Der Equal Pay Day im Jahr 2025 zeigt: Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer. Im Durchschnitt liegt der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland unverändert bei 16 Prozent. Das bedeutet, dass Frauen pro Arbeitsstunde 16 Prozent weniger Lohn erhalten als ihre männlichen Kollegen. Entgegen dem Trend der Vorjahre hat sich diese Lücke nicht weiter geschlossen.

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- Lohnlücke zwischen Männern und Frauen: Was sind die Ursachen?
- Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit: Aktuelle Zahlen zum Equal Pay Day
- Bereinigter Gender Pay Gap: Ein genauerer Blick auf die Lohnunterschiede
- Gender Hours Gap: Weniger Arbeitszeit für Frauen
- Welche Rolle spielen stereotype Rollenbilder bei der Entgeltungleichheit?
- Was kann gegen die Lohnlücke getan werden?
- Fazit
Lohnlücke zwischen Männern und Frauen: Was sind die Ursachen?
Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist komplex und hat viele Ursachen. Ein großer Teil lässt sich durch strukturelle Unterschiede erklären, wie beispielsweise die höhere Teilzeitquote bei Frauen oder die Tatsache, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten. Allerdings bleibt auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation ein unerklärlicher Rest bestehen.
Zusammenfassung
- Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland beträgt 2025 weiterhin 16 Prozent.
- Ein Teil der Lücke lässt sich durch strukturelle Unterschiede erklären, wie Teilzeit und Berufswahl.
- Der bereinigte Gender Pay Gap, der Unterschiede bei Qualifikation und Tätigkeit berücksichtigt, liegt bei etwa 6 Prozent.
- Erwerbsunterbrechungen, beispielsweise durch Elternzeit, könnten eine Rolle bei der Erklärung des bereinigten Gender Pay Gap spielen.
Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit: Aktuelle Zahlen zum Equal Pay Day
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verdienten Männer im Jahr 2025 durchschnittlich 27,05 Euro brutto pro Stunde. Frauen hingegen kamen im Schnitt lediglich auf 22,81 Euro. Damit ergibt sich eine Differenz von 4,24 Euro pro Stunde. Noch im Jahr zuvor hatte sich die Lücke um zwei Prozentpunkte verringert. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Verdienstunterschied im Jahr 2006 noch 23 Prozent betrug. Eine leichte Verbesserung hat es also gegeben, jedoch stagniert der Fortschritt.
Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch zwischen Ost- und Westdeutschland. Während im Osten die Lohnlücke bei etwa 5 Prozent liegt, klafft im Westen eine Lücke von 17 Prozent. Diese regionale Diskrepanz könnte unter anderem auf unterschiedliche Branchenstrukturen und Erwerbsmodelle zurückzuführen sein. (Lesen Sie auch: Stellantis Verlust: Milliarden-Minus Schockt die Autobranche)
Bereinigter Gender Pay Gap: Ein genauerer Blick auf die Lohnunterschiede
Ein großer Teil der Lohnlücke lässt sich durch sogenannte strukturelle Unterschiede erklären. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, sind seltener in Führungspositionen vertreten und wählen öfter Berufe, die schlechter bezahlt werden. Berücksichtigt man diese Faktoren, bleibt ein bereinigter Gender Pay Gap bestehen. Dieser lag im Jahr 2025 unverändert bei 1,71 Euro oder rund 6 Prozent des Brutto-Stundenlohns. Das Statistische Bundesamt nutzt verschiedene Methoden, um diese Lohnlücke zu berechnen und die Ursachen zu analysieren.
Auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie verdienen Frauen also im Schnitt 6 Prozent weniger als Männer. Die Ursachen für diesen Unterschied sind vielfältig und schwer zu greifen. Die Behörde vermutet, dass Erwerbsunterbrechungen, beispielsweise durch Schwangerschaften, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen, eine Rolle spielen. Diese Faktoren werden jedoch statistisch nicht vollständig erfasst.
Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen unbezahlt arbeiten, wenn man ihren durchschnittlichen Jahresverdienst mit dem von Männern vergleicht. Er soll auf die bestehende Lohnungleichheit aufmerksam machen und zum Handeln auffordern.
