Die Ariane Group Raketen könnten bald nicht mehr nur Satelliten ins All befördern. Das Unternehmen erwägt, in den Markt für ballistische Raketen einzusteigen. Wer, was, wann, wo und warum? Die Ariane Group, bekannt für ihre zivilen Trägerraketen, plant ein europäisches ballistisches Raketenprogramm mit Reichweiten von mehreren tausend Kilometern, um die militärische Abhängigkeit Europas von den USA zu verringern.

Die wichtigsten Fakten
- Ariane Group plant Entwicklung ballistischer Raketen mit konventionellen Sprengköpfen.
- Das Programm trägt den Namen MBT und befindet sich noch in der Entwicklungsphase.
- Gespräche mit europäischen Regierungen, einschließlich Deutschland, haben bereits stattgefunden.
- Die Raketen sollen Ziele in mehreren tausend Kilometern Entfernung treffen können.
Europäische Antwort auf militärische Abhängigkeit?
Die Ariane Group, ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und dem französischen Triebwerkshersteller Safran, mit deutschem Sitz in Ottobrunn bei München, hat ein Programm namens MBT ins Leben gerufen. Ziel ist die Entwicklung von ballistischen Raketen, die konventionelle Sprengköpfe tragen sollen. Derzeit stellt das Unternehmen neben der zivilen Ariane 6 Rakete auch die Atomraketen des französischen Militärs her. Wie Stern berichtet, laufen bereits Vorgespräche mit verschiedenen europäischen Regierungen, darunter auch die Bundesregierung.
Vincent Pery, der Chef der Militärsparte der Ariane Group, äußerte sich in München zu dem Vorhaben. Demnach sei das Interesse an einem solchen System in Europa groß. Die Entwicklung befinde sich jedoch noch in einem frühen Stadium, bis zur Serienreife würden noch mehrere Jahre vergehen.
Was bedeutet das für Bürger?
Sollte das Programm MBT realisiert werden, hätte dies weitreichende Folgen für die Sicherheitspolitik Europas. Eine eigene ballistische Raketenabwehr würde die militärische Unabhängigkeit von den USA stärken. Für die Bürger könnte dies langfristig mehr Sicherheit bedeuten, da Europa in der Lage wäre, Bedrohungen aus größerer Distanz eigenständig abzuwehren. Allerdings sind mit der Entwicklung und dem Betrieb solcher Systeme auch hohe Kosten verbunden, die letztendlich von den Steuerzahlern getragen werden müssten.
Die Investition in Rüstungsprojekte wie dieses wirft auch ethische Fragen auf. Kritiker bemängeln, dass das Geld besser in Bildung, Gesundheit oder Klimaschutz investiert werden sollte. Zudem besteht die Gefahr eines neuen Wettrüstens, wenn immer mehr Länder über ballistische Raketen verfügen.
Ballistische Raketen unterscheiden sich von Marschflugkörpern dadurch, dass sie in große Höhen außerhalb der Atmosphäre geschossen werden und ihr Ziel auf einer ballistischen Flugbahn erreichen, ohne permanenten Antrieb. (Lesen Sie auch: Atlas GMBH Insolvenzverfahren: Baggerhersteller stellt)
Wie funktioniert eine ballistische Rakete?
Ballistische Raketen erreichen Ziele über große Distanzen, indem sie den größten Teil ihrer Flugbahn außerhalb der Erdatmosphäre zurücklegen. Wie funktioniert das genau? Nach dem Start beschleunigt die Rakete, um eine bestimmte Höhe zu erreichen. Anschließend folgt sie einer ballistischen Flugbahn, die durch die Schwerkraft und die anfängliche Flugrichtung bestimmt wird. Am Zielort tritt der Sprengkopf wieder in die Atmosphäre ein und trifft sein Ziel.
Ein wesentlicher Vorteil ballistischer Raketen ist ihre hohe Geschwindigkeit. Sie können Ziele in über 1.000 Kilometern Entfernung innerhalb weniger Minuten erreichen, so Pery. Dies macht sie zu einer schwer abzufangenden Bedrohung. Die Ariane Group plant, ihre MBT-Raketen mit konventionellen Sprengköpfen auszustatten, was bedeutet, dass sie keine Atomwaffen tragen sollen.
Die hohe Geschwindigkeit und Reichweite ballistischer Raketen macht sie zu einem strategischen Instrument. Sie können verwendet werden, um wichtige Infrastruktur, militärische Einrichtungen oder Kommandozentralen anzugreifen. Die Entwicklung solcher Systeme ist daher eng mit der nationalen Sicherheitspolitik verbunden.
Ballistische Raketen stellen auch eine technologische Herausforderung dar. Die Entwicklung erfordert Expertise in den Bereichen Aerodynamik, Materialwissenschaften, Navigation und Steuerung. Die Ariane Group kann hier auf ihre langjährige Erfahrung im Raketenbau zurückgreifen, insbesondere im Bereich der Trägerraketen für Satelliten.
Welche politischen Perspektiven gibt es?
Die Pläne der Ariane Group stoßen auf unterschiedliche Reaktionen in der Politik. Befürworter sehen darin eine Chance, die europäische Verteidigungsfähigkeit zu stärken und die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Sie argumentieren, dass Europa in einer zunehmend unsicheren Welt eigene militärische Fähigkeiten benötigt, um seine Interessen zu schützen. Kritiker hingegen warnen vor einem neuen Wettrüsten und den hohen Kosten, die mit der Entwicklung und dem Betrieb solcher Systeme verbunden sind.
