DM-Chef Christoph Werner gerät im November 2025 in die Kritik. Während Konkurrent Rossmann den Verband Die Familienunternehmer wegen dessen AfD-Öffnung verlässt, hält Werner Gespräche mit allen Bundestagsparteien für legitim. Er warnt vor einer Diabolisierung. In den sozialen Medien rufen Kunden zum Boykott auf – DM betont gleichzeitig seine Werte der Vielfalt und Demokratie.
Der DM-Drogeriemarkt steht im November 2025 im Zentrum einer hitzigen Debatte um den Umgang der Wirtschaft mit der AfD. Christoph Werner, Chef von Deutschlands grösster Drogeriekette, hat sich anders als sein Konkurrent Rossmann nicht klar von der AfD distanziert. Die Reaktionen in den sozialen Medien fallen heftig aus.
Was hat DM-Chef Christoph Werner zur AfD gesagt?
Gegenüber der Süddeutschen Zeitung äusserte sich Werner zur Debatte um den Verband Die Familienunternehmer. Grundsätzlich halte er es für statthaft, Parlamentarier aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Parlamentarischen Abend einzuladen, sagte der Dm-Geschaeftsführer.
Werner kritisierte die politische Debattenkultur: Statt permanent über andere Parteien zu sprechen, sollten sich die politischen Verantwortungsträger in der Tiefe mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und Lösungen anbieten, die überzeugen und wirksam sind.
Besonders eine Aussage sorgte für Empörung: Werner erklärte, er halte eine Diabolisierung für wenig hilfreich. Die politische Auseinandersetzung müsse differenziert über Inhalte geführt werden. Für diese Aussagen wurde der DM-Chef scharf kritisiert.
Wie reagieren DM-Kunden auf die Aussagen?
In den sozialen Medien formiert sich Widerstand. Unter aktuellen Instagram-Beiträgen der Drogeriekette finden sich zahlreiche Kommentare, die eine klare Abgrenzung gegenüber der AfD fordern. Einige Kunden kündigen an, künftig bei der Konkurrenz einzukaufen.
Beispiele für Kundenkommentare:
- Es ist die Zeit, sich klar gegen Rechts zu positionieren. Nach über 25 Jahren als Kundin bin ich jetzt hier raus!
- Wer sich nicht klar gegen Rassismus positioniert, der steht auch nicht für Toleranz und Vielfalt.
DM selbst wird nach eigenen Angaben seit der Veröffentlichung mit teilweise sehr empörten Zuschriften konfrontiert. Das Unternehmen beklagt, ihm werde unter Verdrehung der Tatsachen unterstellt, mit einer bestimmten Partei zu sympathisieren.
Wie positioniert sich DM offiziell?
Auf Instagram veröffentlichte DM eine Stellungnahme: An der Entscheidung des Verbands der Familienunternehmer waren wir nicht beteiligt. Für DM gilt: Vielfalt ist für uns Ausdruck von Diversität und die Grundlage für eine lebendige, liberale Demokratie.
Das Unternehmen betonte weiter: Ausgrenzung und Diskriminierung haben bei uns keinen Platz – wir lehnen solche Tendenzen in Gesellschaft und Politik entschieden ab. Dieses Statement konnte die Kritiker jedoch nicht beruhigen – einige bemerkten, dass DM sich damit nicht klar von der AfD abgrenze.
DM vs. Rossmann: Wie unterscheiden sich die Reaktionen?
| Aspekt | DM | Rossmann |
| Verbandsmitgliedschaft | Bleibt Mitglied | Ausgetreten |
| AfD-Gespräche | Hält sie für statthaft | Lehnt Haltung ab |
| Statement | Diabolisierung wenig hilfreich | Haltung wird nicht unterstützt |
| Kundenreaktion | Boykottaufrufe | Lob für klare Haltung |
Wer ist Christoph Werner?
Christoph Werner (52) ist seit September 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung von DM Drogerie markt. Er ist das zweitälteste von sieben Kindern des DM-Gründers Goetz W. Werner, der das Unternehmen 1973 in Karlsruhe gründete.
Werner sitzt im Kuratorium der Stiftung Familienunternehmen und im Handelsausschuss der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Er ist ausserdem Aufsichtsratsmitglied bei DM-Österreich und der Kärcher SE. Weitere Informationen bietet die DM-Unternehmensseite .
Wie gross ist DM eigentlich?
