Die russische Eiskunstlauf-Trainerin Eteri Tutberidze ist bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo zurück – und ihre Anwesenheit sorgt international für heftige Diskussionen. Vier Jahre nach dem Dopingskandal um ihre damalige Schützling Kamila Valieva steht die 51-Jährige erneut im Rampenlicht der olympischen Bühne.
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Das Wichtigste in Kürze
- Eteri Tutberidze ist als Trainerin von Europameister Nika Egadze (Georgien) und Adeliia Petrosian (Russland) bei Olympia 2026 akkreditiert.
- WADA-Präsident Witold Banka fühlt sich „nicht wohl“ mit ihrer Anwesenheit, kann sie aber rechtlich nicht ausschließen.
- Die Trainerin war 2022 in den Dopingskandal um die damals 15-jährige Kamila Valieva verwickelt, wurde aber nicht sanktioniert.
- Tutberidze hat olympische Champions wie Anna Shcherbakova, Alina Zagitova und Evgenia Medvedeva ausgebildet.
- Ihre Trainingsmethoden stehen seit Jahren wegen Härte, Essstörungen und frühem Karriereende ihrer Schützlinge in der Kritik.
WADA-Chef äußert Unbehagen über Tutberidze-Präsenz
WADA-Chef Witold Banka erklärte bei einer Pressekonferenz in Mailand, er fühle sich „natürlich nicht wohl mit ihrer Anwesenheit hier bei den Olympischen Spielen“. „Es ist nicht unsere Entscheidung, dass die Trainerin hier ist. Die Untersuchung ergab keine Beweise dafür, dass diese Person an diesem Dopingprozess beteiligt war, daher gibt es keine rechtliche Grundlage, sie auszuschließen“, so Banka weiter.
Eteri Tutberidze, die Valieva trainierte, als bekannt wurde, dass sie in Peking positiv auf die verbotene Substanz Trimetazidin getestet worden war, kehrte diese Woche für Georgien als Trainerin des Europameisters Nika Egadze zur olympischen Szene zurück. Tutberidze ist als Trainerin der russischen Läuferin Adelia Petrosian in Italien. Zusätzlich gilt sie als Teil der georgischen Delegation und soll dort mit Europameister Nika Egadze arbeiten.
Der Valieva-Skandal von Peking 2022
Valieva, damals 15 Jahre alt, stand im Zentrum eines juristischen Kampfes während der Olympischen Spiele 2022 in Peking, als eine zwei Monate zuvor abgegebene Probe positiv auf die verbotene Substanz Trimetazidin getestet wurde. Die Enthüllung kam, nachdem Valieva mit anderen russischen Läufern Teamgold gewonnen hatte. Sie wurde später von diesem Event disqualifiziert, was die USA auf Gold aufrücken ließ.
Die Szenen nach Valievas verpatzter Kür gingen um die Welt: Statt Trost erhielt die weinende 15-Jährige von Tutberidze harte Worte. Als IOC-Präsident Thomas Bach Tutberidzes Verhalten als „erschreckend kalt“ bezeichnete, wurde dies als „chilling to see“ charakterisiert, und es schien schwer vorstellbar, dass sie zur olympischen Bühne zurückkehren würde.
Valieva erhielt eine vierjährige Sperre, die im vergangenen Dezember auslief. Die 19-Jährige gab nach dem Ablauf ihrer vierjährigen Sperre erst kürzlich in Moskau ihr vielbeachtetes Comeback auf dem Eis.
Wer ist Eteri Tutberidze?
Eteri Georgievna Tutberidze (geboren am 24. Februar 1974) ist eine georgisch-russische Eiskunstlauf-Trainerin, die hauptsächlich mit weiblichen Einzelläuferinnen arbeitet. Sie ist Cheftrainerin im Sambo 70 Skating Club in Moskau. Sie hat mehrere russische Läuferinnen zu Erfolgen bei internationalen Wettbewerben geführt, darunter die Olympiasiegerin 2022 und Weltmeisterin 2021 Anna Shcherbakova, die olympische Silbermedaillengewinnerin 2022 Alexandra Trusova, die Juniorweltmeisterin 2020 Kamila Valieva, die Europameisterin 2020 Alena Kostornaia, die Olympiasiegerin 2018 und Weltmeisterin 2019 Alina Zagitova, die zweifache Weltmeisterin und olympische Silbermedaillengewinnerin 2018 Evgenia Medvedova sowie den georgischen Läufer und Europameister 2026 Nika Egadze.
