Arbeitszeitbetrug scheint unter deutschen Beschäftigten gerade in Mode zu sein. Viele meinen sogar, den eigenen Chef aus gutem Grund zu täuschen.
Einfach menschlich oder schon Arbeitszeitbetrug? Zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland täuschen einer Umfrage zufolge im Beruf Produktivität vor.
Für die Erhebung der Job-Plattform Indeed wurden 1000 hybrid arbeitende Büroangestellte befragt. Das Ergebnis: Im Büro oder im Homeoffice ergreifen viele Menschen bewusst Maßnahmen, um produktiver und engagierter zu wirken, als sie tatsächlich sind.
Die Mehrheit der Befragten (55,9 Prozent) ist demnach der Meinung, dass ihr Arbeitgeber Anwesenheit höher bewertet als messbare Arbeitsergebnisse. Nur ein Drittel gab an, ausschließlich die eigene Leistung für sich sprechen zu lassen.
Wie Mitarbeiter Produktivität simulieren
Um ihre Präsenz zu signalisieren, greifen die Angestellten zu verschiedenen Mitteln. Manche davon erscheinen ziemlich absurd:
- 27,7 Prozent halten den Online-Status im Homeoffice künstlich auf „anwesend“
- 25,4 Prozent bleiben länger im Büro, weil auch die Führungskraft noch anwesend ist
- knapp 25 Prozent versenden bewusst E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten
- knapp ein Fünftel meldet sich in Besprechungen ohne inhaltlichen Mehrwert zu Wort, um Präsenz zu zeigen
- etwa 17 Prozent haben schon einmal ihre Jacke oder Tasche im Büro gelassen, um den Eindruck zu erwecken, sie seien noch im Haus
Grund für Arbeitszeitbetrug ist Unternehmenskultur
Als Hauptgründe für dieses Verhalten nannten die Befragten eine von Präsenzkontrolle geprägte Unternehmenskultur und Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz angesichts der wirtschaftlichen Lage. Der Umfrage zufolge ist der Wunsch nach einer leistungsorientierten Bewertung groß.
So wären zwei Drittel bereit, auf fünf Prozent oder mehr ihres Gehalts zu verzichten, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde. 70 Prozent würden einen solchen Gehaltsverzicht für die Möglichkeit in Kauf nehmen, dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten.
„Nicht die Qualität der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit“
„Die Debatte um die Büropräsenz hat in vielen Unternehmen ein problematisches Signal hinterlassen: Nicht die Qualität der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit“, sagte Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland.
Wenn Beschäftigte jedoch ihre Anwesenheit inszenierten, statt sich auf Ergebnisse zu konzentrieren, sei dies weder für Unternehmen effizient noch für die Mitarbeiter nachhaltig. „Wer vor allem Anwesenheit einfordert, darf sich nicht wundern, wenn genau diese optimiert wird“, erklärte Hensgens.









