Quantencomputer in Europa sollen durch die Integration von Quantentechnologie in Supercomputer eine neue Ära des Rechnens einläuten. Ein in Garching bei München in Betrieb genommener Quantencomputer mit 54 Qubits, gekühlt auf minus 273 Grad Celsius, markiert einen wichtigen Schritt, um sich einen Platz an der Weltspitze zu sichern und eigene Rechenkapazitäten aufzubauen. Quantencomputer Europa steht dabei im Mittelpunkt.

Zusammenfassung
- Ein neuer Quantencomputer mit 54 Qubits wurde in Garching in Betrieb genommen.
- Das System ist in den Supercomputer SuperMUC-NG integriert.
- Die Kühlung erfolgt auf minus 273 Grad Celsius.
- Das Projekt ist Teil einer EU-weiten Initiative zur Förderung der Quantentechnologie.
Europas Quantensprung: Was steckt hinter dem neuen Superrechner?
Am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching wurde ein Quantencomputer namens Euro-Q-Exa offiziell in Betrieb genommen. Wie Stern berichtet, soll dieser Quantencomputer, der auf extrem niedrige Temperaturen heruntergekühlt wird, Europas Position in der Quantentechnologie stärken. Das System, das mit mehr als 50 Qubits arbeitet, ist in den Supercomputer SuperMUC-NG integriert und soll Forschern neue Möglichkeiten eröffnen.
Die Quantentechnologie gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft, und dieser Schritt in Deutschland ist Teil einer größeren europäischen Strategie. Euro-Q-Exa ist eines von sechs Quantensystemen, die im Rahmen eines EU-Projekts entwickelt wurden. Diese Systeme sollen in europäische Höchstleistungsrechner integriert und von der EuroHPC Joint Undertaking beschafft werden. Ziel ist es, der EU einen Platz an der Weltspitze in diesem Bereich zu sichern und eigene Rechenkapazitäten zu schaffen.
Was bedeutet das für Bürger?
Die Entwicklung von Quantencomputern mag für den einzelnen Bürger zunächst abstrakt erscheinen, doch die potenziellen Auswirkungen sind vielfältig und können in Zukunft unseren Alltag beeinflussen. Quantencomputer könnten beispielsweise in der Medizin eingesetzt werden, um neue Medikamente und Therapien zu entwickeln. Sie könnten auch in der Logistik helfen, Lieferketten zu optimieren und Staus zu reduzieren. Im Finanzwesen könnten sie zur Risikobewertung und Betrugserkennung eingesetzt werden.
Letztendlich geht es darum, komplexe Probleme zu lösen, die mit herkömmlichen Computern nicht oder nur sehr schwer zu bewältigen sind. Die Investition in Quantencomputer in Europa ist somit eine Investition in die Zukunft, die langfristig zu Innovationen und Verbesserungen in verschiedenen Lebensbereichen führen kann.
Wie könnten Quantencomputer die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen?
Quantencomputer könnten die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen, indem sie komplexe molekulare Wechselwirkungen simulieren und so die Suche nach wirksamen Substanzen erleichtern. Sie können auch bei der Analyse großer Datensätze helfen, um Muster und Zusammenhänge zu erkennen, die für die Entwicklung personalisierter Therapien relevant sind. Dies könnte die Zeit und Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente erheblich reduzieren und somit den Zugang zu lebenswichtigen Behandlungen verbessern. (Lesen Sie auch: Quantencomputer Garching: Bayerns Superhirn erklärt)
Die Europäische Union hat die Bedeutung der Quantentechnologie erkannt und fördert die Entwicklung von Quantencomputern im Rahmen verschiedener Initiativen. Ziel ist es, die technologische Souveränität Europas zu stärken und die Abhängigkeit von anderen Regionen zu verringern.
Die Technologie hinter Euro-Q-Exa: Kälter als das Weltall
Der Quantencomputer in Garching arbeitet mit einer Technologie des deutsch-finnischen Start-ups IQM Quantum Computer und verfügt über eine Rechenleistung von 54 Quantenbits (Qubits). Um die empfindlichen Recheneinheiten zu stabilisieren und nutzbar zu machen, wird das System auf unter -273 Grad Celsius gekühlt. Diese Temperatur entspricht dem physikalischen Nullpunkt. Zum Vergleich: Im Weltall herrschen Temperaturen von etwa -270 Grad Celsius.
Die extreme Kühlung ist notwendig, um die Quantenzustände der Qubits aufrechtzuerhalten. Diese Zustände sind sehr fragil und können leicht durch Umwelteinflüsse wie Wärme oder elektromagnetische Strahlung gestört werden. Durch die Kühlung auf nahezu den absoluten Nullpunkt werden diese Störungen minimiert und die Qubits können ihre Quanteneigenschaften beibehalten.
Voraussichtlich bis zum Jahresende soll Euro-Q-Exa um einen weiteren Quantencomputer mit etwa 150 Qubits ergänzt werden. Dies würde die Rechenleistung des Systems erheblich steigern und neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen.