Tutberidze war selbst Eiskunstläuferin, musste ihre Karriere aber nach einem Wirbelbruch und einem Wachstumsschub von 22 cm vom Einzellauf zum Eistanz wechseln. In den 1990er Jahren arbeitete sie in den USA in Eisshows, bevor sie nach Russland zurückkehrte und 2008 als Trainerin in Moskau begann.
Die umstrittenen Trainingsmethoden der „Eishexe“
Tutberidze ist in der Eiskunstlaufszene für ihre harten, teils rücksichtslosen Methoden berüchtigt. Tutberidzes Trainingsmethoden wurden von Fans, Journalisten und Läufern kritisiert, besonders nach Kamila Valievas Dopingskandal bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking. Das Wissen über den Sambo-70 Club, der Dehydration, Hungern und unverändertes Trainingsprogramm trotz Verletzungen förderte, war bereits vor Peking öffentlich bekannt, und Kritiker bemerkten auch, dass Tutberidzes Schülerinnen regelmäßig mit schweren Verletzungen vor dem 18. Lebensjahr zurücktraten.
Tutberidze ist längst für ihren strengen und teils rücksichtslosen Umgang mit ihren Schützlingen – die meist noch Kinder sind – bekannt. Dem russischen Ersten Kanal erklärte sie einmal: „14-, 15-Jährige lenkt nichts ab“. Die 47-Jährige gab bereits freimütig zu, dass ihre Sportlerinnen dafür teils bis zu zwölf Stunden am Tag trainieren.
Die Karrieren ihrer Schützlinge sind typischerweise kurz aber spektakulär. Viele ihrer ehemaligen Stars mussten ihre Karrieren bereits als Teenager beenden: Yulia Lipnitskaya, Teamolympiasiegerin 2014, trat mit 19 Jahren wegen Verletzungen und Magersucht zurück. Evgenia Medvedeva beendete ihre Karriere mit 22 Jahren wegen chronischer Rückenprobleme. Alina Zagitova, Olympiasiegerin 2018, zog sich bereits mit 17 Jahren zurück.
Reaktionen auf Tutberidzes Olympia-Rückkehr
Die „Eishexe“ ist zurück bei den Olympischen Spielen: Die Russin Eteri Tutberidze spielt auch bei den Wettkämpfen in Italien eine Rolle. Auch wenn sie zunächst nicht so sehr im Rampenlicht steht wie vor vier Jahren, löst ihre Präsenz doch Unbehagen aus.
Der italienische Läufer Daniel Grassl, der 2023 zu Tutberidze nach Moskau ging, beschrieb sie als „sehr gute“ Trainerin und fügte hinzu: „Sie kann ein bisschen kalt sein, aber sie war warm zu uns und hat uns unterstützt“.
Tutberidzes Tochter Diana Davis wird in Mailand für Georgien im Eistanz mit ihrem Partner Gleb Smolkin antreten. Die Regeln wurden geändert, um das Mindestalter für Läufer rechtzeitig zu den Olympischen Winterspielen in Mailand Cortina auf 17 Jahre anzuheben.
Aktuelle Schützlinge bei Olympia 2026
Bei den Olympischen Spielen 2026 betreut Tutberidze mehrere Athleten. Die russische Läuferin Adeliia Petrosian ist ein Anwärter auf die Goldmedaille im Damenbereich als individuelle neutrale Athletin, die seit Jahren von Tutberidze trainiert wird. Für Georgien arbeitet sie mit dem Europameister Nika Egadze, der jedoch bei den Teamwettbewerben enttäuschte.
Die Eiskunstlauf-Wettbewerbe in Mailand stehen unter besonderer Beobachtung – nicht nur wegen der sportlichen Leistungen, sondern auch wegen der kontroversen Anwesenheit einer der umstrittensten Trainerinnen im internationalen Sport.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer ist Eteri Tutberidze?
