Die NASA steht vor einer weiteren Verzögerung bei ihrem ambitionierten Artemis 2-Programm, nachdem kritische Probleme während des entscheidenden „Wet Dress Rehearsal“ aufgetreten sind. Der ursprünglich für Februar geplante Start der ersten bemannten Mondmission seit über fünf Jahrzehnten muss nun auf März verschoben werden, wie NASA-Chef Jared Isaacman bekannt gab. Die technischen Schwierigkeiten beim Bodentest werfen wichtige Fragen zur Sicherheit und Bereitschaft des komplexen Raumfahrtprogramms auf.

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- Technische Probleme gefährden Artemis 2-Starttermin
- Die Artemis 2-Crew und ihre historische Mission
- Das Space Launch System und die Orion-Kapsel
- Sicherheitsbedenken und Risikobewertung
- Politische und wirtschaftliche Auswirkungen der Verzögerung
- Internationale Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven
- Weiterführende Informationen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Das Wichtigste in Kürze
- Artemis 2 wird aufgrund technischer Probleme beim Bodentest von Februar auf März verschoben
- Beim „Wet Dress Rehearsal“ traten Lecks, Kameraausfälle und Kommunikationsstörungen auf
- Die Mission soll erstmals seit 1972 wieder Menschen in die Nähe des Mondes bringen
- Vier Astronauten werden an der zehn Tage dauernden Mondumrundung teilnehmen
Technische Probleme gefährden Artemis 2-Starttermin
Der mehrstündige „Wet Dress Rehearsal“ am Kennedy Space Center in Cape Canaveral sollte die finale Generalprobe für Artemis 2 darstellen. Doch stattdessen offenbarte der Test eine Reihe besorgniserregender technischer Probleme. Das gravierendste Problem war ein Leck während des Betankungsvorgangs der gewaltigen Space Launch System (SLS) Rakete. Diese 98 Meter hohe Rakete, die als leistungsstärkste von der NASA jemals gebaute Rakete gilt, muss mit hochkomplexen Treibstoffen befüllt werden – tiefkaltem flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff bei Temperaturen von minus 253 Grad Celsius.
Die extremen Temperaturen während des Tests führten zusätzlich zu Ausfällen mehrerer Überwachungskameras, was die Kontrolle und Dokumentation des Vorgangs erheblich beeinträchtigte. Darüber hinaus versagte zeitweise die Audioübertragung zwischen dem Kontrollzentrum in Houston und dem Startplatz, ein kritisches Kommunikationssystem für die Artemis 2-Mission. Diese Probleme verdeutlichen die enormen technischen Herausforderungen, die mit der Rückkehr zur Mondexploration verbunden sind.
Die Artemis 2-Crew und ihre historische Mission
Vier erfahrene Astronauten wurden für die bahnbrechende Artemis 2-Mission ausgewählt: Christina Koch, die den Rekord für den längsten Einzelflug einer Frau im Weltraum hält, Victor Glover, ein Veteran der SpaceX Crew-1 Mission zur Internationalen Raumstation, Reid Wiseman, ehemaliger Kommandant der ISS, und Jeremy Hansen, ein kanadischer Astronaut, der die internationale Zusammenarbeit des Programms repräsentiert.
Diese vier Pioniere sollen eine etwa zehn Tage dauernde Reise antreten, die sie in einer elliptischen Bahn um den Mond führen wird. Die Orion-Kapsel wird sich dem Mond bis auf etwa 100 Kilometer nähern, bevor sie zur Erde zurückkehrt. Obwohl keine Landung geplant ist, stellt Artemis 2 einen entscheidenden Schritt zur Vorbereitung auf Artemis 3 dar, bei der erstmals seit der Apollo 17-Mission wieder Menschen den Mondboden betreten sollen. (Lesen Sie auch: "Artemis 2":)
Die Artemis 2-Mission wird die erste bemannte Reise über die niedrige Erdumlaufbahn hinaus seit der Apollo-Ära sein. Die Astronauten werden weiter von der Erde entfernt sein als jeder Mensch seit 1972.
