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Was ist die Handels-Bazooka der EU?
Die Handels-Bazooka ist das Anti-Coercion Instrument (ACI) der Europäischen Union – das schärfste handelspolitische Werkzeug gegen wirtschaftliche Erpressung. Die EU kann damit den Zugang zum Binnenmarkt für 500 Millionen Verbraucher sperren, Zölle erheben und US-Unternehmen von öffentlichen Ausschreibungen ausschließen. Im Grönland-Streit mit Trump fordert Frankreichs Präsident Macron nun erstmals die Aktivierung dieses mächtigen Instruments.
Das Wichtigste in Kürze
- Offizieller Name: Anti-Coercion Instrument (ACI) – seit 2023 in Kraft, noch nie eingesetzt
- Auslöser: Trump droht 8 EU-Staaten mit 10-25% Zöllen wegen Grönland-Streit
- Mögliche Maßnahmen: Vergeltungszölle, Marktzugangssperren, Ausschluss von Ausschreibungen
- Hauptziele: US-Tech-Giganten wie Microsoft, Google, Amazon
- Aktivierung: 55% der EU-Mitgliedstaaten müssen zustimmen (65% der Bevölkerung)
Die Handels-Bazooka ist am 21. Januar 2026 in aller Munde. US-Präsident Donald Trump droht europäischen NATO-Staaten mit drastischen Strafzöllen, wenn Dänemark Grönland nicht verkauft. Die Antwort der EU? Ein Instrument, das als „nukleare Option“ der Handelspolitik gilt – das Anti-Coercion Instrument (ACI).
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – der beim Weltwirtschaftsforum in Davos selbst für Aufsehen sorgte – fordert nun erstmals die Aktivierung dieses mächtigen Werkzeugs gegen die USA.
Was ist die Handels-Bazooka genau?
Der Begriff Handels-Bazooka bezeichnet umgangssprachlich das Anti-Coercion Instrument der EU. Das Gesetz trat 2023 in Kraft und wurde entwickelt, um die Europäische Union vor wirtschaftlicher Erpressung durch Drittstaaten zu schützen. Es ist das schärfste handelspolitische Instrument, über das Brüssel verfügt.
Der Name leitet sich von der gleichnamigen militärischen Waffe ab, die das US-amerikanische Militär im Zweiten Weltkrieg einsetzte. Die Analogie ist Programm: Wie die Waffe soll auch das ACI maximale Durchschlagskraft entwickeln.
„Das Anti-Coercion Instrument ist unsere wirtschaftliche Nuklearwaffe.“
Wann kann das Instrument aktiviert werden?
Die Handels-Bazooka kann aktiviert werden, wenn ein Drittland wirtschaftliche Nötigung ausübt. Laut EU-Verordnung liegt diese vor, wenn ein Land handels- oder investitionsbeeinträchtigende Maßnahmen anwendet oder androht, um politische Entscheidungen der EU oder eines Mitgliedstaates zu erzwingen.
Im aktuellen Fall ist die Lage eindeutig: Trump droht acht europäischen Staaten mit Zöllen von 10% ab Februar und 25% ab Juni – wenn Dänemark Grönland nicht an die USA verkauft. Das erfüllt klar die Definition wirtschaftlicher Erpressung, gegen die das ACI entwickelt wurde.
| Kriterium für Aktivierung | Trumps Vorgehen | Erfüllt? |
|---|---|---|
| Drohung mit Handelsmaßnahmen | 10-25% Strafzölle angekündigt | ✅ Ja |
| Ziel: Politische Entscheidung erzwingen | Verkauf von Grönland | ✅ Ja |
| Eingriff in Souveränität | Territoriale Integrität Dänemarks | ✅ Ja |
| Betrifft EU-Mitgliedstaat | Dänemark + 5 weitere EU-Länder | ✅ Ja |
Welche Maßnahmen ermöglicht die Handels-Bazooka?
Das Anti-Coercion Instrument gibt der EU ein breites Arsenal an Gegenmaßnahmen. Es ermöglicht, den Zugang zum europäischen Binnenmarkt für 500 Millionen Verbraucher zu beschränken. Die möglichen Maßnahmen sind weitreichend:
- Vergeltungszölle: Hohe Zölle auf US-Produkte – die EU hat bereits Zölle auf Waren im Wert von 93 Milliarden Euro vorbereitet
- Ein- und Ausfuhrbeschränkungen: Limitierung des Handels mit Waren und Dienstleistungen
- Ausschluss von Ausschreibungen: US-Unternehmen könnten von öffentlichen Aufträgen in der EU ausgeschlossen werden
- Entzug von Vertriebsrechten: Beschränkung der Geschäftstätigkeit amerikanischer Firmen
- Investitionsbeschränkungen: Limitierung ausländischer Direktinvestitionen

Wen würde das EU-Instrument treffen?
Die Handels-Bazooka würde vor allem US-Tech-Giganten hart treffen. Die USA haben einen erheblichen Dienstleistungsüberschuss mit der EU – und genau hier liegt die Stärke des Instruments. Experten sehen Microsoft, Google, Amazon und andere Tech-Konzerne als Hauptziele.
Thorsten Benner, Direktor des Global Public Policy Institute, erklärt: „Damit könnte man die USA tatsächlich hart treffen, da wir gerade im Dienstleistungsbereich viel von den USA importieren.“
Die EU hat bereits eine Liste von US-Dienstleistungen erstellt, die ins Visier genommen werden könnten. Besonders der digitale Sektor wäre verwundbar.
Wie wird die Handels-Bazooka aktiviert?
Die Aktivierung ist kein einfacher Prozess. Sowohl die EU-Kommission als auch einzelne Mitgliedstaaten können einen Antrag stellen. Danach müssen mindestens 55% der Mitgliedsländer zustimmen, die 65% der EU-Bevölkerung repräsentieren.
