Die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland wird bis 2045 voraussichtlich stabil bleiben, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Während strukturschwache Regionen, insbesondere im Osten Deutschlands, mit einem Rückgang rechnen müssen, werden Ballungsräume wie Berlin, Hamburg und München Zuwächse verzeichnen.

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Analyse-Ergebnis
- Bundesweite Stabilität der Erwerbspersonenzahl bis 2045.
- Deutliche regionale Unterschiede: Rückgänge im Osten, Zuwächse in Ballungsräumen.
- Zuwanderung und höhere Erwerbsbeteiligung als Hauptfaktoren für Wachstum.
- Fort- und Weiterbildung als Schlüssel zur Sicherung des Fachkräfteangebots.
Regionale Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt
Die „Erwerbspersonenprognose 2045“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt, dass die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland bis 2045 im Vergleich zu 2022 nur leicht um etwa 0,5 Prozent auf 43,3 Millionen Menschen sinken wird. Laut einer Meldung von Stern werden sich die regionalen Unterschiede jedoch deutlich verstärken.
In 58 von 96 Regionen wird ein Rückgang der Erwerbspersonenzahl erwartet. Besonders betroffen sind strukturschwache, vor allem ostdeutsche Regionen wie die Altmark, Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und Nordthüringen. Dort werden Rückgänge von mindestens 20 Prozent prognostiziert. (Lesen Sie auch: Hochrechnung: Zahl der Arbeitskräfte bis 2045 stabil…)
Strukturstärkere Ballungsräume wie Hamburg und München werden dagegen Anstiege von jeweils mehr als neun Prozent verzeichnen, Berlin sogar von rund 15 Prozent.
Als Erwerbspersonen zählen laut BBSR alle Erwerbsfähigen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die den Wunsch nach einer Erwerbstätigkeit äußern – unabhängig davon, ob sie tatsächlich erwerbstätig sind.
Was sind die Ursachen für die regionalen Unterschiede bei den Erwerbspersonen 2045?
In den wachstumsstarken Regionen steigt die Zahl der Erwerbspersonen vor allem durch Zuzüge. Hinzu kommt eine höhere Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. (Lesen Sie auch: Eurowings stockt auf: Mallorca statt Nahost -…)
In strukturschwächeren Regionen sinkt die Erwerbspersonenzahl dagegen deutlich, weil zu wenige junge Menschen nachrücken, um altersbedingt ausscheidende Arbeitskräfte zu ersetzen. Zuwanderung und steigende Erwerbsbeteiligung können diese Verluste nicht ausgleichen.
Wie kann man dem Fachkräftemangel entgegenwirken?
Das BBSR sieht politische Handlungsspielräume unter anderem bei der Zuwanderung. Auch gewinne Fort- und Weiterbildung an Bedeutung. Wenn das Arbeitskräfteangebot insgesamt zurückgeht und weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, lasse sich aktuelles Wissen vor allem durch Qualifizierung sichern.
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) betont ebenfalls die Bedeutung von Qualifizierung und Weiterbildung, um die Fachkräftebasis zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. Das IW schlägt vor, Anreize für die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen zu schaffen und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu erhöhen. (Lesen Sie auch: BASF Zhanjiang: Milliarden-Investition in Chinas Zukunft)
Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft
Die regional unterschiedliche Entwicklung der Erwerbspersonenzahl hat erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft. In den schrumpfenden Regionen drohen Fachkräftemangel, sinkende Steuereinnahmen und eine Überalterung der Bevölkerung. Dies kann zu einer Abwärtsspirale führen, in der die Attraktivität der Region weiter sinkt und noch mehr Menschen abwandern.
In den wachsenden Regionen hingegen können die steigende Erwerbspersonenzahl und die damit verbundene höhere Wirtschaftsleistung zu steigenden Mieten, Verkehrsproblemen und einer Belastung der Infrastruktur führen. Es ist daher wichtig, die Entwicklung der Erwerbspersonenzahl bei der Planung von Infrastrukturprojekten und der Gestaltung der Wohnungspolitik zu berücksichtigen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bietet hierzu detaillierte Informationen und unterstützt bei der regionalen Arbeitsmarktplanung.
Die demografische Entwicklung in Deutschland führt dazu, dass in den kommenden Jahren mehr Menschen in Rente gehen als in den Arbeitsmarkt eintreten. Dies stellt eine große Herausforderung für die Wirtschaft und die Gesellschaft dar. (Lesen Sie auch: Tankstellen: Bundestag stimmt über Spritpaket ab -…)
Strategien zur Sicherung der Erwerbspersonen 2045
Um die negativen Folgen der demografischen Entwicklung abzumildern und die Erwerbspersonenzahl langfristig zu sichern, sind verschiedene Strategien erforderlich:
- Zuwanderung fördern: Deutschland muss für Fachkräfte aus dem Ausland attraktiver werden. Dazu gehören eine offene Willkommenskultur, eine schnelle Anerkennung von ausländischen Qualifikationen und eine gezielte Anwerbung von Fachkräften in den Bereichen, in denen ein Mangel besteht.
- Erwerbsbeteiligung erhöhen: Es gilt, die Erwerbsbeteiligung von Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Dazu sind Maßnahmen wie der Ausbau der Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und die Förderung der betrieblichen Altersvorsorge erforderlich.
- Qualifizierung verbessern: Die Qualifizierung der Bevölkerung muss verbessert werden, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Dazu gehören eine Stärkung der dualen Ausbildung, die Förderung von Weiterbildung und die Anpassung der Studienangebote an die Bedürfnisse der Wirtschaft.
- Regionale Unterschiede ausgleichen: Es gilt, die strukturschwachen Regionen zu stärken und die Attraktivität der Ballungsräume zu erhöhen. Dazu sind Investitionen in die Infrastruktur, die Förderung von Innovationen und die Schaffung von attraktiven Arbeitsplätzen erforderlich.















