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Ein internationaler Cybertrading-Skandal gigantischen Ausmaßes wird seit Januar 2026 vor dem Landgericht Bamberg verhandelt. Die als „Milton Group“ bekannte Bitcoin-Bande soll weltweit Anleger um mindestens 180 Millionen Euro betrogen haben, davon allein über 1000 Geschädigte im deutschsprachigen Raum. Angeklagt ist der mutmaßliche Kopf Mikheil B., dem die Zentralstelle Cybercrime Bayern banden- und gewerbsmäßigen Betrug in bisher nachgewiesener Höhe von über 52 Millionen Euro vorwirft. Der Prozess enthüllt die perfiden Methoden der Täter.
Das Wichtigste in Kürze
- Prozess in Bamberg: Seit dem 15. Januar 2026 läuft am Landgericht Bamberg der Prozess gegen einen 50-jährigen mutmaßlichen Kopf der „Milton Group“.
- Gigantischer Schaden: Der weltweit vermutete Schaden beträgt mindestens 180 Millionen Euro. Der nachgewiesene Schaden in der Anklage beläuft sich auf über 52 Millionen Euro.
- Tausende Opfer: Allein im deutschsprachigen Raum gibt es weit über 1.000 Geschädigte, weltweit wird mit hunderttausenden Opfern gerechnet.
- Internationale Ermittlungen: Sechs Jahre lang ermittelte die Zentralstelle Cybercrime Bayern in einem Joint Investigation Team mit Behörden aus Georgien und Albanien.
- Falsche Versprechen: Die Bitcoin-Bande lockte Opfer mit gefälschter Werbung, teils mit Prominenten, auf gefälschte Handelsplattformen für Kryptowährungen.
- Angeklagter schweigt: Entgegen erster Annahmen hat der Hauptangeklagte Mikheil B. zum Prozessauftakt keine Aussage gemacht und schweigt zu den Vorwürfen.
- Hohe Haftstrafe droht: Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Was wird der Bitcoin-Bande vorgeworfen?
Die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, vertreten durch die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB), ist 169 Seiten lang und wiegt schwer. Dem Hauptangeklagten Mikheil B., einem 50-jährigen Mann mit israelischer und georgischer Staatsbürgerschaft, wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug in zwei umfangreichen Tatkomplexen zur Last gelegt. Zunächst soll er zwischen 2014 und 2019 ein Callcenter in Tirana (Albanien) mit bis zu 600 Mitarbeitern geleitet haben. Dieses betrieb mindestens 28 betrügerische Online-Plattformen, über die Anleger zu angeblich lukrativen Investments überredet wurden.
Darüber hinaus wird ihm vorgeworfen, eine eigene Betrugssoftware namens „PumaTS“ in Auftrag gegeben und vertrieben zu haben. Diese Software bildete die Grundlage für knapp 400 weitere Fake-Plattformen, die von anderen kriminellen Gruppen genutzt wurden. Somit hat die Bitcoin-Bande nicht nur selbst betrogen, sondern auch die Werkzeuge für weltweiten Cybertrading-Betrug geliefert. Der belegte Schaden aus beiden Komplexen summiert sich laut Anklage auf über 52 Millionen Euro, während der vermutete weltweite Schaden auf mindestens 180 Millionen Euro geschätzt wird.
Die Rolle der Zentralstelle Cybercrime Bayern
Die Zentralstelle Cybercrime Bayern spielt eine zentrale Rolle in der Aufklärung dieses Falls. Als spezialisierte Einheit der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg bündelt sie die Kompetenz zur Verfolgung komplexer Cyber-Kriminalität. Aufgrund der internationalen Verstrickungen und der digitalen Spuren war ihre Expertise entscheidend, um die Geldflüsse nachzuverfolgen und die Täterstrukturen aufzudecken. Die Ermittler der ZCB sind oft mit tragischen Schicksalen konfrontiert, bei denen Opfer ihre gesamten Ersparnisse oder die Altersvorsorge verlieren, wie auch der aktuelle Fall des Jungheinrich Stellenabbaus zeigt, der viele vor finanzielle Unsicherheiten stellt.
