📖 Lesezeit: 7 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 09.01.2026
Ballistische Rakete: In der Nacht zum 9. Januar 2026 feuerte Russland erneut die gefürchtete Oreschnik-Mittelstreckenrakete auf die Ukraine ab – der zweite Kampfeinsatz dieser Waffe überhaupt. Hier erfährst du, was eine ballistische Rakete ist, welche Typen es gibt und warum die Oreschnik Europa beunruhigt.
Was ist eine ballistische Rakete?
Eine ballistische Rakete ist ein militärisches Waffensystem, das sein Ziel über eine ballistische Flugbahn erreicht. Anders als Marschflugkörper wird sie nur während der Startphase angetrieben. Danach folgt sie wie ein geworfener Stein einer bogenförmigen Bahn durch die Atmosphäre oder den Weltraum bis zum Einschlag.
Der Name leitet sich vom griechischen Wort „ballein“ (werfen) ab. Die erste ballistische Rakete war die deutsche V-2 im Zweiten Weltkrieg. Heute verfügen mehrere Staaten über solche Waffen – darunter die USA, Russland, China, Nordkorea und weitere Länder. Die NATO stuft ballistische Raketen als eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit ein.
Oreschnik-Angriff auf Lwiw: Das ist passiert
In der Nacht zum 9. Januar 2026 hat Russland die Westukraine mit der Mittelstreckenrakete Oreschnik angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Einsatz am Freitagmorgen. Es war der zweite Kampfeinsatz dieser gefürchteten Waffe nach dem Erstschlag auf Dnipro im November 2024.
| Details | Oreschnik-Angriff 9.1.2026 |
|---|---|
| Zielgebiet | Oblast Lwiw (Westukraine) |
| Entfernung zur NATO-Grenze | ca. 80 km bis Polen |
| Startort | Kapustin Jar (Astrachan, Russland) |
| Uhrzeit Luftalarm | 22:30 Uhr MEZ |
| Anzahl Gefechtsköpfe | 6 Einschläge dokumentiert |
| Ziel | Kritische Infrastruktur (Gasspeicher) |
Gouverneur Maksym Kosyzkyj bestätigte auf Telegram, dass ein Objekt der kritischen Infrastruktur getroffen wurde. Laut Militärblogs handelte es sich um einen der größten Gasspeicher Europas bei Stryi, etwa 70 Kilometer südlich von Lwiw.
💡 Gut zu wissen: Präsident Selenskyj hatte nur Stunden vor dem Angriff in einer Videoansprache gewarnt: „Heute Nacht könnte es zu einem weiteren massiven russischen Angriff kommen.“
Die Oreschnik: Russlands gefürchtete Hyperschallrakete
Die Oreschnik (russisch für „Haselstrauch“) gilt als eine der modernsten Waffenentwicklungen Russlands. Westliche Militärexperten stufen sie als Weiterentwicklung der Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch ein.
| Eigenschaft | Technische Daten Oreschnik |
|---|---|
| Typ | Ballistische Mittelstreckenrakete (IRBM) |
| Reichweite | 2.000 – 5.500 km |
| Geschwindigkeit | über 12.000 km/h (Mach 10+) |
| Gefechtsköpfe | 6 unabhängig steuerbare Sprengköpfe (MIRV) |
| Bewaffnung | Konventionell oder nuklear |
| Abfangbarkeit | Laut Putin „unmöglich abzufangen“ |
Die extreme Geschwindigkeit von über 12.000 km/h macht die Oreschnik für die meisten Luftabwehrsysteme praktisch unabfangbar. Das ukrainische Westkommando meldete sogar eine Geschwindigkeit von 13.000 km/h. Der belarussische Machthaber Lukaschenko bestätigte, dass Russland die Oreschnik inzwischen auch in Belarus stationiert hat.
Typen ballistischer Raketen nach Reichweite
Ballistische Raketen werden international nach ihrer Reichweite klassifiziert. Diese Einteilung stammt aus dem INF-Vertrag von 1987, den die USA und Russland 2019 aufgekündigt haben.
| Abkürzung | Bezeichnung | Reichweite | Beispiele |
|---|---|---|---|
| SRBM | Kurzstreckenrakete | bis 1.000 km | Iskander (Russland), Scud |
| MRBM | Mittelstreckenrakete | 1.000 – 3.000 km | Hwasong-12 (Nordkorea) |
| IRBM | Langstreckenrakete | 3.000 – 5.500 km | Oreschnik (Russland) |
| ICBM | Interkontinentalrakete | über 5.500 km | Sarmat (18.000 km), Minuteman III |
Die Oreschnik wird als IRBM (Intermediate Range Ballistic Missile) eingestuft. Mit ihrer Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern kann sie von Russland aus praktisch jede europäische Hauptstadt erreichen.
