Der EU Gipfel am 18. und 19. Dezember 2025 in Brüssel steht unter maximalem Druck: Die Staats- und Regierungschefs entscheiden über die Nutzung von 210 Milliarden Euro russischem Staatsvermögen für die Ukraine. Bundeskanzler Friedrich Merz spricht von einer „Schicksalswoche“ für Europa. Was auf dem Spiel steht und welche Entscheidungen fallen könnten.
📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2025
EU Gipfel Dezember 2025: Diese Themen stehen auf der Agenda
Der Europäische Rat tagt am 18. und 19. Dezember in Brüssel. Es ist der letzte reguläre EU Gipfel des Jahres – und einer der wichtigsten seit langem. Die 27 Staats- und Regierungschefs beraten unter dem Vorsitz von Ratspräsident António Costa über Themen, die über die Zukunft Europas entscheiden könnten.
Im Zentrum stehen zwei hochumstrittene Fragen: Sollen die eingefrorenen russischen Vermögenswerte für die Ukraine genutzt werden? Und kann das Mercosur-Freihandelsabkommen nach 26 Jahren Verhandlungen endlich abgeschlossen werden? Beide Entscheidungen könnten die geopolitische Rolle der EU auf Jahre prägen.
Was ist der Europäische Rat?
Der Europäische Rat ist das Gremium der Staats- und Regierungschefs aller EU-Mitgliedstaaten. Er tagt mindestens viermal jährlich in Brüssel und legt die politischen Leitlinien der EU fest. Entscheidungen werden meist im Konsens getroffen.
Russische Vermögenswerte: 210 Milliarden Euro für die Ukraine?
Das dominierende Thema des EU Gipfels ist die Frage, wie Europa die eingefrorenen russischen Staatsvermögen für die Ukraine nutzbar machen kann. Rund 210 Milliarden Euro liegen seit 2022 eingefroren bei europäischen Finanzinstituten – der größte Teil, etwa 185 Milliarden Euro, beim belgischen Finanzdienstleister Euroclear.
Die EU-Kommission hat einen Plan vorgelegt: Das Geld soll nicht enteignet, sondern als Sicherheit für einen „Reparationskredit“ an die Ukraine dienen. Kiew würde die Milliarden als zinsloses Darlehen erhalten und erst zurückzahlen, wenn Russland nach Kriegsende Reparationen leistet.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Gesamtsumme eingefrorenes Vermögen | ca. 210 Milliarden Euro |
| Davon bei Euroclear (Belgien) | ca. 185 Milliarden Euro |
| Geplanter erster Kredit | bis zu 90 Milliarden Euro |
| Deutsche Garantien (geschätzt) | ca. 50 Milliarden Euro |
| Bisherige Nutzung | Nur Zinserträge (3-4 Mrd. €/Jahr) |
Das Problem: Belgiens Premierminister Bart De Wever fürchtet rechtliche Risiken für sein Land. Die russische Zentralbank hat bereits eine Klage eingereicht. Auch Ungarn, die Slowakei und Tschechien haben Vorbehalte. Ohne Belgien funktioniert der Plan nicht.
„Es geht um ein klares Signal an Russland, dass die Fortsetzung des Angriffskriegs sinnlos ist. Das Vermögen kann die militärische Unterstützung der Ukraine für weitere zwei Jahre gewährleisten.“
– Bundeskanzler Friedrich Merz, Regierungserklärung vom 17. Dezember 2025
Merz: „Schicksalswoche für Europa“
Bundeskanzler Friedrich Merz hat den EU Gipfel zur Bewährungsprobe erklärt. In seiner Regierungserklärung am Mittwoch machte er deutlich: Eine Einigung über die russischen Vermögenswerte sei die „Schlüsselfrage“ für die Europäische Union.
Die Chancen auf einen Durchbruch schätzt Merz auf „fifty-fifty“. Er warnte vor den Konsequenzen eines Scheiterns: Wenn keine Einigung gelinge, sei die Handlungsfähigkeit Europas „massiv beschädigt“. Zugleich stellte der Kanzler klar: „Wir sind kein Spielball von Großmächten.“
Die Bundesregierung führt keine Gespräche über einen Plan B. „Wenn es die Frozen-Assets-Lösung nicht gibt, dann gibt es keine europäische Lösung“, so ein Regierungsvertreter in Berlin. Für Merz persönlich steht viel auf dem Spiel: Eine Einigung wäre nach dem Ukraine-Gipfel in Berlin der zweite große außenpolitische Erfolg innerhalb einer Woche.
Mercosur-Abkommen: Historischer Handelsvertrag oder Scheitern nach 26 Jahren?
Parallel zum Ukraine-Thema steht das Mercosur-Freihandelsabkommen auf der Kippe. Seit 1999 verhandelt die EU mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay über den Deal, der die größte Freihandelszone dieser Art schaffen würde – mit insgesamt 700 Millionen Einwohnern.
| Land | Position |
|---|---|
| Deutschland | Starker Befürworter |
| Spanien | Befürworter |
| Frankreich | Dagegen (Schutz der Landwirtschaft) |
| Italien | Dagegen (Schutz der Landwirtschaft) |
| Polen | Skeptisch |
Frankreich fordert Nachbesserungen bei Umweltstandards und Wettbewerbsregeln. Präsident Emmanuel Macron will die Abstimmung verschieben. Wenn Frankreich eine Sperrminorität erreicht, wäre das Abkommen „faktisch am Ende“, warnen Diplomaten.
