Die AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) in Berlin ist am 05.03.2026 weit mehr als nur das nördliche Teilstück der Bundesautobahn 115. Sie ist ein lebendiges Stück deutscher Verkehrs- und Motorsportgeschichte. Seit ihrer Eröffnung 1921 hat sie sich von der ersten reinen Autostraße der Welt zu einer legendären Rennstrecke und schließlich zu einer der wichtigsten Stadtautobahnen der Hauptstadt entwickelt.
Die AVUS ist die erste exklusiv für Automobile konzipierte Straße der Welt, die 1921 eröffnet wurde. Ursprünglich als Renn- und Teststrecke genutzt, ist sie heute als Teil der A115 eine zentrale Verkehrsachse in Berlin. Ihre Geschichte ist geprägt von waghalsigen Rennen, Geschwindigkeitsrekorden und tragischen Unfällen, die den Mythos AVUS bis heute lebendig halten.
Das Wichtigste in Kürze
- Weltpremiere: Die AVUS wurde am 24. September 1921 eröffnet und war die erste reine Autostraße der Welt.
- Heutige Nutzung: Heute bildet die AVUS das nördliche Teilstück der Bundesautobahn 115 (A115) und ist eine wichtige Verkehrsader in Berlin.
- Motorsport-Geschichte: Bis April 1998 fanden auf der Strecke legendäre Autorennen statt, darunter 1959 der Große Preis von Deutschland der Formel 1.
- Berühmte Nordkurve: Die von 1937 bis 1967 bestehende, überhöhte Nordkurve mit 43,6 Grad Neigung war weltberühmt und berüchtigt.
- Aktuelle Baumaßnahmen: Seit Oktober 2024 finden umfangreiche Sanierungsarbeiten auf der A115 statt, die voraussichtlich bis ins zweite Quartal 2027 andauern werden.
- Historische Relikte: Die Tribüne von 1937 und das ehemalige Mercedes-Haus, heute ein Motel, sind denkmalgeschützte Zeugen der Renngeschichte.
Die Geschichte der AVUS: Von der Idee zur Legende
Die Geschichte der AVUS beginnt bereits im Jahr 1909 mit der Gründung der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße GmbH. Ziel war es, eine Test- und Rennstrecke zu schaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie zu stärken. Die Bauarbeiten starteten 1913, wurden aber durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Erst durch private Investitionen des Industriellen Hugo Stinnes konnte die Strecke fertiggestellt und am 24. September 1921 mit einem Autorennen feierlich eröffnet werden.
Ursprünglich war die rund 19 Kilometer lange Strecke, die vom heutigen Messegelände nahe dem Funkturm bis nach Nikolassee führte, eine gebührenpflichtige Privatstraße. Sie bestand aus zwei langen Geraden, die durch eine Nord- und eine Südkehre verbunden waren. Neben ihrer Funktion als Rennstrecke diente sie auch als Testfeld für neue Entwicklungen im Straßenbau, beispielsweise für verschiedene Asphaltbeläge. 1940 wurde sie an den Berliner Ring angeschlossen und verlor damit ihren Charakter als Privatstraße endgültig.
Die Rennstrecke AVUS: Rekorde und Tragödien
Als Rennstrecke war die AVUS vor allem für ihre extrem hohen Geschwindigkeiten bekannt. Die langen Geraden machten sie zur schnellsten Rennstrecke der Welt. Bereits beim Eröffnungsrennen 1921 erreichte der Sieger Fritz von Opel eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 128,8 km/h. In den folgenden Jahrzehnten wurden hier immer neue Rekorde aufgestellt. Ein Höhepunkt war das Avus-Rennen 1937, bei dem Hermann Lang auf einem Mercedes-Benz W 125 Stromlinienrennwagen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 261,2 km/h erzielte – ein Rekord, der über 20 Jahre Bestand hatte. Spektakulär waren auch die Versuche mit Raketenautos; Fritz von Opel erreichte 1928 mit seinem RAK2 über 230 km/h.
Die hohen Geschwindigkeiten forderten jedoch auch ihren Tribut. Zahlreiche schwere und tödliche Unfälle überschatteten die Renngeschichte der AVUS. Bereits beim ersten Großen Preis von Deutschland 1926 starben drei Menschen, als ein Rennwagen in ein Zeitnehmerhäuschen raste. Der Schock saß tief, und der Grand Prix wurde daraufhin auf den sichereren Nürburgring verlegt. Trotzdem fanden bis in die späten 1990er-Jahre Rennen der DTM und anderer Serien statt, bis die Strecke 1998 endgültig für den Rennsport geschlossen wurde. Ein passender interner Link für Motorsportfans ist unser Artikel über die Rennfahrerin Sophia Flörsch und ihren Kampf im Motorsport.
Die berühmte Nordkurve: Mordkurve und Mythos
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der AVUS ist die legendäre Nordkurve. Um die Durchschnittsgeschwindigkeiten weiter zu erhöhen, wurde die ursprüngliche flache Kurve 1937 durch eine spektakuläre Steilkurve aus Ziegelsteinen ersetzt. Mit einer Neigung von 43,6 Grad war sie eine der extremsten Kurven im internationalen Rennsport. Die fehlende Sicherung am oberen Rand führte zu mehreren dramatischen Unfällen, bei denen Fahrzeuge über die Kante hinausschossen. Dies brachte der Kurve im Volksmund den makabren Spitznamen „Mordkurve“ ein.
