Das Eric Scheidegger Interview beleuchtet die drängenden wirtschaftspolitischen Fragen der Schweiz. Der scheidende Chefökonom des Bundes äussert sich zu Themen wie Zollstreitigkeiten, Medikamentenpreise, Einwanderung und die Rolle der UBS, wobei er die Komplexität der Interessenvertretung einzelner Branchen hervorhebt.

Zusammenfassung
- Eric Scheidegger äussert sich kritisch zur Forderungshaltung einzelner Branchen.
- Er plädiert für eine ausgewogene Wirtschaftspolitik, die das Gesamtinteresse im Blick hat.
- Scheidegger äussert sich zu den Herausforderungen durch internationale Zollstreitigkeiten.
- Die Rolle der Schweiz im globalen Wettbewerb wird thematisiert.
Was sind die grössten Herausforderungen für die Schweizer Wirtschaftspolitik?
Die grössten Herausforderungen für die Schweizer Wirtschaftspolitik liegen laut Eric Scheidegger in der Balance zwischen den Interessen einzelner Branchen und dem gesamtwirtschaftlichen Wohl. Hinzu kommen globale Unsicherheiten wie Zollstreitigkeiten und die Notwendigkeit, im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Eine weitere Herausforderung stellen die Medikamentenpreise dar.
Im Abschiedsinterview mit der Neue Zürcher Zeitung spricht der stellvertretende Seco-Leiter Eric Scheidegger offen über die Reizthemen der Wirtschaftspolitik. Dabei geht er auf die unterschiedlichen Interessenlagen ein und erläutert, wie schwierig es ist, eine Politik zu gestalten, die allen gerecht wird.
Ein zentraler Punkt des Eric Scheidegger Interview ist die Aussage, dass jede Branche davon überzeugt ist, besonders unterstützungswürdig zu sein. Dies führt zu einem ständigen Wettbewerb um staatliche Gelder und Regulierungen, die den eigenen Interessen dienen. Scheidegger betont, dass es die Aufgabe der Politik sei, hier einen Ausgleich zu schaffen und das grosse Ganze im Blick zu behalten.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist das Kompetenzzentrum des Bundes für alle Fragen der Wirtschaftspolitik. Es setzt sich für einen attraktiven Wirtschaftsstandort Schweiz ein.
Wie beeinflussen internationale Zollstreitigkeiten die Schweizer Wirtschaft?
Internationale Zollstreitigkeiten, wie sie beispielsweise zwischen den USA und China herrschen, haben auch Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Obwohl die Schweiz nicht direkt in diese Konflikte involviert ist, spürt sie die indirekten Folgen durch veränderte Handelsströme und eine allgemeine Verunsicherung auf den Märkten. Dies kann zu einem Rückgang der Exporte und Investitionen führen. (Lesen Sie auch: Russland schränkt Telegram ein: Was bedeutet)
Scheidegger erklärt im Eric Scheidegger Interview, dass die Schweiz als kleines, offenes Land besonders anfällig für solche externen Schocks ist. Es sei daher wichtig, die Beziehungen zu allen Handelspartnern zu pflegen und sich für eine multilaterale, regelbasierte Handelsordnung einzusetzen. Protektionistische Massnahmen würden letztendlich allen schaden.
Die Schweiz versucht, durch bilaterale Abkommen und die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen wie der Welthandelsorganisation (WTO), ihre Interessen zu wahren und negative Auswirkungen zu minimieren. Dennoch sei es unvermeidlich, dass globale Konflikte auch hierzulande Spuren hinterlassen, so Scheidegger.
Welche Rolle spielt die Einwanderung für die Schweizer Wirtschaft?
Die Einwanderung spielt eine bedeutende Rolle für die Schweizer Wirtschaft. Einerseits trägt sie zur Deckung des Fachkräftebedarfs bei, andererseits kann sie aber auch zu Spannungen auf dem Arbeitsmarkt und im Sozialsystem führen. Es ist daher wichtig, die Einwanderung zu steuern und zu kontrollieren, um die positiven Effekte zu maximieren und die negativen zu minimieren.
Im Eric Scheidegger Interview betont der Ökonom, dass die Schweiz auf qualifizierte Zuwanderer angewiesen sei, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Gleichzeitig müsse aber auch darauf geachtet werden, dass die Integration der Zuwanderer gelingt und dass die Löhne nicht unter Druck geraten. Eine ausgewogene Einwanderungspolitik sei daher essenziell.
Die Debatte um die Einwanderung ist in der Schweiz oft emotional aufgeladen. Es sei wichtig, diese Debatte auf einer sachlichen Grundlage zu führen und die Fakten zu berücksichtigen. Die Einwanderung habe sowohl Vor- als auch Nachteile, und es gelte, die bestmögliche Balance zu finden, so Scheidegger.