Die Bundesregierung drängt auf Abschluss noch in dieser Woche. Das Abkommen sei ein Gegenmodell zur protektionistischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant, am 20. Dezember nach Brasilien zu fliegen – aber nur, wenn die Abstimmung positiv ausgeht.
Westbalkan-Gipfel: EU-Beitritt rückt näher
Am Mittwoch trafen sich die EU-Spitzen bereits mit Vertretern der Westbalkan-Staaten. Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo bekräftigten ihre europäische Perspektive. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić nahm nicht teil – die Gründe blieben unklar.
Montenegro könnte die Beitrittsverhandlungen bis Ende 2026 abschließen, Albanien bis Ende 2027. Die EU betont: Die Erweiterung sei eine „geostrategische Investition in Frieden, Sicherheit und Stabilität“.
Weitere Themen des EU Gipfels
Neben den beiden Großthemen stehen weitere Punkte auf der Agenda:
- Ukraine und Naher Osten: Lagebericht und weitere Unterstützungsmaßnahmen
- Europäische Verteidigung: Stärkung der militärischen Fähigkeiten
- Migration: Umsetzung des EU-Asylpakets
- Mehrjähriger Finanzrahmen 2028-2034: Erste Orientierungsaussprache
- Wettbewerbsfähigkeit: Maßnahmen gegen den wirtschaftlichen Abschwung
Von der Leyen: „Stunde der europäischen Unabhängigkeit“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte vor dem Gipfel: „Jetzt schlägt die Stunde der europäischen Unabhängigkeit. Wir müssen uns selbst verteidigen und auf uns selbst verlassen.“
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann findet der EU Gipfel im Dezember 2025 statt?
Der EU Gipfel findet am 18. und 19. Dezember 2025 in Brüssel statt. Es ist die letzte reguläre Tagung des Europäischen Rates in diesem Jahr. Die Sitzungen können sich bei schwierigen Verhandlungen bis in die Nacht oder auf das Wochenende verlängern.
Was sind die wichtigsten Themen des EU Gipfels?
Im Zentrum stehen zwei Streitfragen: die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte (rund 210 Milliarden Euro) für die Ukraine und das Mercosur-Freihandelsabkommen mit Südamerika. Weitere Themen sind die Ukraine-Unterstützung, Migration, der EU-Haushalt 2028-2034 und die europäische Verteidigung.
Was passiert mit dem eingefrorenen russischen Geld?
Die EU-Kommission schlägt vor, das eingefrorene russische Staatsvermögen als Sicherheit für einen „Reparationskredit“ an die Ukraine zu nutzen. Das Geld würde nicht enteignet, sondern die Ukraine erhält einen zinslosen Kredit, den sie erst bei russischen Reparationszahlungen zurückzahlen muss. Belgien hat Bedenken wegen rechtlicher Risiken.
Was ist das Mercosur-Abkommen?
Mercosur ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier südamerikanischen Staaten: Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Mit insgesamt 700 Millionen Menschen wäre es die größte Freihandelszone dieser Art. Die Verhandlungen laufen seit 1999. Frankreich und Italien blockieren wegen Sorgen um ihre Landwirtschaft.
Wer nimmt am EU Gipfel teil?
Am EU Gipfel nehmen die 27 Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten teil, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz. Den Vorsitz führt EU-Ratspräsident António Costa. Außerdem nimmt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teil. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde ebenfalls erwartet.
Warum ist dieser EU Gipfel so wichtig?
Die Bundesregierung spricht von einer „Schicksalswoche“ für Europa. Bei den russischen Vermögenswerten geht es um die Frage, ob die EU die Ukraine langfristig unterstützen kann. Beim Mercosur-Abkommen steht nach 26 Jahren die Handlungsfähigkeit der EU auf dem Spiel. Beide Entscheidungen signalisieren, ob Europa geopolitisch eigenständig agieren kann.
Fazit: EU Gipfel als Bewährungsprobe für Europa
Der EU Gipfel am 18. und 19. Dezember 2025 ist mehr als ein routinemäßiges Treffen. Es geht um grundlegende Fragen der europäischen Souveränität: Kann die EU eigenständig handeln – oder bleibt sie von den Entscheidungen anderer Großmächte abhängig?
Die Entscheidung über die russischen Vermögenswerte wird zeigen, ob Europa bereit ist, Risiken einzugehen, um die Ukraine zu unterstützen. Das Mercosur-Abkommen wird beweisen, ob 27 Staaten nach Jahrzehnten noch zu gemeinsamen Entscheidungen fähig sind. Veränderungen prägen Europa – dieser Gipfel könnte richtungsweisend sein.
Stand: 18. Dezember 2025. Dieser Artikel wird nach Bekanntgabe der Gipfel-Ergebnisse aktualisiert.













