📖 Lesezeit: 7 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 09.01.2026
Marianengraben: Mit fast 11.000 Metern ist diese Tiefseerinne die tiefste Stelle der Erde. Der Mount Everest würde komplett darin versinken. Hier erfährst du alles über Tiefe, Entstehung, Lebewesen und die mutigen Menschen, die bis zum Grund getaucht sind.
Was ist der Marianengraben?
Die Marianenrinne (auch Marianengraben genannt) ist ein Tiefseegraben im westlichen Pazifischen Ozean. Sie gilt als die tiefste bekannte Stelle der Weltmeere und damit als der tiefste Punkt unseres Planeten.
Die Rinne erstreckt sich über eine Länge von etwa 2.400 Kilometern und liegt östlich der Marianen-Inseln, zwischen Japan und Papua-Neuguinea. Ihre halbkreisförmige Form erinnert an eine gigantische Schlucht auf dem Meeresgrund.
Wie tief ist die Marianengraben?
Die genaue Tiefe wurde mehrfach vermessen – mit unterschiedlichen Ergebnissen je nach Messmethode.
| Jahr | Messung | Methode |
|---|---|---|
| 1875 | 8.164 m | Lotung (HMS Challenger) |
| 1899 | 9.660 m | Drahtlotung |
| 1957 | 11.034 m | Echolotung (umstritten) |
| 2014 | 10.984 m ± 25 m | Moderne Vermessung |
| 2019 | 10.928 m | Tauchgang Victor Vescovo |

Die tiefste Stelle heißt Challengertief und liegt bei etwa 10.984 Metern unter dem Meeresspiegel. Zum Vergleich: Der Mount Everest misst 8.849 Meter – er würde in dieser Tiefseerinne komplett versinken und hätte noch über 2.000 Meter „Luft“ nach oben.
💡 Gut zu wissen: Die sowjetische Messung von 11.034 Metern aus dem Jahr 1957 wird heute von vielen Wissenschaftlern als Messfehler angesehen. Die gesicherte Tiefe liegt bei etwa 10.984 Metern.
Steckbrief: Alle Fakten zum tiefsten Punkt der Erde
| Eigenschaft | Daten |
|---|---|
| Maximale Tiefe | ca. 10.984 m (Challengertief) |
| Länge | ca. 2.400 km |
| Breite | ca. 69 km (breiteste Stelle) |
| Lage | Westlicher Pazifik, östlich der Marianen |
| Koordinaten | 12°–25° N, 142°–147° O |
| Wasserdruck am Grund | über 1.070 bar |
| Temperatur am Grund | ca. 1–4 °C |
| Entdeckung | 1875 (HMS Challenger) |
| Schutzstatus | US-Nationalmonument (seit 2009) |
Wie ist dieser Tiefseegraben entstanden?
Die Marianengraben entstand durch den geologischen Prozess der Subduktion. Dabei schiebt sich eine tektonische Platte unter eine andere.
An dieser Stelle trifft die Pazifische Platte auf die Philippinische Platte. Die ältere und schwerere Pazifische Platte (über 150 Millionen Jahre alt) wird unter die jüngere Philippinische Platte gedrückt und taucht in den Erdmantel ab. Durch diesen Prozess entsteht die tiefe Rinne.
So entsteht ein Tiefseegraben:
- Plattenkollision: Zwei tektonische Platten treffen aufeinander
- Subduktion: Die schwerere Platte taucht unter die leichtere ab
- Grabenbildung: An der Abtauchstelle entsteht eine tiefe Rinne
- Kontinuierlicher Prozess: Die Platten bewegen sich wenige Zentimeter pro Jahr
Dieser Tiefseegraben liegt im sogenannten Pazifischen Feuerring – einer Region mit hoher vulkanischer und seismischer Aktivität.
