Cybermobbing Kinder ist ein wachsendes Problem, mit dem sich die EU-Kommission nun verstärkt auseinandersetzt. Um Kinder und Jugendliche besser vor Belästigungen und Angriffen im Netz zu schützen, plant die Kommission unter anderem die Einführung einer App, die es Opfern erleichtern soll, Vorfälle zu melden und Beweise zu sichern.

Auf einen Blick
- EU-Kommission plant Aktionsplan gegen Cybermobbing.
- Einführung einer App nach französischem Vorbild geplant, um Meldungen zu erleichtern.
- Aktualisierte Leitlinien für Lehrkräfte sollen Cybermobbing in die Medienbildung einbeziehen.
- Künstliche Intelligenz wird als neues Werkzeug für Mobbing thematisiert.
EU-Kommission plant App gegen Cybermobbing kinder
Die Europäische Kommission will mit einer neuen Initiative gegen Cybermobbing vorgehen, insbesondere zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Kernstück des Plans ist eine App, die es Betroffenen ermöglichen soll, Vorfälle von Online-Mobbing einfach und unkompliziert zu melden. Die App soll als Vorlage für die Mitgliedsländer dienen, die sie dann an ihre jeweiligen nationalen Gegebenheiten anpassen können. Wie Stern berichtet, soll die App auch auf großen Online-Plattformen zur Verfügung stehen.
Die geplante App ist besonders für Kinder und Jugendliche ab etwa 11 Jahren geeignet, da sie in dieser Altersgruppe vermehrt mit Cybermobbing in Kontakt kommen.
Was ist Cybermobbing und warum ist es so gefährlich für Kinder?
Cybermobbing ist die Verwendung elektronischer Kommunikationsmittel, um eine Person oder eine Gruppe von Personen zu belästigen, zu bedrohen, zu demütigen oder auf andere Weise zu schädigen. Es unterscheidet sich von traditionellem Mobbing durch die Reichweite und die Anonymität, die das Internet bietet. Cybermobbing kann verheerende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben und zu Angstzuständen, Depressionen, sozialer Isolation und sogar Selbstmordgedanken führen. Die ständige Verfügbarkeit und die potenzielle Öffentlichkeit des Internets verstärken die negativen Auswirkungen zusätzlich.
Ein Beispiel aus dem Familienalltag: Stell dir vor, Paul (13) wird in einer WhatsApp-Gruppe von seinen Mitschülern verspottet und beleidigt. Die Nachrichten werden immer schlimmer, und Paul traut sich nicht mehr, zur Schule zu gehen. Er zieht sich zurück und wird immer stiller. Seine Eltern bemerken die Veränderung und suchen das Gespräch mit ihm. (Lesen Sie auch: Handyregeln Schule: CDU plant Bundesweite Verbote Jetzt!)
Die EU-Kommission betont, dass rund jedes sechste Kind zwischen 11 und 15 Jahren in Europa bereits Opfer von Cybermobbing geworden ist. Besonders gefährdet sind Mädchen und junge Frauen, Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sowie Angehörige von Minderheiten.
Wie soll die App gegen Cybermobbing funktionieren?
Die geplante App soll nach dem Vorbild der französischen App „3018“ entwickelt werden. Sie soll es Opfern von Cybermobbing erleichtern, Vorfälle zu melden, Beweise zu sichern und Hilfsangebote zu finden. Konkret soll die App folgende Funktionen bieten:
- Meldefunktion: Nutzer können Vorfälle von Cybermobbing direkt über die App melden.
- Beweissicherung: Screenshots, Chatprotokolle und andere Beweismittel können sicher gespeichert werden.
- Hilfsangebote: Die App bietet Zugang zu Beratungsstellen, Hotlines und anderen Unterstützungseinrichtungen.
- Informationen: Nutzer erhalten Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten, sich gegen Cybermobbing zu wehren.
Die EU-Kommission plant, die App den Mitgliedsländern zur Verfügung zu stellen, die sie dann an ihre nationalen Gegebenheiten anpassen können. Es ist geplant, die App auch auf großen Online-Plattformen anzubieten, um eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen.
Der Digital Services Act (DSA) soll ebenfalls eine wichtige Rolle im Kampf gegen Hass und Hetze im Netz spielen, indem er Plattformen zur sicheren Gestaltung ihrer Dienste für Minderjährige verpflichtet.
Künstliche Intelligenz als neues Werkzeug für Cybermobbing
Ein besonderes Augenmerk legt die EU-Kommission auf die wachsende Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) beim Cybermobbing. KI ermöglicht neue Formen der Belästigung, wie beispielsweise sogenannte sexualisierte Deepfakes von Mädchen und Frauen. Deepfakes sind mit Hilfe von KI erstellte Videos, Bilder oder Audio-Dateien von Menschen, die täuschend echt wirken, es aber nicht sind. Die Europäische Kommission plant, solche Praktiken mit dem europäischen KI-Gesetz gezielter zu verbieten. Die Verordnung soll voraussichtlich im dritten Quartal 2026 in Kraft treten.
