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Ein Jahr nach der flächendeckenden Einführung Anfang 2025 fordern Ärzte dringende Nachbesserungen bei der elektronischen Patientenakte (ePA). Der Deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband zieht am 18.02.2026 eine kritische Bilanz. Die ePA sei in ihrer jetzigen Form nur eingeschränkt praxistauglich und gleiche eher einer „unsortierten PDF-Sammlung“, mit der Mediziner im Alltag wenig anfangen könnten. Diese Kritik verdeutlicht die Kluft zwischen dem digitalen Anspruch und der Realität in den Praxen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kritik der Hausärzte: Die ePA wird als „unsortierte PDF-Sammlung“ ohne Volltextsuche kritisiert, was die Nutzung im Praxisalltag erschwert.
- Geringe Nutzung: Nur ein kleiner Teil der Versicherten nutzt die ePA aktiv, viele wissen nicht einmal von ihrer Existenz.
- Technische Probleme: Massive Störungen und Ausfälle der Telematikinfrastruktur frustrieren das Praxispersonal und kosten wertvolle Zeit.
- Komplizierte Registrierung: Der Anmeldeprozess für Patienten wird als „absurd kompliziert“ beschrieben und führt zu hohen Abbruchquoten.
- Einführung seit 2025: Die ePA wurde Anfang 2025 für alle gesetzlich Versicherten eingeführt, die nicht aktiv widersprochen haben (Opt-Out-Verfahren).
- Pflicht für Praxen: Seit dem 1. Oktober 2025 sind Arztpraxen und Kliniken verpflichtet, relevante Daten wie Befunde in die ePA einzustellen.
Ein Jahr nach dem Start der verpflichtenden Einführung am 15. Januar 2025 fordern Ärzte erhebliche Nachbesserungen bei der E-Patientenakte. Markus Beier, der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, äußerte sich am 18.02.2026 gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sehr kritisch. Während das Konzept in anderen Ländern bereits erfolgreich sei, scheitere die Umsetzung in Deutschland an der konkreten Praxistauglichkeit. Folglich bleibt das Potenzial der digitalen Akte bisher ungenutzt.
Kritik an der Umsetzung der E-Patientenakte
Die Hauptkritik der Ärzteschaft zielt auf die mangelnde Funktionalität. Laut Beier ist die E-Patientenakte aktuell nicht mehr als eine „unsortierte PDF-Sammlung“. Dies führt dazu, dass sich Mediziner mühsam durch unzählige, unstrukturierte Dokumente arbeiten müssen, um relevante Informationen zu finden. Eine entscheidende Funktion, die Volltextsuche, fehlt gänzlich, was die Effizienz in der täglichen Arbeit stark beeinträchtigt. Obwohl der Großteil der Praxen die ePA nutzt und Dokumente einstellt, liegt das Problem laut Beier nicht bei den Praxen, sondern „an der mangelhaften Umsetzung und der störungsanfälligen Technik“. Auch die Sicherheit sensibler Daten bleibt ein zentrales Thema, wie unser Beitrag zum Thema Rassismus Spital zeigt, wo sensible Daten eine Rolle spielen.
Was sind die größten Probleme für Ärzte?
Zunächst stellt die fehlende Struktur der Daten eine enorme Hürde dar. Anstatt einer übersichtlichen, digitalen Akte mit filterbaren und durchsuchbaren Einträgen, erhalten Ärzte oft nur eine lose Sammlung von PDF-Dateien. Außerdem sorgen massive Störungen und Ausfälle der zugrundeliegenden Telematikinfrastruktur für erheblichen Frust und Zeitverlust in den Praxen. Diese technischen Unzulänglichkeiten binden wertvolle Ressourcen, die eigentlich für die Patientenversorgung benötigt werden. Die Situation erinnert an die Notwendigkeit robuster Systeme, wie sie auch bei der Warnung vor gefährlichen Produkten im Spielzeug Rückruf Asbest Fall unerlässlich ist.
Warum ist die E-Patientenakte kaum praxistauglich?
Die mangelnde Praxistauglichkeit der E-Patientenakte resultiert direkt aus den genannten Problemen. Ein System, das mehr Zeit für die Verwaltung erfordert, als es durch schnellen Informationszugriff einspart, erfüllt seinen Zweck nicht. Ärzte benötigen strukturierte Daten, um schnell Diagnosen, Medikationspläne oder Laborwerte zu erfassen. Eine reine Ansammlung von Dokumenten ohne intelligente Such- und Filterfunktionen ist im hektischen Praxisalltag hinderlich. Deshalb ist die Forderung nach Nachbesserungen bei der E-Patientenakte seitens der Ärzteschaft mehr als verständlich.
Technische Hürden und geringe Akzeptanz
Nicht nur die Ärzte, auch die Patienten kämpfen mit der E-Patientenakte. Beier beschreibt den Registrierungsprozess als „absurd kompliziert“, was dazu führt, dass selbst digital affine Menschen frustriert aufgeben. Viele der rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten, für die automatisch eine Akte angelegt wurde, wissen laut Beier gar nicht, dass sie eine ePA besitzen. Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums zufolge nutzen aktiv nur etwa vier Millionen Versicherte ihre digitale Akte. Diese geringe Akzeptanz untergräbt den Nutzen des Systems, da die Akten oft unvollständig bleiben.
