Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlage von Millionen Menschen und Milliarden Tieren, denn der Klimawandel Weideflächen weltweit dramatisch schrumpfen lassen. Bis zum Jahr 2100 könnten bis zu 50 Prozent der heute nutzbaren Weideflächen ungeeignet werden, was besonders Afrika hart treffen und zu erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen führen würde.

Kernpunkte
- Bis 2100 könnten bis zu 50% der Weideflächen durch den Klimawandel verloren gehen.
- Afrika ist besonders stark betroffen, mit potenziellen Verlusten von bis zu 65%.
- 110 bis 140 Millionen Menschen und bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere sind gefährdet.
- Die Studie des PIK betont die Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, um die schlimmsten Folgen abzumildern.
Die globale Bedrohung der Weideflächen
Rund ein Drittel der globalen Landfläche dient als Weideland und bildet die Basis für die Viehwirtschaft, die insbesondere in trockenen und semiariden Regionen eine wichtige Rolle spielt. Diese Gebiete sind jedoch besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Wie Stern berichtet, prognostiziert eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) massive Einschränkungen der Weideflächen bis zum Ende des Jahrhunderts.
Die Studie, unter der Leitung von Chaohui Li und Maximilian Kotz, kommt zu dem Schluss, dass je nach Szenario zwischen 36 und 50 Prozent der klimatisch geeigneten Weideflächen ihre Nutzbarkeit verlieren könnten. Diese Entwicklung hätte verheerende Folgen für die Menschen, die von der Weidewirtschaft leben, sowie für die riesigen Tierbestände, die auf diesen Flächen gehalten werden.
Weltweit leben schätzungsweise 110 bis 140 Millionen Menschen von der Weidewirtschaft. Auf den betroffenen Flächen werden bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere gehalten, darunter Rinder, Schafe und Ziegen.
Was sind die Ursachen für den Rückgang der Weideflächen?
Der Klimawandel manifestiert sich in verschiedenen Formen, die sich negativ auf die Weideflächen auswirken. Dazu gehören steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse wie Dürren und Hitzewellen. Diese Faktoren beeinflussen die Vegetation und die Wasserverfügbarkeit, die für die Weidewirtschaft essenziell sind.
Maximilian Kotz vom PIK betont, dass die Weidehaltung stark von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasser abhängt. Die Studie zeigt, dass der Klimawandel die Gebiete, in denen diese Form der Landwirtschaft möglich ist, deutlich einschränkt und traditionelle Praktiken gefährdet. Die Verschiebung der Klimazonen führt dazu, dass ehemals geeignete Gebiete für die Weidehaltung ungeeignet werden, während andere Regionen möglicherweise erst in Zukunft dafür in Frage kommen. Diese Veränderungen stellen die Viehwirtschaft vor enorme Anpassungsprobleme.
Die zunehmende Desertifikation, also die Ausbreitung von Wüsten, ist ein weiteres Problem. Durch die Überweidung, die in vielen Regionen bereits heute ein Problem darstellt, wird die Situation zusätzlich verschärft. Der Klimawandel wirkt hier als Verstärker und beschleunigt den Prozess der Landdegradation. (Lesen Sie auch: Klimawandel Januar: Globale Hitze trotz Kälte in…)
Afrika im Fokus: Eine besonders gefährdete Region
Die Studie des PIK identifiziert Afrika als eine der am stärksten betroffenen Regionen. Je nach Klimaszenario könnten die geeigneten Graslandflächen dort um 16 bis 65 Prozent schrumpfen. Diese Zahlen sind alarmierend, da die Weidewirtschaft in vielen afrikanischen Ländern eine zentrale Rolle für die Ernährungssicherheit und die wirtschaftliche Stabilität spielt.
In Ostafrika, wo bereits heute Dürren und Nahrungsmittelknappheit herrschen, könnte sich die Situation dramatisch verschärfen. Nomadisierende Viehzüchter, wie die Massai und Samburu in Kenia, sind besonders gefährdet, da ihre Lebensweise direkt von der Verfügbarkeit von Weideland abhängt. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Dürren bedrohen ihre Herden und damit ihre Existenzgrundlage.
Die steigenden Temperaturen und die veränderten Niederschlagsmuster führen dazu, dass die Vegetation in vielen Regionen Afrikas zurückgeht. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Viehwirtschaft, sondern auch auf die Artenvielfalt und die Ökosysteme insgesamt. Die Desertifikation schreitet voran und bedroht die Lebensgrundlage von Millionen Menschen.
Der Deutschlandfunk berichtet, dass in vielen Teilen Afrikas die Temperaturen bereits jetzt am oberen Rand dessen liegen, was für die Weidehaltung noch verträglich ist. Weitere Temperaturanstiege würden die Situation unhaltbar machen.
Welche sozialen und wirtschaftlichen Folgen sind zu erwarten?
Der Rückgang der Weideflächen hat weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen. Die Studie des PIK schätzt, dass 110 bis 140 Millionen Menschen direkt von den Verlusten betroffen sein werden. Diese Menschen verlieren nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern auch ihre kulturelle Identität, die oft eng mit der Viehwirtschaft verbunden ist.
Die zunehmende Nahrungsmittelknappheit und die wirtschaftliche Not können zu sozialen Spannungen und Konflikten führen. In vielen Regionen Afrikas konkurrieren verschiedene Gruppen um die knappen Ressourcen, was das Risiko von Auseinandersetzungen erhöht. Die Migration in die Städte, die oft mit Armut und Arbeitslosigkeit verbunden ist, ist eine weitere mögliche Folge.