Wer war am tiefsten Punkt der Erde? Alle Tauchgänge
Bis heute haben nur wenige Menschen den tiefsten Punkt der Erde erreicht. Mehr Menschen waren auf dem Mond als am Grund dieser Tiefseerinne.
| Jahr | Person(en) | Tauchboot | Tiefe |
|---|---|---|---|
| 1960 | Jacques Piccard, Don Walsh | Trieste | 10.916 m |
| 2012 | James Cameron | Deepsea Challenger | 10.898 m |
| 2019 | Victor Vescovo | DSV Limiting Factor | 10.928 m (Rekord) |
| 2020 | Kathryn Sullivan | DSV Limiting Factor | 10.915 m |
| 2020 | Chinesisches Team | Fendouzhe | 10.909 m |
Jacques Piccard (Schweiz) und Don Walsh (USA) waren 1960 die ersten Menschen am tiefsten Punkt der Erde. Ihr Tauchgang mit der Bathyscaphe Trieste dauerte fast fünf Stunden für den Abstieg. Am Grund blieben sie nur 20 Minuten.
52 Jahre später wiederholte James Cameron – der Regisseur von „Titanic“ und „Avatar“ – diese Leistung als Solo-Tauchgang. Kathryn Sullivan wurde 2020 die erste Frau im Challengertief – bemerkenswert, da sie 1984 auch als erste Amerikanerin im Weltraum war.
Welche Tiere leben in der Tiefsee?
Trotz der extremen Bedingungen existiert Leben in dieser abyssalen Zone. Die Entdeckung von Lebewesen überraschte Wissenschaftler weltweit.
| Tier | Tiefe | Besonderheit |
|---|---|---|
| Pseudoliparis swirei (Schneckenfisch) | 6.198–8.098 m | Tiefster bekannter Fisch (bis 2022) |
| Pseudoliparis sp. (neue Art) | 8.336 m | 2022 im Bonin-Graben entdeckt |
| Riesenassel | bis 10.000 m | Bis zu 50 cm groß |
| Flohkrebse | bis 10.900 m | Ernähren sich von herabsinkendem Material |
| Bakterien & Mikroorganismen | bis zum Grund | Leben auch am tiefsten Punkt |
Die Tiere haben sich an die extremen Bedingungen angepasst. Das Protein TMAO in ihren Zellen verhindert den Zellverfall unter dem enormen Druck. Viele Tiefseebewohner sind durchsichtig, schwarz oder rot gefärbt – denn in der Dunkelheit erscheint Rot wie Schwarz.
💡 Fun Fact: Die Entdeckung von Leben in der Tiefsee führte 1960 dazu, dass Pläne verworfen wurden, die Rinne als Atommülldeponie zu nutzen.
Umweltprobleme: Plastik in der tiefsten Meeresrinne
Selbst der tiefste Punkt der Erde ist von Umweltverschmutzung betroffen. Forscher haben Mikroplastik und Müll in den tiefsten Bereichen nachgewiesen.
Laut der Studie „Human footprint in the abyss“ (2018) wurde eine Plastiktüte in 10.898 Metern Tiefe gefunden – der Tiefenrekord für Plastikmüll. 2020 entdeckten Forscher eine neue Flohkrebsart in 6.500 Metern Tiefe, die bereits ein Mikroplastikfädchen in ihrem Körper hatte. Sie nannten die Art deshalb „Eurythenes plasticus“.
Diese Funde zeigen: Umweltverschmutzung erreicht selbst die entlegensten Orte der Erde. Wissenschaftler fordern daher strengere Maßnahmen zum Schutz der Tiefsee.
Die extremen Bedingungen am Meeresgrund
Diese Tiefseeregion ist einer der lebensfeindlichsten Orte der Erde:
Extreme Fakten:
- Druck: Über 1.070 bar – das entspricht dem Gewicht von 1.600 Elefanten pro Quadratzoll
- Temperatur: Nahe dem Gefrierpunkt (1–4 °C)
- Licht: Absolute Dunkelheit (kein Sonnenlicht dringt durch)
- Nahrung: Extrem knapp – Tiere ernähren sich von „Meeresschnee“ (herabsinkende organische Partikel)
Ein Mensch ohne Schutzanzug würde unter dem enormen Druck sofort zerquetscht werden. Selbst spezielle Tauchanzüge erlauben nur Tiefen bis etwa 450 Meter – für den Rest braucht man Tauchboote mit massiven Druckkammern.
