Präsident Trump benimmt sich immer enthemmter. Er sollte von der Artemis-Crew lernen und den Perspektivwechsel wagen. Und: Was macht einen guten Chef aus? Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
die Artemis-Besatzung ist auf dem Weg zurück zur Erde. Ihre Reise um den Mond hat viele in den vergangenen Tagen bewegt. Die Astronautinnen und Astronauten an Bord drangen so weit ins Weltall vor, wie noch kein Mensch jemals. Wir durften mit den wunderbaren Fotos, die sie von dort schickten, zumindest ein wenig mitreisen. Aber ein besonderes Privileg blieb den vieren: Sie konnten aus dem Weltall auf die Welt schauen.
Eine Aussicht, die Menschen zutiefst verändert. So berichten es die wenigen, die das schon erlebt haben. Ich habe vor ein paar Jahren mit dem amerikanischen Astronauten Scott Kelly gesprochen. Er lebte ein Jahr auf der Raumstation ISS. Der sonst recht kühle Kelly geriet ins Schwärmen, als er von seinem Blick auf die Erde erzählte. Er sagte: „Es ist dieses überwältigende Gefühl, dass wir irgendwie alle zusammengehören. Ich habe die Zerbrechlichkeit der Erde gesehen. Wie sie da liegt, ohne Grenzen. Das hat für mich alles verändert.“
Kelly ist nicht der Einzige, der so fühlt. Das Phänomen ist sogar wissenschaftlich erforscht und trägt den Namen „Overview-Effect“. Ein Begriff, den der Autor Frank White in den 1980er Jahren geprägt hat. Die Aussicht auf die Welt aus der Höhe sorgt demnach für eine beständige Euphorie, ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen und ein Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit der Welt.
Trump könnte sich von Musk oder Bezos mit ins Weltall nehmen lassen
Als die Artemis die vergangenen Tage durch das Weltall Richtung Mond geflogen ist, haben wir alle dabei zuschauen können, wie sich diese Begeisterung in den Gesichtern der Astronautinnen und Astronauten abzeichnete. Der Pilot der Mission, Victor Glover, versuchte, das Gefühl in Worte zu fassen. Er sagte in Richtung Erde: „Vertraue uns, du siehst wunderschön aus. Und von hier oben siehst du aus wie eine Einheit. Homo sapiens, das sind wir alle gemeinsam. Egal, woher du kommst oder wie du aussiehst. Wir sind alle eine Menschheit.“
Leider müssen wir aber wieder zurück auf die Erde blicken. Größer könnte der Kontrast nicht sein. In den letzten Tagen drohte ein enthemmter Donald Trump erst damit, nach Ablauf seines Ultimatums könne „eine ganze Zivilisation untergehen und niemals wiederkehren“. Was nach Genozid klang, wurde zum Glück noch gestoppt – ist aber zur Wiedervorlage in spätestens zwei Wochen geplant. Trump schrieb auch noch auf seinem Netzwerk „Truth Social“, es sei einer der „wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt“.
Mir wird manchmal schwindlig, wenn ich in die Nachrichten schaue. Einerseits sind da diese wunderschönen Bilder aus dem Weltall, unser erster Blick auf die Rückseite des Mondes. Diese blau leuchtende Erde in der Dunkelheit des Raumes. Alles andere wirkt dagegen winzig. „What a wonderful world“ – mir geht das Lied von Louis Armstrong nicht aus dem Kopf.
Und dann ist da gleichzeitig dieser Präsident, der unterschwellig mit der Atombombe droht. So haben es zumindest viele verstanden. In dessen Welt nur der Stärkste überlebt. Für ihn scheint der Begriff „gemeinsam“ ein Fremdwort zu sein. Vielleicht sollten wir Trump einfach mal auf den Mond schießen. Der Mann, der damit droht, unsere Welt zu zerstören, sollte sie sich vorher einmal aus der Ferne anschauen. Fit genug ist der 79-Jährige. Er gibt doch immer damit an, der gesündeste Präsident aller Zeiten zu sein. Seine Freunde Elon Musk und Jeff Bezos besitzen beide sehr hübsche Raumschiffe. Sie nehmen ihn sicher gern mit.
Social Media und Jugendliche: Eine schlechte Mischung
In Australien gilt es seit ein paar Monaten. Auch in Deutschland wird über ein Social-Media-Verbot für Kinder diskutiert. Eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft liefert Befürwortern nun Munition. Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die Jugendliche am Tag mit digitalen Medien wie Videospielen oder sozialen Netzwerken verbringen, und schulischer Leistung zu geben.
5-Minuten-Talk: Verliert Trump seine MAGA-Anhänger?
Er feiert, vor allem sich selbst: Donald Trump sieht sich als Sieger im Irankrieg. Der Waffenstillstand mag noch so wackelig sein, seine eigentlichen Ziele mögen noch so weit entfernt sein – der US-Präsident sieht keinen Grund, über eigene Fehler zu sprechen.
Worüber Trump auch nicht sprechen will: Wie sehr ihn die vergangenen Wochen geschwächt haben. Und zwar weniger bei all jenen, die ihn immer schon kritisch sahen, als vielmehr bei denen, die seine eigene Bewegung ausmachen. Selbst die treuesten Unterstützer gehen wegen seines interventionistischen Kurses auf Abstand. Wie stabil steht Trump gerade da? stern-Politikchef Veit Medick spricht dazu mit Washington-Korrespondentin Leonie Scheuble.
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Alexandra Kraft

