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Die hohe Lawinengefahr in den Alpen, ausgelöst durch starken Schneefall, führt zu drastischen Maßnahmen. Im italienischen Piemont wurde der Ort Rochemolles evakuiert. Behörden in der Schweiz und Italien haben die zweithöchste Warnstufe ausgerufen und zahlreiche Straßen gesperrt, was Einheimische und Touristen betrifft.
Das Wichtigste in Kürze
- Hohe Warnstufe: In weiten Teilen der italienischen und Schweizer Alpen gilt Lawinenwarnstufe 4 (Groß).
- Evakuierung: Der italienische Ort Rochemolles im Piemont wurde aufgrund der akuten Bedrohung vollständig evakuiert.
- Wetterlage: Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee innerhalb weniger Stunden und heftiger Sturm verschärfen die Situation erheblich.
- Sperrungen: Zahlreiche Straßen und Zugänge zu Alpentälern sind für den Verkehr gesperrt, was zu Isolation führt.
- Offizielle Warnung: Experten raten dringend davon ab, gesicherte Pisten und Wanderwege zu verlassen.
- Prognose: Meteorologen erwarten auch für die kommenden Tage weitere intensive Schneefälle in der Region.
Inhaltsverzeichnis
- Aktuelle Lage: Höchste Warnstufen in Italien und der Schweiz
- Evakuierung in Rochemolles: Die dramatische Situation im Piemont
- Was bedeutet die zweithöchste Lawinengefahr in den Alpen?
- Experten warnen: Diese Faktoren erhöhen die Lawinengefahr
- Wie verhalte ich mich bei akuter Lawinengefahr?
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Lawinengefahr Alpen
- Fazit: Anhaltende Anspannung in der Alpenregion
Die Lawinengefahr in den Alpen hat sich am 17.02.2026 dramatisch zugespitzt. Anhaltender starker Schneefall und heftige Stürme haben in Teilen Italiens und der Schweiz zur Ausrufung hoher Warnstufen und zu ersten Evakuierungen geführt. Folglich bleibt die Lage für Anwohner und Urlauber gleichermaßen äußerst angespannt.
Aktuelle Lage: Höchste Warnstufen in Italien und der Schweiz
Seit Montag sorgen massive Schneemengen für chaotische Verhältnisse. Meteorologen berichten von regional bis zu 40 Zentimetern Neuschnee, der auf eine bereits instabile Altschneedecke gefallen ist. Außerdem peitscht ein heftiger Sturm den Schnee durch die Täler und bildet meterhohe Verwehungen. Die Kombination aus Neuschnee, Triebschnee und Wind ist besonders gefährlich. Deshalb haben die Behörden im gesamten Alpenraum reagiert und die Lawinengefahr auf Stufe 4, die zweithöchste auf der fünfstufigen Skala, angehoben. Dies betrifft insbesondere Gebiete im Aostatal, im Piemont sowie in den Schweizer Kantonen Wallis und Graubünden. Die Situation wird durch die aktuelle Lawinengefahr in der Schweiz zusätzlich verschärft.
Evakuierung in Rochemolles: Die dramatische Situation im Piemont
Besonders drastisch ist die Lage im italienischen Piemont. Die Gemeindeverwaltung von Bardonecchia erließ eine Verordnung zur sofortigen und vollständigen Evakuierung des Ortsteils Rochemolles. Dieser bei Touristen beliebte Ort wurde komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Zufahrtsstraßen sind unpassierbar und wurden für jeglichen Verkehr, einschließlich Fußgänger, gesperrt. Rund 40 Personen, darunter Einheimische und Urlauber, mussten ihre Häuser und Unterkünfte umgehend verlassen. Während einige bei Freunden oder Verwandten unterkamen, wurden andere von den Behörden in Hotels in sichereren Gebieten untergebracht. Dieser Schritt unterstreicht den Ernst der aktuellen Lawinengefahr in den Alpen.
Was bedeutet die zweithöchste Lawinengefahr in den Alpen?
Die ausgerufene Warnstufe 4 bedeutet eine „große Lawinengefahr“. Laut dem Verband der Europäischen Lawinenwarndienste (EAWS) ist die Schneedecke an den meisten Steilhängen nur schwach verfestigt. Folglich können sich Lawinen bereits bei geringer Zusatzbelastung, etwa durch einen einzelnen Skifahrer, lösen. Zudem sind zahlreiche mittlere und auch große spontane Lawinen wahrscheinlich. Unter diesen Bedingungen ist das Verlassen gesicherter Pisten lebensgefährlich. Viele Wintersportaktivitäten sind dann nicht mehr möglich. Infrastrukturelle Probleme, wie die Sperrung von Verkehrswegen, sind eine direkte Folge, ähnlich wie die kürzliche Sperrung im Bahnverkehr im Allgäu aufgrund von Bauarbeiten.
