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Guido Westerwelle war einer der prägendsten und zugleich polarisierendsten Politiker der Berliner Republik. Als langjähriger FDP-Vorsitzender, Bundesaußenminister und Vizekanzler hat er die deutsche Politik über Jahrzehnte mitgestaltet. Anlässlich seines 10. Todestages am 18. März 2026 rückt sein Wirken erneut in den Fokus der Öffentlichkeit, unter anderem durch eine neue WDR-Dokumentation.
Das Wichtigste in Kürze
- Politischer Werdegang: Guido Westerwelle (* 27. Dezember 1961; † 18. März 2016) war von 2001 bis 2011 FDP-Bundesvorsitzender, von 2009 bis 2013 Bundesaußenminister und von 2009 bis 2011 Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland.
- Historischer Wahlerfolg: Er führte die FDP bei der Bundestagswahl 2009 zu ihrem historisch besten Ergebnis von 14,6 Prozent.
- Privatleben: Westerwelle war der erste offen homosexuell lebende Vizekanzler und Außenminister Deutschlands. 2010 ging er eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit dem Eventmanager Michael Mronz ein.
- Krankheit und Tod: Im Juni 2014 wurde bei ihm eine akute myeloische Leukämie diagnostiziert. Seinen Kampf gegen die Krankheit machte er öffentlich und starb am 18. März 2016 im Alter von 54 Jahren an den Folgen.
- Vermächtnis: Nach seinem Ausscheiden aus der Politik gründete er 2013 die „Westerwelle Foundation“, die sich für Demokratie und internationale Verständigung einsetzt.
- Aktuelles Gedenken: Zum 10. Todestag am 18. März 2026 erscheint eine WDR-Dokumentation mit bisher unveröffentlichten Tonbandaufnahmen.
Inhaltsverzeichnis
Wer war Guido Westerwelle?
Am 06.03.2026 jährt sich der Todestag von Guido Westerwelle zum zehnten Mal, einem Juristen und Politiker, der die Freie Demokratische Partei (FDP) und die deutsche Politiklandschaft nachhaltig prägte. Geboren am 27. Dezember 1961 in Bad Honnef, wuchs er in Bonn auf. Nach dem Jurastudium und der Promotion zum Dr. jur. arbeitete er ab 1991 als Rechtsanwalt. Seine politische Laufbahn begann früh: Bereits 1980 trat er in die FDP ein und war Gründungsmitglied der Jungen Liberalen, deren Bundesvorsitzender er von 1983 bis 1988 war.
Der politische Aufstieg von Guido Westerwelle
Westerwelles Karriere innerhalb der FDP war steil. Von 1994 bis 2001 diente er als Generalsekretär, bevor er 2001 zum Bundesvorsitzenden gewählt wurde. Dieses Amt hatte er zehn Jahre inne. Er modernisierte die Partei und positionierte sie neu, was ihm nicht nur Zustimmung einbrachte. Seine Strategie, die FDP als eigenständige Kraft zu etablieren, mündete in der Kanzlerkandidatur 2002. Obwohl diese nicht zum direkten Erfolg führte, schärfte sie das Profil der Partei. Seine oft als schrill empfundenen Kampagnen, wie Auftritte im „Big Brother“-Container oder das „Guidomobil“, waren umstritten, sorgten aber für mediale Aufmerksamkeit.
Der Höhepunkt seines politischen Schaffens war die Bundestagswahl 2009. Unter seiner Führung erzielte die FDP mit 14,6 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Ergebnis in der Geschichte und bildete eine Koalition mit der CDU/CSU unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Westerwelle wurde daraufhin Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler. Die damalige politische Landschaft war von der globalen Finanzkrise geprägt, was die Regierungsarbeit erheblich erschwerte.
Außenminister und Vizekanzler: Die Regierungsjahre
Als Außenminister setzte Guido Westerwelle eigene Akzente. Er setzte sich für nukleare Abrüstung ein und forderte den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland. Seine Amtszeit war jedoch auch von Kontroversen begleitet. Insbesondere die deutsche Enthaltung bei der UN-Resolution zum Militäreinsatz in Libyen 2011 sorgte international für Kritik und stieß auch innenpolitisch auf Widerspruch. Zudem geriet er wegen der Mitnahme von Wirtschaftsvertretern auf seinen Reisen in die Kritik.
Innerparteilich verlor Westerwelle nach einer Serie von Wahlniederlagen der FDP bei Landtagswahlen an Rückhalt. 2011 trat er vom Amt des Parteivorsitzenden zurück und gab auch das Amt des Vizekanzlers an Philipp Rösler ab. Er blieb jedoch bis zum Ende der Legislaturperiode 2013 Bundesaußenminister. Der darauffolgende Misserfolg der FDP bei der Bundestagswahl 2013, bei der die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, bedeutete auch das vorläufige Ende von Westerwelles parlamentarischer Karriere.
Ein Leben im öffentlichen Interesse: Coming-out und Partnerschaft
Guido Westerwelle war nicht nur als Politiker eine öffentliche Figur. Er war der erste deutsche Spitzenpolitiker in einem so hohen Regierungsamt, der offen homosexuell lebte. Sein öffentliches Coming-out erfolgte 2004, als er in Begleitung seines Partners Michael Mronz zum 50. Geburtstag von Angela Merkel erschien. Dieser Schritt wurde als Meilenstein für die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität in Deutschland gewertet. Am 17. September 2010 gingen Westerwelle und der Sport- und Eventmanager Mronz in Bonn eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Mronz wurde zu seinem wichtigsten Halt, insbesondere in den letzten, schweren Jahren seines Lebens.