Die perfide Masche der „Milton Group“
Das Vorgehen der Bitcoin-Bande war systematisch und psychologisch ausgeklügelt. Zunächst wurden potenzielle Opfer durch professionell wirkende Online-Anzeigen und gefälschte Nachrichtenartikel geködert. Oftmals wurden dabei unerlaubt die Namen und Bilder von Prominenten, etwa aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen“, für Deepfake-Werbung missbraucht, um Seriosität vorzutäuschen. Sobald sich ein Interessent auf einer der Fake-Plattformen registrierte, begann die eigentliche Betrugsmasche.
Speziell geschulte „Agents“ aus den Callcentern kontaktierten die Opfer telefonisch. Sie bauten durch häufige Gespräche eine persönliche, beinahe freundschaftliche Beziehung auf. Zunächst wurden die Anleger zu kleinen Investitionen von wenigen hundert Euro überredet. Auf den manipulierten Plattformen wurden ihnen dann schnell hohe Gewinne angezeigt. Dieses Erfolgserlebnis sollte sie zu weitaus höheren Einzahlungen motivieren. Wollte ein Opfer jedoch Geld auszahlen lassen, brach der Kontakt abrupt ab oder es wurde ein plötzlicher Totalverlust des Investments vorgetäuscht. Das Geld war in der Regel unwiederbringlich verloren und wurde über ein komplexes Netz von Scheinfirmen weltweit gewaschen.
Wer ist der Angeklagte Mikheil B.?
Bei dem 50-jährigen Hauptangeklagten Mikheil B. handelt es sich laut den Ermittlern um eine Schlüsselfigur im internationalen Cybertrading-Betrug. Er besitzt die israelische und georgische Staatsangehörigkeit und soll von 2014 bis 2022 eine führende Rolle im Netzwerk der „Milton Group“ eingenommen haben. Ihm wird nicht nur die Leitung eines der größten Callcenter der Bande in Albanien vorgeworfen, sondern auch der Vertrieb der eigens entwickelten Betrugssoftware „PumaTS“. Ihm allein sollen dabei rund 29 Millionen Euro zugeflossen sein. Zum Prozessauftakt am Landgericht Bamberg, der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen stattfand, machte Mikheil B. von seinem Schweigerecht Gebrauch und äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.
| Aspekt | Detail |
|---|---|
| Gericht | Landgericht Bamberg, Cyber-Wirtschaftsstrafkammer |
| Angeklagter | Mikheil B. (50), israelisch-georgischer Staatsbürger |
| Vorwurf | Gewerbs- und bandenmäßiger Betrug |
| Schadenssumme (belegt) | Über 52 Millionen Euro |
| Schadenssumme (weltweit geschätzt) | Mindestens 180 Millionen Euro |
| Geschädigte (D-A-CH) | Weit über 1.000 Personen |
| Tatzeitraum | 2014 – 2022 |
| Prozessbeginn | 15. Februar 2026 |
| Erwartetes Urteil | Ende Februar 2026 |
Wie liefen die internationalen Ermittlungen?
Die Zerschlagung der „Milton Group“ war das Ergebnis einer sechsjährigen, akribischen Ermittlungsarbeit. Da die Täter von verschiedenen Ländern aus operierten (u.a. Albanien, Georgien, Nordmazedonien, Ukraine) und die Opfer in ganz Europa saßen, war eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit unerlässlich. Die bayerischen Ermittler gründeten hierfür ein „Joint Investigation Team“ (JIT) mit Strafverfolgungsbehörden insbesondere aus Albanien und Georgien. Diese Kooperation ermöglichte eine großangelegte Razzia im November 2022, bei der in fünf Ländern gleichzeitig dutzende Objekte durchsucht wurden. Dabei wurden unter anderem 500 Computer und Vermögenswerte in Millionenhöhe sichergestellt. Mikheil B. selbst wurde im August 2023 in Armenien festgenommen und im Mai 2024 nach Deutschland ausgeliefert, wo er seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Die Komplexität solcher internationaler Verbrechen erinnert an andere Fälle, bei denen die Strafverfolgung erschwert ist, wie etwa beim Crans Montana Unglück und der Frage nach der Verantwortung.
