Eine „Handels-Nato“ als Antwort auf Zollangriffe? Die Idee zielt darauf ab, eine internationale Allianz zu schaffen, die Zölle als politische Waffe abwehrt. Ein solches Bündnis, bestehend aus der EU und Staaten der Transpazifischen Freihandelszone CPTPP, könnte mit kollektiven Gegenmaßnahmen auf Zölle reagieren, die den Prinzipien der Welthandelsorganisation WTO widersprechen. Handels NATO steht dabei im Mittelpunkt.

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International
- Deutsche Exportwirtschaft unter Druck durch US-Zölle und chinesische Konkurrenz.
- BGA-Präsident Dirk Jandura schlägt eine „Handels-Nato“ vor.
- Das Bündnis soll aus EU und CPTPP-Staaten bestehen, ohne Russland, USA und China.
- Artikel-5-Mechanismus als Reaktion auf Zollangriffe geplant.
Wie könnte eine „Handels-Nato“ funktionieren und welche Länder wären beteiligt?
Die Idee einer „Handels-Nato“ sieht ein Bündnis vor, das sich an Artikel 5 des NATO-Vertrags orientiert. Bei einem unfairen Zollangriff auf ein Mitgliedsland würden kollektive Gegenmaßnahmen ergriffen. Das Bündnis könnte aus der EU und Staaten der Transpazifischen Freihandelszone CPTPP bestehen, darunter Australien, Kanada und Japan. Russland, die USA und China wären ausgeschlossen.
Deutsche Exportwirtschaft unter Druck
Die deutsche Exportwirtschaft sieht sich zunehmend unter Druck. Hohe US-Zölle und die wachsende Konkurrenz aus China setzen den Unternehmen zu. Der Präsident des deutschen Außenhandelsverbands BGA, Dirk Jandura, hat deshalb eine internationale Allianz ins Spiel gebracht, um den freien Handel gegen protektionistische Maßnahmen zu verteidigen. Wie Stern berichtet, fordert Jandura eine Art „Handels-Nato“, um Zölle als politische Waffe abzuwehren.
Die Zahlen des BGA sprechen eine deutliche Sprache: Für 2026 wird nur noch ein leichtes Exportwachstum von 0,6 Prozent erwartet, verglichen mit einem Plus von einem Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig dürften die Importe deutlich um 3 Prozent steigen. „Der starke Euro schmälert die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter auf preissensiblen Märkten und frisst Margen auf“, so Jandura.
2025 stiegen die deutschen Exporte um 1 Prozent. Für 2026 wird ein Wachstum von nur noch 0,6 Prozent erwartet. Die Importe sollen hingegen um 3 Prozent zulegen. (Lesen Sie auch: Luftverkehr Deutschland: Branche fordert Mehr Entlastungen?)
Die Idee einer „Handels-Nato“
Janduras Vorschlag einer „Handels-Nato“ zielt darauf ab, in einer Welt zunehmender Abschottung ein Gegengewicht zu schaffen. Das Bündnis könnte sich an der militärischen Beistandsklausel der NATO orientieren. Ein Zollangriff, der gegen die Prinzipien der Welthandelsorganisation WTO verstößt, würde als Angriff auf alle Mitglieder gewertet und kollektive Gegenmaßnahmen auslösen.
Mögliche Gegenmaßnahmen wären Gegenzölle, Digitalsteuern oder ähnliche Instrumente, so Jandura gegenüber dem „Handelsblatt“. Die Idee ist, dass ein solches Bündnis abschreckend wirken und protektionistische Tendenzen eindämmen könnte.
Hintergrund des Vorstoßes
Der Vorstoß des BGA kommt vor dem Hintergrund des Zollstreits mit den USA. Die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten sind im Jahr 2025 um gut neun Prozent gesunken. Auch die Ausfuhren nach China sind deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig exportiert die Volksrepublik, auch aufgrund der US-Zölle, vermehrt Waren nach Europa.
Hinzu kommt, dass die Welthandelsorganisation WTO, einst ein Garant für freien Handel, seit Jahren als handlungsunfähig gilt. Ihre Eingriffe bleiben oft wirkungslos, was den Ruf nach neuen, effektiveren Mechanismen zur Verteidigung des freien Handels verstärkt.
Die Welthandelsorganisation (WTO) spielt eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der globalen Handelspolitik.
