Lesezeit: ca. 8 Minuten | Stand: 11.02.2026
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Gerresheimer Aktie: Was ist 2025 passiert?
- BaFin-Prüfung und Bill-and-Hold: Was steckt dahinter?
- Komplett neuer Vorstand: Wer führt Gerresheimer jetzt?
- MDAX-Abstieg in den SDAX: Was bedeutet das für Anleger?
- Was sagen die Analysten zur Gerresheimer Aktie?
- Gerresheimer Aktie: Technische Analyse und Chart
- Gerresheimer Aktie Prognose 2026: Was kommt als Nächstes?
- Was macht die Gerresheimer AG eigentlich?
- Häufig gestellte Fragen zur Gerresheimer Aktie
- Fazit: Gerresheimer Aktie – Turnaround-Chance mit Risiko
Das Wichtigste in Kürze
- Kurs: Die Gerresheimer Aktie notiert bei rund 27,30 Euro (Stand: 10.02.2026) und hat am 09.02.2026 die 50-Tage-Linie nach oben gekreuzt (boerse.de).
- SDAX: Seit dem 22. Dezember 2025 ist Gerresheimer nicht mehr im MDAX, sondern im SDAX gelistet.
- Führungswechsel: Interims-CEO Uwe Röhrhoff (seit 01.11.2025) und neuer CFO Wolf Lehmann (seit 01.09.2025) führen das Unternehmen.
- BaFin-Prüfung: Die BaFin prüft die Bilanzierung von Bill-and-Hold-Vereinbarungen – 28 Mio. Euro Umsatz werden korrigiert.
- Analysten: Das mittlere Kursziel liegt laut MarketScreener bei 33,81 Euro bei 15 Analysten. Empfehlung: Halten.
Stand: 11.02.2026 | Quellen: boerse.de, BaFin, MarketScreener, gerresheimer.com
Gerresheimer Aktie: Was ist 2025 passiert?
Die Gerresheimer Aktie hat ein desaströses Jahr 2025 hinter sich. Der Düsseldorfer Pharmaverpackungs-Spezialist, gegründet 1864 und mit rund 13.600 Mitarbeitern an über 35 Standorten weltweit tätig, erlebte einen Kurseinbruch von historischem Ausmaß. Vom 52-Wochen-Hoch bei 85 Euro (März 2025) fiel die Aktie zeitweise auf unter 23 Euro – ein Minus von mehr als 70 Prozent. (Lesen Sie auch: Cam Bolton: Schwere Verletzung bei Olympia-Training)
Die Ursachen für den Absturz waren vielfältig: Drei Gewinnwarnungen in nur wenigen Monaten (Juni, Juli und Oktober 2025) erschütterten das Vertrauen der Anleger nachhaltig. Statt des ursprünglich erwarteten Wachstums rechnet Gerresheimer für das Geschäftsjahr 2025 nun mit einem organischen Umsatzrückgang von 2 bis 4 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei 18,5 bis 19 Prozent liegen – deutlich unter den zuvor angepeilten 20 Prozent.

BaFin-Prüfung und Bill-and-Hold: Was steckt dahinter?
Ein weiterer Belastungsfaktor für die Gerresheimer Aktie ist die Bilanzprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Behörde leitete am 18. September 2025 eine anlassbezogene Prüfung des Konzernabschlusses 2024 ein. Im Fokus stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Gerresheimer Waren bereits in Rechnung gestellt hat, obwohl die physische Übergabe an den Kunden noch nicht erfolgt war.
Die BaFin stellte konkrete Anhaltspunkte fest, dass Umsätze entgegen den IFRS-Vorschriften zu früh erfasst wurden. Eine von Gerresheimer beauftragte externe Kanzlei bestätigte, dass die Erfassung von Umsätzen aus diesen Vereinbarungen „durchgängig nicht den Anforderungen der IFRS entsprach“. Der Vorstand entschied daraufhin am 22. Dezember 2025, sämtliche im Konzernabschluss 2024 gebuchten Bill-and-Hold-Umsätze in Höhe von rund 28 Millionen Euro zu korrigieren. Gerresheimer verzichtet zukünftig vollständig auf diese Bilanzierungspraxis.
