Hand aufs Herz: Wer ist noch nie krank zur Arbeit gegangen? Stephan Komandarevs neuer Film, ein schonungsloses Porträt von Ausbeutung und systemischer Ungerechtigkeit, konfrontiert uns mit dieser unbequemen Wahrheit. Der Made In EU Film „Made in EU“ (2025) erzählt die Geschichte von Iva, einer bulgarischen Näherin, deren Schicksal exemplarisch für viele Arbeitnehmer in Europa steht.

Unser Eindruck: Ein erschütternder, aber wichtiger Film, der zum Nachdenken anregt.
Die schiefe Naht der Realität: Eine bulgarische Näherin im Corona-Jahr
März 2020. Iva, eine Näherin in einer kleinen bulgarischen Stadt, plagt sich mit einer mysteriösen Krankheit herum. Trotzdem geht sie zur Arbeit, denn die Not ist groß. In der Textilfabrik näht sie Etiketten mit der Aufschrift „Made in EU“ in Kleidungsstücke, während sie selbst kaum genug zum Leben hat. Ihr Wunsch nach einer Krankschreibung bleibt ungehört. Als sie positiv auf Covid-19 getestet wird, ist sie der erste offiziell registrierte Fall in ihrer Stadt – und löst damit eine Lawine der Angst und Schuldzuweisungen aus.
Obwohl Iva ihre Heimatstadt seit Jahren nicht verlassen hat, wird sie zum Sündenbock der kollektiven Panik. Arbeitgeber, Kollegen, Nachbarn – sogar ihr eigener Sohn wenden sich von ihr ab. Je mehr Menschen an der Krankheit sterben, desto stärker wird sie öffentlich an den Pranger gestellt. „Made in EU“ ist mehr als nur ein Film über die Corona-Pandemie; er ist eine Studie über die Mechanismen von Ausgrenzung und die brutale Realität der Ausbeutung in der europäischen Textilindustrie. (Lesen Sie auch: Film Gehörlos Blind: Eine Ungewöhnliche Liebe im…)
Kultur-Kompakt
- „Made in EU“ thematisiert die Ausbeutung in der Textilindustrie.
- Der Film zeigt die sozialen Folgen der Corona-Pandemie in einer bulgarischen Kleinstadt.
- Iva wird zum Sündenbock für die Angst und Panik der Gemeinschaft.
- Der Film regt zum Nachdenken über systemische Ungerechtigkeit an.
Was unterscheidet diesen Made in EU Film von anderen Pandemie-Dramen?
Während viele Filme die Corona-Pandemie aus der Perspektive von Ärzten oder Forschern beleuchten, konzentriert sich „Made in EU“ auf die Lebensrealität einer Arbeiterin am unteren Ende der sozialen Leiter. Der Film verzichtet auf spektakuläre Bilder und setzt stattdessen auf eine realistische Darstellung des Alltags in der bulgarischen Provinz. Die Kameraarbeit ist ruhig und beobachtend, der Schnitt präzise und unaufgeregt. Die Musik unterstreicht die bedrückende Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Komandarev gelingt es, die Geschichte von Iva mit großer Sensibilität und Authentizität zu erzählen.
Der Film vermeidet es, einfache Schuldzuweisungen vorzunehmen. Stattdessen zeigt er die komplexen Zusammenhänge auf, die zu Ivas Ausgrenzung führen. Die Angst vor der Krankheit, die wirtschaftliche Not und die mangelnde Solidarität spielen dabei eine entscheidende Rolle. „Made in EU“ ist ein Film, der unter die Haut geht und lange nachwirkt. Er erinnert uns daran, dass die Corona-Pandemie nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziale Krise war.
Wie funktioniert die Ausbeutung in der Textilindustrie?
Der Made In EU Film beleuchtet einen Aspekt, der oft übersehen wird: die Arbeitsbedingungen in der europäischen Textilindustrie. Viele Kleidungsstücke, die in Europa verkauft werden, werden in Ländern mit niedrigen Löhnen und schwachen Arbeitsschutzgesetzen produziert. Die Arbeiterinnen und Arbeiter, meist Frauen, arbeiten unter prekären Bedingungen und erhalten oft nur einen Hungerlohn.
