Die Frage, wo Kubas einst so treue «Bruderstaaten» sind, wird angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Notlage immer lauter. Die Karibikinsel, die unter einem schmerzhaften amerikanischen Ölembargo leidet, wartet vergeblich auf die versprochene und dringend benötigte kuba hilfe verbündeter Nationen. Die Angst vor Konsequenzen durch die USA scheint grösser als die Solidarität mit dem sozialistischen Inselstaat.

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- Kubas schwierige Lage: Eine verpasste Chance für Solidarität?
- Wie funktioniert die internationale Solidarität in der Praxis?
- Die Rolle Venezuelas: Vom grosszügigen Gönner zum Sorgenkind
- Welche Alternativen hat Kuba, um die Krise zu bewältigen?
- Die Zukunft Kubas: Ein Hoffnungsschimmer oder ein düsteres Szenario?
- Häufig gestellte Fragen
Länder-Kontext
- Kuba erlebt die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
- Das US-Embargo verschärft die Situation erheblich und behindert die wirtschaftliche Entwicklung.
- Die Abhängigkeit von Venezuela als Öllieferant hat sich als riskant erwiesen.
- Die kubanische Regierung sucht nach neuen Wegen, um die Wirtschaft zu diversifizieren und ausländische Investitionen anzuziehen.
Kubas schwierige Lage: Eine verpasste Chance für Solidarität?
Havanna, Kuba – Die Strassen sind dunkler geworden. Stromausfälle gehören zum Alltag, und die Regale in den Geschäften sind leerer als je zuvor. Kuba, einst stolz auf seine Errungenschaften in Bildung und Gesundheitswesen, erlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Ursachen sind vielfältig: Das seit Jahrzehnten bestehende US-Embargo, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Tourismus und interne wirtschaftliche Fehlentscheidungen haben zu einer verheerenden Situation geführt. Doch was viele Kubanerinnen und Kubaner besonders schmerzt, ist das Ausbleiben der erwarteten Solidarität durch vermeintliche Verbündete.
In den glorreichen Zeiten des Kalten Krieges konnte Kuba auf die Unterstützung der Sowjetunion und anderer sozialistischer Staaten zählen. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks suchte die Insel neue Partner, vor allem in Lateinamerika. Venezuela, unter Hugo Chávez, wurde zum wichtigsten Verbündeten und lieferte Öl zu Vorzugspreisen. Doch mit dem Niedergang der venezolanischen Wirtschaft und den politischen Turbulenzen in der Region brachen auch diese Lieferketten zusammen. Die Abhängigkeit von einem einzigen Partner erwies sich als fatal.
Die kubanische Regierung unter Miguel Díaz-Canel versucht zwar, neue Wege zu finden, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Ausländische Investitionen sollen angezogen, der Tourismus wiederbelebt und die Landwirtschaft modernisiert werden. Doch das US-Embargo, das unter der Trump-Administration nochmals verschärft wurde, stellt weiterhin ein enormes Hindernis dar. Es schreckt viele ausländische Unternehmen ab, in Kuba zu investieren, da sie Sanktionen der USA fürchten.
Das US-Embargo gegen Kuba besteht seit 1962 und ist das älteste und umfassendste Embargo in der modernen Geschichte. Es verbietet US-Unternehmen und ihren Tochtergesellschaften, Handel mit Kuba zu treiben. Ausserdem drohen Sanktionen gegen ausländische Unternehmen, die mit Kuba Geschäfte machen.
Wie funktioniert die internationale Solidarität in der Praxis?
Internationale Solidarität ist oft ein schönes Wort, doch in der Realität spielen geopolitische Interessen und wirtschaftliche Erwägungen eine entscheidende Rolle. Viele Länder, die sich einst als Freunde Kubas bezeichneten, scheuen heute den offenen Konflikt mit den USA. Sie fürchten den Verlust von Handelsvorteilen oder den Zugang zum US-Markt. Die Angst vor Sekundärsanktionen ist gross. Die Europäische Union, die traditionell eine kritischere Haltung gegenüber dem US-Embargo einnimmt, versucht zwar, Kuba durch Entwicklungshilfe und politische Dialoge zu unterstützen, doch auch hier sind die Möglichkeiten begrenzt. (Lesen Sie auch: Hart aber Herzlich Reunion: Robert Wagner &…)
Einige lateinamerikanische Länder, wie Mexiko und Brasilien, haben sich in der Vergangenheit für eine Aufhebung des Embargos ausgesprochen, doch konkrete Hilfeleistungen bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Die politische Landschaft in der Region ist im Wandel, und viele Regierungen haben mit eigenen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Die Solidarität mit Kuba ist somit oft mehr Lippenbekenntnis als gelebte Realität. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, lässt die internationale Unterstützung für Kuba zu wünschen übrig.
