Die CDU vor dem Parteitag am 20.02.2026 in Stuttgart steht unter enormer Anspannung. Nach über einem Jahr Kanzlerschaft von Friedrich Merz wächst der Unmut in den eigenen Reihen über unerfüllte Reformversprechen und einen zunehmend weichgespülten Kurs. Folglich wird die anstehende Wiederwahl des Parteivorsitzenden zu einem entscheidenden Stimmungstest, während die überraschende Anwesenheit von Altkanzlerin Angela Merkel zusätzliche Brisanz in die aufgeheizte Atmosphäre bringt.
Die Christdemokraten erleben eine Phase tiefer Verunsicherung. Viele Mitglieder hatten sich von Friedrich Merz eine klare Abkehr von der Ära Merkel und einen mutigen wirtschaftsliberalen Aufbruch erhofft. Stattdessen fühlen sich Wirtschaftsflügel und Junge Union enttäuscht, da große Reformen ausblieben und die Regierungskoalition von internen Konflikten geprägt ist. Deshalb blicken alle Augen gespannt auf diesen richtungsweisenden Parteitag.
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Die CDU vor dem Parteitag: Ein Pulverfass der Erwartungen
- Was sind die Hauptkritikpunkte am Kurs von Friedrich Merz?
- Angela Merkels Rückkehr: Symbol der Einheit oder stille Mahnung?
- Konkrete Streitpunkte: Diese Anträge sorgen für Zündstoff
- Wie sicher ist die Wiederwahl von Friedrich Merz?
- CDU-Kurs: Merz vs. Merkel im Vergleich
- Fazit: Ein richtungweisender Parteitag für die CDU
Das Wichtigste in Kürze
- Termin und Ort: Der 38. Ordentliche Bundesparteitag der CDU findet am 20. und 21. Februar 2026 in der Messe Stuttgart statt.
- Wahl des Vorsitzenden: Bundeskanzler Friedrich Merz stellt sich zur Wiederwahl als Parteivorsitzender. Ein Ergebnis unter 90% würde als Dämpfer gewertet.
- Hauptkonflikt: In der Partei herrscht großer Unmut über den Kurs von Merz, der als zu zögerlich und wenig reformfreudig empfunden wird.
- Merkels Anwesenheit: Altkanzlerin Angela Merkel nimmt erstmals seit ihrem Abschied wieder an einem Parteitag teil, was für erhebliche mediale und interne Aufmerksamkeit sorgt.
- Richtungsstreit: Verschiedene Flügel der Partei, wie der Wirtschaftsrat und die Junge Union, fordern einen schärferen Kurs, während andere vor einer Spaltung warnen.
- Brisante Anträge: Anträge zur Migrationspolitik und zur Abgrenzung vom Koalitionspartner SPD versprechen kontroverse Debatten.
- Druck durch Wahlen: Die bevorstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg erhöht den Druck, ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln.
Die CDU vor dem Parteitag: Ein Pulverfass der Erwartungen
Selten war die Stimmung in der CDU so angespannt wie vor diesem Bundesparteitag. Friedrich Merz, der einst mit dem Versprechen antrat, die Partei nach 16 Jahren Merkel grundlegend zu erneuern und einen klaren konservativ-liberalen Kurs zu fahren, sieht sich nun massiver Kritik ausgesetzt. Die Basis ist enttäuscht, weil die versprochene Politikwende in vielen Bereichen ausgeblieben ist. Stattdessen prägen Kompromisse in der Koalition und ein als zögerlich empfundenes Regierungshandeln das Bild. Die Situation spitzt sich zu, da die Partei zwischen dem Wunsch nach klarem Profil und der Notwendigkeit von Regierungskompromissen zerrissen scheint. Die bevorstehende Aussprache wird deshalb mit großer Spannung erwartet.
Was sind die Hauptkritikpunkte am Kurs von Friedrich Merz?
Die Kritik am amtierenden Kanzler und Parteichef ist vielschichtig. Vor allem die Nichterfüllung zentraler Wahlversprechen sorgt für Frustration. Insbesondere Wirtschaftsflügel und die Junge Union hatten auf schnelle Steuersenkungen, eine umfassende Sozialstaatsreform und eine härtere Gangart in der Migrationspolitik gehofft. Jedoch sind diese Projekte bisher kaum vorangekommen. Die CDU vor dem Parteitag diskutiert deshalb intensiv über die Gründe.
Enttäuschte Hoffnungen bei Wirtschaftsflügel und Junger Union
Der Wirtschaftsrat der CDU und die Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) gehören zu den lautstärksten Kritikern. Sie hatten in Merz den Garanten für eine Rückkehr zu den Wurzeln der Union als Wirtschaftspartei gesehen. Die Enttäuschung ist nun groß, da aus ihrer Sicht die Handschrift von Merz in der Regierungspolitik zu wenig sichtbar ist. Beispielsweise wurde die von vielen erhoffte grundlegende Reform der Rente bisher nicht angegangen, was zu internen Spannungen führt, wie wir bereits im Artikel zur Rente Reform beleuchtet haben.
Der „Weichspülkurs“ aus Angst vor Landtagswahlen
Ein weiterer Vorwurf lautet, die CDU sei aus Angst vor den anstehenden Landtagswahlen auf einen „Weichspülkurs“ eingeschwenkt. Radikale Forderungen aus der Partei, etwa zur Einschränkung von Teilzeitarbeit, wurden schnell wieder einkassiert, um potenzielle Wähler in der Mitte nicht zu verprellen. Dieses Vorgehen führt allerdings zu dem Dilemma, dass die Partei ihr Profil verwässert und Stammwähler verunsichert. Die Führung versucht, diesen Spagat zu meistern, riskiert dabei jedoch, es niemandem recht zu machen.