Die Verwendung von KI zur Erstellung von Deepfakes stellt eine besonders perfide Form des Cybermobbings dar, da sie die Opfer in einer Weise bloßstellt und demütigt, die zuvor nicht möglich war. Die Verbreitung solcher Inhalte kann verheerende Folgen für die Betroffenen haben und zu schweren psychischen Problemen führen. (Lesen Sie auch: Jugendschutz Social Media: Plant CDU ein Verbot…)
Eltern sollten sich über die Gefahren von Deepfakes informieren und mit ihren Kindern darüber sprechen. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche wissen, dass nicht alles, was sie im Internet sehen, echt ist und dass sie sich bei Verdachtsfällen an eine Vertrauensperson wenden können.
Die Internet-Beschwerdestelle bietet eine Plattform für Betroffene von Cybermobbing, um Vorfälle zu melden und sich beraten zu lassen.
Prävention und Medienbildung als wichtige Bausteine
Neben der Bekämpfung von Cybermobbing setzt die EU-Kommission verstärkt auf Prävention und Medienbildung. Noch in diesem Jahr plant sie aktualisierte Leitlinien für Lehrkräfte vorzulegen, die Cybermobbing explizit in die Medienbildung einbeziehen sollen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, wie sie sich selbst und andere vor Cybermobbing schützen können.
Die aktualisierten Leitlinien für Lehrkräfte sollen unter anderem folgende Themen behandeln:
- Erkennung von Cybermobbing-Fällen
- Umgang mit Opfern und Tätern
- Präventionsmaßnahmen in der Schule
- Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Institutionen
Wie können Eltern ihre Kinder vor Cybermobbing schützen?
Eltern spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz ihrer Kinder vor Cybermobbing. Hier sind einige Tipps, wie Eltern aktiv werden können:

- Offene Kommunikation: Sprechen Sie regelmäßig mit Ihren Kindern über ihre Online-Aktivitäten und ermutigen Sie sie, Ihnen von Problemen zu erzählen.
- Medienkompetenz fördern: Helfen Sie Ihren Kindern, einen kritischen Umgang mit Medien zu entwickeln und Fake News von echten Nachrichten zu unterscheiden.
- Privatsphäre-Einstellungen: Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern die Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken und anderen Online-Diensten.
- Klare Regeln: Vereinbaren Sie klare Regeln für die Nutzung von Computern, Smartphones und anderen Geräten.
- Vorbild sein: Seien Sie selbst ein verantwortungsbewusster Nutzer von Medien und zeigen Sie Ihren Kindern, wie man respektvoll miteinander umgeht.
Was können Eltern tun, wenn ihr Kind von Cybermobbing betroffen ist?
Eltern sollten zunächst Ruhe bewahren und ihrem Kind zuhören. Es ist wichtig, dem Kind zu versichern, dass es nicht schuld ist und dass man ihm helfen wird. Sichern Sie Beweise für das Cybermobbing, wie Screenshots von Nachrichten oder Profilen. Kontaktieren Sie die Schule oder andere zuständige Stellen, um Unterstützung zu erhalten.
Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es bei Cybermobbing?
Cybermobbing kann verschiedene Straftatbestände erfüllen, wie Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung oder Bedrohung. Betroffene können Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Zudem besteht die Möglichkeit, zivilrechtliche Ansprüche geltend zu machen, beispielsweise auf Unterlassung oder Schadensersatz.
Wie können Schulen Cybermobbing vorbeugen?
Schulen können Cybermobbing durch Präventionsprogramme, Aufklärungskampagnen und die Förderung von Medienkompetenz vorbeugen. Es ist wichtig, ein Klima des Respekts und der Toleranz zu schaffen und klare Regeln für den Umgang mit digitalen Medien aufzustellen. Lehrer sollten geschult werden, um Cybermobbing-Fälle frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren.
Wo finden Betroffene von Cybermobbing Hilfe und Unterstützung?
Es gibt zahlreiche Beratungsstellen, Hotlines und Online-Plattformen, die Betroffenen von Cybermobbing Hilfe und Unterstützung anbieten. Dazu gehören beispielsweise die Nummer gegen Kummer, die Initiative klicksafe und die Telefonseelsorge. Auch Schulpsychologen und Beratungslehrer können Ansprechpartner sein. (Lesen Sie auch: Wetter Karneval: Nasse Narren? so wird das…)
Welche Rolle spielen soziale Medien bei Cybermobbing?
Soziale Medien können Cybermobbing verstärken, da sie eine große Reichweite und Anonymität bieten. Plattformbetreiber sind jedoch verpflichtet, Maßnahmen gegen Hass und Hetze zu ergreifen und Inhalte zu entfernen, die gegen ihre Nutzungsbedingungen verstoßen. Nutzer können Cybermobbing-Fälle bei den Plattformen melden und so zur Bekämpfung beitragen.
Fazit
Die Initiative der EU-Kommission zur Bekämpfung von Cybermobbing kinder ist ein wichtiger Schritt, um Kinder und Jugendliche besser vor den Gefahren des Internets zu schützen. Die geplante App und die aktualisierten Leitlinien für Lehrkräfte sind vielversprechende Ansätze, um Cybermobbing vorzubeugen und Betroffenen zu helfen. Eltern sollten sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen und ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien unterstützen, um eine sichere und positive Online-Erfahrung zu ermöglichen. Ein konkreter Tipp für Familien: Vereinbaren Sie regelmäßige „Offline-Zeiten“, in denen alle Familienmitglieder ihre Geräte ausschalten und sich stattdessen anderen Aktivitäten widmen.