So funktioniert eine ballistische Rakete
Der Flug einer ballistischen Rakete gliedert sich in vier Phasen:
Die 4 Flugphasen:
- Boost-Phase (Start): Die Rakete wird gezündet und beschleunigt. Dauer: 1-5 Minuten
- Aufstiegsphase: Die Rakete verlässt die Atmosphäre und gewinnt an Höhe
- Midcourse-Phase: Antriebslose Flugphase durch den Weltraum auf ballistischer Bahn
- Terminal-Phase (Wiedereintritt): Die Gefechtsköpfe treten in die Atmosphäre ein und rasen auf das Ziel zu
Anders als Marschflugkörper, die mit einem Düsentriebwerk in niedriger Höhe zum Ziel fliegen, erreichen ballistische Raketen Höhen von mehreren Hundert Kilometern. Die Oreschnik erreicht dabei Hyperschallgeschwindigkeit – mehr als Mach 10.
Unterschied: Ballistische Rakete vs. Marschflugkörper
Im Ukraine-Krieg setzt Russland beide Waffenarten ein. Die Unterschiede sind erheblich:
| Eigenschaft | Ballistische Rakete | Marschflugkörper |
|---|---|---|
| Antrieb | Nur beim Start (Rakete) | Durchgehend (Düsentriebwerk) |
| Flughöhe | Bis in den Weltraum | Niedrig (10-100 m) |
| Geschwindigkeit | Hyperschall (Mach 5-25) | Unterschall bis Überschall |
| Flugbahn | Bogenförmig (ballistisch) | Geländefolgend |
| Abfangbarkeit | Sehr schwer | Leichter möglich |
| Beispiel (Russland) | Oreschnik, Iskander | Kalibr, Kh-101 |
Raketenabwehr: Kann man ballistische Raketen abfangen?
Die Abwehr ballistischer Raketen ist technisch extrem anspruchsvoll. Systeme wie das US-amerikanische THAAD oder das israelische Arrow können einige Typen abfangen – aber nicht alle. Die extreme Geschwindigkeit moderner Hyperschallraketen wie der Oreschnik stellt selbst modernste Systeme vor unlösbare Probleme.
Putin bezeichnete die Oreschnik als „unmöglich abzufangen“. Die ukrainische Luftwaffe bestätigte, dass ihre Systeme die Rakete nicht einmal erfasst hätten. Für aktuelle Entwicklungen in Deutschland und Europa hat dies weitreichende sicherheitspolitische Konsequenzen.
Ukraine entwickelt eigene ballistische Rakete
Die Ukraine arbeitet an einer eigenen ballistischen Rakete mit der Bezeichnung FP-7. Die Kodifizierung ist abgeschlossen, die Massenproduktion soll im Mai 2026 beginnen – sofern die Finanzierung gesichert ist. Die geplante Reichweite liegt bei 850 Kilometern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine ballistische Rakete einfach erklärt?
Eine ballistische Rakete ist eine Waffe, die nur beim Start angetrieben wird und dann wie ein geworfener Stein einer Bogenflugbahn folgt. Sie kann konventionelle oder nukleare Sprengköpfe tragen und erreicht extrem hohe Geschwindigkeiten.
Was ist die Oreschnik-Rakete?
Die Oreschnik ist eine russische Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von bis zu 5.500 km und einer Geschwindigkeit von über 12.000 km/h. Sie kann sechs unabhängig steuerbare Gefechtsköpfe tragen und gilt als praktisch unabfangbar.
Kann die Oreschnik Europa erreichen?
Ja. Mit einer Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern kann die Oreschnik von Russland aus praktisch jede europäische Hauptstadt erreichen. Die Rakete ist auch in Belarus stationiert, was die Reichweite nach Westen weiter verkürzt.
Was ist der Unterschied zwischen ICBM und IRBM?
ICBM (Interkontinentalrakete) haben eine Reichweite von über 5.500 km und können Kontinente überqueren. IRBM (Langstreckenrakete) haben eine Reichweite von 3.000 bis 5.500 km. Die Oreschnik ist eine IRBM.
Warum sind ballistische Raketen so gefährlich?
Ballistische Raketen erreichen extreme Geschwindigkeiten (bis Mach 25), fliegen teilweise durch den Weltraum und sind sehr schwer abzufangen. Sie können nukleare Sprengköpfe tragen und innerhalb weniger Minuten ihr Ziel erreichen.
Wie oft hat Russland die Oreschnik eingesetzt?
Bisher zweimal: Der erste Einsatz erfolgte im November 2024 auf die Stadt Dnipro (Testschuss ohne Sprengstoff). Der zweite Einsatz war in der Nacht zum 9. Januar 2026 auf die Region Lwiw – diesmal mit konventionellen Sprengköpfen.
Fazit: Ballistische Raketen als Bedrohung für Europa
Der zweite Einsatz der ballistischen Rakete Oreschnik zeigt die Eskalationsbereitschaft Russlands im Ukraine-Krieg. Mit einer Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern und Geschwindigkeiten von über 12.000 km/h ist die Waffe für europäische Luftabwehrsysteme praktisch nicht abfangbar. Der Einschlag nur 80 Kilometer vor der NATO-Grenze bei Lwiw war eine deutliche Machtdemonstration.
Präsident Selenskyj schließt ein Kriegsende bis Mitte 2026 nicht aus – doch der Oreschnik-Angriff zeigt, dass Russland weiter auf militärische Stärke setzt. Die Stationierung der Rakete in Belarus erweitert die Bedrohung für ganz Europa.
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