Kampf gegen den Krebs und früher Tod
Im Juni 2014, nur wenige Monate nach seinem Abschied aus der aktiven Politik, erhielt Guido Westerwelle die schockierende Diagnose: akute myeloische Leukämie (AML), eine besonders aggressive Form von Blutkrebs. Die Diagnose war ein Zufallsbefund im Rahmen einer Voruntersuchung für eine Knie-Operation. Westerwelle entschied sich, offen mit seiner Erkrankung umzugehen. In seinem Buch „Zwischen zwei Leben. Von Liebe, Tod und Zuversicht“, das er gemeinsam mit dem Journalisten Dominik Wichmann schrieb, gab er sehr persönliche Einblicke in seinen Kampf gegen die Krankheit.
Sein offener Umgang mit der Leukämie und sein Appell, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen, bewegten viele Menschen und erhöhten die Aufmerksamkeit für die Arbeit von Organisationen wie der DKMS. Trotz einer zwischenzeitlichen Besserung nach einer Stammzelltransplantation erlag Guido Westerwelle am 18. März 2016 im Alter von nur 54 Jahren in der Universitätsklinik Köln den Folgen seiner Erkrankung.
Das Erbe: Die Westerwelle Foundation
Noch vor seiner Krankheitsdiagnose rief Guido Westerwelle im Dezember 2013 gemeinsam mit dem Unternehmer Ralph Dommermuth (United Internet) die „Westerwelle Foundation – Stiftung für internationale Verständigung“ ins Leben. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft und Toleranz weltweit zu fördern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterstützung von jungen Unternehmern in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Stiftung betreibt unter anderem sogenannte „Westerwelle Startup-Häuser“ in verschiedenen afrikanischen Ländern, wie zum Beispiel in Tunis und Kigali. Nach seinem Tod übernahm sein Ehemann Michael Mronz den Vorsitz der Stiftung.
Zitate, die in Erinnerung bleiben
Guido Westerwelle war bekannt für seine rhetorische Schärfe und prägnante Formulierungen. Einige seiner Zitate sind bis heute bekannt:
| Zitat | Kontext |
|---|---|
| „Demokratischer Sozialismus, das ist so eine Art vegetarischer Schlachthof.“ | FDP-Parteitag, Juni 2007, als Abgrenzung zur PDS/Linkspartei. |
| „Wir zahlen alle gerne Steuern für Bedürftige, aber eben nicht für Findige.“ | Debatte um Sozialleistungen und Leistungsgerechtigkeit, 2010. |
| „Die Sektsteuer wurde zu Kaiser Wilhelms Zeiten eingeführt, um die Flotte zu finanzieren. Die Flotte wurde inzwischen zwei Mal versenkt, die Sektsteuer zehnmal erhöht.“ | Plädoyer für Steuervereinfachung und den Abbau alter Abgaben. |
| „Es geht nicht darum, das Populäre zu machen, sondern das Richtige zu tun. Und dann muss man dafür sorgen, dass es populär wird.“ | Grundsatz seiner politischen Überzeugung. |
Fazit: Ein Vermächtnis, das bleibt
Guido Westerwelle war eine komplexe und oft widersprüchliche Persönlichkeit, die die deutsche Politik über Jahre hinweg entscheidend mitgeprägt hat. Sein unbedingter Wille zur Macht, sein rhetorisches Talent, aber auch seine Fähigkeit zur Selbstironie und später seine öffentliche Verletzlichkeit im Angesicht des Todes zeichnen das Bild eines außergewöhnlichen Politikers. Sein Einsatz für bürgerliche Freiheiten, wirtschaftliche Vernunft und sein Mut, als erster Vizekanzler offen zu seiner Homosexualität zu stehen, bleiben sein politisches und gesellschaftliches Vermächtnis. Die Arbeit seiner Stiftung führt seinen Einsatz für eine liberale und weltoffene Gesellschaft fort.
Über den Autor
Hans-Jürgen Schmidt ist studierter Politikwissenschaftler und seit über 15 Jahren als Journalist und Online-Redakteur für führende deutsche Nachrichtenportale tätig. Seine Schwerpunkte sind die deutsche Innenpolitik und die Europapolitik. Für mindelmedia-news.de analysiert er die prägenden Figuren und Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte.
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Facebook: Zum 10. Todestag von Guido Westerwelle: Wir blicken zurück auf das Leben eines Politikers, der Deutschland bewegt hat – vom FDP-Chef zum Außenminister. Was bleibt von seinem Erbe? #GuidoWesterwelle #FDP #Politik #Erinnerung
Twitter/X: Heute vor 10 Jahren starb Guido Westerwelle. Er war Vizekanzler, Außenminister und der erste offen schwule Spitzenpolitiker in diesen Ämtern. Eine neue Doku blickt auf sein Leben. #Westerwelle #Liberalismus #NeverForget
Instagram: Guido Westerwelle (1961-2016). Zum 10. Todestag erinnern wir an einen der prägendsten liberalen Politiker Deutschlands. Sein politischer Aufstieg, sein Kampf gegen den Krebs und sein bleibendes Erbe durch die @westerwellefoundation. #GuidoWesterwelle #Politik #Geschichte #FDP #Portrait









