Der milliardenschwere Bayer Glyphosat Vergleich in den USA beendet zwar einen Großteil der Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter Roundup, doch die langfristigen Folgen für den Konzern bleiben ungewiss. Der Vergleich umfasst Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über maximal 21 Jahre, um aktuelle und zukünftige Klagen beizulegen.

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- Glyphosat-Streitigkeiten belasten Bayer seit Jahren
- Wie hoch sind die finanziellen Auswirkungen des Vergleichs?
- Der Supreme Court prüft den Fall
- Was bedeutet das für Verbraucher und Landwirte?
- Wie steht die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern?
- Welche Alternativen gibt es zu Glyphosat?
- Häufig gestellte Fragen
Kernpunkte
- Bayer einigt sich auf milliardenschweren Vergleich in Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA.
- Die Zahlungen belaufen sich auf bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über 21 Jahre.
- Der Vergleich soll aktuelle und zukünftige Klagen im Zusammenhang mit Roundup beilegen.
- Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA könnte den Fall erneut aufrollen.
| Unternehmen: | Bayer AG |
|---|---|
| Umsatz: | 50,7 Milliarden Euro (2023) |
| Gewinn/Verlust: | Verlust von 2,9 Milliarden Euro (2023) |
| Mitarbeiterzahl: | Rund 100.000 |
| Branche: | Pharma und Agrarchemie |
| Veränderung zum Vorjahr: | Umsatz leicht gesunken |
Glyphosat-Streitigkeiten belasten Bayer seit Jahren
Seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 belasten die Glyphosat-Streitigkeiten die Bilanz von Bayer erheblich. Kläger in den USA führen Krebserkrankungen auf den Wirkstoff Glyphosat zurück, der in dem Unkrautvernichter Roundup enthalten ist. Eine Einstufung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ trug zusätzlich zur Verunsicherung bei. Bayer weist diese Vorwürfe jedoch entschieden zurück und beruft sich auf die Einschätzung anderer wissenschaftlicher Einrichtungen, die keine Krebsgefahr sehen. Wie Stern berichtet, belasten die Rechtsstreitigkeiten den Konzern seit Jahren.
Glyphosat ist ein breit wirksames Herbizid, das seit den 1970er Jahren eingesetzt wird. Es wird weltweit in der Landwirtschaft und im Gartenbau verwendet, um unerwünschte Pflanzen zu bekämpfen.
Wie hoch sind die finanziellen Auswirkungen des Vergleichs?
Durch den Sammelvergleich erhöhen sich die Rückstellungen und Verbindlichkeiten von Bayer für Rechtsstreitigkeiten insgesamt von 7,8 auf 11,8 Milliarden Euro. Die Tochterfirma Monsanto hat zudem weitere vertrauliche Vergleiche vereinbart, um andere Glyphosat-Fälle beizulegen. Anfang des Jahres einigte sich Monsanto auch in acht verbliebenen Urteilen im Zusammenhang mit der Umweltchemikalie PCB am Sky Valley Education Center im US-Bundesstaat Washington. Die Bedingungen hierzu sind ebenfalls vertraulich. (Lesen Sie auch: Bayer Aktie: Kursrallye erreicht Jahreshoch – Was…)
Der Supreme Court prüft den Fall
Die Vergleichsvereinbarungen zu Glyphosat folgten auf die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofes, den Fall des Klägers John Durnell zur Überprüfung anzunehmen. Die Erwartung, dass das Oberste Gericht die Frage des Vorrangs von Bundesrecht bei Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise überprüfen könnte, habe die Vergleichsverhandlungen erst möglich gemacht, teilte das Unternehmen mit. Bayer erhofft sich Rückenwind von der Überprüfung durch den US Supreme Court. Der Fall beim Supreme Court bleibe von der Vergleichsvereinbarung unberührt und sei wichtig, um erhebliche Schadenersatzurteile zu vermeiden.
Was bedeutet das für Verbraucher und Landwirte?
Für Verbraucher bedeutet der Vergleich zunächst wenig Veränderung. Glyphosathaltige Produkte sind weiterhin auf dem Markt erhältlich, allerdings müssen Landwirte und Anwender die Anwendungshinweise genau beachten. Kritiker bemängeln, dass der Vergleich die langfristigen Gesundheitsrisiken von Glyphosat nicht ausreichend berücksichtigt. Befürworter argumentieren, dass Glyphosat ein wirksames und kostengünstiges Herbizid ist, das zur Sicherung der Welternährung beiträgt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat zuletzt 2023 die Risikobewertung für Glyphosat aktualisiert. Die EFSA kam zu dem Schluss, dass einige Datenlücken bestehen, aber insgesamt keine kritischen Bereiche identifiziert wurden.
