Die MDR-Serie „Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR?“ hat am 25. November 2025 den International Emmy Award gewonnen. In der Kategorie „Kids: Factual & Entertainment“ setzte sich die Animadok-Serie gegen Konkurrenz aus Brasilien, Großbritannien und Südafrika durch. Julian Janssen und Anna Shirin Habedank führen junge Zuschauer durch die letzten Tage der DDR – mit innovativer Technik und emotionalen Zeitzeugen-Geschichten.
Was ist „Auf Fritzis Spuren“?
„Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR?“ ist eine sechsteilige Animadok-Serie des MDR, die in Koproduktion mit dem WDR entstand. Julian Janssen, bekannt als „Checker Julian“, und Nachwuchsschauspielerin Anna Shirin Habedank begeben sich mit ihren Trickfilm-Avataren auf eine Zeitreise in die letzten Jahre der DDR. Die Serie wurde im Herbst 2024 auf KiKA ausgestrahlt und basiert auf der preisgekrönten Animationsfigur Fritzi aus dem Film „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“.
In Motion-Capturing-Anzügen schlüpfen die beiden Moderatoren in animierte Charaktere und erleben die Geschichte der friedlichen Revolution hautnah. Sie treffen Zeitzeugen, die von ihren persönlichen Erfahrungen berichten: von Schulalltag, Stasi-Überwachung, Umweltprotesten, Jugendkulturen, der Flucht über Ungarn bis zu den legendären Montagsdemonstrationen.
Emmy-Gewinn in New York: Ein historischer Moment
Am Abend des 24. November 2025 (Ortszeit New York) fand die 53. Verleihung der International Emmy Awards im New York Hilton Midtown statt. Als die Kategorie „Kids: Factual & Entertainment“ aufgerufen wurde, stand „Auf Fritzis Spuren“ gegen starke Konkurrenz:
| Land | Nominierte Produktion | Ergebnis |
|---|---|---|
| Deutschland | Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR? | GEWINNER |
| Brasilien | nicht spezifiziert | Nominierung |
| Großbritannien | nicht spezifiziert | Nominierung |
| Südafrika | nicht spezifiziert | Nominierung |
Drehbuchautor und Produzent Ralf Kukula nahm den Preis entgegen. In seiner Dankesrede erinnerte er sich an die letzten Tage der DDR: „36 Jahre später stehe ich hier und finde das absolut wahnsinnig. Wir wollten zeigen, wie es war, als Deutschland das glücklichste Land der Welt war. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass wir in der Lage sind, uns wieder daran zu erinnern.“
Innovative Technik trifft emotionale Geschichten
Die besondere Stärke der Serie liegt in ihrer innovativen Machart. Anders als klassische Dokumentationen verbindet „Auf Fritzis Spuren“ reale Zeitzeugen-Interviews mit animierten Szenen. Julian und Anna werden durch Motion-Capture-Technologie zu Cartoon-Figuren, die in historische Situationen eintauchen.
Als Breakdancer, Punk, Umweltschützerin oder sogar als Stasi-Mitarbeiter – die Avatare ermöglichen es den Moderatoren, die Erlebnisse der Zeitzeugen nachzuempfinden. Diese Mischung aus Dokumentation und Animation macht Geschichte für die junge Zielgruppe greifbar und emotional zugänglich.
Die Regie übernahmen Ralf Kukula und Andrea Gentsch. Balance Film produzierte die Serie unter Federführung des MDR gemeinsam mit dem WDR. Gefördert wurde das Projekt von der Mitteldeutschen Medienförderung.
Das sagen die Verantwortlichen
Torsten Peuker, ARD-Koordinator Kinder und Familie und MDR-Programmdirektor Leipzig, zeigte sich stolz: „Diese international renommierte Auszeichnung erfüllt uns mit großer Dankbarkeit und Stolz. Der Preis zeigt einmal mehr das enorme Potenzial an spannenden gesellschaftsrelevanten Geschichten, die unsere Region bereithält, und mit denen wir ein großes Publikum begeistern können.“
Anke Lindemann, Hauptabteilungsleiterin Fernsehfilm, Serie und Kinder beim MDR, betonte: „Dieser Emmy ist ein bedeutendes Signal – gerade jetzt, da der MDR 2025 unter dem Titel ’35 Jahre Deutsche Einheit‘ einen besonderen Fokus auf die ostdeutsche Erfahrungswelt legt. Die Serie zeigt, wie viel Kraft in neuen, innovativen Erzählformen steckt, um Geschichte für junge Zielgruppen verständlich und nahbar zu machen.“
Regisseur Ralf Kukula hob die gesellschaftliche Relevanz hervor: „Wir wollten keine nostalgische Rückschau, sondern ein Angebot für junge Menschen, die DDR und die Zeit der Umbrüche wirklich zu begreifen – mit allen Widersprüchen, Ängsten und Hoffnungen. Dass diese Herangehensweise jetzt mit einem Emmy gewürdigt wird, zeigt, wie wichtig eine differenzierte Beschäftigung mit deutscher Geschichte ist.“
Die andere nominierte deutsche Produktion
Deutschland hatte zwei Produktionen im Rennen um die International Emmy Awards 2025. Die ARD-Thrillerserie „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ über das Attentat auf den früheren Vorstandschef der Deutschen Bank war in der Kategorie „Fernsehfilm/Miniserie“ nominiert. Sie musste sich allerdings der britischen Produktion „Lost Boys & Fairies“ geschlagen geben.