Wie steht Eric Scheidegger zur Rolle der UBS in der Schweizer Wirtschaft?
Die Rolle der UBS in der Schweizer Wirtschaft ist ambivalent. Einerseits ist sie eine wichtige Arbeitgeberin und Steuerzahlerin, andererseits birgt ihre Grösse auch Risiken für die Stabilität des Finanzsystems. Es ist daher wichtig, die UBS zu beaufsichtigen und sicherzustellen, dass sie ihre Verantwortung wahrnimmt. (Lesen Sie auch: Buy European: Streit zwischen Berlin und Paris?)
Scheidegger äussert sich im Eric Scheidegger Interview zurückhaltend zur Rolle der UBS. Er betont, dass es die Aufgabe der Aufsichtsbehörden sei, die Banken zu regulieren und zu kontrollieren. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Banken ihre Aufgaben erfüllen können, ohne das Gemeinwohl zu gefährden.
Die Finanzkrise von 2008 hat gezeigt, wie wichtig eine solide Regulierung des Finanzsektors ist. Die Schweiz hat in den letzten JahrenMassnahmen ergriffen, um die Stabilität des Finanzsystems zu erhöhen. Es bleibe aber eine ständige Aufgabe, die Risiken zu überwachen und gegebenenfalls nachzusteuern, so Scheidegger.
Die UBS Group AG beschäftigt weltweit rund 72’000 Mitarbeitende, davon ein bedeutender Teil in der Schweiz.
Welche Empfehlungen gibt Eric Scheidegger seinem Nachfolger mit auf den Weg?
Eric Scheidegger gibt seinem Nachfolger keine konkreten Empfehlungen mit auf den Weg. Er betont aber, dass es wichtig sei, sich nicht von den Einzelinteressen der Branchen leiten zu lassen, sondern das grosse Ganze im Blick zu behalten. Eine unabhängige und faktenbasierte Politik sei essenziell für den Erfolg der Schweizer Wirtschaft.

Im Eric Scheidegger Interview appelliert er an die Politik, mutige Entscheidungen zu treffen und auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Es sei wichtig, die langfristigen Interessen der Schweiz zu wahren und sich nicht von kurzfristigen Wahlkampfkalkulationen beeinflussen zu lassen.
Die Schweizer Wirtschaft stehe vor grossen Herausforderungen, aber sie habe auch grosse Chancen. Es gelte, diese Chancen zu nutzen und die Herausforderungen zu meistern. Dies erfordere eine kluge und vorausschauende Politik, so Scheidegger. (Lesen Sie auch: Olympische Winterspiele 2026: Snowboard-Halfpipe)
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt das Seco in der Schweizer Wirtschaftspolitik?
Das Seco, das Staatssekretariat für Wirtschaft, ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Wirtschaftspolitik. Es gestaltet die Rahmenbedingungen für Unternehmen, fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit und vertritt die Schweizer Interessen im internationalen Handel.
Wie beeinflussen globale Wirtschaftskrisen die Schweiz?
Globale Wirtschaftskrisen können die Schweiz stark beeinflussen, da sie ein kleines, offenes Land mit einer exportorientierten Wirtschaft ist. Rückgänge der Weltwirtschaft können zu geringeren Exporten, sinkenden Investitionen und erhöhter Arbeitslosigkeit führen.
Welche Bedeutung hat die bilaterale Zusammenarbeit für die Schweiz?
Die bilaterale Zusammenarbeit ist für die Schweiz von grosser Bedeutung, da sie den Zugang zu wichtigen Märkten sichert und die wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern stärkt. Durch bilaterale Abkommen kann die Schweiz ihre Interessen gezielt vertreten.
Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf die Schweizer Wirtschaft aus?
Der Fachkräftemangel stellt eine Herausforderung für die Schweizer Wirtschaft dar, da er das Wachstumspotenzial einschränken und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen kann. Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, was zu Produktionsengpässen führen kann. (Lesen Sie auch: Damian Clara: Italiens Hockey-Hoffnung im Rampenlicht)
Welche Massnahmen ergreift die Schweiz zur Förderung der Innovation?
Die Schweiz ergreift verschiedene Massnahmen zur Förderung der Innovation, darunter die Unterstützung von Forschung und Entwicklung, die Förderung von Start-ups und die Schaffung eines innovationsfreundlichen regulatorischen Umfelds. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu stärken.
Das Eric Scheidegger Interview zeigt, dass die Schweizer Wirtschaftspolitik vor komplexen Herausforderungen steht. Es gilt, die Interessen der verschiedenen Branchen auszubalancieren und die Schweiz im globalen Wettbewerb zu positionieren. Die Nachfolge von Eric Scheidegger wird zeigen, wie diese Aufgaben in Zukunft angegangen werden.