Die aktuelle Situation in Kuba ist auch für die Schweiz von Bedeutung. Als neutraler Staat hat die Schweiz traditionell gute Beziehungen zu Kuba gepflegt und sich für eine friedliche Lösung des Konflikts mit den USA eingesetzt. Schweizer Unternehmen haben in der Vergangenheit in Kuba investiert, vor allem im Tourismussektor. Doch auch sie sind von den Auswirkungen des Embargos betroffen. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Bundes unterstützt Kuba in verschiedenen Bereichen, wie der Landwirtschaft und der erneuerbaren Energien.
Die Rolle Venezuelas: Vom grosszügigen Gönner zum Sorgenkind
Die einstige Allianz zwischen Kuba und Venezuela war ein Eckpfeiler der kubanischen Wirtschaft. Im Gegenzug für die Entsendung von Ärzten und anderen Fachkräften erhielt Kuba verbilligtes Öl aus Venezuela. Dieses Abkommen sicherte nicht nur die Energieversorgung der Insel, sondern ermöglichte es Kuba auch, Öl auf dem internationalen Markt zu verkaufen und Devisen zu erwirtschaften. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang Venezuelas und den politischen Veränderungen in dem Land ist diese Quelle jedoch versiegt. Die Ölproduktion ist drastisch gesunken, und Venezuela ist kaum noch in der Lage, seine eigenen Bedürfnisse zu decken. Dies hat Kuba in eine noch prekärere Lage gebracht.
Die Abhängigkeit von Venezuela war ein strategischer Fehler, der sich nun bitter rächt. Kuba hat es versäumt, seine Wirtschaft rechtzeitig zu diversifizieren und sich unabhängiger von externen Faktoren zu machen. Die starre Planwirtschaft und die mangelnde Bereitschaft zu Reformen haben die Situation zusätzlich verschärft. Viele Kubanerinnen und Kubaner sehen die Zukunft pessimistisch und wandern aus, vor allem in die USA. Dies führt zu einem Verlust von Fachkräften und untergräbt die wirtschaftliche Basis des Landes.
Die Abwanderung von Kubanern in die USA hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Allein im Jahr 2022 erreichten über 300.000 Kubaner die US-Grenze. Dies ist die grösste Auswanderungswelle seit der Revolution von 1959.
Welche Alternativen hat Kuba, um die Krise zu bewältigen?
Kuba steht vor einer Zerreissprobe. Um die Krise zu bewältigen, sind tiefgreifende Reformen notwendig. Die Regierung muss den Privatsektor stärken, ausländische Investitionen fördern und die Landwirtschaft modernisieren. Auch eine Lockerung der politischen Kontrolle und eine Öffnung der Gesellschaft sind unerlässlich, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Die Schweiz könnte hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie ihre Expertise in den Bereichen Wirtschaftsentwicklung und Good Governance einbringt. Die Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA setzt sich für eine friedliche und nachhaltige Entwicklung in Kuba ein. (Lesen Sie auch: Klarnamenpflicht, Social-Media-Verbot für Jugendliche: Prominente Christlichdemokraten drängen…)
Es ist jedoch unrealistisch zu erwarten, dass Kuba die Krise allein bewältigen kann. Internationale Solidarität ist weiterhin gefragt. Die Europäische Union und andere Länder sollten ihren Einfluss geltend machen, um die Aufhebung des US-Embargos zu erreichen. Dies würde Kuba die dringend benötigte Luft zum Atmen verschaffen und die wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln. Auch humanitäre Hilfe ist notwendig, um die Not der Bevölkerung zu lindern. Die Schweiz leistet bereits einen Beitrag, doch es braucht mehr Engagement der internationalen Gemeinschaft.
Die Zukunft Kubas: Ein Hoffnungsschimmer oder ein düsteres Szenario?
Die Zukunft Kubas ist ungewiss. Vieles hängt davon ab, ob die Regierung zu mutigen Reformen bereit ist und ob die internationale Gemeinschaft ihre Solidarität in konkrete Taten umsetzt. Ein Hoffnungsschimmer ist die zunehmende Bedeutung des Tourismus, der eine wichtige Devisenquelle darstellt. Auch die wachsende Zahl von Kleinunternehmen und Genossenschaften zeigt, dass es ein grosses Potenzial für Unternehmertum und Eigeninitiative gibt. Die kubanische Bevölkerung ist widerstandsfähig und kreativ, und sie verdient eine Chance auf eine bessere Zukunft.