Einer der tragischsten Unfälle ereignete sich 1959 beim Großen Preis von Deutschland, als der französische Fahrer Jean Behra tödlich verunglückte. Dieses Ereignis markierte das Ende der Grand-Prix-Ära auf der AVUS. 1967 wurde die legendäre Steilkurve im Zuge des Baus des Autobahndreiecks Funkturm abgerissen und durch eine flachere Variante ersetzt. Die Faszination und der Schrecken der Nordkurve sind jedoch untrennbar mit dem Mythos AVUS verbunden.
Die AVUS heute: Autobahn A115 und Denkmal
Heute ist die AVUS das nördliche Teilstück der Bundesautobahn 115 und eine der meistbefahrenen Strecken Berlins. Sie verbindet den Berliner Stadtring (A100) am Dreieck Funkturm mit dem Berliner Ring (A10) bei Drewitz. Täglich nutzen rund 85.000 Fahrzeuge diesen Abschnitt. Obwohl der Rennbetrieb längst eingestellt ist, sind die Spuren der Vergangenheit noch sichtbar. Die denkmalgeschützte Tribüne aus dem Jahr 1937 und das runde Verwaltungsgebäude mit dem Beobachtungsturm (das sogenannte Mercedes-Haus), das heute als Motel dient, erinnern an die glorreichen Rennsportzeiten.
Auch die unvollendete Südkurve, deren Erdwall noch heute versteckt im Grunewald liegt, zeugt von ehrgeizigen Ausbauplänen, die durch den Zweiten Weltkrieg verhindert wurden. Die Geschichte und die Relikte der AVUS machen sie zu einem einzigartigen Denkmal der Technik- und Kulturgeschichte, das im Bewusstsein der Berliner fest verankert ist.
Aktuelle Lage auf der AVUS im März 2026
Für Autofahrer ist die AVUS auch im Jahr 2026 eine Herausforderung. Seit Oktober 2024 läuft eine grundhafte Sanierung des A115-Abschnitts zwischen der Anschlussstelle Spanische Allee und der Landesgrenze zu Brandenburg. Diese Baumaßnahmen sind dringend notwendig, da die Strecke in diesem Bereich größtenteils aus den frühen 1960er-Jahren stammt.
Ursprünglich sollten die Arbeiten bis August 2026 abgeschlossen sein. Jedoch kam es zu erheblichen Verzögerungen, unter anderem durch den unerwartet hohen Aufwand bei der Kampfmittelbeseitigung und unvorhergesehene Funde im Baugrund. Die Autobahn GmbH rechnet nun mit einem Abschluss der Bauarbeiten erst im zweiten Quartal 2027. Pendler müssen sich daher weiterhin auf Verkehrsbehinderungen und Staus einstellen. Aktuelle Verkehrsinformationen sind über die Verkehrsinformationszentrale Berlin abrufbar. Die Situation erinnert an die Notwendigkeit, manchmal Alternativen zum Auto zu finden, wie es unser Artikel über die Debatte zur deutschen Rentenpolitik und Mobilität im Alter beleuchtet.
| Jahr | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| 1909 | Gründung der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße GmbH | |
| 1921 | Eröffnung der Strecke am 24. September | |
| 1926 | Erster Großer Preis von Deutschland | |
| 1937 | Bau der überhöhten Nordkurve | |
| 1959 | Einziger Formel-1-Weltmeisterschaftslauf | |
| 1967 | Abriss der Steilkurve | |
| 1998 | Letztes Rennen auf der AVUS | |
| 2024 | Beginn der grundhaften Sanierung der A115 |
Fazit: Die Zukunft der AVUS
Die AVUS bleibt auch im Jahr 2026 ein faszinierender Ort, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Verkehrs kreuzen. Als unverzichtbare Autobahn ist sie für die Mobilität in der Metropolregion Berlin von zentraler Bedeutung, was die laufenden, umfangreichen Sanierungsarbeiten unterstreichen. Gleichzeitig lebt der Mythos der Rennstrecke in den verbliebenen Baudenkmälern und den unzähligen Geschichten von waghalsigen Manövern und triumphalen Siegen weiter. Die Diskussionen um den Umbau des Autobahndreiecks Funkturm zeigen zudem, dass die zukünftige Gestaltung dieses historischen Ortes weiterhin ein wichtiges Thema für Stadtplaner und Bürger bleiben wird. Die AVUS ist somit mehr als nur Asphalt – sie ist ein Symbol für die rasante Entwicklung der automobilen Gesellschaft und ein Stück Berliner Identität.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur AVUS
Was bedeutet die Abkürzung AVUS?
AVUS steht für „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“.
Kann man heute noch auf der AVUS fahren?
Ja, die ehemalige Rennstrecke ist heute das nördliche Teilstück der Bundesautobahn 115 (A115) und für den öffentlichen Verkehr freigegeben.
Wann fand das letzte Rennen auf der AVUS statt?
Das letzte offizielle Autorennen auf der AVUS fand im April 1998 statt. Ein Jahr später gab es eine Abschiedsveranstaltung.
Warum wurde die berühmte Steilkurve abgerissen?
Die überhöhte Nordkurve galt nach zahlreichen schweren Unfällen als zu gefährlich. Sie wurde 1967 im Zuge des Baus des Autobahndreiecks Funkturm abgerissen und durch eine flachere Kurve ersetzt.
Wie lange dauern die aktuellen Bauarbeiten auf der A115 (AVUS)?
Die seit Oktober 2024 laufenden Sanierungsarbeiten werden aufgrund von Verzögerungen voraussichtlich bis ins zweite Quartal 2027 andauern.