Im Verhältnis zum Gesamtumsatz von 2,036 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024 wirkt die Korrektur überschaubar – rund 1,4 Prozent. Der Vertrauensschaden wiegt allerdings schwerer als die reine Zahl vermuten lässt.
Komplett neuer Vorstand: Wer führt Gerresheimer jetzt?
Die Krise führte zu einem kompletten Austausch der Führungsspitze. Nach nur sieben Jahren trat CEO Dietmar Siemssen am 31. Oktober 2025 im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat zurück. Als Interims-CEO kehrte Uwe Röhrhoff zurück – ein alter Bekannter, der das Unternehmen bereits von 2010 bis 2017 geführt hatte und insgesamt 26 Jahre bei Gerresheimer in verschiedenen Führungspositionen tätig war.
Bereits im September 2025 hatte CFO Dr. Bernd Metzner das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger Wolf Lehmann bringt rund 30 Jahre internationale Führungserfahrung mit. Zum 1. November 2025 stieß zudem Achim Schalk als neuer Vorstand hinzu und übernahm die Verantwortung für die Geschäftsbereiche Moulded Glass, Tubular Glass und Syringe Systems. (Lesen Sie auch: Olympische Winterspiele 2026: Eishockey-Favoriten)
MDAX-Abstieg in den SDAX: Was bedeutet das für Anleger?
Die Deutsche Börse besiegelte am 3. Dezember 2025 den Abstieg: Gerresheimer musste den MDAX verlassen und notiert seit dem 22. Dezember 2025 im kleineren SDAX. Die Marktkapitalisierung war nach dem Kursverfall unter die kritische Schwelle von einer Milliarde Euro gefallen.
Für Anleger hat der Index-Wechsel handfeste Folgen. ETFs und passiv gemanagte Fonds, die den MDAX physisch nachbilden, mussten ihre Gerresheimer-Bestände zwangsweise abstoßen. Gleichzeitig nahmen SDAX-ETFs den Titel auf, die jedoch über deutlich geringere Volumina verfügen. Viele internationale Fonds dürfen laut ihren Anlagerichtlinien nur in Large- und Mid-Caps investieren, sodass Gerresheimer aus ihrem Raster fällt. Die französische Großbank BNP Paribas reduzierte ihre Beteiligung nach einer Stimmrechtsmitteilung vom Dezember 2025 von über 4 Prozent auf 0,00 Prozent.
Gerresheimer Aktie – Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| ISIN / WKN | DE000A0LD6E6 / A0LD6E |
| Kurs (10.02.2026) | ca. 27,30 EUR |
| 52-Wochen-Hoch / -Tief | 85,00 EUR / ca. 22 EUR |
| Allzeithoch | 121,40 EUR (04.09.2023) |
| Index | SDAX (seit 22.12.2025) |
| KGV | 23,52 |
| Dividendenrendite | 0,05 % |
| Mittleres Analysten-Kursziel | 33,81 EUR (15 Analysten) |
| Geschäftsbereiche | Tubular Glass, Moulded Glass, Plastic Systems, Life Science Research |
| Mitarbeiter | ca. 13.600 |
Quellen: finanzen.net, boerse.de, MarketScreener | Stand: 10.02.2026. Angaben ohne Gewähr.
Was sagen die Analysten zur Gerresheimer Aktie?
Die Einschätzungen der Analysten gehen weit auseinander – ein Spiegelbild der Unsicherheit rund um den Titel. Laut MarketScreener bewerten 15 Analysten die Gerresheimer Aktie mit einem durchschnittlichen Kursziel von 33,81 Euro. Das höchste Kursziel liegt bei 55 Euro, das niedrigste bei 22 Euro. Die Konsensempfehlung lautet „Halten“.