Anwendungsbereiche: Wo Quantencomputer zum Einsatz kommen können
Quantencomputer bieten das Potenzial, komplexe Rechenaufgaben zu lösen, die für klassische Computer eine zu große Herausforderung darstellen. Mögliche Anwendungsbereiche sind vielfältig und reichen von Handel und Logistik über das Finanzwesen bis hin zum Design von Mikrochips. Ein konkretes Beispiel ist die Optimierung von Routen in der Logistik. Bereits bei zehn Standorten entstehen mehrere Millionen Möglichkeiten, bei 58 steigt die Zahl der Varianten auf eine Tredezillion – eine Zahl mit 78 Stellen. Dies macht die Berechnung mit klassischen Rechenmethoden äußerst aufwendig.
Im Finanzwesen könnten Quantencomputer zur Entwicklung komplexer Modelle zur Risikobewertung eingesetzt werden. Sie könnten auch bei der Betrugserkennung helfen, indem sie Muster in großen Datensätzen erkennen, die für menschliche Analysten nicht sichtbar sind. Im Bereich der Materialwissenschaft könnten Quantencomputer dazu beitragen, neue Materialien mit verbesserten Eigenschaften zu entwickeln. (Lesen Sie auch: Heimplanetarium: Hol Dir den Sternenhimmel in Dein…)
Die Entwicklung von Quantencomputern ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Es gibt noch viele technische Herausforderungen zu bewältigen, bevor diese Technologie in großem Umfang eingesetzt werden kann. Dennoch sind die Fortschritte in den letzten Jahren vielversprechend, und es ist absehbar, dass Quantencomputer in Zukunft eine wichtige Rolle in vielen Bereichen spielen werden.
Die EuroHPC Joint Undertaking spielt eine zentrale Rolle bei der Finanzierung und Koordination dieser Projekte.
Die Rolle von IQM Quantum Computers
Das Unternehmen IQM Quantum Computers, das den Quantencomputer am LRZ gebaut hat, ist ein wichtiger Akteur in der europäischen Quantentechnologie-Szene. Das deutsch-finnische Start-up hat sich auf die Entwicklung von supraleitenden Quantencomputern spezialisiert und arbeitet eng mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen, um die Technologie voranzutreiben.
IQM Quantum Computers hat sich zum Ziel gesetzt, Quantencomputer für den praktischen Einsatz zu entwickeln. Das Unternehmen arbeitet an der Skalierung der Qubit-Zahl und der Verbesserung der Stabilität und Genauigkeit der Quantenberechnungen. Die Zusammenarbeit mit dem LRZ in Garching ist ein wichtiger Schritt, um diese Ziele zu erreichen.
IQM Quantum Computers ist ein Beispiel für die Innovationskraft der europäischen Quantentechnologie-Industrie.

Politische Perspektiven: Chancen und Herausforderungen
Die Investition in Quantencomputer in Europa wird von verschiedenen politischen Seiten unterschiedlich bewertet. Befürworter sehen darin eine Chance, die technologische Souveränität Europas zu stärken und die Abhängigkeit von anderen Regionen zu verringern. Sie betonen die potenziellen wirtschaftlichen Vorteile und die Möglichkeit, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Kritiker weisen auf die hohen Kosten der Entwicklung und den unsicheren Ausgang der Forschung hin. Sie fordern eine stärkere Fokussierung auf andere Technologien und eine bessere Risikobewertung. Es gibt auch Bedenken hinsichtlich der ethischen Implikationen von Quantencomputern, insbesondere im Hinblick auf die Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre. (Lesen Sie auch: Ski Alpin Super G Olympia: Hütter holt…)
Unabhängig von der politischen Perspektive ist es wichtig, dass die Entwicklung von Quantencomputern in Europa transparent und verantwortungsvoll erfolgt. Es müssen klare ethische Richtlinien und Sicherheitsstandards festgelegt werden, um die potenziellen Risiken zu minimieren und die Vorteile der Technologie optimal zu nutzen.
Die EU investiert im Rahmen des Programms Digitales Europa über 7 Milliarden Euro in die Quantentechnologie. Ziel ist es, bis 2030 einen Quantencomputer zu entwickeln, der in der Lage ist, komplexe Probleme zu lösen, die für klassische Computer unlösbar sind.
Die Inbetriebnahme des Quantencomputers in Garching ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.
Die Entwicklung von Quantencomputern in Europa ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Es gibt viele Chancen und Herausforderungen, aber auch viele offene Fragen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Technologie in den kommenden Jahren entwickeln wird und welche Auswirkungen sie auf unsere Gesellschaft haben wird.
Die Investition in Quantencomputer in Europa ist ein strategischer Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu sichern und die technologische Souveränität zu stärken. Es ist jedoch wichtig, dass diese Investition mit einer offenen und transparenten Debatte über die ethischen und gesellschaftlichen Implikationen der Technologie einhergeht.
Die Quantencomputerforschung in Europa steht noch am Anfang, aber die bisherigen Fortschritte sind vielversprechend. Mit vereinten Kräften und einer klaren Vision kann Europa eine führende Rolle in der Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie übernehmen. (Lesen Sie auch: Fiktiver Kindesmissbrauch: Was Steckt Hinter der Straftat?)
Ursprünglich berichtet von: Stern