Welche Strafe droht dem Hauptangeklagten?
Dem Angeklagten Mikheil B. droht eine empfindliche Strafe. Für gewerbs- und bandenmäßigen Betrug sieht das deutsche Gesetz einen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vor. Angesichts des enormen Schadens und der Professionalität der Taten ist von einer mehrjährigen Haftstrafe auszugehen. Die Generalstaatsanwaltschaft fordert zudem die Einziehung von 29,4 Millionen Euro aus seinem persönlichen Vermögen. Für den Prozess vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer sind zunächst elf Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte Ende Februar 2026 fallen. Die Ermittlungen gegen weitere Mitglieder der Bitcoin-Bande dauern unterdessen an. Es bleibt zu hoffen, dass ein Teil der sichergestellten Vermögenswerte zur Entschädigung der Opfer verwendet werden kann, wie es in einem früheren Cybertrading-Prozess in Bamberg bereits erfolgreich praktiziert wurde.
Für weitere Informationen zu Betrugsmaschen verweisen wir auf die offizielle Seite der Polizeilichen Kriminalprävention. Eine detaillierte Aufarbeitung der internationalen Ermittlungen bietet auch die Pressemitteilung von Eurojust zu früheren Aktionen gegen das Netzwerk.
Fazit
Der Prozess gegen die Bitcoin-Bande „Milton Group“ in Bamberg ist einer der größten Fälle von Cybertrading-Betrug in der deutschen Rechtsgeschichte. Er zeigt eindrücklich die Gefahren unregulierter Online-Investments und die skrupellosen Methoden international agierender Tätergruppen. Mit einem weltweiten Schaden von 180 Millionen Euro und tausenden Geschädigten allein im deutschsprachigen Raum verdeutlicht der Fall die Notwendigkeit spezialisierter Ermittlungsbehörden wie der Zentralstelle Cybercrime Bayern. Das Urteil wird mit Spannung erwartet und könnte ein wichtiges Signal im Kampf gegen die digitale Kriminalität setzen.
Informationen zum Autor
Max Mustermann ist Wirtschaftsredakteur und Experte für Cyberkriminalität bei mindelmedia-news.de. Seit über 10 Jahren berichtet er über die Schnittstellen von Technologie, Finanzen und Kriminalität. Seine Analysen zu großen Betrugsfällen und zur Sicherheit im digitalen Raum werden von einer breiten Leserschaft geschätzt.
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Twitter/X: Prozess-Start in Bamberg: Die Bitcoin-Bande „Milton Group“ soll 1000 Deutsche um 180 Mio. € betrogen haben. Der mutmaßliche Kopf Mikheil B. steht nun vor Gericht. Alle Details zum gigantischen Cyber-Skandal. #BitcoinBande #MiltonGroup #Cybercrime #Bamberg #Prozess
LinkedIn: Ein wegweisender Prozess hat in Bamberg begonnen: Mikheil B., mutmaßlicher Kopf der „Milton Group“, ist wegen eines Betrugsnetzwerks angeklagt, das Anleger weltweit um 180 Millionen Euro erleichtert haben soll. Der Fall offenbart die professionalisierten Strukturen im Cybertrading-Betrug und die Herausforderungen für die internationale Strafverfolgung durch Einheiten wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern. #Cybersecurity #Wirtschaftskriminalität #Betrug #MiltonGroup #Recht #Bamberg
Facebook: ⚖️ Prozessauftakt im Mega-Betrugsfall! Die sogenannte „Milton Group“ soll als Bitcoin-Bande über 1.000 Menschen im deutschsprachigen Raum um ihr Erspartes gebracht haben – der weltweite Schaden wird auf 180 Millionen Euro geschätzt! 😱 In Bamberg steht jetzt der mutmaßliche Drahtzieher vor Gericht. Wir haben die Hintergründe zur perfiden Masche mit Fake-Promi-Werbung und psychologischen Tricks. #BitcoinBande #Betrug #Prozess #Bamberg #Cybercrime #Anlegerschutz