📖 Lesezeit: 7 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2025
Brushing bei Amazon – Das Wichtigste auf einen Blick
Beim Brushing erhalten Amazon-Kunden Pakete, die sie nie bestellt haben. Dahinter steckt eine raffinierte Betrugsmasche: Händler verschicken Billigwaren an fremde Adressen, um gefälschte Fünf-Sterne-Bewertungen als „verifizierter Kauf“ zu schreiben. Empfänger müssen nicht zahlen – ihre Daten wurden aber kompromittiert.
Brushing bei Amazon sorgt Ende 2025 für wachsende Verunsicherung unter Online-Shoppern. Immer mehr Kunden berichten von mysteriösen Paketen vor ihrer Haustür – Ware, die sie nie bestellt haben. Der Inhalt: billiger Kleinkram wie Handyhüllen, Küchengadgets oder No-Name-Elektronik. Wir erklären, wie die Masche funktioniert, warum deine Daten in Gefahr sind und was du als Betroffener tun solltest.
Was ist Brushing bei Amazon?
Brushing bei Amazon ist eine weltweit verbreitete Betrugsmasche im Online-Handel. Der Name leitet sich vom englischen „to brush up“ ab – im Sinne von „aufpolieren“. Und genau darum geht es: Betrügerische Händler wollen ihre Verkaufszahlen und Bewertungen künstlich aufpolieren.
Das Prinzip ist eiskalt kalkuliert: Händler – oft aus dem Ausland – legen mit gefälschten Accounts Scheinbestellungen an und verschicken echte Waren an reale Adressen. Die Empfänger wundern sich, denn sie haben nichts bestellt. Im eigenen Amazon-Konto taucht keine Bestellung auf. Trotzdem liegt plötzlich ein Paket vor der Tür.
So funktioniert der Brushing-Trick im Detail
Der Trick hinter dem Brushing zielt auf das Bewertungssystem großer Plattformen wie Amazon ab. Produkte mit vielen positiven Rezensionen – besonders mit dem Label „verifizierter Kauf“ – genießen mehr Vertrauen und bessere Sichtbarkeit. Genau diese Mechanismen nutzen Brushing-Händler aus.
| Schritt | Was passiert beim Brushing |
|---|---|
| 1. Datensammlung | Händler beschaffen Adressen aus Datenlecks, illegal gekauften Listen oder öffentlichen Quellen |
| 2. Fake-Account | Es wird ein gefälschtes Kundenkonto mit der fremden Adresse angelegt |
| 3. Scheinbestellung | Der Händler bestellt sein eigenes Produkt und bezahlt es selbst |
| 4. Versand | Das Paket wird an die fremde Adresse geliefert – der Empfänger ist ahnungslos |
| 5. Fake-Bewertung | Der Händler schreibt eine Fünf-Sterne-Rezension mit dem Status „verifizierter Kauf“ |
Das Perfide: Die Bestellung taucht im Amazon-Konto des Empfängers nicht auf – die gefälschte Bewertung aber schon. Die Betrüger nutzen den Versand als Nachweis für einen echten Kauf. So wirken ihre Fake-Bewertungen auf den ersten Blick völlig legitim.
Warum ist Brushing gefährlich?
Auf den ersten Blick scheint Brushing für die Empfänger harmlos – schließlich bekommt man kostenlose Ware. Doch die Betrugsmasche birgt mehrere Risiken, die oft unterschätzt werden.
⚠️ Diese Gefahren drohen bei Brushing
Kompromittierte Daten: Deine Adresse ist in den Händen von Betrügern gelandet – möglicherweise auch weitere persönliche Informationen.
Identitätsdiebstahl: In Einzelfällen wurden Fake-Konten auf Monatsrechnung eingerichtet. Betroffene erhielten später Mahnungen und Inkasso-Schreiben.
Betrug am Verbraucher: Die gefälschten Bewertungen verleiten andere Käufer zum Kauf minderwertiger Produkte.