Angela Merkels Rückkehr: Symbol der Einheit oder stille Mahnung?
Die Anwesenheit von Angela Merkel ist das wohl meistdiskutierte Thema im Vorfeld. Offiziell wird ihr Besuch von der Parteiführung als Zeichen der Geschlossenheit und Unterstützung begrüßt. Allerdings wird hinter den Kulissen heftig spekuliert, ob ihre Präsenz nicht auch als stille Mahnung an ihren Nachfolger zu verstehen ist, die Partei der Mitte nicht zu verlassen. Merkel, die 18 Jahre an der Spitze der CDU stand, verkörpert einen pragmatischen und ausgleichenden Politikstil – das genaue Gegenteil dessen, was Merz ursprünglich versprochen hatte. Ihr Auftritt könnte somit die internen Richtungsstreitigkeiten weiter befeuern, anstatt sie zu befrieden. Mehr zur Person und ihrer politischen Laufbahn finden Sie auf der Wikipedia-Seite von Angela Merkel (dofollow).
Konkrete Streitpunkte: Diese Anträge sorgen für Zündstoff
Neben der Generaldebatte über den Kurs der Partei werden auch konkrete Anträge für hitzige Diskussionen sorgen. Ein Antrag der Jungen Union aus NRW fordert beispielsweise eine Reform der Europäischen Menschenrechtskonvention, um Abschiebungen zu erleichtern. Ein anderer, eingebracht vom ehemaligen Hamburger Landesvorsitzenden Christoph Ploß, zielt auf eine scharfe Abgrenzung von den gesundheitspolitischen Plänen des Koalitionspartners SPD. Diese Anträge zeigen, wie groß der Druck ist, klare Kante zu zeigen, auch wenn dies den Koalitionsfrieden gefährdet.
Wie sicher ist die Wiederwahl von Friedrich Merz?
Obwohl es keinen Gegenkandidaten gibt, ist die Wiederwahl von Friedrich Merz kein Selbstläufer. Das Ergebnis der Abstimmung wird als Gradmesser für seine Autorität in der Partei gesehen. Bei seiner letzten Wahl 2024 erhielt er 89,8 Prozent der Stimmen. Ein Ergebnis, das deutlich darunter liegt, wäre eine schwere Hypothek für seine weitere Arbeit als Kanzler und Parteichef. Merz selbst gibt sich kämpferisch und will für seinen Kurs werben, räumt aber auch Unzufriedenheit in der Partei ein. Die Delegierten stehen vor der Entscheidung, ob sie ihrem Vorsitzenden trotz der Kritik den Rücken stärken oder ihm einen spürbaren Dämpfer verpassen.
CDU-Kurs: Merz vs. Merkel im Vergleich
Die Debatten zeigen eine tiefe Kluft zwischen dem angestrebten Merz-Kurs und der Politik der Ära Merkel. Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede in zentralen Politikfeldern gegenüber:
| Politikfeld | Angestrebter Kurs unter Friedrich Merz | Kurs während der Ära Merkel |
|---|---|---|
| Wirtschaftspolitik | Fokus auf Angebotsseite, Steuersenkungen, Deregulierung, Stärkung des Mittelstands | Pragmatischer Mix, Festhalten an Sozialpartnerschaft, Einführung Mindestlohn |
| Sozialpolitik | Forderungen nach Reform des Bürgergelds, Betonung von Eigenverantwortung | Ausbau von Sozialleistungen (z.B. Mütterrente), eher statuswahrend |
| Migrationspolitik | Betonung von Begrenzung und Steuerung, restriktiverer Kurs | Humanitär geprägter Ansatz (2015), Fokus auf EU-Lösungen und Integration |
| Außen- & Sicherheitspolitik | Stärkere Betonung nationaler Interessen, Aufrüstung, kritischer gegenüber China | Multilateralismus, starke transatlantische und europäische Einbindung |
| Kommunikationsstil | Konfrontativ, polarisierend, auf klare Abgrenzung bedacht | Moderierend, ausgleichend, auf Kompromiss und Konsens ausgerichtet |
Diese Tabelle verdeutlicht die ideologische Neuausrichtung, die viele Mitglieder von der CDU vor dem Parteitag einfordern, die aber in der Regierungspraxis bisher nur teilweise umgesetzt wurde.
Fazit: Ein richtungweisender Parteitag für die CDU
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die CDU vor dem Parteitag 2026 an einem kritischen Punkt steht. Die Partei ist tief gespalten zwischen dem Wunsch nach einem klaren konservativen Profil und den pragmatischen Zwängen des Regierens. Friedrich Merz muss es gelingen, die enttäuschte Basis wieder hinter sich zu vereinen und eine überzeugende Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen. Das Ergebnis seiner Wiederwahl und die Debatten der kommenden Tage werden darüber entscheiden, ob die CDU die interne Zerreißprobe besteht oder in eine längere Phase der Instabilität gerät. Der Ausgang ist völlig offen und wird die politische Landschaft in Deutschland maßgeblich beeinflussen. Informationen zum Ablauf stellt die CDU auf ihrer offiziellen Webseite bereit.
Zur visuellen Einordnung der aktuellen Stimmungslage empfehlen wir die Einbettung eines aktuellen Nachrichtenbeitrags, beispielsweise aus der ARD-Mediathek oder von einem YouTube-Kanal wie WELT Nachrichtensender, der die Erwartungen an den Parteitag zusammenfasst.