Was ist das EU Mercosur Abkommen?
Das EU Mercosur Abkommen ist ein Freihandelsvertrag zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Am 19. Dezember 2024 steht das Abkommen nach 25 Jahren Verhandlungen kurz vor der Unterzeichnung. Die neue Freihandelszone würde 715 Millionen Menschen umfassen und wäre damit die größte der Welt.
Die EU-Kommission und die Mercosur-Staaten erzielten am 6. Dezember 2024 eine politische Einigung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Deal als „Win-Win-Situation“ für beide Seiten. Geplant ist, dass rund 90 Prozent aller Zölle zwischen den Handelspartnern wegfallen.
📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 19.12.2024
EU Mercosur: Was bedeutet das Abkommen für die Wirtschaft?
Das EU Mercosur Abkommen bringt erhebliche wirtschaftliche Vorteile für europäische Unternehmen. Die Mercosur-Staaten erheben derzeit die höchsten Außenzölle weltweit. Auf Autos werden 35 Prozent fällig, auf Maschinen zwischen 14 und 20 Prozent, auf Chemikalien bis zu 18 Prozent.
| Produkt | Aktueller Zoll Mercosur | Nach Abkommen |
|---|---|---|
| Autos | 35% | 0% (stufenweise) |
| Maschinen | 14-20% | 0% |
| Chemikalien | bis 18% | 0% |
| Arzneimittel | 14% | 0% |
| Milchprodukte | 28% | 0% (Kontingent) |
Europäische Exporteure könnten durch das EU Mercosur Abkommen jährlich rund vier Milliarden Euro einsparen. Die Exporte in die südamerikanischen Länder würden nach Berechnungen der EU-Kommission um bis zu 39 Prozent wachsen.
Für die deutsche Wirtschaft ist das Abkommen besonders relevant. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt vor einem Scheitern des Deals. China stehe bereits „in den Startlöchern“ und könnte den europäischen Vorsprung in Südamerika gefährden.
Welche Länder sind gegen das Mercosur-Abkommen?
Trotz der wirtschaftlichen Chancen gibt es innerhalb der EU massiven Widerstand. Frankreich, Italien, Polen und Österreich haben Bedenken angemeldet. Die Kritik richtet sich vor allem auf den Schutz der heimischen Landwirtschaft.
Für eine Blockade im EU-Rat wären mindestens vier Mitgliedstaaten erforderlich, die zusammen 35 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Diese Sperrminorität ist bisher nicht erreicht. Die Abstimmung bleibt dennoch knapp.
Frankreichs Premier Sébastien Lecornu fordert drei zentrale Punkte:
- Eine starke und wirksame Schutzklausel
- Gleiche Produktionsnormen für Mercosur-Importe wie in der EU
- Strenge Importkontrollen
Die EU hat bereits Zugeständnisse gemacht. Eine neue Schutzklausel sieht vor, dass Zollvorteile ausgesetzt werden können, wenn die Einfuhren aus Südamerika um mehr als acht Prozent steigen. Eine intensive Überwachung gilt für Rindfleisch, Geflügel, Reis, Honig, Eier, Knoblauch, Ethanol, Zitrusfrüchte und Zucker.
EU-Mercosur und die Landwirtschaft: Berechtigt die Sorge?
Europäische Bauernverbände warnen vor unfairem Wettbewerb. Die Mercosur-Staaten können Rindfleisch, Geflügel und Zucker deutlich günstiger produzieren. Standards für Pestizideinsatz und Tierhaltung sind weniger streng als in der EU.
Die EU-Kommission beschwichtigt: Der Zugang zum europäischen Markt bleibe begrenzt. Für Rindfleisch gilt ein Kontingent von 99.000 Tonnen mit einem reduzierten Zollsatz von 7,5 Prozent. Das entspricht nur 1,5 Prozent der gesamten Rindfleischproduktion in Europa.
Bei Geflügel sind 180.000 Tonnen zollfreie Importe vorgesehen – das macht 1,3 Prozent des EU-Verbrauchs aus. Jedes importierte Produkt muss zudem die strengen Lebensmittelsicherheitsstandards der EU erfüllen.
Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Abkommen
Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren das Abkommen scharf. Der erhöhte Rindfleischexport aus Südamerika könnte die Abholzung des Amazonas-Regenwalds um jährlich fünf Prozent steigern.