Jefferies bleibt mit einem Kaufrating und einem Kursziel von 34,10 Euro optimistisch und sieht Raum für positive Überraschungen, falls sich die Fundamentaldaten stabilisieren. Die DZ Bank hingegen rät mit einem Kursziel von 23 Euro zum Verkauf. Bernstein Research stuft die Aktie auf „Underperform“ mit einem Ziel von 25,68 Euro ein, während Berenberg nach einem Treffen mit dem neuen CFO Wolf Lehmann bei „Hold“ und einem Kursziel von 30 Euro bleibt. (Lesen Sie auch: Sofia Hellqvist: Prinzessin äußert sich zu Treffen)
Gerresheimer Aktie: Technische Analyse und Chart
Charttechnisch zeigt die Gerresheimer Aktie erste Stabilisierungszeichen. Am 9. Februar 2026 kreuzte der Kurs die 50-Tage-Linie nach oben – ein Zeichen, dass Käufer wieder Interesse entwickeln. Der langfristige Abwärtstrend besteht allerdings seit dem 20. September 2024 weiterhin fort.
Die nächste große Hürde liegt bei der 200-Tage-Linie, die aktuell bei rund 44 Euro verläuft. Ein Anstieg dorthin würde einem Kursplus von knapp 60 Prozent entsprechen – ambitioniert, aber nicht ausgeschlossen, falls die Geschäftszahlen Ende Februar positiv überraschen. Sollte die Unterstützung im Bereich um 23 Euro nicht halten, droht laut boerse.de ein Rückfall auf das 10-Jahres-Tief.
Gerresheimer Aktie Prognose 2026: Was kommt als Nächstes?
Der Pharma-Verpackungsspezialist steht vor einem entscheidenden Quartal. Am 26. Februar 2026 veröffentlicht Gerresheimer den Jahresabschluss 2025 – den ersten vollständigen Finanzbericht unter der neuen Führung von Interims-CEO Uwe Röhrhoff.
Worauf Anleger beim Geschäftsbericht achten sollten:
- Wie entwickelt sich das operative Geschäft nach dem Führungswechsel?
- Welche Fortschritte gibt es bei der geplanten Abtrennung des Moulded-Glass-Geschäfts, die im August 2025 angekündigt wurde?
- Wie ist der aktuelle Stand der BaFin-Prüfung?
- Welchen Ausblick gibt das Management für das Geschäftsjahr 2026?
Positiv zu werten ist, dass die Aufarbeitung der Bilanzierungsfehler transparent erfolgt. Gerresheimer spricht offen von einem Rechnungslegungsfehler und kooperiert mit der BaFin. Großinvestoren wie J.P. Morgan und Active Ownership Capital bleiben nach Medienberichten an Bord. Das Geschäftsmodell profitiert langfristig von Megatrends wie der alternden Gesellschaft und steigenden Gesundheitsausgaben.
Auf der Risikoseite stehen die weiterhin schwache operative Entwicklung, die fast vollständig gestrichene Dividende und die Unsicherheit über die Dauer der BaFin-Prüfung. Die Verschuldung des Konzerns bleibt ein weiteres Thema, das Anleger genau beobachten.
Chancen und Risiken der Gerresheimer Aktie
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Erfahrener Interims-CEO Röhrhoff kennt das Unternehmen | BaFin-Prüfung noch nicht abgeschlossen |
| Transparente Aufarbeitung der Bilanzierungsfehler | Organischer Umsatzrückgang 2-4% in 2025 |
| Langfristiger Pharma-Megatrend intakt | Dividende fast vollständig gestrichen |
| Technische Stabilisierung (50-Tage-Linie gekreuzt) | SDAX-Abstieg reduziert institutionelle Sichtbarkeit |
| Geplante Abtrennung Moulded Glass könnte Wert heben | Hohe Verschuldung und schwache Margen |
Quellen: gerresheimer.com, dpa-AFX, boerse.de, diverse Analysten. Keine Anlageberatung.
Was macht die Gerresheimer AG eigentlich?
Für Anleger, die den Titel noch nicht kennen: Die Gerresheimer AG mit Sitz in Düsseldorf ist ein weltweit führender Hersteller hochwertiger Spezialprodukte aus Glas und Kunststoff für die Pharma- und Healthcare-Industrie. Das 1864 gegründete Unternehmen produziert unter anderem Arzneimittelfläschchen, Ampullen, vorfüllbare Spritzen, Insulin-Pens und Inhalatoren. Gerresheimer bedient daneben auch die Kosmetik- sowie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie und ist mit über 35 Standorten in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien global aufgestellt.
