Die verlockende Möglichkeit, online einzukaufen und erst später zu bezahlen, entwickelt sich zu einem wachsenden Problem für deutsche Verbraucher. Eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) offenbart alarmierende Entwicklungen: Jeder siebte Nutzer von Buy Now Pay Later Diensten verliert den Überblick über seine Zahlungsverpflichtungen. Besonders junge Erwachsene unter 30 Jahren geraten dabei zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten.

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- Buy Now Pay Later: Ein Trend mit gefährlichen Nebenwirkungen
- Ausgabenmuster und beliebte Produktkategorien
- Motivation zwischen Bequemlichkeit und finanzieller Not
- Der gefährliche Weg in die Verschuldung
- Besondere Gefährdung junger Erwachsener
- Regulierung und Verbraucherschutz
- Weiterführende Informationen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Bewusster Umgang statt kategorischer Ablehnung
Das Wichtigste in Kürze
- 20 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 60 Jahren nutzen Buy Now Pay Later Dienste
- 14 Prozent der Nutzer haben bereits den Überblick über offene Rechnungen verloren
- Bei unter 30-Jährigen sind sogar 24 Prozent von Überschuldung betroffen
- Zwölf Prozent haben Buy Now Pay Later Schulden von mehr als 500 Euro angehäuft
Inhaltsverzeichnis
- Buy Now Pay Later: Ein Trend mit gefährlichen Nebenwirkungen
- Ausgabenmuster und beliebte Produktkategorien
- Motivation zwischen Bequemlichkeit und finanzieller Not
- Der gefährliche Weg in die Verschuldung
- Besondere Gefährdung junger Erwachsener
- Regulierung und Verbraucherschutz
- Weiterführende Informationen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Bewusster Umgang statt kategorischer Ablehnung
Buy Now Pay Later: Ein Trend mit gefährlichen Nebenwirkungen
Die Zahlungsmethode Buy Now Pay Later hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil des deutschen Online-Handels entwickelt. Rund ein Fünftel aller Deutschen zwischen 18 und 60 Jahren nutzt bereits diese Form des aufgeschobenen Bezahlens. Die Bafin-Umfrage, für die knapp 5.000 Menschen befragt wurden, zeigt jedoch deutlich die Schattenseiten dieser scheinbar bequemen Zahlungsart auf.
Der Begriff Buy Now Pay Later umfasst verschiedene Zahlungsmodelle, von der klassischen Rechnung über gesammelte Monatsrechnungen bis hin zu Ratenzahlungen. Allen gemein ist das Versprechen, Waren sofort zu erhalten, aber erst später dafür bezahlen zu müssen. Diese Flexibilität kommt jedoch mit einem hohen Risiko der finanziellen Überforderung.
Ausgabenmuster und beliebte Produktkategorien
Die Analyse der Ausgabengewohnheiten offenbart interessante Muster im Kaufverhalten der Buy Now Pay Later Nutzer. Fast die Hälfte der Befragten gibt monatlich weniger als 100 Euro über diese Zahlungsart aus, während ein Viertel zwischen 101 und 200 Euro ausgibt. Besorgniserregend sind jedoch die fünf Prozent der Nutzer, deren monatliche Ausgaben über Buy Now Pay Later Dienste 500 Euro übersteigen. (Lesen Sie auch: Shop-Systeme im Preisvergleich für Einsteiger)
| Monatliche Ausgaben | Anteil der Nutzer | Risikobewertung |
|---|---|---|
| Unter 100 Euro | 46% | ⭐⭐ |
| 101-200 Euro | 26% | ⭐⭐⭐ |
| 201-500 Euro | 17% | ⭐⭐⭐⭐ |
| Über 500 Euro | 5% | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
Die beliebtesten Produktkategorien für Buy Now Pay Later Käufe sind Kleidung und Elektronik, gefolgt von Haushaltswaren, Möbeln und Reisen. Diese Vielfalt zeigt, dass die Zahlungsart längst nicht mehr nur für kleinere Impulskäufe genutzt wird, sondern auch für größere Anschaffungen.
Motivation zwischen Bequemlichkeit und finanzieller Not
Die Gründe für die Nutzung von Buy Now Pay Later Diensten sind vielfältig und aufschlussreich. Überraschenderweise steht nicht immer der Zahlungsaufschub im Vordergrund. Bei Nutzern von Kauf auf Rechnung oder gesammelter Monatsrechnung nennt die Hälfte Bequemlichkeit als Hauptmotiv. Nur 30 Prozent wollen gezielt einen Zahlungsaufschub, während 16 Prozent zugeben, einkaufen zu wollen, obwohl das nötige Geld fehlt.
Bei Ratenzahlern ist die Motivation anders gelagert: Hier finden 39 Prozent die Zahlungsart bequem, während bei 29 Prozent tatsächlich das nötige Geld fehlt. Dies deutet darauf hin, dass Ratenzahlungen häufiger aus echter finanzieller Notwendigkeit gewählt werden.
Der gefährliche Weg in die Verschuldung
Wenn das Geld bei Fälligkeit der Buy Now Pay Later Rechnungen fehlt, beginnt häufig ein Teufelskreis der Verschuldung. Die Bafin-Studie zeigt erschreckende Zahlen: Zwölf Prozent der Nutzer haben bereits Buy Now Pay Later Schulden von mehr als 500 Euro angehäuft. Viele Verbraucher hangeln sich dann mit verschiedenen Kreditformen durch ihre finanzielle Misere.
