📖 Lesezeit: 7 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2026
Wie schlimm ist die Chemie Krise Deutschland? Die deutsche Chemieindustrie erlebt ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren. Die Anlagen sind nur zu 70 Prozent ausgelastet – ein historischer Tiefpunkt. BASF, Evonik und Wacker Chemie streichen Tausende Stellen. Der VCI warnt: „Die Industrie funkt SOS.“
Chemie Krise Deutschland – diese zwei Worte beschreiben den dramatischen Zustand der drittgrößten Industriebranche des Landes. Nach Auto- und Maschinenbau ist die Chemie ein tragender Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Doch dieser Pfeiler wankt gefährlich. Die Produktionsanlagen verharren seit drei Jahren auf einem Rekordtief – einem Niveau wie vor 20 Jahren.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) zeichnet ein düsteres Bild für die Chemie Krise Deutschland: Jedes zweite Unternehmen hat zu wenig Aufträge. Die Bestellungen sind seit 2021 im In- und Ausland um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Für 2026 erwartet der Verband keine Trendwende – im Gegenteil: Die Produktion soll um ein weiteres Prozent sinken.
Die Zahlen hinter der Chemie Krise Deutschland
Die Statistiken sprechen bei der Chemie Krise Deutschland eine deutliche Sprache. VCI-Präsident Markus Steilemann fasst die Lage zusammen: „Die Industrie funkt SOS. 2025 war für unsere Branche erneut sehr schwierig und der Blick nach vorn wird nicht rosiger.“
📊 Chemieindustrie in Zahlen:
🏭 70% Kapazitätsauslastung – historischer Tiefpunkt
👥 478.000 Beschäftigte (-0,5%)
💰 220 Mrd. Euro Umsatz 2025 (-1%)
📉 Bestellungen seit 2021: -20%
⚠️ Jedes 2. Unternehmen hat zu wenig Aufträge
BASF-Chef Markus Kamieth bringt es auf den Punkt: Die Branche durchlebe „wohl ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren“. Um die Verluste seit dem letzten Höhepunkt 2018 aufzuholen, benötige die Chemie ein Produktionswachstum von insgesamt 25 Prozent. Ob dieser Kraftakt gelingt, erscheint angesichts der strukturellen Probleme höchst fraglich.

Ursachen der Chemie Krise Deutschland
Die Gründe für die tiefe Chemie Krise Deutschland sind vielfältig. An erster Stelle stehen die hohen Energiepreise, die deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich massiv benachteiligen. In China und den USA liegt der Strompreis deutlich niedriger – ein entscheidender Wettbewerbsnachteil für die energieintensive Chemieproduktion.
| Ursache | Auswirkung |
|---|---|
| Hohe Energiepreise | Produktion in Deutschland teurer als bei Konkurrenz |
| Konjunkturflaute | Nachfrage aus Industrie und Handel sinkt |
| Überangebot weltweit | Preisverfall bei Basischemikalien |
| Trump-Zölle | Erschwerte Exporte in die USA |
| Bürokratie | Hoher Verwaltungsaufwand bremst Unternehmen |
Hinzu kommt ein gefährlicher Teufelskreis: Die Anlagen sind nicht ausgelastet, produzieren weniger Waren. Dennoch müssen sie in der chemischen Industrie häufig mit derselben Personalstärke gefahren werden wie bei Vollauslastung. So werden die Produkte immer teurer und weniger wettbewerbsfähig.
Stellenabbau bei BASF, Evonik und Wacker
Die großen Chemiekonzerne reagieren mit drastischen Sparprogrammen. Der Verband der Chemischen Industrie erwartet, dass bereits angekündigte Anlagenschließungen und Produktionsverlagerungen zu weiterem Stellenabbau führen werden.
| Unternehmen | Stellenabbau | Sparziel |
|---|---|---|
| BASF | Tausende | 1,6 Mrd. € bis Ende 2026 |
| Evonik | 2.000 (1.500 in DE) | 400 Mio. € jährlich |
| Wacker Chemie | 1.500 | 300 Mio. € jährlich |
| Bayer | 6.500 weltweit | 2 Mrd. € bis Ende 2026 |
| Lanxess | Hunderte | 150 Mio. € jährlich |
Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel macht die Politik mitverantwortlich: „Insbesondere am Standort Deutschland erweisen sich die viel zu hohen Energiepreise und bürokratische Hemmnisse weiterhin als zentraler Bremsklotz.“ Allein Wacker Chemie verbraucht nach eigenen Angaben knapp ein Prozent des gesamten Stroms in Deutschland.
