ALDI Kaffee Preisdumping: Darf Kaffee billiger sein, als er in der Herstellung kostet? Der Kaffeeröster Tchibo wirft dem Discounter Aldi genau das vor und hat deswegen eine Unterlassungsklage eingereicht. Tchibo argumentiert, dass der Verkauf von Kaffee unter Produktionskosten eine unlautere Wettbewerbspraxis darstellt.

Zusammenfassung
- Tchibo wirft Aldi Preisdumping bei Kaffee vor.
- Das Oberlandesgericht Düsseldorf wird über die Klage entscheiden (Aktenzeichen VI-6 U 1/25).
- Tchibo argumentiert, dass Aldi Kaffee unter Herstellungskosten verkauft.
- Das Landgericht Düsseldorf hatte die Klage in erster Instanz abgewiesen (Az. 14 d O 14/24).
Kaffee-Klage gegen Aldi: Was steckt hinter dem Preisdumping-Vorwurf?
Der Kaffeemarkt ist hart umkämpft, und die Preise sind in den letzten Jahren gestiegen. Umso mehr fallen die Niedrigpreise auf, mit denen Discounter wie Aldi Kaffeetrinker locken. Tchibo, einer der größten Kaffeeröster Deutschlands, sieht darin jedoch eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung. Der Vorwurf: Aldi soll Kaffee der Eigenmarke Barissimo seit Ende 2023 regelmäßig zu Preisen verkauft haben, die unter den Herstellungskosten liegen. Dieses Vorgehen, so Tchibo, sei ein Fall von Aldi Kaffee Preisdumping und verstoße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.
Die Klage von Tchibo zielt darauf ab, Aldi zu verpflichten, den Kaffee zu einem „angemessenen“ Preis zu verkaufen. Nach der mündlichen Verhandlung deutete das Oberlandesgericht Düsseldorf allerdings an, dass es die Entscheidung der Vorinstanz bestätigen könnte. Das Landgericht Düsseldorf hatte die Klage bereits in erster Instanz abgewiesen (Az. 14 d O 14/24).
Warum sind die Kaffeepreise gestiegen?
Die Kaffeepreise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt mussten Verbraucher zuletzt rund 50 Prozent mehr für Bohnenkaffee bezahlen als noch im Jahr 2020. Tchibo hat für den 16. Februar eine Preiserhöhung von bis zu einem Euro je Pfund Bohnen angekündigt. Als Grund nennt das Unternehmen die gestiegenen Rohstoffpreise. (Lesen Sie auch: Toyota Prius: Pionier der Hybridautos Kam vor…)
„In einem weiterhin angespannten Markt sind die Verkaufspreise für Kaffee im vergangenen Jahr deutlich angestiegen“, erklärt Tchibo. „Wir haben lange gezögert, aber nun müssen auch wir reagieren.“
Verbraucher mussten zuletzt rund 50 Prozent mehr für Bohnenkaffee bezahlen als noch im Jahr 2020. Tchibo erhöht die Preise um bis zu einem Euro je Pfund Bohnen.
Was bedeutet Preisdumping im juristischen Sinne?
Preisdumping liegt vor, wenn ein Unternehmen Waren oder Dienstleistungen dauerhaft unter ihren Herstellungskosten oder dem üblichen Marktpreis anbietet. Ziel ist es häufig, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen oder Marktanteile zu gewinnen. Solches Verhalten kann wettbewerbsrechtliche Konsequenzen haben, da es den Wettbewerb verzerrt und letztlich den Verbrauchern schadet.
Im deutschen Recht ist Preisdumping durch das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt. Ein Verstoß liegt vor, wenn ein Unternehmen seine Marktmacht missbraucht, um Wettbewerber zu behindern. Ob Aldi im konkreten Fall tatsächlich Preisdumping betreibt, muss das Oberlandesgericht Düsseldorf (Aktenzeichen VI-6 U 1/25) nun entscheiden. (Lesen Sie auch: Handelsstreitigkeiten belasten Beziehungen)
Welche Argumente bringt Tchibo gegen Aldi vor?