Das Space Launch System und die Orion-Kapsel
Das Herzstück von Artemis 2 bildet das Space Launch System, eine Mega-Rakete mit einer Schubkraft von 39,1 Meganewton beim Start. Die Rakete besteht aus einer Kernstufe mit vier RS-25-Triebwerken, die bereits bei den Space Shuttle-Missionen zum Einsatz kamen, sowie zwei mächtigen Feststoffraketen-Boostern. Diese Konfiguration ermöglicht es, die 26 Tonnen schwere Orion-Kapsel samt Servicemodul auf Mondkurs zu bringen.
Die Orion-Kapsel selbst repräsentiert modernste Raumfahrttechnologie. Mit einem Durchmesser von 5 Metern bietet sie deutlich mehr Platz als die Apollo-Kommandokapsel und verfügt über fortschrittliche Lebenserhaltungssysteme, Strahlenschutz und Kommunikationstechnologie. Das europäische Servicemodul, entwickelt von der ESA, versorgt die Kapsel mit Strom, Wasser und Atemgas und ermöglicht die notwendigen Manöver im Weltraum.
Erfolgreich absolviert im November-Dezember 2022, testete alle Systeme ohne Besatzung
Geplant für März 2024, erste Menschen seit 1972 in Mondnähe (Lesen Sie auch: Neuer Wintersturm rollt auf USA zu)
Geplant für 2026, erste Frau und nächster Mann auf dem Mond
Aufbau einer dauerhaften Mondstation und Vorbereitung für Mars-Missionen
Sicherheitsbedenken und Risikobewertung
Die bei dem Bodentest aufgetretenen Probleme sind für die NASA keineswegs überraschend, wie Jared Isaacman betonte. Dennoch werfen sie wichtige Fragen zur Sicherheit von Artemis 2 auf. Lecks bei der Betankung mit hochexplosiven Treibstoffen sind besonders kritisch, da sie sowohl die Rakete als auch die Startinfrastruktur gefährden können. Die Geschichte der Raumfahrt ist geprägt von Unfällen, die durch scheinbar geringfügige technische Probleme ausgelöst wurden.
Die NASA wendet bei Artemis 2 strenge Sicherheitsstandards an, die aus den Erfahrungen der Apollo-Ära und der Space Shuttle-Programme entwickelt wurden. Jedes System verfügt über mehrfache Redundanzen, und die Orion-Kapsel ist mit einem Launch Abort System ausgestattet, das die Astronauten im Notfall von einer defekten Rakete wegkatapultieren kann. Diese Sicherheitssysteme wurden bereits bei unbemannten Tests erfolgreich erprobt.

| Sicherheitssystem | Funktion | Teststatus |
|---|---|---|
| Launch Abort System | Notfallrettung beim Start | ✅ Erfolgreich getestet |
| Hitzeschild | Schutz beim Wiedereintritt | ✅ Artemis 1 bestätigt |
| Backup-Lebenserhaltung | Redundante Systeme | 🔄 In Prüfung |
| Kommunikationssysteme | Verbindung zur Erde | ⚠️ Probleme aufgetreten |
Politische und wirtschaftliche Auswirkungen der Verzögerung
Die Verschiebung von Artemis 2 hat weitreichende Konsequenzen jenseits der rein technischen Aspekte. Das Artemis-Programm steht unter enormem politischem Druck, da es als Symbol für die amerikanische Raumfahrtführerschaft im Wettbewerb mit China gilt. Die chinesische Raumfahrtagentur hat eigene ambitionierte Mondpläne angekündigt, einschließlich bemannter Landungen in den 2030er Jahren. (Lesen Sie auch: Skandal um Königsfamilie: Norwegens Prozess des Jahres:…)
Wirtschaftlich bedeutet jede Verzögerung zusätzliche Kosten für das bereits über 90 Milliarden Dollar teure Artemis-Programm. Hunderte von Unternehmen und Zulieferern sind in die Entwicklung und Produktion der komplexen Systeme involviert. Eine weitere Verschiebung könnte auch Auswirkungen auf nachfolgende Missionen haben und das Ziel einer dauerhaften Mondpräsenz verzögern.