Tarifrunde #Chemie26: Arbeitgeber fordern Atempause
Die IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) stehen vor schwierigen Verhandlungen. Mitte Januar 2026 begannen die Tarifgespräche für 585.000 Beschäftigte in 1.700 Unternehmen.
Der BAVC fordert eine „tarifpolitische Atempause“, um Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Die Arbeitgeber argumentieren: Ein Viertel der Anlagen steht im Leerlauf. Dennoch müssen die Unternehmen die gleichen Kosten tragen. Diese Situation sei auf Dauer nicht tragbar.
🎙️ Stimmen zur Branchenkrise:
„Die Industrie funkt SOS. 2025 war erneut sehr schwierig und der Blick nach vorn wird nicht rosiger.“ – Markus Steilemann, VCI-Präsident
„Die Chemieindustrie erlebt wohl ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren.“ – Markus Kamieth, BASF-Chef
Alle Teilbranchen im Minus
Besonders alarmierend: Die strukturelle Krise betrifft alle Bereiche der Chemie. Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 sind die Vorzeichen überall negativ:
| Teilbranche | Produktionsrückgang seit 2018 |
|---|---|
| Chemiefasern | -51% |
| Anorganische Grundchemikalien | -35% |
| Petrochemie | -28% |
| Kunststoffe | -22% |
| Pharmaprodukte | -5% |
Einziger Lichtblick: Der Pharmasektor hält sich vergleichsweise stabil. Doch auch hier sind die Vorzeichen negativ. Die Branche als Ganzes verliert an Substanz – Investitionen fließen zunehmend in andere Regionen der Welt.
Investitionen wandern ins Ausland
Die Konsequenzen der anhaltenden Krise sind gravierend. Nur 23 Prozent der Unternehmen planen für 2026 höhere Investitionen als im Vorjahr. Dagegen wollen 33 Prozent ihre Investitionen zurückfahren. Diese Zurückhaltung über fünf Halbjahre ist beispiellos in der Geschichte der IW-Konjunkturumfrage.
Ähnlich wie in der Automobilzulieferer-Branche verlagern immer mehr Chemieunternehmen ihre Produktion ins Ausland. Standorte in Osteuropa und Asien locken mit niedrigeren Energie- und Arbeitskosten. Deutschland droht, wichtige Industriekapazitäten dauerhaft zu verlieren.

Was fordert die Branche?
VCI-Präsident Steilemann fordert von der Politik Reformen statt neuer Rentenpakete. Die Wirtschaftspresse berichtet, dass die Branche vor allem Entlastungen bei den Energiekosten und weniger Bürokratie verlangt.
Konkret fordern die Chemieunternehmen:
- Senkung der Strompreise auf international wettbewerbsfähiges Niveau
- Abbau bürokratischer Hemmnisse
- Investitionen in Bildung und Infrastruktur
- Planungssicherheit für langfristige Investitionen
- Keine weiteren Belastungen durch neue Regulierungen
Häufig gestellte Fragen
Fazit: Strukturelle Krise ohne Aussicht auf schnelle Besserung
Die Chemie Krise Deutschland ist keine vorübergehende Konjunkturdelle, sondern eine tiefgreifende strukturelle Veränderung. Die drittgrößte Industriebranche des Landes verliert an Substanz. Anlagenschließungen, Produktionsverlagerungen und Stellenabbau sind längst Realität.
Ohne grundlegende Reformen bei Energiekosten und Bürokratie droht Deutschland, einen wichtigen Teil seiner industriellen Basis dauerhaft zu verlieren. Die Tarifrunde #Chemie26 wird zeigen, ob Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam einen Weg aus der Krise finden. Die Zeit drängt – denn die internationale Konkurrenz schläft nicht.
Redaktion Mindelmedia News | Wirtschaft
Die Wirtschaftsredaktion berichtet über aktuelle Entwicklungen aus der deutschen Industrie, Unternehmensnews und Arbeitsmarkt-Themen.