Tchibo argumentiert, dass Aldi durch den Verkauf von Kaffee unter Herstellungskosten seine Marktmacht missbraucht und den Wettbewerb unzulässig verzerrt. Dies schade nicht nur anderen Kaffeeröstern, sondern letztlich auch den Verbrauchern, da ein solcher Preisdruck langfristig die Qualität des Kaffees beeinträchtigen könnte. Tchibo fordert daher, dass Aldi den Kaffee zu einem Preis verkauft, der die Herstellungskosten deckt und einen angemessenen Gewinn ermöglicht.
Der Kaffeeröster sieht in dem Vorgehen von Aldi eine gezielte Strategie, um Kunden anzulocken und sie zum Kauf anderer Produkte zu bewegen. Der günstige Kaffeepreis diene somit als Lockvogelangebot, das die Kundenfrequenz in den Aldi-Filialen erhöhen soll. Wie Stern berichtet, bedauert ein Tchibo-Sprecher die Neigung des Oberlandesgerichts, die Entscheidung der Vorinstanz zu bestätigen.
Wie geht es weiter mit der Kaffee-Klage?
Das Oberlandesgericht Düsseldorf wird in Kürze sein Urteil in dem Fall verkünden (Aktenzeichen VI-6 U 1/25). Sollte das Gericht die Klage von Tchibo abweisen, könnte der Kaffeeröster Rechtsmittel einlegen und den Fall vor den Bundesgerichtshof bringen. Unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits dürfte die Auseinandersetzung zwischen Tchibo und Aldi die Debatte über faire Preise und Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel weiter anheizen.
Das Bundeskartellamt befasst sich ebenfalls mit dem Thema Preisdumping und dessen Auswirkungen auf den Wettbewerb. Auch Stiftung Warentest hat Kaffees verschiedener Hersteller getestet und bewertet.
Häufig gestellte Fragen
Was genau wird Aldi im Zusammenhang mit Kaffee Preisdumping vorgeworfen?
Aldi wird vorgeworfen, den Kaffee seiner Eigenmarke „Barissimo“ seit Ende 2023 regelmäßig zu Preisen verkauft zu haben, die unter den tatsächlichen Herstellungskosten liegen. Tchibo sieht darin eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung, die gegen das Gesetz verstößt.
Welche rechtlichen Grundlagen hat die Klage von Tchibo gegen Aldi?
Die Klage von Tchibo stützt sich auf das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Tchibo argumentiert, dass Aldi seine Marktmacht missbraucht, um Wettbewerber durch Preisdumping zu behindern.
Wie hat das Landgericht Düsseldorf in erster Instanz entschieden?
Das Landgericht Düsseldorf hat die Klage von Tchibo in erster Instanz als unbegründet abgewiesen (Az. 14 d O 14/24). Das Gericht sah weder das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen noch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verletzt. (Lesen Sie auch: Energiewende Kritik: Reiches Pläne Gefährden Ausbau?)
Was sind die möglichen Folgen, wenn Aldi das Preisdumping nachgewiesen wird?
Wenn Aldi das Preisdumping nachgewiesen wird, könnte das Unternehmen gerichtlich dazu verpflichtet werden, den Kaffee zu einem Preis zu verkaufen, der die Herstellungskosten deckt und einen angemessenen Gewinn ermöglicht. Zudem könnten Schadenersatzforderungen anderer Kaffeeröster drohen.
Welchen Einfluss haben die gestiegenen Rohstoffpreise auf die aktuelle Situation?
Die gestiegenen Rohstoffpreise haben zu einer allgemeinen Erhöhung der Kaffeepreise geführt. Tchibo selbst hat eine Preiserhöhung angekündigt. In diesem Kontext wird das Aldi Kaffee Preisdumping als besonders wettbewerbsverzerrend wahrgenommen, da es die ohnehin schon angespannte Situation verschärft.
Die Auseinandersetzung um das Aldi Kaffee Preisdumping zeigt, wie hart umkämpft der Kaffeemarkt ist und wie sensibel die Frage nach fairen Preisen und Wettbewerbsbedingungen ist. Das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf wird zeigen, ob Aldi seine Kaffeepreise anpassen muss und welche Auswirkungen dies auf die Verbraucher haben wird.

