Ein russischer Lehrer dokumentiert Propaganda und die zunehmende Militarisierung seiner Schule in der Provinz. Der Dokumentarfilm „Mr. Nobody Against Putin“ (2025) zeigt, wie ein Pädagoge in der russischen Kleinstadt Karabash heimlich die Indoktrinierung junger Menschen während der Ukraine-Invasion festhält, und wirft dabei wichtige Fragen nach der Rolle von Bildung in autoritären Systemen auf.

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- Ein Lehrer wird zum Chronisten des Wandels
- Was unterscheidet „Mr. Nobody Against Putin“ von anderen Dokumentarfilmen über Russland?
- Wie verändert sich die Schule in ein Kriegsrekrutierungszentrum?
- Welche ethischen Dilemmata werden im Film beleuchtet?
- Für wen lohnt sich „Mr. Nobody Against Putin“?
- Häufig gestellte Fragen
Film-Fakten
- Dokumentarfilm über Indoktrination in Russland
- Gedreht in der russischen Provinz Karabash
- Beleuchtet ethische Dilemmata von Pädagogen
- Regie: David Borenstein, Pavel Ilyich Talankin
| Titel | Mr. Nobody Against Putin |
|---|---|
| Originaltitel | Mr. Nobody Against Putin |
| Regie | David Borenstein, Pavel Ilyich Talankin |
| Genre | Dokumentarfilm |
| Kinostart/Streaming-Start | 2025 |
| Produktion | made in copenhagen (via Sundance Film Festival) |
Unser Eindruck: Ein erschütterndes und mutiges Dokument, das einen seltenen Einblick in die Mechanismen der Propaganda in Russland gewährt.
Ein Lehrer wird zum Chronisten des Wandels
Pasha Talankin ist nicht nur ein Lehrer an der größten Schule in Karabash, einer Kleinstadt im Ural, sondern auch ein ehemaliger Schüler. Für ihn war diese Schule in den 2000er Jahren ein sicherer Hafen, ein Ort, an dem er sich frei entfalten konnte. Nach seinem Studium kehrte er dorthin zurück, um als Videograf und Organisator außerschulischer Aktivitäten seine Leidenschaft zu leben und jungen Menschen eine Plattform zu bieten. Er schuf ein kleines Büro, das schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Schüler und sogar ehemalige Absolventen wurde.
Doch mit dem Beginn der Ukraine-Invasion veränderte sich alles. Die Schule, einst ein Ort der freien Entfaltung, wandelte sich zunehmend in ein Zentrum der Kriegsrekrutierung. Pasha, der sich immer als Außenseiter gefühlt hatte, sah sich nun mit einer Realität konfrontiert, die seinen Werten diametral entgegenstand. Er beschloss, die Veränderungen heimlich mit seiner Kamera zu dokumentieren.
Wie Die Zeit berichtet, entstand so ein erschütterndes Zeitdokument, das die subtilen und offenen Methoden der Indoktrination in russischen Schulen aufzeigt.
Der Film wurde auf dem Sundance Film Festival gezeigt und von „made in copenhagen“ produziert. (Lesen Sie auch: Gorgonà Film (2025): Dystopischer Kampf Ums Überleben?)
Was unterscheidet „Mr. Nobody Against Putin“ von anderen Dokumentarfilmen über Russland?
Während viele Dokumentarfilme über Russland sich auf die großen politischen Ereignisse und die Repression gegen Oppositionelle in den Metropolen konzentrieren, bietet „Mr. Nobody Against Putin“ einen seltenen Einblick in das Leben in der russischen Provinz. Der Film zeigt, wie die Propaganda bis in die kleinsten Gemeinden vordringt und das Denken junger Menschen beeinflusst. Er konzentriert sich auf die subtilen Mechanismen der Indoktrination im Bildungssystem, die oft schwerer zu erkennen sind als offene Repression.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Perspektive. Der Film wird nicht von außen, sondern von einem Insider erzählt. Pasha Talankin ist kein Journalist oder Aktivist, sondern ein Lehrer, der seine eigene Schule und seine Schüler beobachtet. Diese persönliche Perspektive verleiht dem Film eine besondere Authentizität und emotionale Tiefe.
Im Gegensatz zu Filmen, die sich auf die Schuld der politischen Elite konzentrieren, wirft „Mr. Nobody Against Putin“ schwierige ethische Fragen auf. Wie sollen sich Lehrer verhalten, wenn sie gezwungen werden, Propaganda zu verbreiten? Welche Verantwortung haben sie gegenüber ihren Schülern? Der Film vermeidet einfache Antworten und lädt stattdessen zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit diesen Fragen ein.
Wie verändert sich die Schule in ein Kriegsrekrutierungszentrum?
Der Film dokumentiert, wie sich der Fokus der Schule langsam, aber stetig verschiebt. Patriotische Erziehung wird immer wichtiger, militärische Übungen werden in den Lehrplan integriert, und die Schüler werden zunehmend auf einen möglichen Einsatz im Krieg vorbereitet. Pasha beobachtet, wie seine Schüler, die er einst zu kritischem Denken ermutigte, nun von nationalistischer Propaganda beeinflusst werden.
Er dokumentiert auch den Druck, der auf die Lehrer ausgeübt wird. Wer sich weigert, die offizielle Linie zu unterstützen, riskiert seinen Job und seine persönliche Sicherheit. Pasha selbst muss einen Weg finden, seine eigene Integrität zu bewahren und gleichzeitig seine Schüler zu schützen. (Lesen Sie auch: Scream 7 kommt: Was Erwartet Fans der…)
Die Bilder des Films sind oft beklemmend und zeigen die zunehmende Militarisierung des Alltags in der russischen Provinz. Kinder spielen mit Waffen, Soldaten halten Reden in der Schule, und die Propaganda ist allgegenwärtig. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet umfangreiche Informationen zum Thema Propaganda.