Selbst nach der Aktivierung könnte es Monate dauern, bis tatsächliche Maßnahmen greifen. Aber allein das Auslösen einer Untersuchung würde ein starkes Signal senden – die EU ist bereit, ihr stärkstes Werkzeug einzusetzen.
| Schritt | Beschreibung | Zeitrahmen |
|---|---|---|
| 1. Antrag | Kommission oder Mitgliedstaat beantragt Aktivierung | Sofort möglich |
| 2. Abstimmung | 55% der Länder (65% Bevölkerung) müssen zustimmen | Tage bis Wochen |
| 3. Untersuchung | Prüfung der wirtschaftlichen Nötigung | Wochen bis Monate |
| 4. Maßnahmen | Umsetzung der Gegenmaßnahmen | Monate |
Warum wurde das ACI noch nie eingesetzt?
Obwohl das Anti-Coercion Instrument seit 2023 existiert, wurde es noch nie aktiviert. Das liegt an seiner Natur als „nukleare Option“ – es ist ein Instrument der letzten Instanz. Im Frühjahr 2025 erwog die EU bereits den Einsatz gegen Trump, entschied sich aber für einen Kompromiss.
Damals einigte man sich auf ein Handelsabkommen: 15% Zölle auf EU-Produkte, dafür Null-Zölle auf US-Industriegüter. Kritiker sahen das Abkommen als unausgewogen – das mächtige Werkzeug blieb im Holster.

Welche Risiken birgt der Einsatz?
Die Handels-Bazooka ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn die Abschreckung funktioniert und Trump zurückweicht, wäre der Einsatz ein Erfolg für Europa. Falls nicht, könnten die wirtschaftlichen Kosten auch die EU selbst treffen.
Experte Thorsten Benner warnt: „Es ist ein Hochrisikospiel.“ Hinzu kommt das Risiko einer sicherheitspolitischen Eskalation mit den USA. Die Entscheidung muss daher gut überlegt sein.
Pro und Contra
Pro: Starkes Signal der Einheit, könnte Trump zum Einlenken bewegen, schützt EU-Souveränität
Contra: Wirtschaftliche Kosten für beide Seiten, Eskalationsrisiko, lange Umsetzungsdauer
Wie reagieren die EU-Staaten?
Die Positionen innerhalb der EU sind unterschiedlich. Frankreich unter Macron drängt offensiv auf die Aktivierung. Deutschland hingegen zeigte sich bisher zurückhaltender.
EU-Ratspräsident António Costa hat für den 23. Januar 2026 einen Sondergipfel einberufen. Dort werden die Staats- und Regierungschefs über das weitere Vorgehen beraten. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, Gegenzölle auf US-Produkte im Wert von 93 Milliarden Euro zu reaktivieren.
Die nächsten Schritte
23. Januar 2026: EU-Sondergipfel zu Gegenmaßnahmen
1. Februar 2026: Möglicher Beginn der Trump-Zölle (10%)
1. Juni 2026: Mögliche Erhöhung auf 25%
Häufige Fragen zur Handels-Bazooka
Was ist die Handels-Bazooka der EU?
Die Handels-Bazooka ist der umgangssprachliche Begriff für das Anti-Coercion Instrument (ACI) der Europäischen Union. Es wurde 2023 eingeführt und ist das schärfste handelspolitische Werkzeug der EU gegen wirtschaftliche Erpressung durch Drittstaaten. Das Instrument ermöglicht Vergeltungszölle, Marktzugangssperren und den Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen.
Warum heißt es Handels-Bazooka?
Der Begriff leitet sich von der gleichnamigen militärischen Waffe ab, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Die Bezeichnung unterstreicht, dass es sich um die „nukleare Option“ der EU-Handelspolitik handelt – ein Instrument mit maximaler Durchschlagskraft.
Wurde das ACI schon einmal eingesetzt?
Nein, das Anti-Coercion Instrument wurde seit seiner Einführung 2023 noch nie aktiviert. Es gilt als Instrument der letzten Instanz. Eine Aktivierung gegen die USA wäre die Premiere und würde ein historisches Signal senden.
Wen würde das Instrument treffen?
Vor allem US-Tech-Giganten wie Microsoft, Google und Amazon wären betroffen. Die USA haben einen großen Dienstleistungsüberschuss mit der EU – genau dort setzt das ACI an. Diese Unternehmen könnten vom EU-Binnenmarkt mit 500 Millionen Verbrauchern ausgeschlossen werden.
Wie wird das Instrument aktiviert?
Die EU-Kommission oder ein Mitgliedstaat kann einen Antrag stellen. Für die Aktivierung müssen 55% der EU-Länder zustimmen, die 65% der Bevölkerung repräsentieren. Nach der Aktivierung kann die Umsetzung von Maßnahmen mehrere Monate dauern.
Was fordert Macron?
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert die sofortige Aktivierung des Anti-Coercion Instruments gegen die USA. Er nannte es beim WEF in Davos ein „mächtiges Instrument“, das Europa nutzen müsse. Er sieht darin die richtige Antwort auf Trumps Erpressungsversuch.
Fazit: Europas stärkste Waffe steht bereit
Die Handels-Bazooka steht 2026 vor ihrer möglichen Premiere. Das Anti-Coercion Instrument ist das mächtigste Werkzeug, das die EU gegen wirtschaftliche Erpressung besitzt. Ob es tatsächlich aktiviert wird, entscheidet sich in den kommenden Tagen auf dem EU-Sondergipfel. Eines ist sicher: Das Instrument hat das Potenzial, die transatlantischen Beziehungen grundlegend zu verändern – im Guten wie im Schlechten.
Autor: Redaktion mindelmedia-news.de
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