Woher kommt der Name?
Die Bezeichnung stammt von den Marianen-Inseln, die westlich der Rinne liegen. Die Inselgruppe wiederum erhielt ihren Namen zu Ehren der spanischen Königin Maria Anna von Österreich (spanisch: Mariana de Austria), der Witwe von König Philipp IV.
Die spanischen Seefahrer entdeckten die Inseln im 16. Jahrhundert und benannten sie nach ihrer Königin. Der Name übertrug sich später auf den benachbarten Tiefseegraben.
Die tiefsten Stellen der Weltmeere im Vergleich
Der Marianengraben ist zwar die tiefste, aber nicht der einzige Tiefseegraben:
| Graben | Ozean | Tiefe |
|---|---|---|
| Marianenrinne | Pazifik | 10.984 m |
| Tongagraben | Pazifik | 10.882 m |
| Philippinengraben | Pazifik | 10.540 m |
| Kurilengraben | Pazifik | 10.542 m |
| Puerto-Rico-Graben | Atlantik | 8.380 m |
Zum Vergleich: Die Nordsee ist an ihrer tiefsten Stelle nur 725 Meter tief, die Ostsee nur 459 Meter. Wer sich für weitere spannende Wissenschaftsthemen interessiert, findet bei uns weitere Artikel.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie tief ist der Marianengraben?
Die Marianenrinne ist an ihrer tiefsten Stelle (Challengertief) etwa 10.984 Meter tief. Ältere Messungen nannten 11.034 Meter, was jedoch als Messfehler gilt. Der Mount Everest (8.849 m) würde komplett darin versinken.
Wer war als erster Mensch am tiefsten Punkt?
Jacques Piccard (Schweiz) und Don Walsh (USA) erreichten am 23. Januar 1960 als erste Menschen den Grund des Marianengraben. Sie tauchten mit der Bathyscaphe Trieste auf 10.916 Meter Tiefe.
Leben Tiere in dieser Tiefseeregion?
Ja, trotz der extremen Bedingungen existiert Leben in der Tiefsee. Forscher haben Schneckenfische, Flohkrebse, Riesenasseln und Bakterien in Tiefen von über 8.000 Metern gefunden. Die Tiere haben sich an den enormen Druck angepasst.
Wie ist der Marianengraben entstanden?
Der Tiefseegraben entstand durch Subduktion: Die Pazifische Platte schiebt sich unter die Philippinische Platte und taucht in den Erdmantel ab. An dieser Abtauchstelle bildete sich die tiefe Rinne. Der Prozess läuft seit über 150 Millionen Jahren.
Wie hoch ist der Druck am Meeresgrund?
Am Grund herrscht ein Druck von über 1.070 bar. Das ist etwa 1.000-mal höher als der Luftdruck an der Erdoberfläche und entspricht dem Gewicht von etwa 1.600 Elefanten pro Quadratzoll.
Gibt es Plastik in der Tiefsee?
Ja, Forscher haben Mikroplastik und sogar eine Plastiktüte in 10.898 Metern Tiefe gefunden. 2020 wurde eine neue Flohkrebsart entdeckt, die bereits Mikroplastik im Körper hatte – sie wurde „Eurythenes plasticus“ genannt.
Fazit: Die tiefste Stelle der Erde bleibt ein Mysterium
Der Marianengraben ist mit fast 11.000 Metern Tiefe der tiefste Punkt unseres Planeten – und einer der am wenigsten erforschten Orte der Erde. Weniger als 30 Menschen haben den Grund erreicht, während 12 Astronauten den Mond betreten haben.
Die Tiefsee birgt noch unzählige Geheimnisse: unbekannte Lebensformen, geologische Prozesse und möglicherweise Hinweise auf die Entstehung des Lebens. Gleichzeitig zeigt das Plastikproblem, dass selbst der entlegenste Ort der Erde von menschlichen Aktivitäten betroffen ist.
Die Erforschung der Marianenrinne bleibt eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen – und Abenteuer – unserer Zeit.
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