Zehn Prozent der Buy Now Pay Later Nutzer haben bereits Geld von Familie oder Freunden geliehen, um ihre Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Sieben Prozent haben ihr Girokonto überzogen, acht Prozent nutzen Kreditkarten für weitere Zahlungsaufschübe, und vier Prozent haben sogar einen zusätzlichen Kredit aufgenommen. Diese Zahlen verdeutlichen, wie schnell aus der vermeintlich harmlosen späteren Zahlung eine ernsthafte Schuldenspirale entstehen kann.
Besondere Gefährdung junger Erwachsener
Die Altersgruppe der unter 30-Jährigen ist besonders stark von den negativen Auswirkungen der Buy Now Pay Later Dienste betroffen. Mit 24 Prozent verliert fast jeder Vierte in dieser Altersgruppe den Überblick über seine offenen Rechnungen – deutlich mehr als der Durchschnitt von 14 Prozent über alle Altersgruppen hinweg.
Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, da junge Erwachsene oft noch am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen und über geringere Einkommen verfügen. Gleichzeitig sind sie als Digital Natives die Hauptzielgruppe der Online-Händler und Buy Now Pay Later Anbieter. Die niedrigen Einstiegshürden und die einfache Verfügbarkeit dieser Zahlungsarten können schnell zu einer Überforderung führen.
Verbraucher sollten aufmerksam werden, wenn sie mehrere Buy Now Pay Later Verpflichtungen gleichzeitig haben, den Überblick über Fälligkeitstermine verlieren oder andere Kredite nutzen müssen, um BNPL-Rechnungen zu bezahlen.

Regulierung und Verbraucherschutz
Die Bafin mahnt zu erhöhter Vorsicht beim Umgang mit Buy Now Pay Later Angeboten. Die Finanzaufsicht weist darauf hin, dass diese Zahlungsarten zwar bequem erscheinen, aber echte Kreditgeschäfte darstellen, die entsprechende Risiken bergen. Anders als bei klassischen Krediten fehlen jedoch oft die üblichen Sicherheitsabfragen und Bonitätsprüfungen.
Die Regulierungsbehörden in Deutschland und Europa diskutieren bereits verschärfte Vorschriften für Buy Now Pay Later Anbieter. Ziel ist es, Verbraucher besser zu schützen und die Transparenz dieser Finanzdienstleistungen zu erhöhen. Einige Vorschläge umfassen verpflichtende Bonitätsprüfungen, klarere Aufklärung über Kosten und Risiken sowie Obergrenzen für die Anzahl gleichzeitiger BNPL-Verpflichtungen.
Weiterführende Informationen
Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehlen wir folgende vertrauenswürdige Quellen:
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau versteht man unter Buy Now Pay Later?
Buy Now Pay Later umfasst verschiedene Zahlungsmodelle, bei denen Verbraucher Waren sofort erhalten, aber erst später bezahlen. Dazu gehören Rechnungskauf, Ratenzahlungen und gesammelte Monatsrechnungen.
Welche Risiken birgt die Nutzung von BNPL-Diensten?
Hauptrisiken sind der Verlust des Überblicks über Ausgaben, Überschuldung, zusätzliche Kosten bei verspäteter Zahlung und die Gefahr einer Schuldenspirale durch weitere Kreditaufnahmen.
Wie kann ich verantwortungsvoll mit Buy Now Pay Later umgehen?
Führen Sie ein Ausgabenbuch, begrenzen Sie die Anzahl gleichzeitiger BNPL-Käufe, achten Sie auf Fälligkeitstermine und nutzen Sie diese Zahlungsart nur bei sicherem Einkommen.
Werden Buy Now Pay Later Dienste reguliert?
Die Regulierung variiert je nach Anbieter und Zahlungsmodell. Die Bafin und EU-Behörden arbeiten an strengeren Vorschriften für mehr Verbraucherschutz.
Was sollte ich tun, wenn ich den Überblick über meine BNPL-Schulden verloren habe?
Erstellen Sie eine Übersicht aller offenen Forderungen, kontaktieren Sie die Anbieter für Zahlungsvereinbarungen und suchen Sie bei Bedarf professionelle Schuldnerberatung auf.
Fazit: Bewusster Umgang statt kategorischer Ablehnung
Buy Now Pay Later Dienste sind nicht grundsätzlich schlecht, erfordern aber einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang. Die Bafin-Studie zeigt deutlich, dass insbesondere junge Verbraucher gefährdet sind, in eine Schuldenspirale zu geraten. Die scheinbare Bequemlichkeit und niedrigen Einstiegshürden dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um echte Kreditgeschäfte handelt.
Verbraucher sollten Buy Now Pay Later nur dann nutzen, wenn sie sicher sind, die Rechnungen termingerecht begleichen zu können. Ein bewusster Umgang mit der eigenen Liquidität, das Führen eines Haushaltsbuches und die Begrenzung gleichzeitiger BNPL-Verpflichtungen können dabei helfen, die Vorteile zu nutzen, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Letztendlich liegt es an jedem Einzelnen, verantwortungsvoll mit diesen modernen Zahlungsoptionen umzugehen.