Eteri Tutberidze ist eine georgisch-russische Eiskunstlauf-Trainerin, die im Sambo 70 Club in Moskau arbeitet. Sie hat zahlreiche olympische Champions ausgebildet, darunter Alina Zagitova, Anna Shcherbakova und Evgenia Medvedeva.
Warum ist Eteri Tutberidze umstritten?
Tutberidze steht wegen ihrer harten Trainingsmethoden in der Kritik. Ihre Schützlinge trainieren bis zu zwölf Stunden täglich, viele leiden unter Essstörungen und Verletzungen und beenden ihre Karrieren bereits als Teenager. Sie war auch in den Dopingskandal um Kamila Valieva verwickelt.
Warum darf Tutberidze bei Olympia 2026 dabei sein?
Obwohl WADA-Präsident Witold Banka ihre Anwesenheit kritisiert, gibt es keine rechtliche Grundlage für einen Ausschluss. Untersuchungen konnten keine direkte Beteiligung Tutberidzes am Dopingfall Valieva nachweisen.
Welche Athleten betreut Tutberidze bei Olympia 2026?
Bei den Olympischen Spielen 2026 trainiert Tutberidze den georgischen Europameister Nika Egadze sowie die russische Läuferin Adeliia Petrosian, die als neutrale Athletin antritt.
Was geschah mit Kamila Valieva?
Kamila Valieva wurde positiv auf das verbotene Herzmedikament Trimetazidin getestet und erhielt eine vierjährige Sperre. Die Sperre lief im Dezember 2025 aus, und sie gab im Januar 2026 ihr Comeback in Moskau. Sie konnte sich nicht für die Olympischen Spiele 2026 qualifizieren.
Was ist die „Eteri Expiration Date“?
Der Begriff „Eteri Expiration Date“ bezeichnet das Phänomen, dass Tutberidzes Schützlinge typischerweise mit 15-17 Jahren ihre Höchstleistungen erbringen, dann aber schnell zurücktreten müssen – oft wegen Verletzungen, Essstörungen oder körperlicher Überlastung.
Hat Tutberidze auf die Kritik reagiert?
Tutberidze weist Kritik regelmäßig zurück und verteidigt ihre Methoden. Sie argumentiert, dass junge Athletinnen fokussiert seien und dass „unerträglich harte Arbeit“ der einzige Weg zum Erfolg sei.
| Name | Olympischer Erfolg | Alter bei Olympia | Karriereende |
|---|---|---|---|
| Yulia Lipnitskaya | Team-Gold 2014 | 15 | 19 (Magersucht, Verletzungen) |
| Evgenia Medvedeva | Silber 2018 | 18 | 22 (Rückenprobleme) |
| Alina Zagitova | Gold 2018 | 15 | 17 (Rückzug) |
| Anna Shcherbakova | Gold 2022 | 17 | Noch aktiv |
| Kamila Valieva | Team-Gold 2022 (disqualifiziert) | 15 | Sperre bis Dez. 2025 |
Fazit: Eine umstrittene Ikone kehrt zurück
Eteri Tutberidzes Rückkehr zu den Olympischen Spielen 2026 in Mailand symbolisiert die anhaltende Kontroverse um Erfolg und Ethik im Spitzensport. Während ihre Trainingsmethoden nachweislich olympische Champions hervorbringen, werfen die kurzen Karrieren, gesundheitlichen Probleme und der Valieva-Dopingskandal ernste Fragen über den Preis dieser Erfolge auf.
Die „Eishexe“ bleibt eine der polarisierendsten Figuren im internationalen Eiskunstlauf – bewundert für ihre Erfolge, kritisiert für ihre Methoden. Ihre Präsenz in Mailand zeigt, dass trotz internationaler Kritik und moralischer Bedenken rechtliche Grenzen schwer zu ziehen sind, solange keine direkte Schuld nachgewiesen werden kann.
Ob die Eiskunstlaufwelt aus dem Valieva-Skandal gelernt hat und ob Tutberidzes Methoden langfristig haltbar sind, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Eines ist sicher: Die Diskussion um Kinderschutz, Trainingsmethoden und Dopingprävention im Spitzensport ist aktueller denn je.
Weitere Informationen zu ethischen Fragen im Sport finden Sie in unserem Artikel über Nachhaltigkeit und Verantwortung.