Wie entwickelt sich die Konjunktur im Handwerk? Das deutsche Handwerk kämpft weiterhin mit den Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit. Für das Jahr 2025 wird lediglich Stagnation erwartet, während für 2026 zwar ein leichtes Umsatzwachstum prognostiziert wird, dies jedoch mit einem deutlichen Stellenabbau einhergehen dürfte. Die Branche befindet sich in einer schwierigen Lage, geprägt von hohen Kosten und bürokratischen Hürden. Handwerk Konjunktur steht dabei im Mittelpunkt.

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Zahlen & Fakten
- Umsatzwachstum 2026: Erwartet bei 1 Prozent
- Jobverluste 2026: Rund 60.000 Stellen
- Belastungsfaktoren: Bürokratie, Steuern, Sozialabgaben, Energiepreise
- Stabile Bereiche: Gebäudetechnik, Energieeffizienz, Klimaanpassung
Wie wirkt sich die Konjunkturflaute auf das Handwerk aus?
Die Konjunktur im Handwerk wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Hohe Energiekosten, lange Genehmigungsverfahren und eine zunehmende Bürokratie belasten viele Betriebe. Während einige Bereiche wie Gebäudetechnik und Klimaanpassung stabil bleiben, stehen energieintensive Betriebe, das Bauhauptgewerbe und Lebensmittelhandwerke unter erheblichem Druck. Diese Entwicklung führt zu einer gedämpften Erwartungshaltung für die kommenden Jahre.
Laut einer Meldung von Stern, hatte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für 2025 ursprünglich ein leichtes Wachstum von einem Prozent erwartet, geht aber inzwischen von Stagnation aus. Diese Korrektur zeigt die Unsicherheit und die Herausforderungen, mit denen das Handwerk konfrontiert ist. Die steigenden Kosten und die komplexen Rahmenbedingungen erschweren es den Betrieben, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu wachsen.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Besonders betroffen von der Konjunkturflaute sind energieintensive Handwerksbetriebe, das Bauhauptgewerbe und das Lebensmittelhandwerk. Diese Bereiche leiden stark unter den hohen Energiepreisen und den steigenden Kosten für Rohstoffe. Zudem belasten lange Genehmigungsverfahren die Bauwirtschaft, was zu Verzögerungen und höheren Kosten führt. Das Lebensmittelhandwerk sieht sich zusätzlich mit veränderten Konsumgewohnheiten und einem zunehmenden Wettbewerb durch industrielle Anbieter konfrontiert.
Im Gegensatz dazu entwickeln sich Bereiche wie Gebäudetechnik, Energieeffizienz und Klimaanpassung weiterhin stabil. Diese Branchen profitieren von einem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Energieeinsparung. Die Nachfrage nach energieeffizienten Sanierungen und klimafreundlichen Technologien steigt, was diesen Handwerksbetrieben zugutekommt. (Lesen Sie auch: Mietpreisbremse Kritik: Verschärfung erhöht Wohnungsnot?)
Was bedeutet das für Verbraucher?
Die Konjunktur im Handwerk hat direkte Auswirkungen auf die Verbraucher. Steigende Kosten für Handwerksleistungen sind eine Folge der angespannten wirtschaftlichen Lage. Insbesondere Reparaturen, Sanierungen und Neubauten können teurer werden. Zudem könnten längere Wartezeiten entstehen, da viele Betriebe mit Personalmangel und einer hohen Auslastung zu kämpfen haben.
Verbraucher sollten sich daher frühzeitig um Angebote bemühen und verschiedene Handwerksbetriebe vergleichen. Es kann auch sinnvoll sein, energieeffiziente Maßnahmen zu prüfen, um langfristig Kosten zu sparen. Die Verbraucherzentrale bietet hierzu unabhängige Beratung und Unterstützung.
Welche Rolle spielt die Politik?
Die Politik spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Handwerks. Maßnahmen zur Bürokratieabbau, zur Senkung der Energiekosten und zur Förderung von Investitionen sind von großer Bedeutung. Der ZDH hat die Bundesregierung aufgefordert, die Rahmenbedingungen für das Handwerk zu verbessern und die Betriebe von unnötigen Belastungen zu befreien. Kritisiert wird, dass viele angekündigte Reformen noch nicht umgesetzt wurden und die Entlastungspakete nur langsam bei den Betrieben ankommen.
Positiv werden verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen und die Modernisierungsagenda der Regierung bewertet. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks zu stärken und die Betriebe bei der Modernisierung ihrer Produktionsprozesse zu unterstützen. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwieweit diese Maßnahmen tatsächlich greifen und die gewünschten Effekte erzielen werden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet verschiedene Förderprogramme für Handwerksbetriebe an, die Investitionen in Energieeffizienz und Digitalisierung unterstützen.