Welche ethischen Dilemmata werden im Film beleuchtet?
Der Film wirft grundlegende Fragen nach der Rolle von Bildung in einer autoritären Gesellschaft auf. Dürfen Lehrer ihre Schüler indoktrinieren, auch wenn sie anderer Meinung sind? Welche Verantwortung haben sie gegenüber ihren Schülern, wenn diese in den Krieg ziehen sollen? Pasha Talankin steht vor der schwierigen Entscheidung, ob er seine Überzeugungen öffentlich äußern oder im Stillen Widerstand leisten soll.
Der Film zeigt, dass es keine einfachen Antworten auf diese Fragen gibt. Jeder Lehrer muss seinen eigenen Weg finden, mit der Situation umzugehen. Einige unterstützen die offizielle Linie, andere leisten passiven Widerstand, und wieder andere versuchen, ihren Schülern kritisches Denken beizubringen, auch wenn dies riskant ist.
Die ethischen Dilemmata, mit denen die Lehrer konfrontiert sind, spiegeln die Zerrissenheit der russischen Gesellschaft wider. Viele Menschen sind unzufrieden mit der politischen Situation, aber sie haben Angst, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Der Film zeigt, wie schwierig es ist, in einem autoritären System die eigene Integrität zu bewahren.
Für wen lohnt sich „Mr. Nobody Against Putin“?
„Mr. Nobody Against Putin“ ist ein Film für alle, die sich für die politische Situation in Russland interessieren und einen Einblick in das Leben in der russischen Provinz gewinnen möchten. Wer Filme wie „Winter on Fire“ über die Proteste in der Ukraine oder „Citizenfour“ über Edward Snowden mochte, wird hier eine ähnlich packende und aufrüttelnde Dokumentation finden. (Lesen Sie auch: Wong Kar Wai Serie startet: Das Epos…)

Der Film ist besonders relevant für Pädagogen und alle, die sich mit dem Thema Bildung auseinandersetzen. Er wirft wichtige Fragen nach der Rolle von Schulen in autoritären Systemen auf und zeigt, wie schwierig es ist, in einer solchen Umgebung die eigene Integrität zu bewahren. Der Film regt zur Diskussion an und fordert uns heraus, über unsere eigenen Werte und Überzeugungen nachzudenken.
Allerdings ist „Mr. Nobody Against Putin“ keine leichte Kost. Der Film ist beklemmend und zeigt die dunklen Seiten der russischen Gesellschaft. Wer einen unterhaltsamen Abend verbringen möchte, ist hier fehl am Platz. Wer aber bereit ist, sich mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der politischen Situation in Russland zu leisten, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen. Deutschlandfunk bietet aktuelle Berichte und Analysen zur politischen Lage in Russland.
Häufig gestellte Fragen
Wer sind die Regisseure von „Mr. Nobody Against Putin“?
Der Dokumentarfilm wurde von David Borenstein und Pavel Ilyich Talankin gemeinsam inszeniert. Sie bringen ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen in das Projekt ein, um ein vielschichtiges Bild der Situation zu zeichnen. (Lesen Sie auch: Netflix Miniserie: Der Überraschungshit mit 90 Millionen…)
Wo spielt „Mr. Nobody Against Putin“?
Der Film spielt hauptsächlich in der russischen Kleinstadt Karabash, die in der Uralregion liegt. Diese Provinzstadt dient als Kulisse für die Darstellung der Indoktrination und Militarisierung des Bildungssystems.
Welche Rolle spielt Pasha Talankin in dem Film?
Pasha Talankin ist ein Lehrer und Videograf, der in seiner Schule die zunehmende Propaganda dokumentiert. Er ist der Protagonist des Films und bietet eine persönliche Perspektive auf die Veränderungen im russischen Bildungssystem.
Welche ethischen Fragen werden im Film aufgeworfen?
Der Film beleuchtet die ethischen Dilemmata, mit denen Lehrer konfrontiert sind, wenn sie gezwungen werden, Propaganda zu verbreiten. Er fragt nach ihrer Verantwortung gegenüber ihren Schülern und der Bedeutung von Bildung in autoritären Systemen.
Wo wurde der Film „Mr. Nobody Against Putin“ produziert?
Die Produktion des Films wurde von „made in copenhagen“ übernommen und er wurde auf dem Sundance Film Festival präsentiert. Dies unterstreicht die internationale Bedeutung und Anerkennung des Themas.
Der Dokumentarfilm „Mr. Nobody Against Putin“ ist ein wichtiges und mutiges Werk, das einen seltenen Einblick in die Mechanismen der Propaganda in Russland gewährt. Indem ein russischer Lehrer dokumentiert, wie sich seine Schule in ein Instrument des Staates verwandelt, leistet er einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung und zur Auseinandersetzung mit den ethischen Fragen, die mit der Verbreitung von Propaganda einhergehen. Er zeigt die subtilen, aber wirkungsvollen Methoden, mit denen versucht wird, das Denken junger Menschen zu beeinflussen und sie auf einen Krieg vorzubereiten. Der Film ist ein Mahnmal für die Bedeutung von kritischem Denken und der Bewahrung der eigenen Integrität, auch unter schwierigen Bedingungen. Der Original-Filmtitel und das dazugehörige Bildmaterial sind unter der URL kino-zeit.de/sites/default/files/styles/grosse_klickstrecke_940x530_/public/2025-01/mr_nobody_against_putin_2025_1.jpeg?itok=ec5muG4X abrufbar.