Ivas Geschichte ist kein Einzelfall. Viele Näherinnen in Bulgarien und anderen osteuropäischen Ländern sind gezwungen, krank zur Arbeit zu gehen, weil sie sich keine Krankschreibung leisten können. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist groß. Die Textilindustrie ist ein globales Geschäft, in dem der Preisdruck enorm ist. Die Leidtragenden sind die Arbeiterinnen und Arbeiter, die am Ende der Produktionskette stehen. Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Die Realität sieht oft anders aus, wie auch ein Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt. (Lesen Sie auch: Obsession Film: Düsteres Märchen um Liebe und…)
Der Titel „Made in EU“ ist bewusst provokant gewählt. Er soll auf die Diskrepanz zwischen dem Qualitätsversprechen „Made in EU“ und den realen Arbeitsbedingungen in der europäischen Textilindustrie aufmerksam machen.
Die Rolle der Angst in Zeiten der Pandemie
Ein zentrales Thema des Made In EU Film ist die Rolle der Angst in Zeiten der Pandemie. Die Angst vor der Ansteckung, die Angst vor dem Tod und die Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin führen dazu, dass Menschen sich gegeneinander wenden. Iva wird zum Opfer dieser Angst. Sie wird stigmatisiert, ausgegrenzt und angefeindet. Ihre Geschichte zeigt, wie schnell sich Solidarität in Zeiten der Krise in Misstrauen und Hass verwandeln kann.
Die Corona-Pandemie hat die Schwächen unserer Gesellschaft schonungslos offengelegt. Sie hat gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem, ein starker Sozialstaat und eine solidarische Gemeinschaft sind. Sie hat aber auch gezeigt, wie schnell sich Vorurteile und Ressentiments verbreiten können. „Made in EU“ ist ein Film, der uns daran erinnert, dass wir alle Verantwortung tragen – für uns selbst, für unsere Mitmenschen und für unsere Gesellschaft.
Für wen lohnt sich „Made in EU (2025)“?
Wer Filme wie „Ich, Daniel Blake“ von Ken Loach oder „Zwei Tage, eine Nacht“ von Jean-Pierre und Luc Dardenne mochte, wird auch von „Made in EU“ berührt sein. Der Film ist ein Muss für alle, die sich für soziale Gerechtigkeit, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und die Auswirkungen der Corona-Pandemie interessieren. Er ist kein einfacher Film, aber ein wichtiger Film, der zum Nachdenken anregt und uns dazu auffordert, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wer einen Film sucht, der unterhält, ist hier falsch. „Made in EU“ ist ein Film, der aufrüttelt und bewegt. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung verdeutlicht, ist soziale Ungleichheit ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch in Europa existiert und thematisiert werden muss. (Lesen Sie auch: Goat Film: Ist der neue Animationsfilm Besser…)

Häufig gestellte Fragen
Was ist der thematische Schwerpunkt des Made in EU Films?
Der Film konzentriert sich auf die Ausbeutung in der Textilindustrie und die sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie, insbesondere am Beispiel einer bulgarischen Näherin, die mit Krankheit, Ausgrenzung und wirtschaftlicher Not konfrontiert ist.
Wie wird die Rolle der Angst im Film „Made in EU“ dargestellt?
Die Angst wird als treibende Kraft für Ausgrenzung und Stigmatisierung gezeigt. Iva wird aufgrund der Angst vor Ansteckung zum Sündenbock gemacht und von ihrer Gemeinschaft isoliert. (Lesen Sie auch: One Piece Staffel 2: Trailer Verspricht großes…)
Welche filmischen Mittel setzt Regisseur Stephan Komandarev ein?
Komandarev setzt auf eine realistische Darstellung, ruhige Kameraarbeit, präzisen Schnitt und eine dezente musikalische Untermalung, um die Geschichte von Iva authentisch und sensibel zu erzählen.
Was macht „Made in EU“ zu einem sehenswerten Film?
Der Film regt zum Nachdenken über systemische Ungerechtigkeit an und zeigt auf bewegende Weise die Auswirkungen der Pandemie auf das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft. Er vermeidet einfache Schuldzuweisungen und beleuchtet die komplexen Zusammenhänge.
Woher stammt das Bildmaterial zum Film Made in EU?
Das verwendete Bildmaterial stammt von jip film & verleih (via 42 Film) und zeigt eine Szene aus dem Film „Made in EU (2025)“ von Stephan Komandarev, welches auf kino-zeit.de gefunden wurde.