Laut dem Statistischen Bundesamt sind im deutschen Handwerk rund eine Million Betriebe tätig, die etwa 5,6 Millionen Menschen beschäftigen. Der Jahresumsatz des Handwerks beträgt rund 600 Milliarden Euro. (Lesen Sie auch: Lebensmittel: Mehr Bio-Gemüse aus heimischem Anbau)
Wie sieht die internationale Konkurrenz aus?
Im internationalen Vergleich steht das deutsche Handwerk vor besonderen Herausforderungen. In einigen Ländern sind die Lohnkosten niedriger und die bürokratischen Hürden geringer. Dies führt zu einem Wettbewerbsnachteil für deutsche Handwerksbetriebe, insbesondere bei Aufträgen im Ausland. Es ist daher wichtig, die Stärken des deutschen Handwerks, wie die hohe Qualität der Ausbildung und die Innovationskraft der Betriebe, zu fördern und weiter auszubauen.
Ein Blick auf die Schweiz zeigt, dass auch dort das Handwerk mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Hohe Lohnkosten und ein Fachkräftemangel belasten die Betriebe. Die Schweizer Regierung setzt jedoch verstärkt auf die Förderung der dualen Ausbildung und die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, um die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks zu erhalten. Auch in Österreich gibt es ähnliche Bemühungen, das Handwerk zu unterstützen und die Betriebe bei der Digitalisierung und der Energieeffizienz zu fördern.
Welche langfristigen Trends prägen die Konjunktur im Handwerk?
Langfristig wird die Konjunktur im Handwerk von verschiedenen Trends geprägt. Die Digitalisierung, der demografische Wandel und der Klimawandel sind zentrale Herausforderungen, denen sich die Betriebe stellen müssen. Die Digitalisierung bietet Chancen zur Effizienzsteigerung und zur Erschließung neuer Geschäftsfelder. Der demografische Wandel führt jedoch zu einem Fachkräftemangel, der die Betriebe vor große Probleme stellt. Der Klimawandel erfordert Anpassungen in vielen Bereichen des Handwerks, insbesondere im Bau- und Energiebereich.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, in die Digitalisierung der Betriebe und in klimafreundliche Technologien erforderlich. Die Politik kann durch gezielte Förderprogramme und den Abbau bürokratischer Hürden dazu beitragen, das Handwerk bei diesen Transformationsprozessen zu unterstützen.

Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der erwartete Umsatzanstieg im deutschen Handwerk für das Jahr 2026?
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) prognostiziert für das Jahr 2026 einen Umsatzanstieg von etwa einem Prozent im deutschen Handwerk. Diese Prognose steht jedoch im Kontrast zu den erwarteten Stellenverlusten in der Branche.
Welche Gründe werden für den erwarteten Stellenabbau im Handwerk genannt?
Der erwartete Stellenabbau im Handwerk wird hauptsächlich auf altersbedingtes Ausscheiden von Mitarbeitern zurückgeführt. Viele erfahrene Handwerker gehen in Rente, und es gibt nicht genügend Nachwuchs, um diese Lücke zu füllen.
Welche Handwerksbereiche sind besonders stark von der aktuellen Konjunkturlage betroffen?
Energieintensive Handwerksbetriebe, das Bauhauptgewerbe und das Lebensmittelhandwerk leiden besonders unter der aktuellen Konjunkturlage. Hohe Energiepreise und lange Genehmigungsverfahren setzen diese Bereiche unter Druck.
Welche Maßnahmen fordert das Handwerk von der Bundesregierung?
Das Handwerk fordert von der Bundesregierung Maßnahmen zur Bürokratieabbau, zur Senkung der Energiekosten und zur Förderung von Investitionen. Zudem wird kritisiert, dass viele angekündigte Reformen noch nicht umgesetzt wurden. (Lesen Sie auch: Diageo Dividende: Kürzung schockt Anleger – Was…)
Welche Bereiche innerhalb des Handwerks entwickeln sich positiv?
Bereiche wie Gebäudetechnik, Energieeffizienz und Klimaanpassung entwickeln sich weiterhin positiv. Diese Branchen profitieren von einem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Energieeinsparung in der Bevölkerung.
Die Konjunktur im Handwerk bleibt angespannt. Während einige Bereiche stabil bleiben, stehen andere vor großen Herausforderungen. Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Betriebe bei der Bewältigung der Transformationsprozesse zu unterstützen. Für Verbraucher bedeutet dies, dass Handwerksleistungen teurer werden könnten und längere Wartezeiten entstehen können. Es bleibt entscheidend, die Stärken des deutschen Handwerks zu fördern und die Betriebe bei der Anpassung an die neuen Herausforderungen zu unterstützen, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Branche zu sichern.
