Die Bauwirtschaft in Europa erlebt einen Aufschwung, der sich auch in der Schweiz bemerkbar macht. Laut der Forschergruppe Euroconstruct, zu der auch das Münchner Ifo-Institut gehört, wird für das laufende Jahr ein reales Wachstum von 2,4 Prozent erwartet. Diese positive Entwicklung der Baukonjunktur Europa stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber den lediglich 0,3 Prozent des Vorjahres dar.

Schweizer Bauwirtschaft profitiert von europäischem Aufschwung
Die Schweizer Bauwirtschaft profitiert vom allgemeinen Aufschwung in Europa. Während in Deutschland erst eine Talsohle im Wohnungsbau erwartet wird, zeigt sich hierzulande ein positiverer Trend. Dies liegt unter anderem an der stabilen Wirtschaftslage und dem anhaltenden Bedarf an Wohnraum, insbesondere in den Ballungszentren wie Zürich und Genf.
International
- Für die europäische Bauwirtschaft wird ein reales Wachstum von 2,4 Prozent im laufenden Jahr erwartet.
- Treiber sind sowohl der Wohnungs- als auch der Tiefbau.
- Das Marktvolumen soll bis 2028 deutlich steigen.
- In Deutschland wird im Wohnungsbau erst dieses Jahr die Talsohle durchschritten.
Was sind die Treiber für das Wachstum der Baukonjunktur in Europa?
Das Wachstum der europäischen Baukonjunktur wird vor allem durch den Wohnungs- und Tiefbau angetrieben. Das Marktvolumen in beiden Bereichen wird bis 2028 voraussichtlich um jeweils 7,5 Prozent höher liegen als 2025. Gründe hierfür sind das regional knappe Wohnraumangebot und der enorme Investitionsbedarf im Verkehrs- und Energiesektor. Der übrige Hochbau wird bis 2028 voraussichtlich um 4,7 Prozent wachsen. (Lesen Sie auch: Erdgasspeicher Aktuell: Wie Lange Reicht das Gas…)
Auswirkungen des Sondervermögens auf die deutsche Bauwirtschaft
Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister äußert Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen des sogenannten Sondervermögens auf die deutsche Bauwirtschaft. Ein wesentlicher Teil dieses Sondervermögens dürfte nicht für Investitionen genutzt werden. Im Verkehrsbereich werden sich die zusätzlichen Finanzmittel hauptsächlich im Schienensektor positiv bemerkbar machen. Dies könnte die Entwicklung im Straßenbau und anderen Bereichen beeinträchtigen.
In der Schweiz spielt der Ausbau der Bahninfrastruktur eine wichtige Rolle, um den steigenden Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden. Projekte wie der Ausbau des Gotthard-Basistunnels und die Neat (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) tragen dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken und die Lebensqualität zu verbessern.
Prognose für Wohnungsfertigstellungen in Europa
Die Untersuchung von Euroconstruct enthält auch eine Prognose zur Zahl der Wohnungsfertigstellungen in den einzelnen Ländern. In den 19 untersuchten Ländern wird die Zahl der Wohnungsfertigstellungen von 1,44 Millionen im vergangenen Jahr kontinuierlich auf 1,66 Millionen im Jahr 2028 steigen. In Deutschland wird die Talsohle der Vorhersage nach allerdings erst im laufenden Jahr erreicht. 2026 steht demnach noch ein Rückgang um 20.000 auf 185.000 an, bevor es mit 205.000 Wohnungsfertigstellungen im Jahr 2027 und 215.000 im Jahr 2028 wieder aufwärtsgeht. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen hat zuletzt bereits angezogen. Es werde allerdings einige Zeit dauern, die Bauvorhaben auch umzusetzen. (Lesen Sie auch: RTL-Moderatorin Burkard: Falschaussage)
Entwicklung der Baugenehmigungen in der Schweiz
Auch in der Schweiz zeichnet sich eine positive Entwicklung bei den Baugenehmigungen ab. Die Kantone verzeichnen eine steigende Nachfrage nach Bauland, insbesondere in den urbanen Gebieten. Dies führt zu einem erhöhten Druck auf die Baubehörden, die Genehmigungsverfahren effizienter zu gestalten und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards zu gewährleisten. Projekte wie die Entwicklung von nachhaltigen Wohnquartieren und die Sanierung bestehender Gebäude stehen dabei im Fokus.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beobachtet die Entwicklung der Baukonjunktur genau, um mögliche Risiken für die Finanzstabilität frühzeitig zu erkennen. Die SNB veröffentlicht regelmäßig Daten und Analysen zur Bauwirtschaft, die als Grundlage für politische Entscheidungen dienen.
Die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Schweiz. Sie trägt maßgeblich zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Wertschöpfung bei. Zudem spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten und der Gestaltung des Lebensraums. (Lesen Sie auch: Rente Auszahlungstag: Wann kommt die Aufs Konto?)
Wie Stern berichtet, schaltet die europäische Bauwirtschaft 2026 aus dem Leerlauf direkt in den übernächsten Gang und hält dieses Tempo bis 2028 weitgehend durch. Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister prognostiziert für 2027 ein Wachstum von 2,2 Prozent und für 2028 noch 1,9 Prozent.

Die Entwicklung der Baukonjunktur in Europa und der Schweiz wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören die demografische Entwicklung, die Zinsentwicklung, die Energiepreise und die politischen Rahmenbedingungen. Eine stabile Wirtschaftslage und eine vorausschauende Planung sind entscheidend, um die Chancen des Aufschwungs optimal zu nutzen und die Herausforderungen zu meistern.
Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich) forscht intensiv im Bereich des nachhaltigen Bauens und der Entwicklung innovativer Baustoffe. Die Forschungsergebnisse der ETH Zürich tragen dazu bei, die Effizienz und Umweltfreundlichkeit der Bauwirtschaft zu verbessern. (Lesen Sie auch: Forschung und Entwicklung: Studie warnt: Deutschland droht…)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Baukonjunktur in Europa und der Schweiz positiv in die Zukunft blickt. Trotz Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel und steigenden Baukosten bieten sich zahlreiche Chancen für Wachstum und Innovation. Eine nachhaltige und zukunftsorientierte Baupolitik ist entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Bauwirtschaft langfristig zu sichern und einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes zu leisten. Die positive Entwicklung der Baukonjunktur Europa wird sich somit auch in der Schweiz positiv auswirken.
