Keiner ist so lustig wie Hape Kerkeling. Nun bringt er eine Kult-Figur zurück ins Kino. Ein Gespräch über seinen Kuschelbären, Trash-Stars und Markus Söder.
Kurz vor seinem Interview mit GALA erzählte Hape Kerkeling, 61, im „Zeit“- Podcast, wie sehr er es genieße, an freien Wochenenden mit seinem Mann Aldi-Kaviar zu schnabulieren. Und servierte dort noch ein Schmankerl: Dirk, den er aus der Öffentlichkeit heraushält, sehe so gut aus wie Lionel Messi und werde im Argentinienurlaub von Touristen mit dem Fußball-Superstar verwechselt. Mal sehen, denn Kerkeling reiste gemeinsam mit seinem Partner zum Interviewtag nach München an. Tatsache: Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Doch jetzt geht es um einen ganz anderen Mann in Kerkelings Leben. Einen, den nicht nur er sehr vermisst hat.
Horst Schlämmer kehrt zurück und wirkt heute ganz anders
GALA: Stromberg ist zurück, die Backstreet Boys gehen auf Tour und nun feiert Horst Schlämmer sein Kino-Comeback. Warum sehnen sich die Menschen nach Nostalgie?
Hape Kerkeling: Ich glaube, wir sehnen uns nach Zeiten zurück, in denen wir das Gefühl hatten, die Dinge besser im Griff zu haben. Das beginnt bei der Weltlage und reicht bis hin zur Deutschen Bahn. Man hat das Gefühl, dass derzeit vieles aus den Fugen gerät. In solchen Momenten flüchten wir uns gerne in die Erinnerung an vermeintlich bessere Tage. Ob diese objektiv wirklich „besser“ waren, sei dahingestellt – aber sich aus diesen positiven Retrospektiven zu speisen, hat eine wohltuende Wirkung.
Horst Schlämmer ist eigentlich doch ein ganz liebenswerter Typ, finden Sie das auch?
Absolut, und interessanterweise erkennt man das heute deutlicher denn je. Vor 16 Jahren galt er vielen noch als extremes Ekelpaket. Doch in unserer heutigen, oft toxischen Umgebung wirkt er fast schon wie ein harmloses Kuschelbärchen, das zwar gelegentlich einen derben Spruch raushaut, aber im Kern völlig harmlos ist.
Vor vielen Jahren hatten Sie überlegt, ihn sterben zu lassen…
Sterben lassen wollte ich ihn nie, aber ich wollte die Figur vorerst hinter mir lassen. Es ist wie in einem Pool: Wenn man zu lange schwimmt, bekommt man schrumpelige Finger, das Wasser wird kalt und alles riecht nur noch nach Chlor. Irgendwann will man einfach raus. Doch jetzt bin ich mit neuer Frische wieder in diesen Pool gesprungen – und ich habe es sehr genossen.
Warum haben Sie ihn vermisst?
Weil er perfekt in unsere heutige Zeit passt. Er hat das Bedrohlich-Extreme verloren und wirkt nun eher wie ein vertrauter Teddybär. Er hat uns allen gefehlt – wie ein alter Orientteppich, den man erst aussortiert, nur um ihn später wieder ins Zimmer zu legen, weil es ohne ihn einfach weniger gemütlich ist.
Wie war das erste Treffen mit ihm?
Ich hatte schlichtweg vergessen, wie unfassbar hässlich er eigentlich ist.
Wie aus Hape Kerkeling die Figur Horst Schlämmer wird
Haben Sie ein Ritual, wie Sie sich in diese Figur verwandeln? Erst die Zähne, zum Schluss der Kittel …
Es ist tatsächlich eine fast schon meditative Ankleide-Zeremonie, vergleichbar mit einem Bischof, der sein Ornat anlegt. Es beginnt mit der Hose und den Strümpfen. Der Kittel ist übrigens ein Designer-Mantel von Joop – auch wenn er an Horst eher wie klassische Arbeitskleidung wirkt. Ganz zum Schluss setze ich die Zähne ein, da sie recht unangenehm zu tragen sind. In diesem Moment setzt dann auch automatisch das typische Genuschel ein.