Das nachverhandelte Abkommen enthält neue Nachhaltigkeitsklauseln. Das Pariser Klimaabkommen wird zum wesentlichen Bestandteil der Handelsbeziehungen. Die Mercosur-Staaten verpflichten sich zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.
Die EU stellt im Rahmen von Global Gateway 1,8 Milliarden Euro bereit. Diese Mittel sollen den ökologischen und digitalen Wandel in den Mercosur-Ländern unterstützen. Kritiker halten die Zusagen dennoch für unzureichend.
Wann tritt das EU Mercosur Abkommen in Kraft?
Die Unterzeichnung war ursprünglich für den 21. Dezember 2024 in Brasilien geplant. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigte beim EU-Gipfel am 19. Dezember eine Verschiebung auf Anfang Januar 2025 an.
Nach der Unterzeichnung folgen weitere Schritte:
- Juristische Prüfung durch die EU-Kommission
- Übersetzung in alle EU-Amtssprachen
- Zustimmung im EU-Rat (qualifizierte Mehrheit erforderlich)
- Abstimmung im Europäischen Parlament
- Ratifizierung durch nationale Parlamente (falls erforderlich)
Experten rechnen mit einem Inkrafttreten frühestens 2026 oder 2027. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni hat ihre Zustimmung an zusätzliche Schutzmaßnahmen für Landwirte geknüpft. Brasiliens Präsident Lula da Silva drohte bereits mit einem Rückzug, sollte die EU weiter zögern.
EU-Mercosur als Signal gegen Trump
Das EU Mercosur Abkommen hat auch eine geopolitische Dimension. Die EU will mit dem Deal ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump setzen. Europa positioniert sich als verlässlicher Handelspartner, während die USA mit Strafzöllen drohen.
Die Hohe Vertreterin Kaja Kallas sprach von einem „historischen Abkommen“ in einer Zeit, in der positive Nachrichten gebraucht werden. Das EU-Mercosur-Abkommen schützt zudem über 340 europäische Herkunftsbezeichnungen – von Nürnberger Rostbratwürstchen bis zum Dresdner Christstollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das Mercosur-Abkommen einfach erklärt?
Das EU Mercosur Abkommen ist ein Freihandelsvertrag zwischen der EU und vier südamerikanischen Ländern (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay). Es soll Zölle abbauen und den Handel erleichtern. Die Verhandlungen liefen über 25 Jahre.
Welche Länder gehören zum Mercosur?
Zum Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Venezuela war von 2012 bis 2016 Mitglied, wurde aber wegen politischer Entwicklungen suspendiert.
Ist das EU-Mercosur-Abkommen schon in Kraft?
Nein, das EU Mercosur Abkommen ist noch nicht in Kraft (Stand Dezember 2024). Am 6. Dezember 2024 wurde eine politische Einigung erzielt. Die Unterzeichnung ist für Anfang Januar 2025 geplant. Das Inkrafttreten wird für 2026 oder 2027 erwartet.
Was bedeutet das Mercosur-Abkommen für deutsche Unternehmen?
Deutsche Unternehmen profitieren von wegfallenden Zöllen. Besonders Automobil-, Maschinen- und Chemiebranche sparen Milliarden. Der Zugang zu einem Markt mit 270 Millionen Verbrauchern wird erleichtert.
Warum ist Frankreich gegen das Mercosur-Abkommen?
Frankreich befürchtet unfairen Wettbewerb für seine Landwirte. Günstigere Importe aus Südamerika könnten französische Rindfleisch- und Geflügelproduzenten unter Druck setzen. Paris fordert strenge Schutzklauseln und gleiche Produktionsstandards.
Fazit: EU-Mercosur-Abkommen bleibt umstritten
Das EU Mercosur Abkommen steht nach einem Vierteljahrhundert Verhandlungen vor dem Abschluss. Für europäische Unternehmen bietet die größte Freihandelszone der Welt enorme Chancen. Gleichzeitig bleiben Bedenken bei Landwirtschaft und Umweltschutz. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die EU-Staaten den Deal mehrheitlich unterstützen. Eines ist sicher: Das EU-Mercosur-Abkommen wird die Handelsbeziehungen zwischen Europa und Südamerika grundlegend verändern.
Über den Autor
Redaktion mindelmedia-news.de | Wirtschaft & Politik
Die Redaktion berichtet über aktuelle wirtschafts- und handelspolitische Entwicklungen in Europa und weltweit.