Video-Empfehlung: Ein aktueller Beitrag der Tagesschau oder eines anderen öffentlich-rechtlichen Senders, der die Funktionsweise und die Kritik an der ePA erklärt.
(Hier könnte ein YouTube-Video eingebettet werden, das die Problematik der ePA erläutert.)
Gegenstimmen und Potenzial der ePA
Trotz der harschen Kritik gibt es auch positive Stimmen. Die Techniker Krankenkasse (TK) zog Anfang des Jahres eine positive Bilanz und betonte, dass die ePA 2025 erfolgreich gestartet sei. Laut TK-Chef Jens Baas würden bereits 85 Prozent der Arztpraxen auf Akten zugreifen und besonders die elektronischen Medikationslisten millionenfach genutzt. Das grundlegende Ziel, medizinische Informationen an einem Ort zu bündeln und so die Behandlung zu verbessern, wird von allen Seiten unterstützt. Das Bundesgesundheitsministerium sieht in der ePA das Kernelement der Digitalisierung im Gesundheitswesen.
Vergleich der Perspektiven: Ärzte vs. Krankenkassen
| Aspekt | Sicht der Hausärzte (Kritik) | Sicht der Krankenkassen (z.B. TK) |
|---|---|---|
| Praxistauglichkeit | Sehr gering, „unsortierte PDF-Sammlung“ | Erfolgreicher Start, hohe Zugriffszahlen durch Praxen |
| Nutzung | Kaum aktive Nutzung durch Patienten | Steigende Login-Zahlen bei Versicherten |
| Technik | Störanfällig, massive Ausfälle | Erfolgreiche Nutzung von Kernfunktionen wie Medikationslisten |
| Registrierung | „Absurd kompliziert“, hohe Hürden | Hohe Sicherheitsanforderungen erschweren den Prozess |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die elektronische Patientenakte (ePA)?
Die E-Patientenakte ist eine digitale Akte, in der medizinische Informationen wie Befunde, Diagnosen oder Medikationspläne zentral gespeichert werden. Sie soll den Austausch zwischen Ärzten, Krankenhäusern und Patienten verbessern und Doppeluntersuchungen vermeiden.
Warum fordern Ärzte Nachbesserungen bei der E-Patientenakte?
Ärzte kritisieren, dass die ePA in der Praxis kaum nutzbar ist. Sie bemängeln, dass sie einer „unsortierten PDF-Sammlung“ gleicht, eine Volltextsuche fehlt und die technische Infrastruktur häufig ausfällt. Das erschwert die Arbeit anstatt sie zu erleichtern.
Ist die Nutzung der ePA für Patienten freiwillig?
Ja und nein. Seit Anfang 2025 wird für jeden gesetzlich Versicherten automatisch eine ePA angelegt, es sei denn, man widerspricht aktiv (Opt-Out-Verfahren). Die aktive Nutzung, also das Einsehen und Verwalten der Daten per App, ist jedoch freiwillig. Mehr Informationen dazu bietet die gematik, die für die Telematikinfrastruktur zuständig ist.
Wer hat Zugriff auf meine Daten in der E-Patientenakte?
Grundsätzlich entscheiden die Versicherten selbst, wer auf ihre Daten zugreifen darf. Sie können Ärzten, Krankenhäusern oder Apotheken individuelle Berechtigungen erteilen. Ohne explizite Freigabe durch den Patienten kann kein Leistungserbringer die Daten einsehen.
Welche Vorteile soll die ePA bringen?
Das Ziel der ePA ist eine verbesserte medizinische Versorgung. Wichtige Informationen wie Allergien, Vorerkrankungen oder eingenommene Medikamente sind im Notfall schnell verfügbar. Doppeluntersuchungen können vermieden und Behandlungen besser aufeinander abgestimmt werden. Die ePA soll den Patienten zudem mehr Transparenz und Kontrolle über die eigenen Gesundheitsdaten geben.
Fazit und Ausblick
Ein Jahr nach ihrer Einführung bleibt die E-Patientenakte ein Projekt mit großem Potenzial, aber erheblichen Mängeln in der Umsetzung. Die Kritik der Hausärzte zeigt deutlich, dass die Praxistauglichkeit noch in weiter Ferne liegt. Damit die Digitalisierung im Gesundheitswesen gelingt, müssen die Verantwortlichen die Forderungen der Ärzte nach Nachbesserungen bei der E-Patientenakte ernst nehmen. Eine funktionale Suchfunktion, strukturierte Daten und eine stabile technische Infrastruktur sind unerlässlich. Nur so kann die ePA zu dem Werkzeug werden, das die Patientenversorgung tatsächlich verbessert, anstatt zusätzlichen Frust im Praxisalltag zu schaffen.
Von unserem Autor:
Maximilian Berger ist freier Journalist mit Schwerpunkt auf Digitalisierung im Gesundheitswesen. Seit über 10 Jahren begleitet er die Entwicklungen rund um Telematikinfrastruktur und eHealth in Deutschland. Seine Analysen basieren auf intensiven Recherchen und Gesprächen mit Experten aus Medizin, Politik und IT.
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