Eterna Insolvenzverfahren: Der traditionsreiche Hemdenhersteller Eterna hat am 16. Dezember 2025 beim Amtsgericht Passau Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Rund 900 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Das 1863 gegründete Unternehmen kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen – nun soll ein Sanierungsverfahren den Fortbestand sichern.
📖 Lesezeit: 5 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2025
Eterna Insolvenzverfahren: Traditionsmarke beantragt Sanierung
Die Eterna Mode GmbH hat beim Amtsgericht Passau einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der Schritt markiert einen weiteren Tiefpunkt für den 1863 gegründeten Hemden- und Blusenspezialisten, der bereits 2021 ein Sanierungsverfahren durchlaufen hatte.
Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst unverändert weiter. Die operative Führung übernehmen Vertriebschef Dirk Heper und Finanzchef Herbert Oelke. Unterstützt werden sie vom Sanierungsexperten Dr. Georg Bernsau von der Kanzlei KL Gates LLP.
Was ist Insolvenz in Eigenverwaltung?
Bei der Eigenverwaltung führt das bisherige Management das Unternehmen unter gerichtlicher Aufsicht weiter – ohne externen Insolvenzverwalter. Das Verfahren ermöglicht schnellere Entscheidungen und erhält das Know-how im Unternehmen.
Die Gründe für das Eterna Insolvenzverfahren
Mehrere Faktoren haben zum Eterna Insolvenzverfahren geführt. Die Corona-Pandemie traf den stationären Modehandel hart und verschärfte bestehende Ertragsprobleme. Das 2021 eingeleitete StaRUG-Verfahren konnte die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht dauerhaft lösen.
Der unmittelbare Auslöser war ein gescheiterter Immobiliendeal: Eterna plante, das Betriebsgrundstück in Passau zu verkaufen und zurückzumieten (Sale-and-Lease-Back). Dieses Modell hätte Liquidität in die Kasse gebracht. Doch ein Teil der Finanzgläubiger verweigerte die Zustimmung.
| Problemfaktor | Auswirkung |
|---|---|
| Corona-Pandemie | Einbruch im stationären Handel, sinkende Nachfrage |
| Gescheitertes Sale-Lease-Back | Geplante Liquidität konnte nicht generiert werden |
| Führungswechsel | Drei CEOs in zwei Jahren, Instabilität an der Spitze |
| Preisdruck | Online-Konkurrenz und Billiganbieter setzen Margen unter Druck |
| Steigende Kosten | Produktionskosten belasten traditionelle Anbieter |
Hinzu kam Unruhe in der Führungsetage: Fritz Terbuyken übernahm Anfang 2024 als CEO, verließ das Unternehmen aber nach nur einem Jahr. Sein Nachfolger Christian Bregovac warf nach nicht einmal vier Monaten das Handtuch.
900 Arbeitsplätze betroffen: Die Fakten zum Unternehmen
Das Eterna Insolvenzverfahren betrifft eines der traditionsreichsten deutschen Modeunternehmen. Die Marke steht seit über 160 Jahren für hochwertige Hemden und Blusen. 2024 lieferte Eterna rund 3,5 Millionen Hemden und Blusen an Kunden weltweit.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gründung | 1863 in Wien |
| Hauptsitz | Passau (Bayern) |
| Mitarbeiter gesamt | ca. 900 |
| Mitarbeiter Passau | ca. 280 |
| Jahresumsatz | ca. 100 Millionen Euro |
| Produktion pro Jahr | 3,5 Millionen Hemden und Blusen |
| Eigene Stores | ca. 50 in Deutschland |
| Belieferte Händler | 5.500 weltweit (3.000 in Deutschland) |
| Hauptgesellschafter | Golden Square Capital (seit 2023) |
Das Unternehmen gilt als Erfinder des bügelfreien Baumwollhemdes. 1981 brachte Eterna mit dem Artikel 1100 das erste bügelfreie Hemd auf den Markt – bis heute ein Verkaufsschlager. In der slowakischen Produktionsstätte in Bánovce nad Bebravou arbeiten 725 Mitarbeiter und fertigen täglich etwa 7.500 Hemden.
Wie geht es weiter? Die Sanierungspläne
Das Eterna Insolvenzverfahren soll dem Unternehmen die Möglichkeit geben, sich unter Aufsicht neu aufzustellen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Gläubigern tragfähige Lösungen zu erarbeiten und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
„Ziel des Verfahrens ist die Umsetzung des letzten Meilensteins in der Transformation der Firma, das vollständige Outsourcing der Logistik sowie der Verkauf und die Rückmietung des Betriebsgrundstücks.“
– Eterna Mode GmbH
Das Unternehmen hält trotz Insolvenz an seinen Expansionsplänen fest. Auf der Produktseite setzt Eterna weiter auf die Modernisierung der Kollektionen und den Ausbau der Internationalisierung. Besonders der Bereich Womenswear bleibt ein strategisches Wachstumsfeld.