Während das Apollo-Programm in nur acht Jahren Menschen zum Mond brachte, ist Artemis als nachhaltiges, langfristiges Programm konzipiert. Es soll nicht nur eine Rückkehr zum Mond ermöglichen, sondern eine permanente Präsenz etablieren und den Weg zum Mars ebnen.
Internationale Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven
Artemis 2 ist nicht nur ein amerikanisches Unterfangen, sondern repräsentiert eine beispiellose internationale Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Mit Jeremy Hansen ist erstmals ein nicht-amerikanischer Astronaut Teil einer NASA-Mondmission. Die Artemis Accords haben bereits über 30 Länder als Unterzeichner, die sich zu friedlicher Mondexploration und gemeinsamen Standards verpflichten.
Die Verzögerung von Artemis 2 wirft auch Fragen zur Zeitplanung des gesamten Programms auf. Die geplante Artemis 3-Mondlandung für 2026 könnte ebenfalls verschoben werden müssen, was wiederum Auswirkungen auf die internationale Koordination haben würde. Partner wie die ESA, die das Servicemodul für Orion liefert, und JAXA aus Japan müssen ihre eigenen Zeitpläne entsprechend anpassen.
Weiterführende Informationen
Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehlen wir folgende vertrauenswürdige Quellen:
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann startet Artemis 2 nun frühestens?
Nach den Problemen beim Bodentest wurde Artemis 2 von Februar auf März verschoben. Ein konkreter Starttermin wird erst nach vollständiger Auswertung aller Testdaten festgelegt. Das Startfenster reicht bis April.
Welche Probleme traten beim Test auf?
Beim „Wet Dress Rehearsal“ gab es ein Leck während der Betankung, Kameraausfälle durch die extreme Kälte und zeitweise Störungen der Audioübertragung zwischen Kontrollzentrum und Startplatz.
Wie lange dauert die Artemis 2-Mission?
Die Mission ist auf etwa zehn Tage angelegt. Die vier Astronauten werden eine elliptische Bahn um den Mond fliegen und sich bis auf 100 Kilometer der Mondoberfläche nähern, bevor sie zur Erde zurückkehren. (Lesen Sie auch: Fast jeder zweite Deutsche erkrankt an Krebs)
Werden die Astronauten auf dem Mond landen?
Nein, bei Artemis 2 ist keine Landung geplant. Die Mission dient als Test für alle Systeme mit menschlicher Besatzung. Die erste Landung seit 1972 ist für Artemis 3 vorgesehen, derzeit geplant für 2026.
Wie sicher ist die Artemis 2-Mission?
Die NASA wendet höchste Sicherheitsstandards an, mit redundanten Systemen und einem Launch Abort System für Notfälle. Alle Systeme wurden ausgiebig getestet, und der Bodentest dient dazu, Probleme vor dem eigentlichen Start zu identifizieren und zu lösen.
Was sind die Kosten des Artemis-Programms?
Das gesamte Artemis-Programm hat bereits über 90 Milliarden Dollar gekostet. Jede Verzögerung führt zu zusätzlichen Ausgaben, aber die NASA betont, dass Sicherheit oberste Priorität hat und Kosten zweitrangig sind.
Die Verschiebung von Artemis 2 mag enttäuschend sein, aber sie unterstreicht das Engagement der NASA für absolute Sicherheit bei dieser historischen Mission. Die beim Bodentest aufgetretenen Probleme sind Teil des normalen Entwicklungsprozesses komplexer Raumfahrtsysteme. Mit der sorgfältigen Analyse und Behebung aller identifizierten Schwachstellen wird Artemis 2 einen entscheidenden Schritt zur Rückkehr der Menschheit zum Mond und darüber hinaus zum Mars darstellen. Die internationale Raumfahrtgemeinschaft wartet gespannt auf diesen Meilenstein, der eine neue Ära der Weltraumexploration einläuten wird.