Ein düsteres Szenario wäre, wenn die Krise weiter anhält und die soziale Unruhe zunimmt. Dies könnte zu politischer Instabilität und einer weiteren Verschärfung der Menschenrechtslage führen. Auch ein militärisches Eingreifen der USA ist nicht auszuschliessen, obwohl dies die Situation nur noch verschlimmern würde. Es liegt im Interesse aller, eine friedliche und nachhaltige Lösung für die Krise in Kuba zu finden. Die Schweiz kann hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie ihren Beitrag zu einer gerechteren und friedlicheren Welt leistet.
Die USA verhängen ein umfassendes Embargo gegen Kuba als Reaktion auf die Verstaatlichung US-amerikanischer Unternehmen und die Annäherung Kubas an die Sowjetunion.
Der Zusammenbruch des Ostblocks führt zu einem abrupten Ende der sowjetischen Hilfsleistungen an Kuba und stürzt die Insel in eine tiefe Wirtschaftskrise („Sonderperiode“).

Unter Hugo Chávez beginnt Venezuela, Kuba mit verbilligtem Öl zu beliefern, was die kubanische Wirtschaft vorübergehend stabilisiert. (Lesen Sie auch: Glyphosat USA: Trump erklärt es zur Nationalen…)
Unter Präsident Barack Obama nehmen Kuba und die USA diplomatische Beziehungen auf und lockern das Embargo teilweise.
Präsident Donald Trump verschärft das US-Embargo gegen Kuba erneut und schränkt die Reisemöglichkeiten für US-Bürger ein.
Häufig gestellte Fragen
Welche Auswirkungen hat das US-Embargo auf die kubanische Wirtschaft?
Das US-Embargo behindert den Handel und die Investitionen in Kuba erheblich. Es erschwert den Zugang zu Krediten und Technologien und führt zu Engpässen bei lebensnotwendigen Gütern wie Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff.
Welche Rolle spielt Venezuela als Partner Kubas?
Venezuela war lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftspartner Kubas und lieferte verbilligtes Öl. Aufgrund der eigenen wirtschaftlichen Probleme Venezuelas ist diese Unterstützung jedoch stark zurückgegangen, was Kuba in eine schwierige Lage gebracht hat. (Lesen Sie auch: Nordische Kombination Heute: Deutsche Hoffnungen)
Welche Massnahmen ergreift die kubanische Regierung, um die Wirtschaft zu stabilisieren?
Die kubanische Regierung versucht, ausländische Investitionen anzuziehen, den Tourismus zu fördern, die Landwirtschaft zu modernisieren und den Privatsektor zu stärken. Allerdings sind diese Bemühungen durch das US-Embargo stark eingeschränkt.
Wie unterstützt die Schweiz Kuba?
Die Schweiz unterstützt Kuba durch Entwicklungshilfe in verschiedenen Bereichen, wie der Landwirtschaft und der erneuerbaren Energien. Sie setzt sich auch für eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Kuba und den USA ein.
Welche Perspektiven hat Kuba für die Zukunft?
Die Zukunft Kubas ist ungewiss. Vieles hängt davon ab, ob die Regierung zu Reformen bereit ist und ob die internationale Gemeinschaft ihre Solidarität in konkrete Taten umsetzt. Die kubanische Bevölkerung ist widerstandsfähig, doch die Herausforderungen sind gross.
Die Situation in Kuba ist ein Lackmustest für die internationale Solidarität. Während die Welt zusieht, wie die Karibikinsel ums Überleben kämpft, stellt sich die Frage, wer bereit ist, über wirtschaftliche und politische Eigeninteressen hinwegzusehen und echte Kuba Hilfe Verbündete zu leisten. Für die Schweiz, mit ihrer Tradition der Neutralität und humanitären Hilfe, bietet sich die Chance, einen konstruktiven Beitrag zur Lösung dieser Krise zu leisten. Es bleibt zu hoffen, dass die internationale Gemeinschaft die Notlage Kubas nicht ignoriert und gemeinsam Wege findet, um dem Land eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die Abhängigkeit von externer Hilfe ist jedoch kein nachhaltiger Zustand, weshalb interne Reformen unerlässlich sind, um eine langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Die kubanische Bevölkerung verdient eine Chance auf ein besseres Leben, frei von Entbehrungen und politischer Unterdrückung.
