Die NASA muss einen herben Rückschlag bei ihrem ambitionierten Artemis-Programm verkraften: Die langersehnte Mission Artemis 2, die erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen in die Nähe des Mondes bringen sollte, wird um mindestens einen Monat verschoben. Nach gravierenden technischen Problemen beim entscheidenden „Wet Dress Rehearsal“ am Kennedy Space Center steht das gesamte Mondprogramm vor neuen Herausforderungen.

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- Artemis 2: Kritische Probleme beim Generaltest
- Die Crew und ihre Mission zum Mond
- Technische Herausforderungen des Space Launch System
- Auswirkungen auf das gesamte Artemis-Programm
- Internationale Kooperation und Konkurrenz
- Sicherheit hat oberste Priorität
- Weiterführende Informationen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Rückschlag mit Lerneffekt
Das Wichtigste in Kürze
- Artemis 2 wird aufgrund technischer Probleme beim Bodentest von Februar auf März verschoben
- Lecks beim Betankungsvorgang und Ausfälle von Kommunikationssystemen führten zu Unterbrechungen
- Die vierköpfige Astronautencrew war nicht am kritischen Test beteiligt
- Ein neuer konkreter Starttermin wird erst nach vollständiger Datenauswertung festgelegt
Artemis 2: Kritische Probleme beim Generaltest
Das „Wet Dress Rehearsal“ gilt als einer der wichtigsten Meilensteine vor dem eigentlichen Start der Artemis 2-Mission. Bei diesem mehrstündigen Test werden alle kritischen Abläufe bis kurz vor dem tatsächlichen Start durchgespielt – von der komplexen Betankung mit tiefkaltem flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff bis hin zu einem vollständigen Countdown mit geplanten Haltepunkten. Doch genau hier zeigten sich nun gravierende Schwachstellen.
NASA-Chef Jared Isaacman bestätigte mehrere technische Ausfälle, die den Testablauf erheblich störten. Besonders problematisch erwies sich ein Leck im Betankungssystem, das zu mehrfachen Unterbrechungen führte. Zusätzlich beeinträchtigten die extremen Temperaturen die Funktionsfähigkeit mehrerer Kameras, während die Audioübertragung vom Boden zeitweise komplett ausfiel. Diese Probleme verdeutlichen die immense technische Komplexität der Artemis 2-Mission.
Das „Wet Dress Rehearsal“ simuliert alle kritischen Startvorbereitungen mit echtem Treibstoff. Anders als bei einem „Dry Run“ werden dabei die gleichen gefährlichen und komplexen Betankungsvorgänge durchgeführt wie beim tatsächlichen Start – nur ohne dass die Rakete letztendlich abhebt.
Die Crew und ihre Mission zum Mond
Die vier Astronauten der Artemis 2-Mission – Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der kanadische Astronaut Jeremy Hansen – waren zwar nicht physisch am Test beteiligt, doch ihre Abläufe am Starttag wurden in die Testsequenz integriert. Dies umfasste unter anderem das kritische Schließen der Orion-Kapsel und weitere missionsspezifische Verfahren. (Lesen Sie auch: "Artemis 2":)
Für die Crew bedeutet die Verschiebung sowohl eine Enttäuschung als auch zusätzliche Vorbereitungszeit. Christina Koch, die als erste Frau eine Mondumrundung unternehmen wird, und ihre Kollegen haben bereits Jahre intensiven Trainings absolviert. Die Artemis 2-Mission soll sie auf eine etwa zehn Tage dauernde Reise schicken, die sie einmal um den Mond führt, ohne zu landen.
Technische Herausforderungen des Space Launch System
Das Space Launch System (SLS), die mächtigste Rakete, die NASA je gebaut hat, steht im Zentrum der Artemis 2-Probleme. Mit einer Höhe von 98 Metern und der Fähigkeit, über 26 Tonnen zum Mond zu transportieren, übertrifft sie sogar die legendäre Saturn V-Rakete der Apollo-Ära. Doch mit dieser gewaltigen Leistung gehen auch entsprechende technische Risiken einher.
Die beim Test aufgetretenen Lecks im Betankungssystem sind besonders kritisch, da sie mit den extrem niedrigen Temperaturen des flüssigen Wasserstoffs und Sauerstoffs zusammenhängen. Diese Treibstoffe müssen bei minus 253 Grad Celsius beziehungsweise minus 183 Grad Celsius gelagert werden, was enormous Belastungen für alle Dichtungen und Verbindungen bedeutet.
| Technische Spezifikation | Space Launch System | Vergleich Saturn V |
|---|---|---|
| Gesamthöhe | 98 Meter | 111 Meter |
| Startschub | 39,1 Meganewton | 34,5 Meganewton |
| Nutzlast zum Mond | 26,2 Tonnen | 23,9 Tonnen |
| Treibstoff | Wasserstoff/Sauerstoff | Kerosin/Sauerstoff |
Auswirkungen auf das gesamte Artemis-Programm
Die Verschiebung der Artemis 2-Mission hat weitreichende Konsequenzen für das gesamte Artemis-Programm, das darauf abzielt, bis Ende der 2020er Jahre wieder Menschen auf dem Mond zu landen. Artemis 3, die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17, ist bereits für 2026 geplant – ein Termin, der nun noch unrealistischer erscheint.
NASA-Administrator Bill Nelson hatte bereits früher eingeräumt, dass das Programm unter enormem Zeit- und Budgetdruck steht. Die aktuellen Probleme bei Artemis 2 verschärfen diese Situation zusätzlich. Besonders problematisch ist, dass die Mission nicht nur wissenschaftliche, sondern auch erhebliche geopolitische Bedeutung hat, da China ebenfalls aggressive Mondpläne verfolgt. (Lesen Sie auch: Neuer Wintersturm rollt auf USA zu)
Die unbemannte Testmission umrundet erfolgreich den Mond und kehrt zur Erde zurück.