Auch die Messepräsenz wird fortgesetzt: Eterna zeigt sich auf internationalen Messen wie der Pitti Uomo in Florenz, der Ciff in Kopenhagen und der Chicago Collective. Die Orderrunde läuft planmäßig weiter.
Modekrise in Deutschland: Eterna ist kein Einzelfall
Das Eterna Insolvenzverfahren reiht sich in eine Serie von Pleiten in der deutschen Modeindustrie ein. In den vergangenen Jahren mussten bereits namhafte Ketten wie Esprit, Gerry Weber und Hallhuber Insolvenz anmelden. Auch in anderen Branchen sorgen Umbrüche für Veränderungen – die Modewelt trifft es jedoch besonders hart.
Branchenexperten sehen strukturelle Probleme als Hauptursache: Der stationäre Handel kämpft mit sinkender Nachfrage, während Online-Konkurrenz und Billiganbieter den Preisdruck erhöhen. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten. Für traditionelle Marken wie Eterna, die auf Qualität und faire Produktion setzen, wird das Geschäft zunehmend schwieriger.
💡 Hintergrund: Die Modeindustrie durchlebt einen tiefgreifenden Wandel. Verbraucher kaufen weniger im Laden, erwarten aber gleichzeitig niedrige Preise. Fast-Fashion-Anbieter setzen etablierte Marken unter Druck. Nachhaltigkeit wird wichtiger – doch umweltbewusste Produktion kostet mehr.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Eterna pleite?
Eterna hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das bedeutet nicht automatisch das Ende des Unternehmens. Bei der Eigenverwaltung führt das bisherige Management den Betrieb unter gerichtlicher Aufsicht weiter. Ziel ist eine Sanierung und der Erhalt des Unternehmens. Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst normal weiter.
Wie viele Arbeitsplätze sind vom Eterna Insolvenzverfahren betroffen?
Insgesamt beschäftigt Eterna rund 900 Mitarbeiter. Davon arbeiten etwa 280 am Hauptsitz in Passau. Weitere 725 Mitarbeiter sind im slowakischen Produktionswerk tätig. Ob und wie viele Stellen abgebaut werden, ist noch unklar. Das Unternehmen betont, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu wollen.
Warum hat Eterna Insolvenz angemeldet?
Die Insolvenz wurde durch mehrere Faktoren ausgelöst: Die Corona-Pandemie traf den stationären Modehandel hart. Ein geplantes Sale-and-Lease-Back-Geschäft scheiterte am Widerstand einiger Gläubiger. Zudem belasteten häufige Führungswechsel und der allgemeine Preisdruck durch Online-Konkurrenz das Unternehmen. Ein früheres Sanierungsverfahren von 2021 konnte die Probleme nicht dauerhaft lösen.
Kann ich weiterhin Eterna-Hemden kaufen?
Ja. Der Geschäftsbetrieb läuft während des Insolvenzverfahrens unverändert weiter. Die etwa 50 Eterna-Stores in Deutschland bleiben geöffnet, auch der Online-Shop ist aktiv. Eterna beliefert weiterhin seine Handelspartner und nimmt an internationalen Messen teil. Für Kunden ändert sich vorerst nichts.
Wem gehört Eterna?
Seit 2023 ist die Investmentgesellschaft Golden Square Capital Hauptgesellschafter von Eterna. Zuvor gehörte das Unternehmen über 15 Jahre dem Private-Equity-Haus Quadriga Capital. Ein kleiner Teil der Anteile liegt beim Management. Der langjährige CEO Henning Gerbaulet, der auch Mitgesellschafter war, hat sich 2024 aus der Unternehmensführung zurückgezogen.
Wer führt Eterna während der Insolvenz?
Die operative Führung liegt bei CSO Dirk Heper und CFO Herbert Oelke. Als Sanierungsexperte unterstützt Dr. Georg Bernsau von der Kanzlei KL Gates LLP das Verfahren. Die beiden Geschäftsführer leiten das Unternehmen, seit der frühere CEO Christian Bregovac nach nur vier Monaten im Amt gegangen ist.
Fazit: Eterna Insolvenzverfahren – Chance auf Neustart
Das Eterna Insolvenzverfahren markiert einen kritischen Wendepunkt für den traditionsreichen Hemdenhersteller aus Passau. Nach über 160 Jahren Firmengeschichte steht das Unternehmen vor seiner bisher größten Herausforderung.
Die Eigenverwaltung bietet jedoch eine realistische Chance auf Sanierung. Anders als bei einer klassischen Insolvenz behält das Management die Kontrolle und kann schneller auf Veränderungen reagieren. Die wichtigsten Stakeholder – Investoren, Kunden, Lieferanten – unterstützen das Verfahren offenbar.
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob Eterna die notwendige Restrukturierung gelingt. Qualität bleibt auch in der Textilindustrie ein entscheidender Faktor – und genau dafür steht die Marke seit über 160 Jahren.
Stand: 18. Dezember 2025. Dieser Artikel wird bei neuen Entwicklungen aktualisiert.