Die Europäischen Lawinenwarnstufen erklärt
Um die Lawinengefahr in den Alpen einheitlich zu bewerten, gibt es eine fünfstufige Skala. Diese Tabelle bietet einen klaren Überblick über die einzelnen Stufen und ihre Bedeutung.
| Stufe | Gefahrenbezeichnung | Bedeutung und Auswirkungen |
|---|---|---|
| 1 | Gering | Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Auslösung nur bei großer Zusatzbelastung an extremen Steilhängen möglich. |
| 2 | Mäßig | Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt. Auslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung möglich. |
| 3 | Erheblich | Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Auslösung bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich. Touren erfordern lawinenkundliches Beurteilungsvermögen. |
| 4 | Groß | Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Spontane, auch große Lawinen sind wahrscheinlich. Verzicht auf Touren wird empfohlen. |
| 5 | Sehr Groß | Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und instabil. Zahlreiche große, spontane Lawinen sind zu erwarten, auch im flachen Gelände. Evakuierungen sind wahrscheinlich. |
Experten warnen: Diese Faktoren erhöhen die Lawinengefahr
Mehrere Faktoren tragen zur derzeit kritischen Situation bei. Zunächst fiel der Neuschnee auf eine ungünstige Altschneedecke, die teilweise aus lockerem, zuckerkörnigem Schnee (Schwimmschnee) besteht. Diese Schicht wirkt wie ein Kugellager. Zusätzlich transportiert der starke Wind den Schnee und lagert ihn als labile Triebschneeansammlungen an windabgewandten Hängen ab. Diese Pakete sind extrem störanfällig. Der Deutsche Alpenverein (DAV) warnt davor, dass gerade solche Bedingungen für die meisten Lawinenunfälle verantwortlich sind.
Wie verhalte ich mich bei akuter Lawinengefahr?
Bei hoher Lawinengefahr in den Alpen ist oberste Vorsicht geboten. Zunächst sollten die offiziellen Lawinenlageberichte täglich geprüft werden. Gesicherte Skipisten dürfen unter keinen Umständen verlassen werden. Touren im freien Gelände sollten bei Stufe 4 gänzlich unterlassen werden. Außerdem ist es wichtig, den Anweisungen der lokalen Behörden, wie bei Straßensperrungen oder Evakuierungsaufforderungen, unbedingt Folge zu leisten. Wer in betroffenen Gebieten wohnt, sollte sich über Fluchtwege informieren und ein Notfallpaket bereithalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Lawinengefahr Alpen
Welche Gebiete sind aktuell von der Lawinengefahr in den Alpen betroffen?
Besonders betroffen sind derzeit das italienische Piemont, das Aostatal sowie die Schweizer Kantone Wallis und Graubünden. In diesen Regionen gilt überwiegend die Lawinenwarnstufe 4.
Was bedeutet Lawinenwarnstufe 4 von 5?
Stufe 4 bedeutet eine „große“ Lawinengefahr. Die Schneedecke ist sehr instabil, und es können sich bereits bei geringer Belastung oder sogar spontan große Lawinen lösen. Das Verlassen gesicherter Pisten ist lebensgefährlich.
Wie sollte man sich bei einer Evakuierung aufgrund von Lawinengefahr verhalten?
Bewahren Sie Ruhe und folgen Sie den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte. Nehmen Sie nur das Nötigste mit (Dokumente, Medikamente, Wertsachen) und begeben Sie sich zügig zu den ausgewiesenen Sammelpunkten oder Notunterkünften.
Warum ist die aktuelle Lawinengefahr in den Alpen so hoch?
Die hohe Gefahr resultiert aus der Kombination von großen Neuschneemengen, starkem Wind, der zu gefährlichen Triebschneeansammlungen führt, und einer instabilen Altschneedecke, die als Gleitschicht für Lawinen dient.
Wo finde ich offizielle Informationen zur Lawinensituation?
Verlässliche und tagesaktuelle Informationen bieten die offiziellen Lawinenwarndienste der Alpenländer. Eine zentrale Anlaufstelle ist die Webseite der European Avalanche Warning Services (avalanches.org).
Fazit: Anhaltende Anspannung in der Alpenregion
Die Situation in den betroffenen Gebieten bleibt kritisch. Die Kombination aus intensivem Schneefall und Sturm hat die Lawinengefahr in den Alpen auf ein gefährliches Niveau getrieben, was bereits zu drastischen Maßnahmen wie der Evakuierung von Rochemolles geführt hat. Da die Wetterprognosen keine Entspannung versprechen, ist weiterhin höchste Wachsamkeit geboten. Sowohl Einheimische als auch Touristen sind dringend aufgerufen, die Warnungen der Experten und die Anweisungen der Behörden ernst zu nehmen und ihre Sicherheit an erste Stelle zu setzen.
Video-Empfehlung: Für visuelle Einblicke in die Entstehung und die Gefahren von Lawinen empfehlen wir das YouTube-Video „Lawinengefahr: Wie sie entsteht und wie man sich schützt“ vom SRF (Schweizer Radio und Fernsehen).
Autor: Klaus Bergmann, Alpin-Experte. Bergmann berichtet seit über 15 Jahren über Wetterphänomene und Sicherheit in den Alpen. Er ist selbst erfahrener Bergsteiger und lebt in Garmisch-Partenkirchen.