Artemis 2 wird von November 2024 auf Februar 2025 verschoben.
Nach Problemen beim Wet Dress Rehearsal wird der Start auf März oder April 2025 verschoben.
Erste bemannte Mondlandung seit 1972 – Termin zunehmend fraglich.

Internationale Kooperation und Konkurrenz
Die Artemis 2-Verzögerung betrifft nicht nur die USA, sondern auch internationale Partner wie Kanada, deren Astronaut Jeremy Hansen Teil der Crew ist. Das Artemis-Programm basiert auf einer breiten internationalen Allianz, die auch Europa, Japan und weitere Länder umfasst. Diese Partner haben bereits Milliarden in das Programm investiert und sind auf den Erfolg von Artemis 2 angewiesen. (Lesen Sie auch: Skandal um Königsfamilie: Norwegens Prozess des Jahres:…)
Gleichzeitig verstärkt die Verzögerung den Druck im Weltraumwettlauf mit China, das eigene ambitionierte Mondpläne verfolgt. Die chinesische Raumfahrtbehörde plant, bereits vor 2030 chinesische Astronauten auf dem Mond zu landen, was die strategische Bedeutung der Artemis-Missionen zusätzlich erhöht.
Jeremy Hansen wird als erster Nicht-US-Amerikaner seit den Apollo-Missionen den Mond umrunden. Seine Teilnahme symbolisiert die internationale Zusammenarbeit des Artemis-Programms und Kanadas bedeutende Beiträge zur Raumfahrt, insbesondere den legendären Canadarm-Roboterarm.
Sicherheit hat oberste Priorität
NASA-Chef Isaacman betonte, dass die Behörde „absolut damit gerechnet“ habe, bei den Tests auf Herausforderungen zu stoßen. Tatsächlich ist es genau der Zweck solcher Rehearsals, potenzielle Problemquellen zu identifizieren und zu lösen, bevor Menschenleben auf dem Spiel stehen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit, insbesondere die Tragödien von Challenger und Columbia, haben gelehrt, dass Sicherheit immer Vorrang vor Zeitplänen haben muss.
Die bei Artemis 2 aufgetretenen Probleme sind zwar ärgerlich, aber sie zu entdecken und zu beheben ist weitaus besser, als sie während der tatsächlichen Mission zu erleben. Die NASA hat angekündigt, erst nach einer vollständigen Auswertung aller Testdaten einen neuen konkreten Starttermin für Artemis 2 festzulegen.
Weiterführende Informationen
Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehlen wir folgende vertrauenswürdige Quellen:
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann startet Artemis 2 nun tatsächlich?
NASA peilt März 2025 als frühestmöglichen Starttermin an, das Startfenster reicht bis April 2025. Ein konkreter Termin wird erst nach vollständiger Auswertung der Testdaten festgelegt.
Was genau ist beim Test schiefgelaufen?
Es traten mehrere Probleme auf: Lecks beim Betankungsvorgang mit tiefkaltem Treibstoff, Kameraausfälle durch extreme Kälte und zeitweise Ausfälle der Audioübertragung vom Boden.
Wer sind die Astronauten der Artemis 2-Mission?
Die Crew besteht aus Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman (alle NASA) und Jeremy Hansen (kanadische Raumfahrtbehörde). Koch wird die erste Frau sein, die den Mond umrundet. (Lesen Sie auch: Fast jeder zweite Deutsche erkrankt an Krebs)
Wie lange dauert die Artemis 2-Mission?
Die Mission ist auf etwa zehn Tage angelegt. Die Astronauten werden den Mond umrunden, aber nicht landen, bevor sie zur Erde zurückkehren.
Gefährdet dies die geplante Mondlandung Artemis 3?
Ja, die Verzögerung von Artemis 2 macht den bereits optimistischen Zeitplan für Artemis 3 im Jahr 2026 noch unrealistischer. Jede Verschiebung wirkt sich auf nachfolgende Missionen aus.
Warum ist das „Wet Dress Rehearsal“ so wichtig?
Dieser Test simuliert alle kritischen Startabläufe mit echtem Treibstoff bis kurz vor dem Abheben. Er ist entscheidend, um technische Probleme zu identifizieren, bevor Menschenleben riskiert werden.
Fazit: Rückschlag mit Lerneffekt
Die Verschiebung der Artemis 2-Mission ist zweifellos ein Rückschlag für die NASA und das gesamte Artemis-Programm. Doch die beim „Wet Dress Rehearsal“ aufgedeckten Probleme zu beheben, ist weitaus besser, als sie während der tatsächlichen Mission zu erleben. Die Sicherheit der vier Astronauten muss oberste Priorität haben, auch wenn dies weitere Verzögerungen bedeutet.
Das Artemis-Programm steht vor enormen technischen und zeitlichen Herausforderungen, aber es verkörpert auch die Rückkehr der Menschheit zu ihren kühnsten Träumen. Die aktuellen Probleme sind ein Reminder daran, dass Raumfahrt nach wie vor zu den schwierigsten technischen Unternehmungen der Menschheit gehört. Wenn Artemis 2 schließlich erfolgreich startet, wird es nicht nur ein Triumph der Technik sein, sondern auch ein Beweis dafür, dass gründliche Vorbereitung und Sicherheit wichtiger sind als eingehaltene Zeitpläne.