Die Rolle der EU
Die Europäische Union spielt eine Schlüsselrolle in Janduras Konzept. Als einer der größten Wirtschaftsräume der Welt könnte die EU eine „Handels-Nato“ anführen und ihre wirtschaftliche Macht nutzen, um fairen Handel durchzusetzen. Allerdings ist die EU selbst nicht immer frei von protektionistischen Tendenzen. Interne Differenzen und unterschiedliche Interessen der Mitgliedsstaaten könnten die Umsetzung einer solchen Allianz erschweren. (Lesen Sie auch: Handels-Bazooka: Die mächtigste Waffe der EU gegen…)
Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft
Auch für die Schweizer Wirtschaft, die stark auf den Export ausgerichtet ist, hätte eine „Handels-Nato“ potenziell weitreichende Folgen. Als Mitglied der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und mit engen wirtschaftlichen Beziehungen zur EU wäre die Schweiz indirekt von den Auswirkungen eines solchen Bündnisses betroffen. Sollte die EU eine „Handels-Nato“ gründen, müsste die Schweiz ihre Position neu bewerten und entscheiden, ob und in welcher Form sie sich daran beteiligen würde. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beobachtet die Entwicklung aufmerksam, um die Auswirkungen auf den Schweizer Franken und die Exportwirtschaft einschätzen zu können.
Die Schweizer Wirtschaft ist stark mit der Europäischen Union verflochten. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU sind komplex und vielfältig.
Regionale Einordnung
Für die Schweiz stellt sich die Frage, wie sie ihre Neutralität mit der Notwendigkeit, den freien Handel zu verteidigen, vereinbaren kann. Eine aktive Beteiligung an einer „Handels-Nato“ könnte als Bruch der Neutralität interpretiert werden. Andererseits könnte die Schweiz durch eine passive Unterstützung oder eine bilaterale Zusammenarbeit mit dem Bündnis ihre Interessen wahren, ohne ihre Neutralität aufzugeben. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Schweizer Regierung zu diesem Thema positioniert.

Häufig gestellte Fragen
Was genau versteht man unter einer „Handels-Nato“?
Eine „Handels-Nato“ ist ein vorgeschlagenes internationales Bündnis, das sich an der militärischen NATO orientiert. Es soll den freien Handel gegen Zölle und andere protektionistische Maßnahmen verteidigen, indem es auf unfaire Handelspraktiken mit kollektiven Gegenmaßnahmen reagiert.
Welche Länder könnten Teil einer solchen „Handels-Nato“ sein?
Das Bündnis könnte aus der Europäischen Union und Staaten der Transpazifischen Freihandelszone CPTPP bestehen. Dazu gehören beispielsweise Australien, Kanada und Japan. Russland, die USA und China wären nach den Vorstellungen des BGA ausgeschlossen.
Wie würde eine „Handels-Nato“ auf Zollangriffe reagieren?
Ein Zollangriff, der gegen die Prinzipien der Welthandelsorganisation WTO verstößt, würde als Angriff auf alle Mitglieder der „Handels-Nato“ gewertet. Daraufhin würden kollektive Gegenmaßnahmen ergriffen, wie beispielsweise Gegenzölle oder Digitalsteuern.
Welche Auswirkungen hätte eine „Handels-Nato“ auf die Schweizer Wirtschaft?
Als stark exportorientierte Wirtschaft wäre die Schweiz indirekt von den Auswirkungen einer „Handels-Nato“ betroffen. Sie müsste ihre Position neu bewerten und entscheiden, ob und in welcher Form sie sich an dem Bündnis beteiligen würde, wobei die Wahrung der Neutralität eine wichtige Rolle spielen würde.
Warum wird der Ruf nach einer „Handels-Nato“ lauter?
Der Ruf nach einer solchen Allianz wird lauter, weil die deutsche und europäische Exportwirtschaft unter zunehmendem Druck durch hohe US-Zölle und die Konkurrenz aus China steht. Zudem gilt die Welthandelsorganisation WTO als handlungsunfähig. (Lesen Sie auch: Medienbericht: Spekulationen um vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin…)
Die Idee einer „Handels-Nato“ ist ein mutiger Vorstoß, um den freien Handel in einer Zeit wachsender protektionistischer Tendenzen zu verteidigen. Ob sich dieser Vorschlag durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Die Diskussion darüber zeigt jedoch, dass die Notwendigkeit, neue Wege zur Sicherung des Welthandels zu finden, erkannt wurde.
