Neue Epstein-Enthüllungen bringen Ex-Prinz Andrew in zunehmende Bedrängnis. Wann schaltet sich die Justiz ein?
Die Schlinge um Andrew Mountbatten-Windsor, 65, zieht sich immer weiter zu. Nachdem neue brisante Dokumente aus dem Nachlass des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (1953-2019) an die Öffentlichkeit gelangten, steht der Verdacht auf Korruption, Geheimnisverrat und sexuelle Vergehen im Raum. Wann schalten sich die Behörden ein – und wer ist eigentlich verantwortlich, wenn gegen einen (Ex-)Prinzen ermittelt wird? Diese Fragen werden aktuell in den britischen Medien heiß diskutiert.
„Niemand steht über dem Gesetz“
Stephen Parkinson, der Leiter der britischen Staatsanwaltschaft, fand am vergangenen Wochenende deutliche Worte. Gegenüber der „Sunday Times“ erklärte er, dass sein Job darin bestehe, das Gesetz „ohne Furcht oder Begünstigung“ durchzusetzen. Parkinson betonte, dass der Status einer Person – auch der eines ehemaligen Royals – keinen Einfluss auf die Arbeit der Justiz habe.
Die polizei-20956074.html?utm_campaign=alle-news&utm_medium=rssfeed“ title=“Polizei“ class=“taxonomy-entity organization“>Polizei von Thames Valley bestätigte bereits, dass sie in engem Austausch mit der Staatsanwaltschaft stehe. Dabei geht es insbesondere um den Vorwurf des Fehlverhaltens im öffentlichen Dienst.
Neue Vorwürfe: Korruption und Geheimnisverrat?
Im Zentrum der neuen Ermittlungen steht Andrews Rolle als britischer Sonderbotschafter für Handel und Investitionen, die er zwischen 2001 und 2011 innehatte. Die Epstein-Files legen nahe, dass Andrew diese Position missbraucht haben könnte, um seinem Freund Epstein und dessen Geschäftspartnern Vorteile zu verschaffen.
Berichten zufolge zeigen E-Mails, dass Andrew sensible Informationen über die Royal Bank of Scotland nach deren staatlicher Rettung weitergegeben haben soll. Zudem leiteten Vertraute des Ex-Prinzen diplomatische Depeschen über Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und China an Geschäftsfreunde Epsteins weiter. Der verurteilte Sexualstraftäter soll darüber hinaus Treffen für Andrew organisiert haben, während dieser auf steuerzahlerfinanzierten Dienstreisen in China war, um dort „diskrete“ Deals für Epsteins Netzwerk vorzubereiten.
Besonders belastend: Epstein brüstete sich in einer Nachricht sogar damit, er habe „Großbritannien fest im Griff“, dank seiner Kontakte zu Andrew und anderen politischen Figuren.
Forderungen nach strafrechtlicher Verfolgung
Die politische Reaktion ist heftig. Der ehemalige Premierminister Gordon Brown bezeichnete die Enthüllungen als „Verrat an Großbritannien“ und forderte eine umfassende polizeiliche Untersuchung. „Was ich über den Missbrauch von Frauen durch männliche Täter und deren Helfershelfer – und die bisher nicht anerkannte Rolle Großbritanniens – herausgefunden habe, hat mich zutiefst erschüttert. Es erfordert eine eingehende polizeiliche Untersuchung und ist mit Abstand der größte Skandal von allen.“
Parallel dazu werden erneut Vorwürfe wegen sexueller Vergehen laut. Laut Berichten des „Guardian“ prüfen Ermittler Aussagen, wonach Epstein Andrew im Jahr 2010 eine Frau für sexuelle Handlungen in der Royal Lodge zur Verfügung gestellt haben soll.
Wer ermittelt gegen Andrew?
Die Frage ist nicht mehr, ob ermittelt wird, sondern wie schnell die Behörden zugreifen. In den britischen Medien wird bereits spekuliert, ob die Polizei bald für eine offizielle Befragung an Andrews Tür in Sandringham klopfen wird. König Charles III. soll laut Palastkreisen signalisiert haben, dass er die Arbeit der Polizei unterstützen werde. Für Andrew, der bereits alle militärischen Titel und königlichen Schirmherrschaften verloren hat, könnte dies der endgültige Fall sein.
Hinter den Kulissen folgt ein solches Verfahren einem strengen Protokoll. Da Andrew kein amtierender Monarch ist, genießt er keine Immunität. Das juristische Vorgehen gliedert sich in drei Phasen: Aktuell sichtet die Thames Valley Police die „Epstein-Files“. Da Andrews Wohnsitz in deren Bezirk liegt, sind sie federführend. Sobald Beweise für Straftaten auf britischem Boden oder durch britische Amtsträger vorliegen, wird aus der Prüfung eine formelle Ermittlung.
Hierbei könnten Spezialeinheiten von Scotland Yard hinzugezogen werden, da Andrew als Handelsbotschafter für das gesamte Vereinigte Königreich agierte. Die Ermittler würden Zeugen vernehmen und Andrew zu einer offiziellen Befragung vorladen – entweder freiwillig oder unter Androhung einer Festnahme.
Die Polizei übergibt ihre Ergebnisse an den Crown Prosecution Service. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann nach zwei Kriterien: Reichen die Beweise für eine „realistische Aussicht auf Verurteilung“? Und liegt eine Anklage im „öffentlichen Interesse“? Bei Vorwürfen gegen ein Mitglied der Königsfamilie wird letzteres fast immer bejaht, um die Unabhängigkeit der Justiz zu wahren.
Andrew Mountbatten-Windsor hat bislang alle Vorwürfe eines Fehlverhaltens bestritten. Doch angesichts der Beweislast in den Epstein-Akten wird es für seine Anwälte immer schwieriger, eine formale Anklage abzuwenden. Es bleibt spannend, ob die Justiz ihr Versprechen wahr macht: Dass vor dem Gesetz tatsächlich alle gleich sind.
Quelle: Gala