Gender Hours Gap: Weniger Arbeitszeit für Frauen
Neben der Lohnlücke gibt es auch den sogenannten Gender Hours Gap. Dieser beschreibt den Unterschied in der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit zwischen Männern und Frauen. Wie in den vergangenen Jahren brachten Frauen auch 2025 rund 18 Prozent weniger Zeit für Erwerbsarbeit auf als Männer. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 28 Stunden im Vergleich zu 34 Stunden bei den Männern. Zudem beteiligten sich mit 74 Prozent aller Frauen anteilig weniger am Erwerbsleben. (Lesen Sie auch: Lohnfortzahlung Krankheit: Darf der Chef Lohn Einbehalten?)
Diese Unterschiede in der Arbeitszeit können verschiedene Gründe haben. Häufig übernehmen Frauen nach wie vor den Großteil der Familienarbeit und Kinderbetreuung. Dies führt dazu, dass sie seltener in Vollzeit arbeiten oder ihre Erwerbstätigkeit ganz unterbrechen. Laut einer Meldung von Stern, auf der dieser Artikel basiert, ist die Lohnlücke ein komplexes Problem, das viele Ursachen hat.
Welche Rolle spielen stereotype Rollenbilder bei der Entgeltungleichheit?
Stereotype Rollenbilder können ebenfalls einen Einfluss auf die Lohnlücke haben. Sie können dazu führen, dass Frauen bei der Berufswahl eher traditionelle Frauenberufe wählen, die oft schlechter bezahlt sind. Auch bei der Karriereplanung können stereotype Vorstellungen dazu führen, dass Frauen sich seltener für Führungspositionen bewerben oder von Vornherein weniger gefördert werden.
Es ist wichtig, diese Rollenbilder aufzubrechen und Mädchen und Frauen in ihren Entscheidungen zu unterstützen. Eine vielfältige Berufswahl und gleiche Karrierechancen sind wichtige Voraussetzungen für eine faire Bezahlung. Die Politik kann hier Anreize schaffen und beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Auch Unternehmen sind gefordert, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Frauen und Männer gleiche Chancen haben. Wie die Hans-Böckler-Stiftung betont, sind gezielte Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung notwendig, um die Lohnlücke nachhaltig zu schließen.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick: (Lesen Sie auch: Schaeffler neue Geschäftsfelder: Plan zur Auto-Unabhängigkeit)
- Durchschnittlicher Brutto-Stundenlohn Männer: 27,05 Euro
- Durchschnittlicher Brutto-Stundenlohn Frauen: 22,81 Euro
- Unbereinigter Gender Pay Gap: 16 Prozent
- Bereinigter Gender Pay Gap: 6 Prozent
Was kann gegen die Lohnlücke getan werden?
Um die Lohnlücke zu schließen, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören:
- Förderung der Transparenz bei der Bezahlung: Unternehmen sollten verpflichtet werden, ihre Gehaltsstrukturen offenzulegen, um Diskriminierung aufzudecken.
- Stärkung der Frauen in Führungspositionen: Durch gezielte Förderprogramme und Mentoring können mehr Frauen in Führungspositionen gelangen und so ihren Verdienst steigern.
- Aufwertung von Frauenberufen: Berufe, die traditionell von Frauen ausgeübt werden, müssen besser bezahlt werden.
- Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Durch den Ausbau der Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeitmodelle können Frauen ihre Erwerbstätigkeit besser mit ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren.
- Bekämpfung von Rollenstereotypen: Durch Bildungsarbeit und Sensibilisierung können stereotype Rollenbilder aufgebrochen werden, die die Berufswahl und Karriereplanung von Frauen beeinflussen.
Der Bericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Equal Pay Day liefert detaillierte Informationen und Handlungsempfehlungen.
Fazit
Der Equal Pay Day 2025 macht deutlich, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland weiterhin besteht. Obwohl es in den vergangenen Jahren Fortschritte gab, stagniert die Entwicklung nun. Um eine tatsächliche Gleichstellung zu erreichen, sind weitere Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erforderlich. Nur durch gezielte Maßnahmen und ein Umdenken in den Köpfen kann es gelingen, die Lohnlücke nachhaltig zu schließen und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zu gewährleisten. Es bleibt zu hoffen, dass die Sensibilisierung durch den Equal Pay Day dazu beiträgt, den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen und konkrete Veränderungen anzustoßen.
