Anwälte haben angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Es ist jedoch fraglich, ob die Berufung erfolgreich sein wird, da die Gerichte in Hongkong zunehmend unter dem Einfluss der chinesischen Regierung stehen.

Neben der Haftstrafe wurde auch Lais Vermögen beschlagnahmt. Dies dürfte seine finanzielle Situation erheblich erschweren und seine Möglichkeiten zur Verteidigung einschränken. Es ist davon auszugehen, dass Lai die nächsten Jahre in Haft verbringen wird, sofern es nicht zu einer überraschenden Wendung kommt.
Das Urteil gegen Jimmy Lai wird voraussichtlich weitere Auswirkungen auf die politische Situation in Hongkong haben. Es dürfte die pro-demokratische Bewegung weiter schwächen und die Angst vor Repressalien verstärken. Viele Hongkonger Bürger werden sich künftig noch genauer überlegen, ob sie sich öffentlich kritisch äußern oder an politischen Aktivitäten teilnehmen. (Lesen Sie auch: ICE USA: Umstrittene US-Behörde auch in Deutschland…)
Häufig gestellte Fragen
Welche Strafe erhielt Jimmy Lai im Dezember 2022?
Jimmy Lai wurde im Dezember 2022 zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt, weil er gegen Mietverträge für Büroräume seiner Zeitung Apple Daily verstoßen haben soll. Dieses Urteil erfolgte zusätzlich zu den nun verhängten 20 Jahren Haft.
Was wird Jimmy Lai konkret vorgeworfen?
Lai wird „Verschwörung“ und „Anstiftung zur Rebellion“ vorgeworfen. Die Anklage stützt sich primär auf seine Rolle als Herausgeber der regierungskritischen Zeitung „Apple Daily“ und dessen publizistische Tätigkeit, die als Gefährdung der nationalen Sicherheit gewertet wird.
Wie hat die internationale Gemeinschaft auf das Urteil reagiert?
Das Urteil gegen Jimmy Lai hat international scharfe Kritik hervorgerufen. Menschenrechtsorganisationen und Regierungen weltweit verurteilten die Verurteilung als politisch motiviert und forderten Lais Freilassung, da es die Freiheitsrechte in Hongkong stark einschränke.
Welche Rolle spielte das nationale Sicherheitsgesetz bei der Verurteilung von Jimmy Lai?
Das nationale Sicherheitsgesetz, das von der chinesischen Regierung erlassen wurde, spielte eine zentrale Rolle bei der Verurteilung von Jimmy Lai. Es ermöglichte es den Behörden, Lais publizistische Tätigkeit als Gefährdung der nationalen Sicherheit einzustufen und ihn entsprechend anzuklagen. (Lesen Sie auch: Rugby Six Nations live: Joyn überträgt Top-Spiele…)
Was bedeutet das Urteil gegen Jimmy Lai für die Pressefreiheit in Hongkong?
Das Urteil gegen Jimmy Lai wird als ein schwerer Schlag für die Pressefreiheit in Hongkong gewertet. Es sendet ein deutliches Signal an andere Medien und Journalisten, dass kritische Berichterstattung unerwünscht ist und mit harten Konsequenzen geahndet werden kann. Dies führt zu verstärkter Selbstzensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit.
Das Urteil im Fall Jimmy Lai ist ein deutliches Zeichen für die zunehmende Einschränkung der Freiheitsrechte in Hongkong und die wachsende Einflussnahme der chinesischen Regierung. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Konsequenzen das Urteil für die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Sonderverwaltungszone haben wird. Die internationale Gemeinschaft wird die Situation in Hongkong weiterhin genau beobachten und sich für die Wahrung der Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Weitere Informationen zur politischen Situation in Hongkong finden sich auf der Webseite von Human Rights Watch.