Chaohui Li betont, dass die Veränderungen besonders in Ländern spürbar sein werden, in denen die Menschen bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden. Der Klimawandel wirkt hier als Verstärker und verschärft bestehende Probleme. (Lesen Sie auch: Adipositas Infektionsrisiko: Studie enthüllt Alarmierende Details)
Die Weidewirtschaft spielt in vielen Entwicklungsländern eine wichtige Rolle für die Ernährungssicherheit und die wirtschaftliche Entwicklung. Sie trägt zur Produktion von Fleisch, Milch und anderen tierischen Produkten bei und sichert das Einkommen von Millionen Menschen.
Wie können wir auf den Klimawandel reagieren?
Die Studie des PIK unterstreicht die Notwendigkeit, die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzumildern. Internationale Abkommen wie das Pariser Klimaabkommen sind wichtige Schritte, aber es bedarf weiterer Anstrengungen, um die globalen Klimaziele zu erreichen.
Neben der Reduktion der Emissionen sind Anpassungsmaßnahmen erforderlich, um die Widerstandsfähigkeit der Weidewirtschaft gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen. Dazu gehören die Entwicklung klimaresistenter Nutzpflanzen, die Verbesserung des Wassermanagements und die Förderung nachhaltiger Weidepraktiken. Es ist wichtig, lokale Gemeinschaften in die Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen einzubeziehen, um sicherzustellen, dass sie ihren Bedürfnissen entsprechen.
Eine Diversifizierung der Einkommensquellen kann ebenfalls dazu beitragen, die Abhängigkeit von der Weidewirtschaft zu verringern. Die Förderung von Tourismus, Handwerk und anderen Wirtschaftszweigen kann alternative Einkommensmöglichkeiten schaffen und die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften erhöhen.
Welche Rolle spielt die Forschung?
Die Forschung spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel. Wissenschaftler arbeiten daran, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weideflächen besser zu verstehen und innovative Lösungen zu entwickeln. Dazu gehören die Entwicklung von Modellen, die die Auswirkungen verschiedener Klimaszenarien auf die Weideflächen simulieren, sowie die Erforschung von klimaresistenten Nutzpflanzen und nachhaltigen Weidepraktiken.

Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und lokalen Gemeinschaften ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Forschungsergebnisse in die Praxis umgesetzt werden. Es ist wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft zu nutzen, um evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen und wirksame Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimaforschung und zur Entwicklung von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel. (Lesen Sie auch: Hilfe bei Schulstress: Was Tun, wenn Schule…)
Wie sieht die Zukunft der Weideflächen aus?
Die Zukunft der Weideflächen hängt von den Maßnahmen ab, die wir heute ergreifen. Wenn wir die Treibhausgasemissionen nicht drastisch reduzieren, werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weideflächen immer gravierender. Dies wird zu erheblichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Problemen führen, insbesondere in den am stärksten betroffenen Regionen wie Afrika.
Es ist jedoch noch nicht zu spät, um das Schlimmste zu verhindern. Durch eine Kombination aus Emissionsreduktion, Anpassungsmaßnahmen und Forschung können wir die Widerstandsfähigkeit der Weidewirtschaft erhöhen und die Lebensgrundlage von Millionen Menschen sichern. Es erfordert jedoch ein gemeinsames Engagement von Regierungen, Unternehmen, Wissenschaftlern und lokalen Gemeinschaften, um diese Ziele zu erreichen.
Die Studie des PIK ist ein Weckruf. Sie zeigt, dass der Klimawandel eine reale und unmittelbare Bedrohung für die Weideflächen und die Menschen, die von ihnen leben, darstellt. Es ist an der Zeit, zu handeln, um die schlimmsten Folgen abzumildern und eine nachhaltige Zukunft für die Weidewirtschaft zu sichern.
Häufig gestellte Fragen
Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Weidewirtschaft?
Der Klimawandel führt zu steigenden Temperaturen, veränderten Niederschlagsmustern und häufigeren Extremwetterereignissen, die die Vegetation und Wasserverfügbarkeit beeinträchtigen. Dies führt zum Rückgang der Weideflächen und gefährdet die Viehwirtschaft.
Welche Regionen sind am stärksten vom Rückgang der Weideflächen betroffen?
Afrika ist besonders stark betroffen. Studien prognostizieren dort einen Rückgang der geeigneten Graslandflächen von bis zu 65 Prozent, was die Lebensgrundlage vieler Menschen gefährdet. (Lesen Sie auch: Dunkelfeldstudie Gewalt: Wie Sicher Fühlen Wir Uns…)
Wie viele Menschen sind von den Folgen des Klimawandels für die Weidewirtschaft betroffen?
Schätzungsweise 110 bis 140 Millionen Menschen weltweit leben direkt von der Weidewirtschaft und sind von den negativen Auswirkungen des Klimawandels bedroht.
Was kann getan werden, um die Weidewirtschaft an den Klimawandel anzupassen?
Anpassungsmaßnahmen umfassen die Entwicklung klimaresistenter Nutzpflanzen, die Verbesserung des Wassermanagements, die Förderung nachhaltiger Weidepraktiken und die Diversifizierung der Einkommensquellen.
Welche Rolle spielt die Forschung bei der Anpassung an den Klimawandel?
Die Forschung trägt dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen und innovative Lösungen zu entwickeln. Sie liefert wichtige Erkenntnisse für evidenzbasierte Entscheidungen und wirksame Anpassungsmaßnahmen.
Die prognostizierte Halbierung der Weideflächen bis 2100 stellt eine immense Herausforderung dar, die globale Anstrengungen erfordert, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels auf die Weidewirtschaft und die davon abhängigen Gemeinschaften abzuwenden. Nur durch konsequente Klimaschutzmaßnahmen und gezielte Anpassungsstrategien kann die langfristige Nutzbarkeit der Weideflächen gesichert werden.