Der Konzern gliedert sich in vier Geschäftsbereiche: Tubular Glass, Moulded Glass, Plastic Systems und Life Science Research. Im August 2025 kündigte Gerresheimer an, das Moulded-Glass-Geschäft ab dem Geschäftsjahr 2026 vom Rest des Konzerns zu trennen – eine strategische Maßnahme, die unter dem neuen Management weiter vorangetrieben werden dürfte. (Lesen Sie auch: Schlangen: Rekordverdächtig: Längste wildlebende Schlange)
⚠️ Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und enthält keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Jede Investition in Aktien ist mit Risiken verbunden. Anleger sollten eigene Recherche betreiben und gegebenenfalls einen unabhängigen Finanzberater konsultieren.
Häufig gestellte Fragen zur Gerresheimer Aktie
Warum ist die Gerresheimer Aktie so stark gefallen?
Die Gerresheimer Aktie verlor 2025 rund 70 Prozent an Wert. Auslöser waren drei Gewinnwarnungen, eine BaFin-Prüfung wegen fehlerhafter Bilanzierung von Bill-and-Hold-Vereinbarungen, der komplette Austausch der Führungsspitze und der daraus resultierende Abstieg vom MDAX in den SDAX.
Ist die Gerresheimer Aktie unterbewertet?
Das mittlere Analysten-Kursziel liegt bei 33,81 Euro (Stand: Februar 2026, MarketScreener), während der aktuelle Kurs bei rund 27 Euro notiert. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von gut 20 Prozent. Die Einschätzungen gehen jedoch weit auseinander – von 22 Euro (Verkaufsempfehlung) bis 55 Euro (Kaufempfehlung).
Wer ist der neue CEO von Gerresheimer?
Seit dem 1. November 2025 führt Uwe Röhrhoff Gerresheimer als Interims-CEO. Der 65-Jährige war bereits von 2010 bis 2017 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens und bringt insgesamt 26 Jahre Erfahrung bei Gerresheimer mit.
Wann veröffentlicht Gerresheimer den Geschäftsbericht 2025?
Der Jahresabschluss 2025 soll am 26. Februar 2026 veröffentlicht werden. Es ist der erste vollständige Finanzbericht unter der neuen Führung und dürfte richtungsweisend für die weitere Kursentwicklung sein.
Was bedeutet der SDAX-Abstieg für Gerresheimer-Aktionäre?
Seit dem 22. Dezember 2025 notiert Gerresheimer im SDAX statt im MDAX. Der Wechsel führte zu Zwangsverkäufen durch MDAX-ETFs und reduziert die Sichtbarkeit bei internationalen institutionellen Investoren, da viele Fonds nur in Large- und Mid-Caps investieren dürfen.
Zahlt Gerresheimer noch Dividende?
Die Dividende wurde für 2025 fast vollständig gestrichen. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei lediglich 0,05 Prozent (finanzen.net). Ob und wann wieder eine substanzielle Dividende gezahlt wird, hängt von der operativen Erholung ab.
Was prüft die BaFin bei Gerresheimer?
Die BaFin prüft seit September 2025 die Bilanzierung von Bill-and-Hold-Vereinbarungen im Konzernabschluss 2024. Gerresheimer hat daraufhin Umsätze in Höhe von 28 Millionen Euro korrigiert und verzichtet künftig auf diese Bilanzierungspraxis. Die Prüfung läuft noch.
Fazit: Gerresheimer Aktie – Turnaround-Chance mit Risiko
Die Gerresheimer Aktie bietet eine klassische Turnaround-Spekulation. Die schlechten Nachrichten des Jahres 2025 – Gewinnwarnungen, BaFin-Prüfung, CEO-Wechsel, MDAX-Abstieg – sind im Kurs eingepreist. Das Fokus-Keyword in der Bewertung der Analysten lautet aktuell „Halten“, das mittlere Kursziel von 33,81 Euro liegt gut 20 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der Geschäftsbericht am 26. Februar 2026 wird zum entscheidenden Termin: Liefert das neue Management unter Interims-CEO Röhrhoff überzeugende Signale für eine operative Wende, könnte die Aktie ihren Boden gefunden haben. Bleiben die Zahlen schwach, droht ein Rückfall in Richtung der Tiefststände.
Letzte Aktualisierung: 11.02.2026