Bayer ist ein global agierendes Unternehmen mit einer langen Geschichte. Die Übernahme von Monsanto war ein strategischer Schritt, um das Agrargeschäft zu stärken. Die Glyphosat-Streitigkeiten haben jedoch zu erheblichen finanziellen Belastungen und einem Image-Schaden geführt.
Wie steht die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern?
In der Schweiz ist die Verwendung von Glyphosat eingeschränkt. Seit 2018 dürfen glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel nicht mehr auf öffentlichen und privaten Grünflächen eingesetzt werden. In der Landwirtschaft ist der Einsatz weiterhin erlaubt, allerdings unterliegt er strengen Auflagen. Verschiedene Kantone haben zusätzliche Einschränkungen erlassen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland, wo Glyphosat bis Ende 2023 zugelassen war, verfolgt die Schweiz einen restriktiveren Ansatz. Die Schweizer Regierung begründet dies mit dem Vorsorgeprinzip und dem Schutz der Umwelt. (Lesen Sie auch: Büro Umwandlung Wohnraum: Chance für den Wohnungsmarkt?)
Welche Alternativen gibt es zu Glyphosat?
Für Landwirte gibt es verschiedene Alternativen zu Glyphosat, darunter mechanische Unkrautbekämpfung, der Einsatz von anderen Herbiziden und der Anbau von resistenten Sorten. Mechanische Unkrautbekämpfung ist arbeitsintensiver und kann den Boden belasten. Andere Herbizide sind oft teurer oder weniger wirksam als Glyphosat. Der Anbau von resistenten Sorten kann zu einer Zunahme von resistenten Unkräutern führen. Die Wahl der richtigen Alternative hängt von den jeweiligen Anbaubedingungen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hintergrund des Bayer Glyphosat Vergleichs?
Der Vergleich soll eine Vielzahl von Klagen in den USA beilegen, in denen Kläger behaupten, dass der Unkrautvernichter Roundup, der Glyphosat enthält, Krebserkrankungen verursacht hat. Bayer hatte Monsanto, den Hersteller von Roundup, im Jahr 2018 übernommen. (Lesen Sie auch: DIW-Präsident Fratzscher: „Mehrwertsteuererhöhung um zwei Punkte würde…)
Wie hoch ist die Summe, die Bayer im Rahmen des Vergleichs zahlen muss?
Bayer hat sich bereit erklärt, bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren zu zahlen, um die aktuellen und zukünftigen Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat beizulegen.
Welche Auswirkungen hat der Vergleich auf die Zulassung von Glyphosat in Europa?
Der Vergleich hat keinen direkten Einfluss auf die Zulassung von Glyphosat in Europa. Die Europäische Union hat Glyphosat zuletzt bis Dezember 2023 zugelassen. Die Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung liegt bei der EU-Kommission.
Welche Rolle spielt der Oberste Gerichtshof der USA in dem Glyphosat-Rechtsstreit?
Der Oberste Gerichtshof der USA hat sich bereit erklärt, einen Fall im Zusammenhang mit Glyphosat zu prüfen. Die Entscheidung des Gerichts könnte Auswirkungen auf zukünftige Klagen gegen Bayer haben und die Frage des Vorrangs von Bundesrecht klären.
Welche Alternativen gibt es für Landwirte, die auf Glyphosat verzichten möchten?
Landwirte können auf mechanische Unkrautbekämpfung, andere Herbizide oder den Anbau von resistenten Sorten zurückgreifen. Die Wahl der richtigen Alternative hängt von den jeweiligen Anbaubedingungen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. (Lesen Sie auch: Bauarbeiten in Cornwall sorgen für Ärger)
Der Bayer Glyphosat Vergleich in den USA ist ein wichtiger Schritt für den Konzern, um die Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Roundup zu beenden. Die finanziellen Belastungen sind jedoch erheblich und die langfristigen Folgen für das Unternehmen bleiben ungewiss. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA könnte den Fall erneut aufrollen und zu weiteren Rechtsstreitigkeiten führen. Für Verbraucher und Landwirte bleibt die Frage nach den Risiken und Alternativen von Glyphosat weiterhin relevant.