Weitere Emmy-Gewinner 2025
Die 53. International Emmy Awards ehrten Produktionen aus 26 Ländern in 16 Kategorien. Zu den weiteren Gewinnern gehörten:
- Beste Animationsserie für Kinder: „Bluey“ (Australien)
- Beste Comedyserie: „Ludwig“ (Großbritannien) – mit deutscher Koproduktion des ZDF für Staffel 2
- Beste Dokumentation: „Hell Jumper“ über einen getöteten britischen Freiwilligen im Ukraine-Krieg
- Beste Berichterstattung zu aktuellen Ereignissen: Eine britische Produktion zum Alltag in Gaza
Was macht die Serie so besonders?
„Auf Fritzis Spuren“ zeichnet sich durch mehrere Alleinstellungsmerkmale aus:
Altersgerechte Aufbereitung: Die Serie richtet sich an Kinder ab 9 Jahren und macht komplexe historische Zusammenhänge verständlich. Das Thema DDR wird ohne nostalgische Verklärung, aber auch ohne moralischen Zeigefinger behandelt.
Zeitzeugen-Perspektiven: Felicitas, Gabor, Bernd und andere erzählen ihre persönlichen Geschichten. Von Protest und Revolution, von Musik, Tanz und Graffiti als Ausdruck von Widerstand, von Stasi-Überwachung, Gefängnissen und der dramatischen Flucht aus der DDR.
Emotional und lehrreich: Die Kombination aus Animation und Realfilm ermöglicht es, emotionale Momente einzufangen und gleichzeitig historisches Wissen zu vermitteln. Die friedliche Revolution wird nicht als abstraktes Geschichtsereignis, sondern als Erlebnis von Menschen dargestellt.
Brückenschlag zwischen Generationen: Die Serie ermöglicht Gespräche zwischen Großeltern, Eltern und Kindern über deutsche Geschichte. Sie macht die DDR-Erfahrung für junge Menschen nachvollziehbar, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben.
Internationale Anerkennung für deutschen Kinderfilm
Der Emmy-Gewinn unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Kinderproduktionen. Die International Emmy Awards gelten weltweit als Gütesiegel für exzellentes Fernsehen außerhalb der USA. Die International Academy of Television Arts & Sciences (IATAS) würdigt damit die Vielfalt und Qualität internationaler Inhalte – von Dramaserien über Dokumentationen bis hin zu Kinder- und Jugendprogrammen.
Bereits im September 2024 hatte „Auf Fritzis Spuren“ den Robert Geisendörfer Preis gewonnen, den evangelischen Medienpreis. Die Emmy-Nominierung folgte im September 2025, bevor nun der Triumph in New York gelang. Diese internationale Anerkennung reiht sich ein in eine Serie von Erfolgen für deutsche Produktionen – ähnlich wie bei anderen prämierten Formaten, die innovative Formate mit Qualität verbinden.
Wo kann man die Serie sehen?
„Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR?“ ist in der ARD Mediathek verfügbar. Alle sechs Folgen können dort kostenlos gestreamt werden. Die Serie bietet 90 Minuten packende Zeitreise in die letzten Jahre der DDR und ist ideal für Familien, Schulklassen und alle, die mehr über diese wichtige Epoche deutscher Geschichte erfahren möchten.
Die Fritzi-Familie wächst weiter
Die Erfolgsgeschichte von Fritzi begann 2019 mit dem Kinofilm „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“. Der Animationsfilm erzählte aus der Perspektive der zwölfjährigen Fritzi von der friedlichen Revolution 1989 in Leipzig. 2024 folgte die TV-Serie „Fritzi und Sophie – Grenzenlose Freundschaft“ mit acht Folgen auf KiKA.
„Auf Fritzis Spuren“ ist die dokumentarische Ergänzung dieses Universums. In Leipzig gibt es sogar einen theatralen Stadtrundgang „Auf Fritzis Spuren“, der von der Stiftung Friedliche Revolution in Kooperation mit dem Theater der Jungen Welt und dem Klett Kinderbuchverlag entwickelt wurde.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Geschichtsvermittlung, die begeistert
Der International Emmy Award für „Auf Fritzis Spuren“ ist mehr als nur eine Auszeichnung für eine gelungene Fernsehproduktion. Er ist die Anerkennung für innovative Geschichtsvermittlung, die Mut beweist und neue Wege geht. Die Serie zeigt, dass Geschichte spannend, emotional und lehrreich zugleich sein kann.
Mit der Kombination aus Animation, Dokumentation und persönlichen Zeitzeugen-Geschichten gelingt es Julian Janssen und Anna Shirin Habedank, junge Menschen für ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte zu begeistern. Der Emmy-Triumph beweist: Qualitätsfernsehen für Kinder zahlt sich aus – künstlerisch und international.