Ministerpräsident Söder hat eine Nebenrolle im Kinofilm und wird von Horst Schlämmer interviewt. Er entgegnet Herrn Söder, er sehe aus wie ein gesetzter älterer Herr. Wusste Markus Söder, was da mit ihm geschieht – gab es ein Drehbuch für ihn?
Nein, es gab keinerlei Skript. Wir haben ihm keinerlei inhaltliche Vorgaben gemacht, sondern einfach über Gott und die Welt geplaudert. Er hat sich voll und ganz auf die Situation eingelassen. Er kennt auch die finale Schnittfassung noch nicht und lässt sich nun vom Ergebnis überraschen. Ich glaube, Markus Söder besitzt deutlich mehr Humor, als man ihm gemeinhin zutraut.
Wo war Horst die letzten Jahre aufbewahrt – haben Sie in Ihrem Kölner Zuhause eine Ecke mit den Kostümen Ihrer großen Figuren?
Tatsächlich bewahre ich meine Figuren in einem antiken Schrank auf. Da hängt die Uschi direkt neben dem Horst. Der Schrank ist präpariert mit Mottenkugeln und riecht entsprechend streng nach Naphthalin. Als ich das Kostüm nach den Jahren hervorholte, musste es erst einmal gründlich gereinigt werden. Zudem musste der Mantel neu angefertigt werden. Da ich zwischenzeitlich mit dem Rauchen aufgehört habe, gab es eine leichte Gewichtszunahme, die eine Anpassung nötig machte.
Und Sie bleiben eisern?
Ich werde definitiv nicht wieder anfangen. Damit folge ich einer Familientradition: Mein Großvater und mein Vater haben beide in ihrem 50. Lebensjahr mit dem Rauchen aufgehört. Bei mir war es genauso – wie von Zauberhand war es einfach vorbei.
Zurück zu Ihrem Kleider-Fundus. Wo bewahren Sie das Pillbox-Hütchen von Königin Beatrix auf?
Das hat mittlerweile einen Ehrenplatz bei Radio Bremen erhalten.
Würden Sie Königin Beatrix auch gerne noch einmal spielen?
Mir ist es wichtig, dass die echte Königin der Niederlande in guter Erinnerung bleibt. Deshalb würde ich mich nicht noch einmal in dieses Kleid zwängen – zumal es mir heute garantiert nicht mehr passen würde.
Wenn Horst Schlämmer auch privat auftaucht
Ihr Mann hat auch am Film mitgewirkt. Es wurde also am privaten Frühstückstisch „geschlämmert“?
In der Vorbereitungsphase definitiv. Wir haben dann beide im Schlämmer-Duktus gesprochen, um die Pointen zu testen. Mein Mann beherrscht die Figur übrigens fast besser als ich – auch wenn er das leider nicht öffentlich vorführt.
Sie sind immer wie aus dem Ei gepellt. Sieht man Sie privat auch mal anders?
Ganz entspannt in Jogginghose, ja. Aber sollten Sie mich jemals im Schlämmer-Look antreffen, rufen Sie bitte umgehend die Polizei oder den Krankenwagen.
Horst Schlämmer sucht nach der Corona-Pandemie das Glück. Was macht für Sie Glück aus?
Oft sind es die Kleinigkeiten. Geselligkeit macht mich sehr glücklich; in einer inspirierenden Runde zu sitzen, empfinde ich als große Bereicherung. Solche Momente geben mir oft für Wochen „Wind unter den Flügeln“. Gemeinschaft zu teilen ist etwas zutiefst Schönes.
Mit der Komödie „Extrawurst“ hatten Sie dann dieses Jahr gleich zwei große Filme im Kino. Was kommt als nächstes: ein Buch?
Es war rückblickend betrachtet schon ein wenig wahnsinnig, zwei Filme in einem Jahr zu drehen. Das ist echte Knochenarbeit, und normalerweise reicht mir ein Projekt dieser Größenordnung völlig aus. Momentan ist daher Entschleunigung angesagt: Ideen sammeln und schauen, was die Zukunft bringt. Ich kann auch sehr gut einfach mal die Seele baumeln lassen.