Dr. Grit Kittelmann von der Verbraucherzentrale Berlin warnt: Viele dieser dubiosen Händler nutzen kurzlebige Accounts, wechseln ständig ihre Identitäten und operieren oft außerhalb westlicher Rechtsräume. Eine Verfolgung ist daher nahezu unmöglich.
Woher haben die Betrüger meine Adresse?
Die Adressen der Empfänger stammen aus verschiedenen Quellen. Häufig werden sie aus Datenlecks bei Online-Diensten abgezweigt oder über illegale Marktplätze im Darknet gekauft. Auch öffentlich zugängliche Quellen wie Social-Media-Profile oder Telefonbücher werden genutzt.
Du kannst auf Seiten wie Have I Been Pwned prüfen, ob deine E-Mail-Adresse von einem Datenleck betroffen ist. Falls ja, solltest du deine Passwörter ändern und die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
Was tun bei einem Brushing-Paket?
Wenn du ein Amazon-Paket erhältst, das du nicht bestellt hast, solltest du folgende Schritte beachten:
| Maßnahme | So gehst du vor |
|---|---|
| Geschenk ausschließen | Frage Familie und Freunde, ob jemand dir etwas geschickt hat |
| Paket dokumentieren | Mache Fotos vom Paket, Versandlabel und Inhalt |
| Amazon melden | Nutze das Online-Formular „Unerwünschtes Paket melden“ bei Amazon |
| Passwörter ändern | Aktualisiere dein Amazon-Passwort und aktiviere 2-Faktor-Authentifizierung |
| Keine QR-Codes scannen | Manche Pakete enthalten QR-Codes, die zu Phishing-Seiten führen |
Laut Amazon darfst du die Ware behalten – eine Zahlungs- oder Rücksendepflicht besteht nicht. Dennoch solltest du den Vorfall unbedingt melden, damit Amazon gegen die betrügerischen Händler vorgehen kann.
Was unternimmt Amazon gegen Brushing?
Amazon untersagt die Brushing-Praktik ausdrücklich und geht nach eigenen Angaben aktiv gegen Verstöße vor. Betrügern drohen der Entzug ihrer Verkaufsberechtigung, zurückgehaltene Zahlungen sowie Strafanzeigen.
Die Plattform fordert betroffene Kunden auf, unerwünschte Pakete unverzüglich zu melden. Amazon untersucht gemeldete Fälle und sperrt auffällige Accounts. Eine lückenlose Kontrolle ist jedoch schwierig – die Täter agieren anonym, wechseln häufig ihre Identitäten und operieren oft außerhalb westlicher Rechtsräume.
So schützt du dich vor Brushing
Einen hundertprozentigen Schutz vor Brushing gibt es leider nicht – schließlich benötigen die Betrüger nur deine Adresse. Dennoch kannst du das Risiko minimieren:
Gib deine persönlichen Daten nur sparsam im Internet preis. Überprüfe regelmäßig, ob deine E-Mail von Datenlecks betroffen ist. Nutze starke, einzigartige Passwörter für jeden Online-Dienst und aktiviere wo möglich die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Sei auch bei Social-Media-Profilen vorsichtig – öffentlich sichtbare Adressen sind ein gefundenes Fressen für Betrüger.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Brushing bei Amazon – harmlos für dich, schädlich fürs System
Beim Brushing profitieren Empfänger von kostenlosen Produkten – doch die eigentlichen Opfer sind ehrliche Händler und Verbraucher, die auf gefälschte Bewertungen hereinfallen. Zudem ist der Erhalt eines Brushing-Pakets ein deutliches Warnsignal, dass deine persönlichen Daten kompromittiert wurden.
Melde unerwünschte Pakete bei Amazon, ändere deine Passwörter und aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung. So schützt du nicht nur dich selbst, sondern hilfst auch dabei, diese Betrugsmasche einzudämmen.
Über den Autor
Redaktion Mindelmedia News | Verbraucherschutz & Online-Sicherheit
Die Redaktion berichtet über aktuelle Betrugsmaschen und Verbraucherthemen. Quellen: Amazon Deutschland, Verbraucherzentrale, TECHBOOK, t3n, Mimikama