Die Bundesregierung hat zur Abwehr ballistischer Raketen das israelische System Arrow bestellt. Die Bundeswehr verfügt jedoch über keine eigenen ballistischen Raketen, die Ziele in mehreren tausend Kilometern Entfernung treffen könnten. Dies könnte sich mit dem MBT-Programm der Ariane Group ändern. Ob die Bundesregierung bereit ist, in ein solches System zu investieren, ist jedoch noch offen. (Lesen Sie auch: „Avatar 3“: Enttäuschende Zahlen gefährden Fortsetzung)
Ein möglicher Streitpunkt ist die Frage der Finanzierung. Die Entwicklung ballistischer Raketen ist ein teures Unterfangen, das erhebliche Mittel aus dem Verteidigungshaushalt binden würde. Angesichts der vielen anderen Herausforderungen, vor denen die Bundeswehr steht, ist es fraglich, ob genügend Geld vorhanden ist, um ein solches Projekt zu finanzieren. Zudem stellt sich die Frage, ob eine europäische Lösung gefunden werden kann, bei der sich mehrere Länder die Kosten teilen.
Die Entwicklung von Rüstungstechnologien unterliegt strengen Exportkontrollen, um zu verhindern, dass diese in falsche Hände geraten.
Wie geht es weiter?
Die Ariane Group befindet sich derzeit in Gesprächen mit dem französischen Verteidigungsministerium und der französischen Beschaffungsagentur. Auch in anderen europäischen Ländern, einschließlich Deutschland, gibt es Interesse an dem MBT-Programm. Laut Vincent Pery ist es nun an der Zeit, dass die europäischen Regierungen entscheiden, ob sie dieses System entwickeln wollen oder nicht.
Die Entscheidung wird maßgeblich von der sicherheitspolitischen Lage in Europa abhängen. Sollte sich die Bedrohungslage weiter verschärfen, könnte dies den Ruf nach einer stärkeren europäischen Verteidigungsfähigkeit verstärken. In diesem Fall könnte das MBT-Programm der Ariane Group eine wichtige Rolle spielen.

Allerdings gibt es auch interne Widerstände gegen eine solche Entwicklung. Einige Politiker und Experten befürchten, dass ein eigenes ballistisches Raketenprogramm die Beziehungen zu den USA belasten könnte. Zudem wird argumentiert, dass Europa bereits über ausreichend militärische Fähigkeiten verfügt und keine zusätzlichen Rüstungsprojekte benötigt.
Unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfällt, wird die Debatte über die europäische Verteidigungspolitik weitergehen. Die Frage, wie Europa seine Sicherheit in einer sich verändernden Welt gewährleisten kann, wird auch in Zukunft im Mittelpunkt der politischen Diskussion stehen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die technologische Souveränität. Um in Schlüsselbereichen wie der Rüstung unabhängig agieren zu können, muss Europa eigene Fähigkeiten entwickeln und stärken, so die Argumentation vieler Experten. Die aktuelle Debatte über die Erhöhung der Verteidigungsausgaben zeigt, wie wichtig dieses Thema geworden ist. (Lesen Sie auch: Siemens Prognose Angehoben: Überholt SAP im DAX!)
Häufig gestellte Fragen
Was genau sind ballistische Raketen?
Ballistische Raketen sind Raketen, die nach einer anfänglichen Antriebsphase den Großteil ihrer Flugbahn außerhalb der Erdatmosphäre zurücklegen und ihr Ziel durch die Schwerkraft ansteuern. Sie können Ziele in großer Entfernung mit hoher Geschwindigkeit erreichen.
Welche Reichweite sollen die Ariane Group Raketen haben?
Die Ariane Group plant ballistische Raketen mit Reichweiten von mehreren tausend Kilometern zu entwickeln. Dies würde es ermöglichen, Ziele in großer Entfernung zu erreichen und die europäische Verteidigungsfähigkeit zu stärken.
Werden die Raketen Atomwaffen tragen?
Nein, die Ariane Group plant, die MBT-Raketen mit konventionellen Sprengköpfen auszustatten. Es ist also nicht geplant, Atomwaffen zu verwenden. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung von Raketen für konventionelle militärische Zwecke.
Wie lange dauert die Entwicklung der Ariane Group Raketen?
Die Entwicklung des MBT-Programms befindet sich noch in einem frühen Stadium. Bis zur Serienreife werden voraussichtlich noch mehrere Jahre vergehen, da umfangreiche Tests und Entwicklungsarbeiten erforderlich sind. (Lesen Sie auch: Cornelia Hütter: Olympia-Abschied mit dem Super-G in…)
Welche Länder sind an dem Projekt beteiligt?
Die Ariane Group führt Gespräche mit verschiedenen europäischen Regierungen, darunter Frankreich und Deutschland. Es ist jedoch noch offen, welche Länder sich letztendlich an der Finanzierung und Entwicklung des Projekts beteiligen werden.
Die Initiative der Ariane Group, in die Entwicklung ballistischer Raketen einzusteigen, markiert einen Wendepunkt in der europäischen Verteidigungspolitik. Ob sich daraus ein konkretes Programm entwickelt, hängt von den politischen Entscheidungen der kommenden Jahre ab. Klar ist jedoch, dass die Debatte über die militärische Unabhängigkeit Europas an Bedeutung gewinnen wird.