DM ist Deutschlands grösste Drogeriemarktkette. Im Geschäftsjahr 2024/2025 (bis 30. September) erzielte das Unternehmen europaweit einen Umsatz von 19,19 Milliarden Euro. In Deutschland lag der Umsatz bei 13,27 Milliarden Euro – ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Unternehmen beschäftigt europaweit mehr als 93.000 Menschen, davon rund 63.600 in Deutschland. DM betreibt rund 4.200 Märkte in 14 europäischen Ländern. 2025 wurde DM bei der Verbraucherumfrage Kundenmonitor zum beliebtesten deutschen Händler gewählt. Aktuelle Zahlen finden sich beim DM-Newsroom .
Was ist der Hintergrund der Debatte?
Auslöser der aktuellen Debatte ist der Verband Die Familienunternehmer. Dieser hatte Anfang Oktober 2025 erstmals AfD-Vertreter zu seinem Parlamentarischen Abend eingeladen und damit die sogenannte Brandmauer zur AfD aufgegeben. Präsidentin Marie-Christine Ostermann erklärte, das bisherige Kontaktverbot sei aufgehoben worden.
Die Reaktionen aus der Wirtschaft fielen unterschiedlich aus. Rossmann, Vorwerk und der Unternehmer Harald Christ kündigten ihre Mitgliedschaft. Die Deutsche Bank stornierte einen Mietvertrag für künftige Veranstaltungen. Andere Unternehmen wie DM blieben dem Verband treu – und geraten nun selbst unter Druck.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist DM aus dem Verband Die Familienunternehmer ausgetreten?
Nein. Anders als Rossmann und Vorwerk hat dm seine Mitgliedschaft im Verband Die Familienunternehmer bisher nicht gekündigt. DM betont jedoch, an der Entscheidung des Verbands zur AfD-Öffnung nicht beteiligt gewesen zu sein.
Hat DM-Chef Werner die AfD unterstützt?
Werner hat die AfD nicht explizit unterstützt. Er sagte lediglich, er halte Gespräche mit Parlamentariern aller Bundestagsparteien für statthaft. Eine Diabolisierung sei wenig hilfreich. Dies wurde von Kritikern als zu neutral oder als implizite Unterstützung interpretiert.
Gibt es einen Boykott gegen DM?
In den sozialen Medien, insbesondere auf Instagram, gibt es Boykottaufrufe von einzelnen Kunden. Eine organisierte, grössere Boykottbewegung ist bisher nicht erkennbar. DM erhält nach eigenen Angaben empörte Zuschriften.
Wie hat sich dm zum Thema Demokratie positioniert?
DM hat sich in der Vergangenheit wiederholt für Demokratie ausgesprochen. 2024 warb das Unternehmen mit dem Slogan Die wichtigsten Artikel stehen nicht bei DM, sondern im Grundgesetz für die demokratische Grundordnung. Ausserdem rief DM zusammen mit 54 anderen Unternehmen zum Schulterschluss der demokratischen Parteien auf.
Was sagt DM zu Vielfalt und Diskriminierung?
In seinem offiziellen Statement betont DM: Vielfalt ist für uns Ausdruck von Diversität und die Grundlage für eine lebendige, liberale Demokratie. Ausgrenzung und Diskriminierung haben bei uns keinen Platz – wir lehnen solche Tendenzen in Gesellschaft und Politik entschieden ab.
Warum ist Rossmann ausgetreten?
Rossmann kündigte die Mitgliedschaft im Verband Die Familienunternehmer mit der Begründung: Wir unterstützen die Haltung des Verbands nicht. Das Unternehmen reagierte damit auf die Einladung von AfD-Vertretern zum Parlamentarischen Abend des Verbands.
Ist die AfD rechtsextrem?
Der Verfassungsschutz stufte die AfD am 2. Mai 2025 als gesichert rechtsextremistische Organisation ein. Zuvor galt die Partei als Verdachtsfall. In bundesweiten Umfragen erreicht die AfD Werte zwischen 25 und 27 Prozent.
Fazit: DM zwischen den Fronten
Die Debatte um DM und die AfD zeigt, wie stark die deutsche Wirtschaft bei diesem Thema gespalten ist. Während Rossmann und Vorwerk klare Zeichen setzen und den Verband Die Familienunternehmer verlassen, wählt DM-Chef Christoph Werner einen anderen Weg. Seine Aussagen zur AfD haben ihm Boykottaufrufe eingebracht – obwohl DM offiziell Vielfalt und Demokratie betont. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Druck der Kunden Wirkung zeigt.











